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Central-Verein-Zeitung · 1930-08-29 · 35 (29.8.1930) · p. Seite 457

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
35 (29.8.1930)
Date
1930-08-29
Page
Seite 457 (sequence 5)
Language
German
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Der W hat begonnen! Kod), Rübe, Münchmeper usw. So soU ihre Reichstagsfraktion ausfehen l Der „Völkische Beobachter" gibt in seiner Ausgabe vom 24. bis 26. August 1930 unter der pompösen Überschrift: „Die Reichstagskandidaten des kommenden Deutschlands" die nationalsozialistischen Kandidatenlisten verschiedener Wahlkreise bekannt. So führt in Ostpreußen der wiederholt vorbestrafte Gauleiter Erich Koch die Liste, ein früherer Eisenbahnbeamter, der am 30. August 1928 von der Reichsbahndirektion Elberfeld wegen unerlaubter Dieusteutfernung, fortgesetzten Ungehorsams und schwerster Beleidigung und Herabwürdigung eines Amtsvorstandes entlassen wurde. Für den Wahlkreis Frankfurt a. d. O. kandidiert der preußische Landtagsabgeordnete Kube. Er hat eine bewegte politische Laufbahn hinter sich. Während des Krieges war er bei den De-utschkonserv at i v e n, dann bei den Deuts chnation a l e n, den D e u t s ch v ö l k i s ch e n, der Nationalsozialistischen F reihe i t s b e w e g u n g, der D e u t s ch s o z i a - len Partei Knüppel-Kunzes und den V ö l k i sch so z i a l e n. Obwohl Hitler selbst in „Mein Kampf" auf Seite 68 erklärt, daß ein Führer, der die Plattform seiner allgemeinen Weltanschauung verläßt, aus Anstandsgründen „der öffentlichen Ausübung einer weiteren politischen Tätigkeit entsagen müßte", spielt Kube seit etwa zwei Jahren in der NSDAP, eine führende Nolle. Dabei hat er kurz vor seinem lieber tritt zur Partei einen erbitterten Kamps gegen die Nationalsozialisten geführt. Die Plakate seiner Versammlungen trugen damals den Vermerk: „Juden und Nationalsozialisten ist der Zutritt verboten." Auch hat sich Kube in einem Brief an den Berliner Polizeipräsidenten vom 13. September 1926 über das nationalsozialistische Rowdytum beschwert. Für Berlin und Potsdam II führen Goebbels und G o e h r i n g die Liste, dann folgen Dr. Loepelmann und Dr. F a b r i c i u s, zweiVeamte, die wegen ihrer h emmungslosen nationalsozialistischen Agitation den Dienst quittieren m u ß t e n. Im Wahlkreis Halle-Merseburg folgt an zweiter Stelle auf den Abgeordneten S t ö h r der Gauleiter H i n k >l e r. Dieser wurde wegen geistiger Unzurechnung s f ü h i g k e i t a u s dem Staatsdienst entlassen. Kreise seiner eigenen Partei haben gegen ihn in Frey bürg a. d. Unstrut ein Flugblatt verbreitet. Darin wird Hinkler vorgeworsen, daß er zwar anderen den Grundsatz „Gemeinnutz geht vor Eigennutz" predige, selbst aber nicht danach ha n d l e. In Hessen-Darm st adt endlich steht Herr M ü n ch m eher an der Spitze, er läßt sich auch im „Völkischen Beobachter" wieder zu Unrecht als Pfarrer bezeichnen, obwohl das evangelisch-lutherische Lande s k i r ch e n a m t, wie erinnerlich, im Februar 1929 feststellte, daß er kein Recht zur Führung dieses Titels mehr habe. Das Schöffengericht Emden stellte über Münchmeyer fest: 1. Er habe sich wiederholt au Frauen herarrgemacht und „müsse es sich gefalle» lagen, das; er als falscher Priester bezeichnet werde". 2. Er habe sich wider besseres Wissen als Arzt und Jurist ausgegeben, obwohl er nie Jura oder Medizin studiert habe. „Das sei eines Geistlichen durchaus unwürdig." 3. Er habe verwerflichen Terror gegen seine eigenen Pfarrkinder ausgeübt. 4. Er habe unter der lächerlichen Ausrede, eine Narbe am Körper eines Mädchens kontrollieren zu wollen, unsittliche Berührungen vorgenommen. 