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Central-Verein-Zeitung · 1930-08-22 · 34 (22.8.1930) · p. Seite 448

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
34 (22.8.1930)
Date
1930-08-22
Page
Seite 448 (sequence 8)
Language
German
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Sviedrich M«M< über m selbst. Die „Badische Presse" in Karlsruhe hat eine Festschrift „Badener Heimattag 1930" herausgegeben. Ln der hervorragende Söhne des Landes über ihre Spezialgebiete schreiben. So berichtet auch Friedrich Mückle über seine Arbeiten, und gibt in einem Aussatz „Friedrich Mückle über sich selbst". Rechenschast über' sein wissenschaftliches Schaffen. Mückle hat ein berühmt gewordenes Werk verfaßt, das dem Andenken Karl Lamprechts, seines Lehrers, gewidmet ist: „Der Geist der jüdischen Kultur und das Abendland" (Rikola-Berlag, Wien, 1923). Hier interessiert es uns besonders, wie Mückle zu diesem großangelegten und hochbedeutsamen Werk gekommen ist, in dem er sich mit einer Innigkeit ohne gleichen in die kulturellen Werte und Faktoren des Alten Testaments versenkt hat. Er selbst schreibt darüber: .. Ich habe Nietzsche („Friedrich Nietzsche und der Zusammenbruch der Kultur"), indem ich erbarmungslos die Finsternisse seinerjäh dahin^treibenden Seele enthüllte, unendlich viel zu verdanken: er hat mir gezeigt, wie man nicht leben soll. Und von Nietzsche aus, dem zerbrochenen, fand ich, wobei der Genius der christlichen Kultur mir -das Geleite gab, Zugang zu jener erhabenen Gestalt, die gerade auch vor Nietzsche aufragte als ein herrliches Standbild: zu Goethe, dem Unbekannten, zu Goethe, dem Frommen und Philosophen, dem es gelungen, sich in einer Zeit der Wirrung auf einen geweihten Boden t zu retten und sich hier in der Form eines Werkes sondergleichen zu rechtfertigen; eines Werkes, das den Odem empfing durch die Verehrung des Ewigen als des in sich ruhenden, beseligenden Vollendeten, dessen Hoheit in das Leben einzubilden als Aufgabe des Menschen gilt. Goethe und, fortwandelnd aus seinen Spuren, Parazetsus, dem tiefsinnigen Böhme, dann Hamar verdanke ich die Idee einer das Leben in seiner Fülle meisternden, von der Kraft des Ewigen erhellten Philosophie, und die Grundlage einer solchen, vorerst dem geschichtlichen Leben sich Zuwendenden Philosophie habe ich — in mancher Hinsicht noch tastend — zu legen gesucht in dem Werk über den Geist der jüdischen Kultur und das Abendland. Daß es mich mächtig hinzog zur antiken jüdischen Kultur, liegt in der vorausgehenden Entwicklung meines Wahnes beschlossen. Beherrscht von dem Willen, mich in dieser alles Hohe lästernden Zeit nicht zerdrücken zu lassen, und im Bewußtsein, daß der Mensch in die Wüste gerät, wenn er sich nicht ehrfurchtsvoll der Gottheit hingibt, haben mich die mächtigen Gestalten der jüdischen Propheten mit ihrem Lobpreis des Ungeheuren, das sich in der Gottheit darstellt, ihren durch nichts zu erschütternden Heroismus, ihren leidenschaftlichen Drang nach einer ruhmvollen, gotterfüllten Lebensordnung, ihrem Siegesjubel inmitten grauenvoller Finsternisse: diese Propheten haben mich im Tiefsten bewegt. So ist das Werk über den Geist der jüdischen Kultur ein Gelöbnis: nämlich inmitten des Elends dieser Zeit den Kamps um den Durchbruch des Hohen zu kämpfen, komme, was da wolle . . *" F. G—z. Neue Sucher. Hans Ostwald: „Das Liebermann- Buch" (Paul Franke Verlag, Berlin). Hans Ostwald hat schon im Zille-Buch eine ebenso neuartige wie reizende Art gehabt, eine Künstlerpersönlichkeit zu fassen. Sie erinnert etwas an die Art, wie Nodin seine Plastiken begann. Der zeichnete aus dem Kopf kleine Augenblicksskizzen aus das Papier, jede für sich, und mit jeder rückte er einen Zentimeter weiter, bis er endlich den Kopf von allen Seiten rundherum in jeder Bewegung der Oberfläche und jeder Charakteristik auswendig konnte. Aus dieser Summe von Augenblicksbildern entstand dann die ganze Essenz der Persönlichkeit, die er für seine Porträtbüste brauchte, die in jeder Sicht standhalten mußte als Abbild eben dieses Menschen von Bedeutung (und gleichgültige Menschen kamen einem Nodin nicht vor das Modellierholz). Und so ist die Art von Ostwald. Scheinbar geht er ganz ohne Disposition vor, verzichtet aus zusammenhängende Biographie, aus künstlerische Würdigung, gibt nur kleine Lebenszüge, Fakten und Anekdoten, Anekdoten, Anekdoten. Er urteilt nie. Gedankliches, Beschreibendes reizt ihn nicht. Man hat das Gefühl, ein Kind könnte die Dinge so nacherzählen. Aber nun kommt das Merkwürdige: aus