Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 33 (15.8.1930)
- Date
- 1930-08-15
- Page
- Seite 435 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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4355 h i I nach dem Lesen nicht beiseite za legen, sondern in die Hände christlicher Freunde weitergelangen zu lassen. Das hat mehr Wert, als sie am Schluss des Jahres einbinden zu lassen. Wird in diesem Sinne Aufklärungsarbeit getrieben, dann Hann auch der Tag nicht mehr allzufern sein, wo der wirkliche Christ einsehen muss, dass sein Neutralsein sich nicht mit wahrem Christentum vereinbaren lässt. A. Kor f gen. Der Geburtenrückgang An die Schriftleitung der „C. V.-Zeiiun g\ In Nr. 27 der „C. V.- Zeitung * vom 4. Juli d. J. ist ein auf der Dresdener FIygiene-Ausstellung ausgehängles Tableau wiedergegeben, das die Geburtenziffern nach konfessionellen Gruppen darstellt. Die Verhältniszahlen ergeben daraus für 1912, also aus der letzten Vorkriegszeit, für Protestanten 2,9, für Katholiken 4,7, für Juden 2,2! Der Sinn dieser Wiedergabe, so ist es doch wohl zu verstehen, soll ein Menetekel sein, ein JVarnruf: „Seht, die jüdischen Ziffern sind die niedrigsten Aber die Darstellung, so wie sie hier gegeben ist, führt leicht zu irrigen Schlüssen. Die Zahlen der jüdischen Statistik ohne weiteres der Gesamtheit des Volkes gegenüberzustellen, wird immer ein unrichtiges Bild ergeben, gleichviel, ob es sich um GeburtenSterbe- oder Eheschliessungsziffern handelt oder ob es Ziffern sind, die die Kriegsteilnahme oder Kriegsverluste betreffen. Gerade mit den letzteren ist sehr falsch operiert worden. Man muss stets berücksichtigen, dass der Jude Städter ist. Man konn daher die Zahlen der jüdischen Statistik nur allein i\il den Zahlen der städtischen Bevölkerung vergleichen. Nur wenn man der jüdischen Bevölkerung die etwa gleichen städtischen G esellschafis- oder Berufs k lassen entgegenstellt, Hann man zu brauchbaren Vergleiehszahlen kommen. Anders werden die Vergleiche stets zum Nachteil der jüdischen Gesamtheit ausfallen. Jene Zahlen aber aus der christlichen Bevölkerung herauszuheben, stösst auf grosse Schwierigkeiten, ja, ist in den meisten Fällen unmöglich, weil eben die betreffenden statistischen Erhebungen fehlen. Es ist deshalb ausserordentlich schwer, das muss man immer wieder berücksichtigen, die jüdische Statistik mit der der Umwelt richtig zu vergleichen. Wie sehr sich die eingangs genannten Zahlen verschieben körmen, wenn sie unter anderem Gesichtspunkt betrachtet Werden, ergibt folgende Darstellung: In Berlin entfielen 1926127, also einer Zeit, die uns wesentlich näher liegt als die der obengenannten Zahlen, auf 100 in den fünf Vorjahren geschlossene Ehen Geburten: bei Protestanten 18, bei Katholiken 30, bei Juden 24. Hier überwiegen die jüdischen Geburten also beträchtlich die protestantischen. Auffällig ist es, dass die konfessionslosen Ehen ausser gewöhnlich hohe Geburtenziffern aufweisen, nämlich 30. A?un Hann man sicherlich nicht annehmen, dass* sich bei diesen Leuten der reiche Kindersegen eingestellt hat, weil sie aufs Amt gegangen sind und sich für konfessionslos erklärt haben. Man muss sich fragen, Wer sind diese konfessionslosen Leute? Es sind fast auschliesslich die sozialistischen und kommunistischen Arbeitermassen. Bei diesen, das ergibt sich aus dem ganzen Milieu und den sozialen Verhältnissen, sind die Geburtenziffern höhere als bei anderen Gesellschaftsklassen. Sehr eigenartig ist es anderseits wieder, dass die Mischehen bei allen Konfessionen niedrige Geburtenziffern ergeben, evangelisch-katholische 14, christlich-konfessionslose 12, jüdisch-christliche die auffallend niedrige Zahl 8,5, ein Drittel der Geburtenzahl der rein jüdischen Ehen. Diese Zahl wird auch immer herangezogen, wenn gegen die Mischehe gepredigt wird. Aber auch hier ist wieder nachzuprüfen, Wer sind die Gatten dieser jüdisch-christlichen Mischehen? Welcher Schicht gehören sie überwiegend an? Wie ist ihre wirtschaftliche Lage? Man ersieht aus allem, wie vorsichtig und subtil statistische Zahlen behandelt sein wollen. Man soll aus diesen Zahlen nicht herauslcsen oder gar herauslesen wollen, dass die jüdischen Ziffern ein besonders ungünstiges Bild ergeben. Es ist bei den Juden nicht anders als bei anderen Leuten in gleicher Lage. Otto N eum an n , Vorstandsmitglied der Gesellschaft für jüdische Familienforschung. Wer jetzt „spart", muß später öoppelt zahlen! Offener Brief an säumige Zahler. Sie