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Central-Verein-Zeitung · 1930-08-01 · 31 (1.8.1930) · p. Seite 408

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
31 (1.8.1930)
Date
1930-08-01
Page
Seite 408 (sequence 4)
Language
German
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40$ Wird alles genehm fein, was getan wird. Eine Vereinigung wie die unsrige müßte darauf verzichten, groß und kräftig zu sein, wenn sie ihre einzelnen Aufgaben nicht in einem Rahmen durchführte, der weit gespannt ist. Wir können nur stark sein, wenn alle, die unserem Ziele zustimmen, auch die entscheidenden und wesentlichsten Punkte unserer Arbeit unterstützen und mit Nachdruck zu uns halten. Aber dem einen ist dieser Aufsatz in der „C. V.-Zeitung" zu weitgehend, dem anderen jene Stellungnahme in irgendeiner Frage der Politik im einzelnen zu scharf oder zu schwach, und so schwächt man ein Werk durch Untätigkeit, weil dieses Werk eben nicht allen genehm sein kann. Gewiß ist ein großer Teil der Judenheit kritisch eingestellt, und diese Kritik hat ihren S e g e n, aber nur, wenn sie aufbauend wirkt, wenn sie erkennt, was der Gesamtheit frommt. Sie ist ein Flu ch, wenn sie sich rechthaberisch von dem fernhält, was ihr zwar zu 90 vom Hundert beifallswert erscheint, was sie aber im Verhältnis von 10 vom Hundert ablehnen zu müssen glaubt. Und endlich gibt es auch noch Menschen, die sich aus Selbstsucht und Hartherzigkeit um das Los der Gesamtheit nicht kümmern. Viele, die es am besten könnten, halten sich auch in finanzieller Beziehung zurück; und sie versuchen, in Starrsinn befangen, ihre Selbstsucht dadurch zu bemänteln, daß sie behaupten, „man könne gegen die judenfeindliche Bewegung doch nichts machen". Wer sich so selbst aufgibt, müßte mit Nachdruck von allen Gutgläubigen und Gutwilligen gemieden werden. Es ist eine gesellschaftliche Feigheit, wenn man die, die in entscheidender Stunde versagen, immer mit freundlichem Lächeln begrüßen zu müssen meint. III. Wir suchen nach einem Sinn des gegenwärtigen Geschehens. Die Zeiten rütteln uns auf, sie mahnen die Minderheit, auf der Hut zu sein. Sie fordern Denken und Handeln. Vor dem Kriege drohten weite Kreise des deutschen Volkes, insbesondere aber sein jüdischer Teil, in erheblichem Maße geistig zu „verfetten". Diese Zeiten sind vorbei. Wir sind in den Schicksalßkamps hineingeworfen worden. Wir werden ihn gut überwinden, „wenn wir uns Herausstellen", d. h. wenn wir, die kleine Minderheit, den Kamps gegen alles das, was sich in Gegensatz zu ihrer Ehre und dem allgemeinen Anstand setzt, mit allen Kräften führen. Wir sind parteimäßig nicht gebunden. Weltanschauungen jeder politischen Art sind bei uns vertreten. Eins ist uns allen aber gemeinsam: Ehre und Freiheit des Vaterlandes, Ehre und Freiheit der jüdischen Gemeinschaft. Auch wir kennen ein drittes Reich, das Reich, in dem der i n n e r e F r i e d e, nicht die Handgranaten, sondern die U e b e r z e u g u n g — nicht die G e w a l t, sondern die Güte des Charakters entscheiden. Neubildungen im deutfthen parteileben Innerhalb der deutschen Parteien vollziehen sich augenblicklich Umgruppierungen und Neubildungen, die wir mit Genugtuung beobachten, soweit sie einer Befriedung der deutschen Politik den Weg zu bahnen scheinen. Ehe wir im einzelnen zu diesen neuen Gruppen Stellung nehmen, müssen wir die weitere Entwicklung abwarten. Die Leitung der Deutschen Staatspartei — nur dies sei heute erwähnt — richtete ein Schreiben an uns, in dem es heißt: „Die Deutsche Staatspartei hat von vornherein in ihrem Aufruf und in den Darlegungen ihrer Führer erklärt, daß sie ohne politische und konfessionelle Engherzigkeit und ohne Klassengebundenheit ihre Tore weit geöffnet hält. Das bezieht sich nicht nur auf die Mitgliedschaft, sondern auch auf die führenden Stellungen in der Partei und in der künftigen Fraktion. Einig ist man sich nur darüber, daß den jungen Kräften aller Schichten eine weitgehende Mitwirkung an der Führung ein geräumt und daß die Deutsche Staatspartei ihren Willen entschlossen für die Verwirklichung der notwendigen großen Reformen einsetzen wird." gez. Koch-Weser, gez. Dr. W inschuh. Wichtige Entscheidung gegen den wirtsthaftsbopkott Wie die Zahlreichen von uns veröffentlichten Entscheidungen der Gerichte Zur Genüge erweisen, sind öffentliche Boykottaufforderungen erfolgreich zu bekämpfen. Weit