diesen hundert und aber hundert Einzelzügen baut sich die Persönlichkeit auf, viel schärfer und deutlicher, wie wir sie aus irgendeiner seiner — Liebermanns — Zahlreichen Biographien kennen. Und die 270 Illustrationen, die scheinbar ebenso wahllos und doch mit feinstem Takt dem Text eingefügt sind, machen erst dieses Bild von Liebermann ganz und gar plastisch, zeigen und vertiefen den Eindruck einer geradezu unerhörten Zielstrebigkeit und Unbeirrbarkeit einer Persönlichkeit, die immer wieder Dinge in sich aufnahm, in sich verarbeitete, ohne daß je die Magnetnadel seines Lebens dadurch abgelenkt werden konnte. Arbeiten, die bald zwei Menschenalter auseinander liegen, sind der Ausdruck der gleichen künstlerischen Persönlichkeit, deren Hauptmerkmale Streben nach Größe, Ernst, absolute Einfachheit — ja Vereinfachung — sind, verbunden mit einer starknervösen Empfindsamkeit, der alles Sein niemals vibrierend und lebend genug sein kann. Und das ist auch der Eindruck, den man aus dem klugen Erlebnis- und Anekdotenmosaik Ostwalds hier von der Gestatt des Meisters bekommt. Mit Kleinigkeiten gibt er sich von jeher nicht ab. Er liebt, alles in großer Linie zu sehen. Den Dingen auf den Grund zugehen, und das Essentielle über sie in Erfahrung zu bringen. Genau wie er in seiner Kunst macht. Die Zahl der menschlichen Typen — wie zum Beispiel Zille — hat er nicht bereichert, nur der kluge, tätige, großzügige, organisierende, ältere Mann ist nie tiefer erfaßt worden, und nie poseloser gesehen worden als in seinen Bildnissen — aber er hat über den Menschen, den Landarbeiter, das Kind Neues gesagt. Er hat keine Ansichten, keine Bauten von Holland gemalt. Er hat Holland gemalt. Er liebt nicht lange Diskussionen. Er liebt den Aphorismus und die Antithese. Ein prachtvolles Buch, nicht nur Liebermanns wegen, sondern wegen der unerhörten Unmittelbarkeit, mit der hier die größte Künstlerpersönlichkeit des heutigen Deutschlands zu uns spricht. Es liest sich so leicht herunter, daß es ein Kind lesen kann, und doch wäre es falsch, es etwa als leichte Ware zu nehmen. Jeder wird es reicher an Erkenntnissen über das Wesen, das ureigenste Wesen der Kunst aus der Hand legen. Georg Hermann. Hermine Hanel: „Die Geschichte meiner Jngend." Verlag Koehler und Ameluttg, Leipzig. Die Lebenserinnerungen der Malerin und Schriftstellerin Hermine Hanel sind dank ihrer unbedingten Wahrheitsliebe und fesselnden Lebendigkeit den Memoiren bedeutenderer Frauen an die Seite zu stellen. Sie enthalten Ausschnitte aus dem Kunst- und Künstlerleben Wiens und Münchens und geben Aufschluß über die Zustände im Oesterreich der Vorkriegszeit, u. a. auch über die gesellschaftliche Stellung der Prager Deutschen und Juden. Kind eines katholischen Vaters und einer jüdischen Mutter, die bald nach ihrer Geburt verschied, wächst Hermine „konfessionslos" bei den Eltern der Verstorbenen aus. Dort werden, obgleich man sich äußerlich zum Judentum bekennt — immerhin wird der Gottesdienst am Versöhnungstag besucht —, wie es während der achtziger Jahre auch bei uns in gewissen Assimilantenkreisen üblich war, eigentlich nur die christlichen Feste gefeiert. So erfaßt und bewundert sie zwar dankbar jüdisches Familienleben und jüdischen Familiensinn, nicht aber den Glauben, und wird als reifer Mensch infolge einer gewissen Neigung zum Mystischen katholisch, Zumal ihr auch der Protestantismus, für den man sie Zu gewinnen sucht, nicht Zusagt. Trotzdem aber bezeichnet sie sich selbst immer wieder als Heidin, welcher der Pantheismus mehr bedeutet als starre dogmatische Formen. Nach einer an großen Reisen und interessanten menschlichen und künstlerischen Erleben reichen Kampf- und Lehrzeit, in der sie vielen teilweise allgemein bekannten Persönlichkeiten aus „allen Das Recht auf einen sorgenfreien Lebensabend haben Sie wie jeder andere — aber dieses Recht baut sich auf aus der Pflicht, beizeiten Vorsorge zu treffen. Die beste Sicherung für die Zukunft ist der Abschluss einer Lebensversicherung. Schreiben Sie heute noch an die Vereinigte Berlinische und Preussische Lebens-Versicherungs-Aktien-Gesellschaft BERLIN SW 68 Markgrafenstrasse 11. Selmar Kaufmann, G.m.b.H. Fleischerei, Konservenu. Wurstfabrik Unter Aufsicht der Gemeinde Adass-Jisroel Berlin C54, Gipssfrasse 11, Telephon: Sam.-Nr. Dl Nord.2333 Berlin NW 23, Flensburger Strasse 20, Telephon: Moabit 7553 Berlin W15, Kurfürsfendantm 211 (Eing.Ulilandstr.). ta: sam.-Nr.jiBi5m.3e40 Anerkannt das Beste vom Besten. 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