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Central-Verein-Zeitung · 1930-07-25 · 30 (25.7.1930) · p. Seite 399

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
30 (25.7.1930)
Date
1930-07-25
Page
Seite 399 (sequence 7)
Language
German
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399 Gegen das Wundlaufen der Ftisse und gegen Fußschweiß ist KAISER-BORAX das zuverlässigste und beste antiseptische Heil- und Vorbeugungsmittel. Tägliche Fussbäder mit Zusatz von KAISER-BORAX (2—3 Kaffeelöffel auf ca. 3 Liter Wasser) wirken nicht nur reinigend und erfrischend, sondern besonders auch schweissverhindernd, heilend und kräftigend; sie verhüten das sch merzhafte Wundwerden und Brennen der Füsse und beseitigen den lästigen Schweißgeruch. Bei besonders starkem Fußschweiss empfiehlt es sich, nach dem Baden die Fußsohlen (nach gutem Trockenreiben) mit KAISER- »ORAX-Wundpuder zu bestreuen. Beim Einkauf verlange man ausdrücklich die Marke KAISER-BORAX in den roten Originalpackungen mit ausführlicher Gebrauchsanweisung. Heinrich Made Nadhf .,Ulm a.D. Fortsetzung des Aufsatzes „Schönere Zukunft" Von Rabbiner Dr. M. Eschelbacher, Düsseldorf. die milden Gaben der Gläubigen in Werbendes Betriebskapital! Keineswegs entspricht ein solcher Mißbrauch dem Willen der Kirche. Die Laienbuchhändler weisen auf den Kanon 142 des Kirchlichen Gesetzbuches hin, der den Klerikern, also auch den Ordensleuten, den Kaufhandel verbietet, wenn auch die Auslegung und nähere Umschreibung dieser Bestimmung ausschließlich in die Kompetenz der kirchlichen Vorgesetzten und Klosteroberen fallen. Die Kirche hat also ein Gesetz erlassen, aber sie kann es nicht verwirklichen. Dieses Schicksal, die Ohnmacht des guten Willens, ist der Kirche genau so wie anderen geistigen Mächten beschieden. Es geht ihr nicht anders als dem Staate. „Der selbständige Mittelstand in Landwirtschaft, Gewerbe und Handel ist in Gesetzgebung und Verwaltung zu fördern und gegen Ueberlastung und Aufsaugung zu schützen", bestimmt Artikel 164 der Reichsverfassung. Wie er, so ist auch der Kanon 142 des Kirchlichen Gesetzbuches nur ein Programm, nur eine Richtlinie geblieben, er ist keine gebietende und das Leben bezwingende Macht geworden. Aus dem Gesagten ergibt sich ein wichtiger Gesichtspunkt für die Stellung zu dem Wirtschaftsprogramm der „Schöneren Zukunft" und zu der von ihr geforderten „Revision der neueren Wirtschaftsaufsassungen". Die Ausgabe ist unendlich schwer. Die „Schönere Zukunft" beichtet fremde Sünden. Alle von ihr so hart verurteilten Auswirkungen des kapitalistischen Geistes finden sich im kirchlichen Leben selber. Das zwingt auch den strengen Katholiken zur Zurückhaltung im Urteil über andere Kreise und andere geistige Mächte. Uebt er sie nicht, dann gilt für ihn das Work des Evangeliums: „Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet. Denn mit dem Gericht, mit dem ihr richtet, werdet ihr gerichtet werden, und mit dem Maße, mit dem ihr messet, werdet ihr gemessen werden. Was siehst du aber den Splitter im Auge deines Bruders, den Balken aber in deinem Auge bemerkst du nicht? Oder wie willst du zu deinem Bruder sagen: Laß mich den Splitter aus deinem Auge nehmen, und siehe, du hast den Balken in deinem Auge?" Die Menschheit hack die größten technischen Leistungen vollbracht. Aberden Menschen selber und. seinen Geist zu ändern, ist ihr nur in seltenen Füllen gelungen. Der größte Judenfeind unter den Mitarbeitern der „Schöneren Zukunft", der Pfarrer Wilhelm Senn in F l e h i n g e n, sagt zwar von der Wirtschaftsgesinnung und Ordnung, es ist möglich, sie zu bändigen, zu regulieren, aber zum Beleg dafür weist er nur hin auf große technische Leistungen, so