schreiben: ... In V könne man an Sammlungen zurzeit nicht denken, seien die Zwecke auch noch so notwendig, und Sie begründen diese Ablehnung damit, daß . . in Ihrem Orte in einer Versammlung der NSDAP. Sie selbst und säst alle anderen jüdischen Geschästsleute unter Nennung ihres Namens unerhört verleumdet worden sind, daß der Referent unter dem tosenden Beifall der anwescnden christlichen Geschäftswelt, die ihr Personal geschlossen in diese Versammlung geführt und für sie das Eintrittsgeld erlegt habe, zu einem Boykott'der jüdischen Geschäfte ausgefordert habe, da er ausführte: Mer jetzt noch m jüdischen Geschäften kauft, begeht Verrat an feinem Vaterlande" (!), und daß unter dem seitherigen Trommelfeuer der Verhetzung der Erfolg der sei, daß die Lüden der jüdischen Geschäftsinhaber leer stehen". Diese Tatsache ist an sich nicht zu bestreiten, wohl aber ist die von Ihnen hieraus gezogene Schlußfolgerung, „daß Sie und andere angesichts dieser Situation außerstande seien, dem (5. V. die so dringend benötigten Abwehrmittel zu bewilligen", eine Auffassung, die sich für Sie und alle, die sich dem anschließen wollten, zil einen: G e f a h r e n m o m e nt e r st e r O r^d - nnng heransbilden wird. Gestatten ^ie mir, auf einen Umstand hinzuweisen. Bei aller Würdigung der Schwere der von Ihnen gekennzeichneten Situation, bleibt unbestritten, daß erhebliche Teile von Arbeitern und Angestellten unter dem Gespenst des Lohnabbaues,' der Kurzarbeit und der Arbeitslosigkeit sich in einer ungleich verzweifelteren Lage befinden — ohne daß sie nunmehr ihrer Organisation die Mittel der Abwehr verweigerten oder gar ihren Organisationen, nur deswegen/ weil diese nicht sofort alle Mißstünde beseitigen können, in Scharen davonliesen. Der politisch denkende Arbeiter und Angestellte kennt die wirtschaftlichen Zusammenhänge und weiß, daß nur eine Politik auf weite Sicht Aussicht auf Erfolg hat; er weiß, daß seine Organisation nur vorbeugend wirken und Schlimmeres zu verhüten suchen kann. Sollte der jüdischen Geschäftswelt diese Erkenntnis fehlen, dann muß gesagt werden: Aufwendungen, die zu unr echter Zeit erspart werden, machen später u n g l e i ch höhere A u s g a b e n notwendig, wenn nicht etwa der Schaden daun schon so groß geworden ist, daß seine Behebung unmöglich geworden ist. Wollen Sie einen Beweis? Denken Sie der Zeit voraus; nehmen Sie an, die NSDAP, sei bei der Reichstagswahl so stark geworden, daß diese an der Regierung beteiligt werden müßte und sie das Innenministerium (Polizei) übernähme. Die Folge wäre völlige Schutzlosigkeit auf der ganzen Linie, Ausnahmegesetze, Zertrümmerung der Existenz vieler jüdischer Glaubensgenossen über Nacht. Damit nicht zufrieden, verlangen die Nationalsozialisten das Arbeitsministerium, den Abbau der sozialen Leistungen — also Vermehrung r 4ü fSex/atUs' auf^stscheckkonto30^^ ü£is HicÄf&e&fateg ***. der Arbeitslosenzisfer, Steigerung der Wirtschaftsnot ins Ungeheuerliche, völliges Aufhören des letzten Nestes au Kaufkraft der Schichten, auf°die Sie angewiesen sind. Die aber noch in Lohn und Brot stehen, würden für Sie als Käufer angesichts der dann erst recht verschärft cinsetzenden Boykottbewegung völlig aUsscheiden, weil diese unter dem Druck und der Furcht, ihren Arbeitsplatz^ zu verlieren, den Parolen der Nationalsozialisten unbedingt Folge leisten müßten. D e ui nicht v o r z n b e n g e n , hie ß e doch S e l b st m o r d begehen! Also — nicht aus der Not der Stunde die Schlußfolgerung ziehen — Hur müssen sparen, wir können nichts geben, sondern gerade wir müssen geben, solange es noch an der Zeit, solange es noch nicht zu spät ist: In der Ueberzeugung, daß Sie sich dieser schlüssigen und znüngenden Logik nicht vertagen, vielmehr schon aus Selbsterhaltungsgründen danach trachten werden, z u r r e ch t e n Zeit das rechte Opfer zn bringen, das nicht nur Sie, sondern die Gesamtheit vor noch Schlimmerem schützen sott, darf ich Sie wohl noch an den Ausspruch der Väter erinnern: „Dich habe ich zu in Wächter bestellt. Erkennst bu die Gefahr, stößt du nicht in das Horn zur Warnung, wendest du das Unheil durch dein Beiseitestehen nicht ab, so komme diese Schuld über den Haupt!" Aus dieser Verantwortlichkeit heraus mußte ich das Schreiben in dieser Form beantworten — und bitte ich, es zu verstehen und danach — zu Handel n! Ihr ergebener Julius Petzon (Magdeburg). Bei übermäßiger Schweißabsonderung cm Händen. 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