5. Er sei „nach Art alter Klatsästveiber" herumgegangen, um eine einwandfreie deutsche Familie zu verleumden. Münchmeyer ist infolge seiner hetzerischen und verleumderischen Agitation — wie auch in diesen Blättern gemeldet wurde — wiederholt vorbestrast. Bezeichnend ist übrigens, daß die „Arbeiterpartei" in keinem Wahlkreis einen Arbeiter als Spitzenkandidaten aufgestellt hat. In Baden kandidiert überhaupt kein Arbeiter, ebensowenig in den Wahlkreisen Hall e-M erseburg, Franks u r t - O d e r und L i e g n i tz. In den übrigen Wahlkreisen sind Arbeiterkandidaten fast durchweg erst an aussichtslosen Stellen der Liste (5. und 6. Platz) zu finden. Sonneberg bringt es an -en Tag Nötigung als Mittel zur Schaltung -er partelüisziplln Die nationalsozialistische Theorie sieht den Hauptgrund für die Berechtigung der nationalsozialistischen Herrschaft in dem Umstand, daß bei den Nationalsozialisten das „germanisch e" Führerprinzip, bei allen anderen Gruppen das „j ü d i s ch - r ö m s ch e" herrsche. Wie dieses germanische Führerprinzip wirklich aussieht, dafür sollen Dokumente sprechen. In Sonneberg zu Thüringen hat sich die NSDAP, zu Beginn dieses Jahres u.m einen jungen katholischen Arbeiter Muhr als Mitglied gerissen. Erst am 1. Februar wurde er vorläufiges Parteimitglied und auf die Stadtratsliste gesetzt. Vorher veranlaßte mau ihm den unerfahrenen Arbeiter, ein Blanko- Akzept zu unterschreiben, ein Akt, über dessen Bedeutung er sich vollkommen im unklaren war. Bald erhielt er eine sehr gründliche Belehrung. Ineinem offiziellen Brief der NSDAP, wurde ihm mitgeteilt, -atz man den Wechsel dazu benutzen würde, wenn er aus der Partei austrete und nicht gleichzeitig das Stadtratsamt uiederlegte, oder wenn er einer Aufforderung der Partei, das Mandat niederzulegen, nicht Folge leiste. Dazu heißt es wörtlich: „Die Höhe der Wechselsumme bestimmt der Ortsgruppenführer." Herrn Mühr m achte diese Wechselangelegenheit sehr viel Kopfschmerzen; sie weckte in ihm wohl auch den Zweifel an den viel gerührnten Grundsätzen dieser neuen Partei, und so trat er am 16. August aus der NSDAP, aus. Am gleichen Tage erhielt er von der Geschäftsstelle der NSDAP, in Sonneberg ein Aufforderungsschreiben, das Mandat niederzulegen, wobei auf die Wechsel- Unterschrift hingewieseu wurde. Herr Mühr war der Auffassung, daß ein Stadtrat nur seinem Gewissen verantwortlich sei und daß er seinen Rat und seine Stimme nur für das Wohl der ganzen Stadt und nicht für das seiner Partei einzusetzen hätte. Er weigerte sich, .der Aufforderung Folge zu leisten. Daraufhin erhielt er am 18. August ein weiteres Schreiben, in dein ihm mitgeteilt wurde, daß sich der Wechsel nicht mehr in Be r w a h r u n g de s O r t s g r u p P en - s ü h r e r s befinde, d. h. also, man versucht, den Arbeiter wirtschaftlich zu vernichten. Jedes Wort der Erläuterung zu diesem Vorgang ist überflüssig. /lus nationalfozialististhen Wahkeöen Versammlung der NSDAP., Gau Berlin, am Freitag, 15. August 1930, im großen Saal der „Neuen Welt", Neukölln. ... Gibt es denn heute noch einen aufrechten Deutschen, der, wie der Müller von Sanssouci, an die Unabhängigkeit der Gerichte glaubt, nachdem man die Iustiz zur Dirne der Politik herabgezogen und gestempelt hat? Mögen sie uns heute zu Strafen verur> teilen, wie sie wollen, eine derartige Strafe schändet heute nicht mehr, sie ist eher ein Ehrenkleid. Und das möchte ich diesen Herren Richtern noch sagen. Mögen sie ruhig acht Monate Gefängnis verhängen, wer glaubt d e n n noch, daß sie a b g e s e s s e n werden! Aber eins möchte ich den Herren Bis zu 31. Ingas! liegen in allen Stimmbezirken die Wählerlisten aus. Ifeberzeugt euch, ob eure Namen und die eurer Angehörigen in den Listen stehen I Sorgt auch dafür, dass Familienmitglieder, die sich aus beruflichen Gründen oder zurErholung fern von der Heimat aufhalten, rechtzeitig Wahlscheine erhalten. Wer nicht in den Listen steht, verliert sein Wahlrecht! Am 14. September darf keine Stimme durch Nachlässigkeit verloren gehenI kommt es auf die Stimme jedes einzelnen deutschen luden an! geht es um die Erhaltung unseres deutschen Vaterlandes! HidisfeEile IhI nat! 3863

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