Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 31 (1.8.1930)
- Date
- 1930-08-01
- Page
- Seite 414 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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414 Dr. Sernharö Weiß SS Jahre akt Der Berliner Polizeivizepräsident Dr. Weiß feierte am 30. Juli seinen fünfzigsten Geburtstag. Mit seltener Einmütigkeit hat die Oeffentlichkeit die Verdienste dieses stets für Aufrechterhaltung des staatlichen Ansehens und der Ordnung unermüdlich besorgten Mannes anerkannt. Wir beglückwünschen Bernhard Weiß, der ebenso wie feiner deutschen Heimat auch seinem jüdischen Glauben treu ergeben ist, auf das herzlichste. Firma sachte -den Namen aus und läßt nur „& Co." stehen: „Ihr habt das Schwert verklopft und laßt mit dem Erlös die Scheide vergolden ..." Dem einzigen kräftigen jungen Sproß der Familie rät er zur Flucht, aber zu einer Flucht aus den eingefahrenen Gleisen heraus zum eigenen Selbst zurück. Jean Richard Bloch hat mit diesem Roman ein Hohelied der schöpferischen Kraft des Judentums geschaffen, gerade auf dem Tätigkeitsfeld, das ,6m meisten verkannt zu werden Pflegt, und hat fein und kraftvoll Zugleich die Kräfte aufgezeigt, aus denen sie sich speist. Die Gefahren, die er auszeigt, sind auch die Hauptgefahren des deutschen Judentums. Ein kleines Bändchen, das letzte unserer Reihe, zeigt sie noch stärker: Sarah Levh: „Geliebter!" (Oll man Goye!) (Verlag E. Reiß, Berlin 1930). Ein Unterhaltungsbuch, geistreich und flüssig, scharf beobachtet, mit beißend ironischen Spitzen, geschrieben von einer warmherzigen und feinfühligen Frau, und doch —! Sie beschreibt die Phasen ihrer Liebe zu einem französischen Baron und ihre Reaktionen als Jüdin auf sein Anderssein, gleicht sich ihm an und geht endlich in seiner Art auf, restlos, tute sie glaubt. In der Entwicklung, die sie in dieser Liebesbeziehung durchmacht, kritisiert sie ihre jüdischen Freundinnen mit scharfen, fast möchte man meinen von Judenfeinden entlehnten, Vorwürfen. Später, ausgenommen in die katholischen Gesellschaftskreise ihres Gatten, erkennt sie, daß die Frauen dieser Schicht die gleichen Fehler besitzen wie die Jüdinnen; daß diese also nicht konfessionelle oder „rassische" Merkmale, sondern einfach menschliche Eigenschaften sind, die dem gleichen Stande Zugehörenden Frauen aller Religionen anhaften. Diese Einsicht versöhnt mit den heftigen, vielleicht von einem Minderwertigkeitskomplex diktierten Charakterisierungen des ersten Teiles. Aber diese inneren Härten verleiden auch die Freude an der hübschen Stilisierung. Hier liegt eine Endstation des Judentums — ein paar Ueberreste an Pietät, ein letzter kleiner Glanz an Tradition, und kein Ernst, keine Kraft, keine Verbindlichkeit mehr. . . Wir glauben trotzdem an den jüdischen Menschen. Berichtigung. Die unter „Literarische Spaziergänge" in Nr. 28 der „C. V.