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Central-Verein-Zeitung · 1930-08-15 · 33 (15.8.1930) · p. Seite 436

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
33 (15.8.1930)
Date
1930-08-15
Page
Seite 436 (sequence 8)
Language
German
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O3H Wahlpugblätter dürfen keinen Boykott enthalten! Eine wichtige Gerichtsentscheidung Die Ortsgruppe Altena der NSDAP. Hatte Flugblätter mit der Einladung zu ihrer , ersten öffentlichen Wahlversammlung verbreitet, ,an deren Schluß die Aufforderung: „Deutsche (kauft nicht bei Juden!" stand. Auf Antrag einer ^jüdischen Firma hat das Landgericht in Hage n mm 4. Augilst 1930 in beu Akten 2 Q 44/30 fowohl der NSDAP, wie dem Drucker des F l u gvb lattes u ntersa g t, Flugblätter robev fonftigc Druckschriften zu ' D r n ck e n u n d z u v e r b r e i t e n, i n d e n e n Z u m Boykott j üdische r Geschäfte i n 9t l t e n a aufgefordert wird. Das Gericht betrachtet in seiner Entscheidung die vorbezeichnete Aufforderung als unzulässig. Wegen der seht im Wahlkampf besonders naheliegenden Gefahr der Wiederholung war daher die einstweilige Verfügung gerechtfertigt. H. L. Landesverbandstagung Pommern-Grenzmark des L.v. Die diesjährige Landesverbandstagung des Lanbdesverbandcs Pommern-Grenzmnrk, die am 9. und l19. August in Stettin stattfand, war gut besucht, ba die überraschende Entwicklung der politischen -Lage, die sich durch die Auslösung des Reichstags ergeben hat, das Bedürfnis nach neuer Information notwendig machte. Am Sonnabend, 9. August, fand vor geladenen Gästen eine Vorbesprechung statt, in der Direktor Dr. Ludwig Holländer (Berlin) vertrauliche Mitteilungen politischer Art gab. Tie eigentliche Landesverbandstagung am Sonntag, 10. August, wurde mit einer Ansprache von Rechtsanwalt Dr. M a r c u s e (Stettin) eröffnet, der die politische Entwicklung der letzten Monate in kurzen Strichen keirnzeichnete und die Stellungnahme des Eentralvereins zu den Veränderungen innerhalb des Parteilebens darlegte. Seine Ausführungen wurden durch das darauffolgende Referat von Direktor Dr. Ludwig Holländer über das Thema „Politische Parteien — Reichstagswahlen — Nationalsozialismus" in wirkungsvoller Weise ergänzt. Dr. Holländer behandelte in eingehender Weise die Einstellung sowohl der politischen Parteien als auch ihrer einzelnen Führer zu denjenigen Fragen der deutschen Politik, die den deutschen Juden besonders am Herzen liegen. Naturgemäß verbreitete sich der Vortragende am eingehendsten über die Probleme, die infolge der Bildung der Deutschen Staatspartei und des Ausgebens der alten Deutschen demokratischen Partei in ihr für die Stellungnahme derjenigen deutschen Juden entstanden sind, die bisher der Deutschen demokratischen Partei angehörten. Er verstand es. alle Einzelfragen, die er in reicher Frille vor der Versammlung ansbreitete, in den großen Zusammenhang der innerstaatlichen Entwicklung zu stellen und die Notwendigkeit auszuweisen, ohne einseitige Festlegung des C. V., je nach der politischen Ueberzeugung jedes einzelnen, alle staatserhaltenden politischen Gruppen Zu unterstützen, die den Nationalsozialismus bekämpfen. Am Nachmittag gab Dr. Marc u s e (Stettin) den Geschäftsbericht, der Schatzmeister des Landesverbandes, Max Eisenstein (Stettin) den Finanzbericht. Es wurde eine Reihe von Beschlüssen Zur praktischen Wahlarbeit angenommen und pro Mitglied des Landesverbandes ein Wahlsonderbeitrag von 10 Mark festgesetzt. m. MM» M Hm ßvtMW Ein neues Buch von S. Mnller (Heidelberg) Die Kraft des Judentums liegt in seiner Gottverbundenheit, die in seiner Religion und in seiner Geschichte begründet ist. Die jüdische Lehre ist Gotteserkenntnis, ist jüdisches Menschentum, fortschreitende sittliche Entwicklung der Menschheit. Die jüdische Geschichte seit der Zerstörung des zweiten Tempels ist eine Kette duldender jüdischer Geschlechter, die, gottverbunden, das Schwerste ertrugen und sich den Nachkommen verantwortlich fühlten für die Erhaltung und unversehrte Weitergabe des Vüterglaubens. Die Lebensformen des einzelnen und.der Gemeinschaft, durch die die jüdische Religion alles Dun und Lassen bis ins kleinste regelt, waren ihnen heilig. Die buchstäbliche Erfüllung der religiösen Vorschriften und Verordnungen bedeuten an sich noch nicht Religion. Propheten und Psalmen haben gelehrt, daß Bräuche und Glaubensformeln nicht Selbstzweck sind; sie sind bedeutungsvolle Mittel zum sittlichen