Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 31 (1.8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 413 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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geschäftlicher Transaktionen einen großen Raum einmmmt und z. B. eine große Baissespekulation geschildert wird, so spürt man doch, daß der Verfasser sich trotz seiner Einzelkenntnisse nicht auf vertrautem Boden bewegt. Das Geschäft, auch der reine Handel, besteht nicht nur aus „Nehmen und Geben". So schildert Hatvany denn auch, trotz der Ueberschrift feines Romans, weniger den Zusammenhang, die Tradition, die Firma, als die einzelnen Mitglieder der Familie in ihrem täglichen Leben. Hier gelingen ihm auch seine besten Szenen; die ländliche Hochzeit, eine Hochzeitsreise nach Venedig in den sechziger Jahren, häusliche Auseinandersetzungen sind Kabinettstücke eines derb-gutmütigen Humors. Dazu weiß er blutvolle Menschen in ihrem ganzen Saft auf die Beine zu stellen: welch' ein Kerl ist dieser Hermann Bondi — Gewaltmensch, Heine- und Börneschwärmer, geizig-zärtlicher Familienvater und zäher Getreidespekulant in einer Person! Sein Junge Sigi, etwas blasser geraten, schwankt zwischen seiner Begeisterung für heroisches Magyarentum und seinem nüchternen Geschäftssinn, bis der Tod des Vaters ihm feine Aufgabe vorzeichnet: er wird die Firma weiterführen, aber Getreide bauen, statt mit Getreide zu spekulieren. Vorerst aber läßt ihn sein Herr und Meister noch zur Ausbildung nach Berlin fahren und fragt den Leser, ob er weiter von ihm erzählen darf. Er darf, wir werden gern und mit Interesse zuhören! Noch lieber als diesem gemütlich-breiten Erzähler aber hören wir einem Meister zu. Jean Richard Bloch, dessen Roman „Simler rr. Co." (Rothapfelverlag Zürich 1929) an dieser Stelle schon kurz angezeigt worden ist, steht uns in Denken und Fühlen näher als die Erzähler des Ostens. Wenn Romain Rolland das Werk neben Balzacs „Menschliche Komödie" stellt, greift er vielleicht doch etwas zu hoch, aber trotzdem bleibt dieser Roman eines der schönsten und bedeutendsten jüdischen Bücher und dürste in keiner Bibliothek fehlen. Denn wenn diese Elsässer auch nichts von Deutschland wissen wollen, fühlen wir sie doch als Deutsche, ja als gute Bekannte, und denken beschämt an ein trübes Kapitel deutscher Kulturpolitik zurück: wir haben sie vertrieben. Sie sind in die französische Provinz abgewandert, und dreißig Jahre später haben sie dort die Macht erobert. Oder doch nicht eigentlich „sie", sondern — die Firma. Bloch hat die schwere Aufgabe bewältigt, die Hatvany gar nicht sieht: aus verschiedenen Menschen jene Einheit erstehen zu lasten, die sie trägt, stützt, treibt, aber auch ehern festhält: die Firma. Wenn der Familienrat die vom Kauf der Fabrik heirnkehrenden Söhne empfängt, wenn diese am Abend des Versöhnungstages die Post durchsehen, wenn aus langen Zahlenreihen die erste neue Inventur fertig wird oder eine Krise das Werk bedroht, immer steht hinter dem einzelnen das Ueberpersönliche, das Ungreifbare, aber Wirklichste: das Werk, die Idee — die Firma. Auch die Frauen, die Familie ordnen sich ihr klaglos und selbstverständlich unter: das Glück des einzelnen zählt nicht, er mag sich mit Flötespielen einen kleinen Privatwinkel bauen oder sich bei einer Tänzerin erholen; aber sein bewußtes Leben gehört dem Werk. Einer der Söhne versucht aus dem enggezogenen Kreis in eine Liebesheirat zu flüchten, aber das Werk läßt ihn nicht los. Auch hier steht die Idee über dem eigenen Glück. Und doch läßt ihre Wirkungskraft allmählich nach: die Simlers haben nicht nur Vendeuvre erobert, sondern sind auch in Vendeuvre aufgegangen. Ein Vetter, der mit geschärftem Blick aus Amerika Zurückkehrt, streicht auf dem Briefbogen der (Schluss der Bücherschau auf Seile 414) 413 Ranimergerichtsrat Leo wolff SS Jahre alt. Am 29. Juli 1930 feierte unser verdienter Freund, Hauptvorstandsmitglied des Centralvereins, Kammergerichtsrat Leo Wolff (Ber- & > „ lin) seinen 60. Geburtstag. Wir gratulieren dem verehrten Jubilar, der als Präsident des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden und als stellvertretender Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Berlin in selbstloser Hingabe für die Rechte und das Wohl der deutschen Judenheit wirkt, aufs wärmste und wünschen ihm noch viele Jahre ungeminderter Schaffenskraft. 1 Ja, das schmeckt Dir, die würzigen, prallen Kirschen frisch vom Baum herunter! Aber merk* wohl: kein Wasser, keine Milch in den nächsten Stunden! Sonst mußt Du wieder zwei Tage ins Bett, wie neulich schon einmal. Wenn man Obst gegessen hat, dann löscht man seinen Durst mit einigen Tabletten VIVIL das Pfefferminz druckende Hitze wirken lähmend und er* mattend auf Geist und Körper. Selbst wider* standsfähige Menschen erliegen leicht der Atmosphäre der wärmeren Jahreszeit. Nehmen Sie Kola Dallmann. / 2-3 Tabletten befreien Sie momentan von dem Gefühl deh Abspannung und Ermüdung. 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