schwieriger sind jene Fälle zu verfolgen, in denen im privaten Geschäftsverkehr jüdische Geschäftsleute von antisemitischen Konkurrenten benachteiligt werden. Daß auch hierin die Gerichte nachhaltigen Rechtsschutz gewähren, zeigt der folgende Fall: Das Landgericht H i l d e s h e i m hat in den Akten 2 II Q 59/29 durch einstweilige Verfügung vom 11. Dezember 1929 einem antisemitischen Kaufmann bei Strafe untersagt, über die jüdische Antragstellerin in ihrem Kundenkreise abfällige Aeußerungen, wie die, ob der Kunde denn gar kein Nationalgefühl besäße, wenn er bei der Antragstellerin kaufe, oder ähnlichen Inhalts zu machen. Die sehr beachtlichen Gründe der Entscheidung seien mit den notwendiger! Kürzungen nachstehend wiedergegeben: „Die Antragstellern, deren Inhaberin jüdischen Glaubens ist, hat geltend gemacht, daß der Antragsgegner einem ihrer Kunden, dem Malermeister 3£., vor kurzer Zeit Vorhaltungen darüber gemacht habe, daß er seinen Bedarf bei der Antragstellerin decke. Er habe ihm dies mit dem Vorwurf vorgehalten, ob er denn absolut kein Nationalgefühl habe. Danach rechtfertigt sich gemäß dem Gesetz betreffend den unlauteren Wettbewerb die beantragte einstweilige Verfügung. Der Antragsgegner hat die fragliche Aeußerung gegenüber einem Kunden der Antragstellerin gemacht. Er selbst betreibt in hiesiger Stadt ein K o n k u r r e n zg e s ch ä f t. Danach kann es nicht zweifelhaft sein, daß der Antragsgegner die Aeußerung dem Kunden der Antra g s st e l l e r i n gegenüber nur zum Zwecke des Wettbewerbes gemacht hat, nämlich um ihn für sich als Kunden zu gewinnen. Zum Zwecke des Wettbewerbs in dieser Werse die Zugehörigkeit des Konkurrenten zum jüdischen Glauben ansznnutzen, verstötzt aber gegen das Anstand s gefnhl aller gerecht und billig Denkenden im geschäftlichen Verkehr, mag der Antragsgegner auch sonst zu der Rassenfrage stehen wie er will; dies um so mehr, als der Antragsgegner sogar das Natr-onalgefnhl in den Dienst seiner unlanteren Zwecke stellte." H.L. Verteidigungswaffen aus Anfrage Zeitungsinserate und Beilagen sind manchmal lehrreicher als der Textteil, sie widerlegen in Blättern, die es mit der Wahrheit nicht allzu genau nehmen, häufig genug die Behauptungen, die der Redakteur in seinen Artikeln dem arglosen Leser glaubhaft zu machen versucht. Eine derartige aufschlußreiche Zeitungsbeilage ist die Preisliste 1930/31, die das Sportversandhaus Paul Arendt, Sulzbach/Oberpfalz (Bayerns den völkischen Blättern beizulegen pflegt. Interessant schon der Kops; da heißt es: Nationalsozialisten! Ortsgruppen! Betrifft: Uniform-Verbot! Trotz Uniform-Verbot sende ich heute meine neue Preisliste Euch zu. Kein Verbot hält den Vormarsch der Bewegung auf. Jetzt heißt es, unfere Stärke zu zeigen. Jeder Pg., auch der nicht in der S. A. ist, trage ein langes oder kurzes „Sport- und Arbeitshemd" in brauner Farbe. Trotz Uniform-Verbot — nicht tot! Tragt Parteiabzeichen und Hakenkreuze! Jeder deutsche Mann, jede deutsche Frau trägt von jetzt ab ein Hakenkreuz! — Deutsche Jungen und Mädel tragt immer das Hakenkreuz! Wiederverkäufer verlangt sofort meine drei Wied erverkaufslisten! Dann werden die Waren in Abbildungen angepriesen und im Textteil erläutert. Es gibt alles, was der Soldat zu feldmarschmäßiger Ausrüstung gebraucht: vom Wafsenrock bis zum Kochgeschirr, vom Brotbeutel bis zur Kartentasche und alles, wie ausdrücklich vermerkt wird, streng militärisch. Dieses Soldatenspielen bekommt aber einen ernsteren Charakter, wenn man die oben wiedergegebenen Abbildungen sieht und als Erklärung dazu liest: 15. Uebungswurftörper ufrs. Preis bei 1 St. 3 St. Wurfkörper wie Abbildung (Handgranate) .... 2.50 2.30 Seitengewehre, mit Lederhülle ufw. Mil. 3.50 3.30 Stahlhelme, Mil. echte, für Theatergruppen ufw. . . 6.50 6.50 Und an anderer Stelle in Fettdruck nochmals das Angebot: „Berteidigungswaffen auf Anfrage ..." Wie pflegen doch die Nationalsozialisten bei Gerichtsverhandlungen immer zu sagen? „Wir haben keine Waffen, wir kennen keine Waffen." Das Sporthaus Arendt bietet zwar alle möglichen geschmackvollen „Ulkgegenstände" an, wie „Juden-Ulkkarten (Marke Knoblauch)" und dergleichen. Wir täten ihm aber doch wohl unrecht, wenn wir auch die angebotenen Stahlhelme, Beilpicken (Nr. 11), militärischen Spaten und Handgranaten nur für „Ulk" hielten!

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