auf die bewunderungswürdige Korrektur des Oberrheins oder auf die Eindämmung der Zuhdersee. Aus allen technischen Triumphen folgt jedoch noch nichts für die Möglichkeit, auch den Menschen zu regulieren und zu bündigen. Der Mensch hat an technischen Leistungen noch Größeres vollbracht. Er hat keine . Flügel und fliegt doch über den Ozean, ^eine Stimme dringt nur wenige Meter weit, und doch hören wir im Telephon den Freund, der in Buenos Aires mit uns spricht, und im Lautsprecher die Landung des Zeppelin in Lakehurst. Alles das ist tausendmal leichter, als den hemmungslosen Drang des Menschen nach Gewinn einzudämmen. Das zeigt auch das Beispiel holländischer Klöster. Auch sie können sich dem kapitalistischen Geiste unserer Wirtschaft nicht entziehen, und deshalb sind sie ein warnendes Zeichen von besonderer Kraft und Eindringlichkeit. Die Iuöen im kapitalistischen Wirtschaftsleben. Damit ist auch schon das Wichtigste von den Juden, ihren Taten und ihren Leiden im Bereiche der modernen kapitalistischen Wirtschaft gesagt, was wir der „Schöneren Zukunft" gegenüber geltend zu machen haben. Die Juden sind in ihr Schöpfer und Opfer zugleich. Ter schon erwähnte Pfarrer Wilhelm Senn nennt das Warenhaus eine jüdische Erfindung. In Wirklichkeit, hat es im gleichen M a ße Juden wie Christen zu Vätern. Die T i e tz, die Knopf, die W e r t - h e i m sind Juden. Aber die Schöpfer der ersten Warenhäuser, des Bon Marche, des Printemps, die Rudolf Herzog, die K a r - st a d t sind Christen und zum Teil, wie Theodor A l t h o f f, fromme Katholiken gewesen. Keiner von ihnen hat diese moderne Unternehmungssorm aus Bosheit erfunden. Vielmehr haben sie alle sie geschaffen im Gehorsam gegen neue Notwendigkeiten, die sie als Pioniere der Wirtschaft früher als andere erkannten, und die, wenn sie nicht gewesen wären, etwas später von anderen vollstreckt worden wären. I m gleichen M aße aber sind Juden eb enso wie C h r i st e n die Opfer der moderne n Entwicklung. Denn diese fragt nicht nach der Konfession der von ihr Ueberrannten. Ja, Juden sind sogar in höherem Maße als andere ihr Opfer. Untergang öes Mischen Mittelstandes! E b e r l e predigt „den rücksichtslosen Kamps gegen ungehörige Ausdehnung der Macht des Judentums". Wie eine fixe Idee sitzt in unseren christlichen Mitbürgern der Aberglaube, jeder Jude sei reich. Zeigt man ihnen die ungeheuere Armut in der jüdischen Bevölkerung, dann meinen sie, das seien Ausnahmen. In Wirklichkeit findet man gerade unter Juden die unglücklichsten Opfer der modernen Entwicklung, der Ueberwucherung der Großbetriebe unter Vernichtung des Mittelstandes. Mit erbitterter Wut spricht Senn von der mörderischen Wirkung des Großbetriebes. Mit den gleichen Worten aber hören wir seine Klagen und Anklagen jeden Tag von jüdischen Kaufleuten, die im Wirtschaftskampfe erliegen und die Waffen strecken müssen. Genau wie katholische und protestantische verschwinden jeden Tag jüdische Geschäfte, wird über sie das gerichtliche Vergleichsverfahren oder der Konkurs verhängt. Kaum ein anderer Bestandteil des deutschen Volkes ist von der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Revolution der jüngsten Jahre so schwer getroffen worden wie das deutsche Judentum. Es ist gegen die Schwankungen der Zeit nur ganz ungenügend geschützt. Diedeutschen Juden sind keine Bauern. Sie besitzen also nicht Grund und Boden, der bei aller Not der Landwirtschaft seinen Herrn dennoch vor dem Aeußersten schützt. Sie entbehreil meist der Wohltaten der sozialen Gesetzgebung und Versicherung. Nur wenige von ihnen sind Beamte. Sie haben also kein sicheres Einkommen, keine Pensionen für die Zeiten von Alter und Arbeitsunfähigkeit, keine