-Zeitung" erschienene Besprechung der Schrift von Harry Torczyner „Die Bundeslade und die Anfänge der Religion Israels" stammt nicht aus der Feder von Dr. Ludwig Holländer, sondern ist von Rabbiner Dr. Diene mann (Offcnbach) verfaßt. Der Name des Verfassers ist durch ein technisches Versehen nicht hinzugesügt worden. Kleine Chronik. Unser langjähriges Mitglied Dr. R. Braun (Berlin) feiert am 6. August seinen 60. Geburtstag. Wir gratulieren herzlich. Geschäftliche Notizen und Vädernachrichterr. Kurze Erholungsreisen zur See: Genua-- Neapel—Sizilien. Girre kurze Erholungsreise durch das Tyrrhenische Meer ist unstreitig höchst genußreich. Gelegenheit dazu bieten die modernen Dampfer „Ausonia" und „Gsperia" der Sitmar-Linie, die den Dienst zwischerr Genua und Aegypten versehen und in Neapel unb Syrakus anlegen. Kudolva, das Herz-, Frauen-, Nervenbad. Die Badeverwaltnng hat sich bekanntlich vor einiger Zeit entschlossen, die Pauschalkuren für Minderbemittelte auch während der Hauptkurzcit durchzuführen. Die außerordentlich starke Inanspruchnahme liefert den Beweis, daß diese Einrichtung dankbar aufgeirommerr wird. Am Vierwaldstätter See, 1300 Meter ü. M., liegt das Hochalpenhotel-Kurhaus Stoos ob Brunnen. Gs bietet alle Vorzüge eines gut geführten, komfortablen Alpenhotels, die Verpflegung ist vorzüglich, die Zimmer sind ausgezeichnet, mit zahlreichen Veranden und Balkonen versehen, ein Orchester ist vorhanden, eine eigene Sennerei liefert köstliche Produkte. Bad Warmbrunn, das Thermal- und Moorbad des Riesengeb'icges, wird immer mehr der Zufluchtsort aller derer, die von schwerem Rheuma oder Ischias, von Gicht und hartnäckigem Nervenleiden geplagt find. Einen Beweis für die Erfolge bietet die Statistik der Landesversicherungsanstalt Schlesien, die von den hierher entsandten, meistens schwer kranken Patienten in den letzten Jahren 95 bis 98 Prozent nach verhältnismäßig kurzem Kurgebrauch als völlig wiederhergestellt und arbeitsfähig bezeichnet. Universität Köln. Das Wintersemester 1930/31 beginnt am 15. Oktober. Vorlesungsbeginn: Moittag, den 3. November. Das Vorlesungsverzeichnis rann vom Universitätssekretariat gegen Einsendung von 50 Pfennig und 15 Pfennig Porto bezogen werden. Verlag: Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V., Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Tel.- Adr.: „Centralglauben Berlin". Postscheck: Berlin 30472. Hauptschriftleitcr Dr. Ludwig Holländer. Verantwortlich: Dr. Margarete Edelheim. Beide Berlin SW 68. — Unverlangte Manuskripte werden nur Zurückgesandt, wenn Freiumschlag beiliegt. — Verantwortlich für den Anzeigenteil: Paul Durghardt, Charlottenburg. Druck: Rudolf Mosse, Berlin SW 100. l» Dr. THEINHARDT’S tDU&eüke&tDUU bietet jede Gewähr für Zuverlässigkeit, da nach Vorschrift erster medizinischer Autoritäten auf dem Gebiete und unter sländiger ehern. Kontrolle hergestellt. Die Erze ugnisse unserer Firma verstoß en in keiner Weise gegen den Ritus. Verkaufsstellen werd en auf Wunsch nachgewiesen. Dr. Theinhardt’s Nährmittelgesellschaft A.-G., Stuttgart-Cannstatt. CROSSE DEUTSCHE KUNSTAUSSTELLUNG MÜNCHEN 1930 ,m GLASPALAST 30. Mai bis Anfang Oktober. Täglich 9 bis 18 Uhr Empfehlenswerte Unterrichtsanstalten und Pensionate Universität Köln SÄ2 Wirtschafts- und sozialwissenschaftliche, rechtswissenschaftyclie, medizinische (auch vor klinische Semester) und philosophische Fakultät. Kaufmännisches und Handelslehrerstudium. Vorlesungsheginn: Montag, den 3. November. Die Einschreibefrist läuft vom 15. Oktober bis 11. November einschliesslich. Das Vorlesungsverzeichnis kann vom Universitätssekretariat gegen Einsendung von 50 Rpf. 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