Zweck, Gotteserkenntnis und Menschenliebe zum Dienst am Leben zu machen. Ein wesentliches Erfordernis zur Erfüllung dieser erzieherischen Ausgabe ist die Kenntnis vom Wesen und von der Bedeutung der Bräuche. Je gründlicher diese Kenntnis, desto sicherer ihre Betätigung und Anwendung in der Lebensführung. Dem Juden der Gegenwart ist der Sinn für die religiösen Formen vielfach fremd geworden. Eine Leere hat sich ausgetan in seiner Seele, in der Familie wie im Gotteshaus. Dem aufmerksamen Zeitbeobachter wird es aber nicht entgangen sein, daß man allenthalben wieder den „Zugang zu dem Großen, dem Geheimnisvollen" ersehnt; man sucht nach der Lebenssynthese zwischen Tradition und Moderne. Diesem Verlangen kommt das soeben erschienene Buch: „Von jüdischen Bräuchen und jüdischem Gottesdienst"^) in dankenswerter Meise entgegen. Es reiht sich dem vortrefflichen „Buch für unsere Mütter" desselben Verfassers, das ich seinerzeit an dieser Stelle besprochen habe, sowie feinen übrigen Schriften würdig zur Seite. Stofflich bringt das Buch kaum Neues. Was neu in feiner Art ist, und ihm das allgemeine Interesse weitester Kreise sichern wird, ist feine Kürze und Klarheit, seine Sachlichkeit und Wärme. Auf 86 Seiten wird mit geschärftem Blick für das - Wesentliche eine Allslese von Ritualien und der Liturgie so dargestellt, daß es auch der Laie mit hohem Interesse lesen und verstehen wird. Ter moderne Jude wird manchmal erstaunt sein, welche Heimat geistigen, sittlichen imb sozialen Lebens unsere religiösen Bräuche und gottesdienstlichen Einrichtungen sind, und man wird sich seelisch Gott verbunden fühlen. Tie sinnvollen Deutungen sind jeweils mit Hinweisen aus die bezüglichen Schriststellen in der Bibel und im Talmud versehen, so daß man leicht die Quellen heranziehen kann. Eine angenehme Zugabe ist das Register im Anhang. Da der Weg der Zukunft durch die Schule geht, wird das Buch vor allem der Schuljugend aller Grade zu dienen haben und dort sicher sehr nützlich sein. Es wird aber nicht weniger aufschlußreich und anregend für das jüdische Haus sein. Hier kann es eine große Mission erfüllen. Es entspricht dem veränderten Bedürfnis der Geister, ohne den geschichtlichen Boden der Religion zu verlassen. Die Abhandlungen über Wiesusa, Misrach, Tesitla, Berit Mila, Bar Mizwa, Chuppa, Abelut (Trauer), Jahr- Zeit, Freitagabend, Seder, Rauschhaschono, Jom Kippur, Chanukka und Purim werden sicherlich ganz besonderem Interesse begegnen. Ter bescheidene Preis von 2 Mark wird ein übriges tun das Buch Zum erwünschten Hausfreund werden Zu lassen, namentlich für die Frauen, denen in praxi doch die größte Verantwortung für die jüdische Gestaltung des Heims zufällt. Der Verlag weist in seiner Ankündigung des Buches neben zahlreichen anerkennenden Gutachten jüdischer Männer und Frauen aller Parteien und Richtungen sowie verschiedensten Alters auch auf Urteile von „-namhafter christlicher Seite" hin, die dem Buche „eine nutzbringende Ausgabe für die richtige Würdigung jüdischer Religiosität" zuerkennen. „Durch sachgemäßen Einblick werden bei voller Wahrung des eigenen Glaubens manche Berührungspunkte der Konfessionen gefunden und Gefühle gegenseitiger Achtung und menschlicher Gemeinschaft geweckt werden." Der bekannte Universitätsprofessor Dr. Franz Keller in Freiburg i. Br. schreibt: „Es war mir eine große Freude, diese knappen, inhaltsschweren Darlegungen einer heiligen Tradition lesen 311 dürfen. Das Buch ist berufen, mit beizutragen zum Abbau alter Vorurteile imb Zur Wertschätzung einer vorbildlichen Gottverbnndenheit." Frau Bertha Geismar. *) S. M ü l t er, „Bon jüdischen Bräuchen und jüdischem Gottesdienst". VIII und 88 Seiten. Preis 2 Mark. Karlsruhe 1930. Verlag Boltze. Der Gedanke an die Zukunft Ihrer Kinder wird Sie oft nicht ohne Besorgnis lassen. Sorgen Sie rechtzeitig für die Sicherstellung (Aussteuer, Berufsvorbildung) durch Abschluss einer Kinderversicherung bei unserer seit fast 100 Jahren bestehenden Gesellschaft! Vereinigte Berlinische und Preussische Lebens Versicherungs- Aktien-Gesellschaft gegründet 1836 BERLIN SW6S Markgrafenstrasse 11. f—-—;.....% BERNHARD BAUCH PELZMODEN MÜNCHEN KAUFINGERSTR. 25 SCHÄFFLERSTR. 3 BRIENNERSTR. 8 TELEPHON 91540/41 S.. ., ... / , Bitte nehmen Sie in allen Korrespondenzen mit den Inserenten unserer Wochenschrift auf die Anzeige, in der „C.V.-Zeitung” Bezug. - Das liegt auch in Ihrem Interesse. 92 911170374180887291849

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