Versorgung für ihre Hinterbliebenen. Zum weit überwiegenden Teile gehören sie heute noch dem Kreise der Selbständigen an, die mit eigener Kraft und auf eigene Gefahr sich ihre): Weg durchs Leben suchen. H e u t e noch, muß man sagen. Denn in gewaltigem Umfang sind sie bereits aus den Reihen der Selbständigen verschwunden und in die Schicht der Privatangestellten gedrängt. Sie sind, mehr noch als sonst das deutsche Bürgertum, von der Proletarisieruug bedroht oder'bereits von ihr erfaßt. Nein, die Macht des deutschen Judentums „dehnt sich nicht ungehörig aus", vielmehr leidet es schwer, und seine wirtschaftliche Existenz ist in ihren Grundlagen bedroht. Ja, es i st n o ch weit härter betroffen als die i h m b e - r u f l i ch entsprechenden Kreise des d e u t s ch e n B ü r g e r t u m s , d e m es heute noch meist a n g e h ö r t. Denn auß e r d er a ll g e m einen W irisch a f t s n o t droht ihm a u ch n o ch d e r A n t i s e rn i t i s m it s. Die mittelalterlicheil Anklagell der Hostienschündllllg, der Brunnenvergiftung sind verstummt. Dafür wird als ihr modernes Seitenstück die Beschuldigung erhoben, die Juden seien schuld an dem wirtfchaftlicherl Elend unserer Tage. Der Judenhaß macht sich nicht mehr, wie einst, in Judenverfolgungen oder Vertreibungeil Luft. Dafür äußert er sich in einem stillen, aber fürchterlichen Wirtschaftsboykott. Schwer ist es heute möglich, für einen schulentlassenen jüdischen Juilgen auch nur eine Stelle als Lehrling in einem nichtjüdischen Geschäft zu beschaffen. „Anr Ort und ebenso in der Nähe besteht keine Möglichkeit infolge größter Voreingenommenheit gegen Juden im allgemeinen, ein Kind in der Lehre unterzubringen", schreibt mir kurz nach Ostern ein nach vielen vergeblichell Versuchen verzweifelter Vater. Im Kampfe gegen den selbständigen jüdischen Kaufmann aber wird in der „Schöneren Zukunft" sogar von katholischen Geistlichen der Schlachtruf angestimmt: „Christen! Kauft bei Christen!" Der wahre Sinn dieser Parole ist aber: „Kauft nicht bei Juden!" Zwar verlangt Eberle, es müsse „mit christlichen Mitteln zur Abwehr aufgerufen werden gegen das Judentum". Aber die Losung seiner Zeitschrift, der Wirtschaftsboykott gegen o i e Juden ist ein H o h n auf jede natürliche Moral u n b gewiß a u ch auf das C h r i st e n t u m. Würde sie wirklich durchgeführt, dann könnten die Juden verhungern. Dann aber dürsten gegen sie überhairpt keine Vorwürfe nlehr erhoben werden, wenn sie auf jedem Wege und mit allen Mitteln versuchten, ihr Leben zil fristen. Auch für den Juden würde dann gelten: „Not kennt kein Gebot!" Wer da fordert: „Kauft nicht bei Juden!", hat jedes Recht verwirkt, über Juden zu urteilen. Die Aufgabe öer Religion in öer Wirtschaftskrise. Die wirtschaftliche Verfassung der Welt bleibt auf dem Standpunkte des Jahres 1930 so wenig stehen wie auf dem von 500 oder 1000 oder 1500. Ruhe ist dem Menschen nicht vergönnt. Die fortschreitende Entwicklung wird weiter Opfer fordern, wie sie sie immer gefordert hat. Wir und unsere Kinder müssen sie tragen. Aus dem Paradies ist die Menschheit endgültig vertrieben, und seitdem gilt für sie für alle Zukunft das Wort: „Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zum Erdboden zurückkehrst, denn von ihm bist du genommen." Und dieser Schweiß kommt nicht nur von schwerer Arbeit, sondern auch von Schlimmerem, von Erwerbs-, von Stellenlosigkeit. Und dennoch dürfen wir hoffen, daß über Erwerbslosigkeit, über allgemeine Verarmung, über ewige Erschütterung aller Grundlagen von Wirtschaft und Gesellschaft, über unaufhörliche Krisen der Weg in eine schönere Zukunft führt. Die Eisenbahn gibt mehr Men-

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