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Central-Verein-Zeitung · 1930-08-29 · 35 (29.8.1930) · p. Seite 458

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
35 (29.8.1930)
Date
1930-08-29
Page
Seite 458 (sequence 6)
Language
German
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45$ Richtern auch noch zu bedenken geben. Wir sind gelehrige Schüler, die es nicht vergessen werden, wie man mit derartigen Maßnahmen seine Feinde niederzwingen kann, welch harte Strafe man verhängen kann, und, auch das haben wir gelernt, wie man sie wissenschaftlich begründen kann! An all dies werden wir uns erinnern, wenn der Tag der Abrechnung, der Rache und der Vergeltung kommt, und er kommt wohl eher, als mancher es sich träumen läßt, (stürmischer Beifall.) Aus einer Versammlung der NSDAP., Freitag, 22. August, im Kriegervereinsharrfe. ... Es wird hier allerdings scheinbar mit einen: gewissen Recht der Vorwurf gegen uns erhoben, daß wir in Thüringen die Kopfsteuer eingesührt haben, die mit die ungerechteste Steuer ist. Wir erkennen das auch an, können aber nur darauf entgegnen, daß es sich in Thüringen für uns darum handelte, uns eine Machtposition zu verschaffen, von der aus einst Deutschland in den Endkampf eintreten wird. Wenn dann die Befreiung Deutschlands erfolgt ist, wird uns kein Thüringer den Vorwurf machen, daß wir ihm ja eigentlich auf eine nicht gerade schöne Weise drei Mark abgeknöpft haben. In der Politik darf man nun einmal nicht über Zwirnsfäden stolpern. Aus einer Versammlung der NSDAP., Sektion Schmargendorf, Dienstag, 18. August 1930, im Forsthaus, Schmargendorf. Und wir Nationalsozialisten haben gar kein Interesse daran, es zu einer Beruhigung kommen zu lassen. Das heutige System darf nicht zur Ordnung und Ruhe kommen. Dem hetzerischen Treiben der bisherigen Machthaber kann nur mit gleicher Münze gedient werden. Der Durchschnittsbürger wird ja wohl schlaflose Nächte haben, wenn er nur das Wort Revolution hört. Aber der, der ein gutes Gewissen hat, hat auch keine Furcht vor der Revolution. Wir Nationalsozialisten wollen nicht nur eine Revolution, die das bestehende System verschwinden läßt, wir wollen mehr, wir wollen bewußt eine Diktatur unter unserem großen Führer Adolf Hitler. Äerztliches Berufsleben nach ben Grundsätzen -er Partei Vor einigen Tagen wurde ins Vereinsregister des Amtsgerichts München der „Nationalsozialistische Deutsche Aerztebund" eingetragen. Dieser Bund wurde am 3. August 1929 in Nürnberg (vermutlich gelegentlich des dortigen Parteitages) in Anwesenheit von 42 Aerzten und zwei Aerztinnen. gegründet. Vorsitzender ist Sanitätsrat Dr. Ludwig Liebl in Ingolstadt (Herausgeber des dortigen „Donauboten"), Schriftführer Assistenzarzt Dr. Theo Lang in München, Beisitzer sind Dr. Stappert in Sterkrade und Dr. Klare, Besitzer der Lungenheilstätte in Scheidegg im Allgäu. Zu den Gründern gehören außerdem Dr. K a P p e l m e h e r in Nürnberg und Dr. S ch ö n e ck in Aachen. Aus der Satzung geht hervor, daß n u r ausgenommen werden kann, wer eingeschriebenes Mitglied der NSDAP, i st und die Approbation hat. Die Aufnahme erfolgt durch Beschluß der Vorstandschaft. Der Zweck des Bundes ist Zusammenschluß sämtlicher Aerzte, die Mitglieder der NSDAP, sind, um in den ärztlichen Starrdesvereinigurrgen und im Berufsleben nach den Grundsätzen der Partei zu handeln, in ständiger Fühlung mit der Parteileitung, und um das deutsche Heilwesen mit nationalsozialistischem Geist zu durchdringen. Dem dient die Schaffung von Arbeitsgemeinschaften zwecks Erziehung der Mitgliedschaft der NSDAP, zu volkshygienischem Denken und Handeln (Rassenhygiene, Rassenkunde, Eugenik usw.), die tätige Mitarbeit besonders im Sanitätsdienst bei der S. A., die Beeinflussung der Hochschulen, die gegenseitige Beratung und Hilfe in Berufs- und anderen Gelegenheiten und Unterbringung des nationalsozialistischen medizinischen Nachwuchses. Der Ausschluß aus der NSDAP, zieht selbstverständlich den Ausschluß aus dem Aerztebund nach sich. Austritt aus dem B u n d e b e d i n g t a u. ch den Austritt aus der NSDAP., das heißt also, daß der Aerztebund eine Zwangsinstitution der NSDAP, wird. So schamlos hat wohl noch selten eine Standesvereinigung den Cliguenversorgungsdrang bekannt. „Juden und polen haben keinen Zutritt" Maulhelden und Helden der Tat. A. H. In der deutschen Ostmark, in M e s e - ritz, laden die Nationalsozialisten zu Wahlversammlungen ein und versehen die Aufforderungen mit dem Vermerk „Iuden und Polen haben keinen Zutritt". Wahrscheinlich wollen die Nationalsozialisten die Meseritzer Juden und die deutschen Juden überhaupt als Feinde Deutschlands charakterisieren, als die sie die ihnen nachbarlichen Polen ansehen. Es ist von den Nationalsozialisten gerade in dieser Gegend und in solche m Zusammenhänge sehr unvorsichtig, die Juden diffamieren zu wollen. Denn als man von Nationalsozialisten in Deutschland noch sehr wenig wußte, spielten sich bereits einige für Deutschland außerordentlich wesentliche außenpolitische Ereignisse ab: nämlich die Volksabstimmungen in Oberschlesien und in Ost- und Westpreußen über die Frage, ob gewisse deutsche Landesteile an Polen fallen oder bei Deutschland bleiben sollten. Damals stellten sich mit so einmütiger Entschlossenheit die deutschen Juden in die Abstimmungskämpfe hinein, daß der Vorsitzende der Verbünde heimattreuer Oberschlesier, Landgerichtsrat E r n st, feststellen konnte: „Mehr als 99 v. H. der oberschlesischen Juden w i d e r s e tz e n s i ch d e m A n s ch l u ß an Polen, und es steht fest, daß wir die feste Unterstützung nach Aussage unserer Kreisgruppenvorstände gerade seitens der Juden erfahren haben, während andere Kreise, die sich sonst gern als national bezeichnen, sich ängstlich zurückhalten. Darum kann auf die Mitarbeit der Juden auf keinen Fall verzichtet werden." Die Juden haben damals unter teilweise sehr unerfreulichen, ja sogar gefährlichen Umständen ihren Willen zum Deutschtum durch d i e Tat bewiesen. Die Nationalsozialisten führen in den gefährdeten Grenzgebieten, wo es heute noch auf jeden deutschgefinnten Menschen ankommt, das große Wort. Da, wo es sich aber um Taten handelte, Haben sie versagt. So haben sie auf Südtirol, das dem Deutschtum zurückzufordern Schwierigkeiten bereitete, verzichtet und dafür von seiten des Andreas-Hofer-Bundes die Quittung empfangen müssen! Dieser Bund hat nämlich erklärt, daß „das Verhalten der Nationalsozialisten als eine unerhörte ProvokationallerTiroler und der Freunde Tirols" aufgefaßt werden muß. Wir können, gerade weil es sich um M e s e - r i tz handelt, noch eine weitere Erinnerung feiern. Bei den Stichwahlen zum Reichstag 1908,. als es. sich darum handelte, ob ein Pole, der judenfreundlich, oder ein Konservativer, der mindestens den Juden kühl gegenüberstand — es handelte sich um Graf Westarp —, gewühlt werden sollte, stellten sich die Juden um der deutschen Sache willen' entschlossen hinter Westarp. Er erklärte damals in einem Schreiben, er'wisse selbst, „daß die jüdischen S t i m m e n f ü r den Sieg der deutschen Sache ein e r w ü n s ch t e r Z u w a ch s, aller B o r - a u s s i ch t sogar absolut nötig sin d". Die Nationalsozialisten beschimpfen also mit dem Vermerk: „Juden und Polen ist der Eintritt verboten" nicht uns, sondern nur sich selbst! „Die" ttellnerhabenrotetzaare In der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" vom 24. August wendet sich Dr. Friedrick) Lange in einem Aufsatz „Wir Reichsdeutschen bitten ..gegen die Verallgemeinerungssucht, die das Verhältnis zwischen Oesterreichern und Reichsdeutschen trübt. Dr. Lange schreibt u. a.: „Werst, liebe Volksgenossen von Donau, Drau und Inn, uns nicht alle in einen Topf! ... Es gibt keinen Normaltyp des Oefterreichers (bei 6,5 Millionen) und ebensowenig einen Normaltyp des Reichsdeutschen (bei 65 Millionen). Wenn einem von euch ein Mann in Xdorf oder ein junges Mädchen in Ahausen etwas Schnippisches oder etwas Verletzendes sagt, so rügt es — aber ihr könnt doch bei ruhiger Ueberlegung selbst kaum sagen, daß danach die 65 Millionen Volksgenossen beurteilt werden dürfen! Ihr kennt doch die Geschichte von dem englischen Reisenden, der in: Kaffeehaus am Kärntnerring von einem Kellner mit roten Haaren bedient wurde und in England schrieb: ,Jn Oesterreich haben die Kellner rote Haare.. .< ... Falsche Verallgemeinerungen trüben unseren Brüdern und Schwestern in Oesterreich häufig den Blick für das im Reich Geleistete." Dieses Beispiel läßt sich ohne weiteres auch gegen die judenfeindlichen Verallgemeinerungsmethoden ausnutzen! Lin wichtiger Gerichirurieil für den Wahlkampf Der Vermerk „Juden und andere Verräter haben keinen Zutritt" ist unstatthaft Die NSDAP, in H e r n e hatte durch Flugblätter zu Versammlungen eingeladen und dabei den Satz gebraucht: „Juden und andere Verräter haben keinen Zutritt." Das Landgericht Bochum hat in den Akten 3 Q 72/29 den verantwortlichen Personen durch einstweilige Verfügung von: 28. September 1929 unter Strafandrohung derartige Versammlungseinladungen untersagt. Gleichzeitig wurde von jüdischen Gemeindemitgliedern in Herne auf Veranlassung des Centralvereins Strafantrag wegen Beleidigung gestellt. Die Täter wurden vom Schöffengericht in Recklinghausen am 19. Mai 1930 in den Akten 5 J 1979/29 zu Geldstrafen verurteilt. Das Gericht hat von Freiheitsstrafen lediglich abgesehen, weil die Angeklagten noch nicht einschlägig vorbestraft waren. Die Berufung der Angeklagten wurde jetzt ebenfalls verworfen. Eine Lüge, die nicht ausstirbt Für Freitag, den 22. August, lud ein Plakat der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei zu einem Vortrag von Julius Streicher mit dem Thema „Volkszerstörer Alljuda" ein. Tie besondere Aufmerksamkeit verdient das Zitat von einem angeblichen Juden Landau, der erklärt habe, daß die Juden auf der Straße totgeschlagen würden, wenn man wüßte, was sie während des Krieges getan Hütten. Dieses Zitat beweist die Fälschungstaktik der Nationalsozialistischen Partei. Wie authentisch nachgewiesen wurde, tauchte diese Fälschung im Anschluß an einen Ausspruch des unabhängigen Sozialisten Leo Bernstein auf. Bernstein sagte in einer Berliner Versammlung aus, daß er durch Zufall antisemitisches Agitationsmaterial während der Novemberrevolution zu Gesicht bekommen hätte, dessen Veröffentlichung verhindert worden sei. Wäre dieses Material veröffentlicht worden, so wäre es Bernsteins Ansicht nach zu Pogromen gekommen. Es steht also erstens fest, daß die Nationalsozialisten aus Bernstein einen Juden namens Landau gemacht haben. Es steht zweitens fest, daß die Nationalsozialisten antisemitisches Agitationsmaterial gemäß ihrem Zitat in ein jüdisches Selbstbekenntnis umgefälscht haben. Diese lügenhafte Methode wollten wir zur Kenntnis bringen.

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