Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 30 (25.7.1930)
- Date
- 1930-07-25
- Page
- Seite 396 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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A-H zwar Jude, aber er ist ein deutscher Rechtslehrer, ebenso wie die in Köln wirkenden Dozenten jüdischen Glaubens deutsche Gelehrte sind. Die „Kölnische Volkszeitung" hat daraufhin an unseren Bundesvorstand eine Antwort erteilt, in der sie jedes judenfeindliche Motiv energisch ablehnt. Sie schreibt u. a.: Wir bitten Sie, aus dieser Haltung der „Kölnischen Volkszeitung", die sich in einem einzelnen Falle gegen einen der jüdischen Konfession angehörenden Gelehrten richtet, doch nicht, wie es in einigen Zeitungen geschehen ist, den Schluß auf Antisemitismus und antisemitische Stellung ziehen zu wollen. Ter Antisemitsmus liegt uns, wie Sie wohl wissen, durchaus fern, und wir sind auch weit davon entfernt, unsere Argumente in einem einzelnen Falle aus denn Antisemitismus und aus antisemitischer Gesinnung zu nehmen. . . . Daß dabei die Berufung Kelsens, dessen Stellung ja in Wien anders beurteilt wird als hier, mit hineinspielt, war nur Zufall. Wir hoffen, daß dieser wenig erfreuliche Zwischenfall damit erledigt ist. hange zwischen ihm, dem „Kampfbund", dem Verlag Boepple und den Nationalsozialisten abzuleugnen versucht. Da er hierbei ausschließlich mit Verlags- und organisationstechnischen Formalien operiert, erscheint es mir erforderlich, den tatsächlichen Verhältnisse n Geltung zu verschaffen und einmal Grundsätzliches zu der auch in diesem Falle angewandten, übrigens seit Jahrzehnten üblichen antisemitischen Methode, ihre getarnten Filial- und Presseunter nehmen in Notfällen abzuleugnen, 31t sagen. Diese Aufklärung, die hier auf Grund dreißigjähriger Erfahrungen und genauester Kenntnis geboten werden soll, ist auch deshalb nötig, weil die Maskeraden, Querverbindungen, Zellenbildungen der Hakenkreuzler bei weitem umfangreicher, vielseitiger und einflußreicher sind, als die Oeffentlichkeit annimmt. Zugrunde liegt diesem Vorgehen ein „Rezept" des Altmeisters der Hakenkreuzler, Theodor Fritsch, der bereits vor Jahrzehnten „Zellen" und Querverbindungen in allen Parteien und Vereinen — einschließlich der Sozialdemokratie — dringend forderte und diese, sowie getarnte Vereine, sogar für wichtiger als antisemitische Sonderparteien noch heute hält. Jedenfalls ist der „Kampf b u n d für deuLs ch e Kultur", darauf kommt es hier vor allem an und darum stelle ich es ausdrücklich fest, eine durchaus nationalistische Organisation — und nichts anderes — mit der speziellen Aufgabe, unter dem parteipolitsch neutral klingenden Namen Kampsgelder für die Hitler-Bewegung zu sammeln und solche Antisemiten als Mitglieder zu gewinnen, die den Nationalsozialisten noch zögernd gegenüberstehen. Obwohl die antisemitischen Führer aller Richtungen genau wissen, daß der „K ampf - bund für deutsche Kultur" nichts anderes als eine getarnte nationalsozialistische Parte isiliale ist; obwohl ferner gerade Herr Alfred Rosenberg das am besten weiß und an dieser Tatsache selbst durch „Berichtigungen" nichts zu ändern vermag, soll doch noch ein parteiamtliches nationalsozialistisches Zeugnis für die Unantastbarkeit dieser Behauptung angeführt werden, das unmittelbaren Zusammenhang mit dem Ausgangspunkte dieser unrichtigen Berichtigungen hat. „Der Nationale Sozialist", Berlin, enthält regelmäßig einen amtlichen Teil für parteiamtliche Bekanntmachungen und Berichte unter der Ueberschrist „Der nationalsozialistische Freiheitskamps", versehen mit dem Autoritätszeichen der Hitler-Bewegung. In diesem parteiamtlichen Teil der Nr. 90 „Der Nationale Sozialist" vom 10. Juni 1930 befinden sich nun vier Abteilungen mit den folgenden Ueberschristen: 1.. Bekanntmachung; 2. Das Braunhemd auch in Schweidnitz verboten; 3. Kommunistische Angriffe auf Nationalsozialisten; 4. P f i n gst t a g u n g des „K a m p f b u n d e s für deutsche K u l - t u r". Nach diesem Bericht haben n u r Nationalsozialisten auf dieser Tagung gesprochen, nämlich Staatsminister Dr. Fr ick, Alfred R 0 s e n b e r g und Friedrich Schmidt! Es dürfte selbst dem gerissensten Demagogen unmöglich sein, aus diesem Berichte etwas anderes als Aeußerungen nationalsozialistischer Parteiunternehmer herauszulesen. Aber trotzdem „berichtigt man, weil man der „Filiale" einen harmlosen Namen zulegte. Darum wagt es Herr Alfred Rosenberg auch zu behaupten, daß die Zeitschrift „Weltkamps" Privatbesitz des Herrn Boepple und „vollkommen unabhängig" vom „Kampfbund" ist. F i n a n z i e l l stimmt das — wie immer bei den Antisemiten. Auch Graf Reventlow steckt den Gewinn seines „Reichsw a r t", I ü r g e n von Ra m i n den seines „Ringenden Deuts ch L u m", W u l l e den seiner „I n f 0 r m a L i 0 n s b r i e s e" ein. Dadurch sind diese Führer stets unabhängig vor ihren Bewegungen, doch diese nicht von ihnen- Energisches Eingreifen gegen die hakenkreuzler an der Charlottenburger Technischen Hochschule Der Rektor der Technischen Hoch- In einer Besprechung im „Verein SLudentenschule Charlottenburg, Herr Professor Dr.-Ing. Krencker, hat dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbnnd an der Technischen Hochschule für die Dauer seines Amtsjahres das schwarze Brett entzogen und hat außerdem erklärt, daß er während dieser Zeit keinen Vertreter der Nationalsozialisten mehr empfangen wird. Folgende Vorfälle der jüngsten Zeit führten zu dieser Verordnung: Gleich bei Antritt seines Rektorats hatte dtzr neue Rektor in seiner Rede klar zum Ausdruck gebracht, daß er die Hochschule von jeder parteipolitischen Propaganda und Hetze sreizuhalten wünsche, und daß er unnachsichtig jeden Verstoß gegen akademische Ruhe und- Sitte bestrafen werde. Die Worte waren in der Hauptsache an den Nationalsozialistischen Studentenbund gerichtet, der dann auch kurze Zeit später folgenden Brief des Rektors erhielt: „Bei Antritt meines Rektorats sind mir eine Reihe von Vorfällen bekannt geworden, die mich veranlassen, Ihnen nochmals Einstellung Ihres gesamten Vereins und Ihrer Werbetätigkeit auf die durch den Charakter der Technischen Hochschule als einer staatlichen, ausschließlich wissenschaftlichen Zwecken gewidmeten Anstalt bedingten Formen besonders dringend nahezulegen. Ich betone dabei, daß ich an sich sehr ungern dazu übergehen möchte, einer einzelnen Gruppe von Studierenden empfindliche Beschränkungen ihrer Betätigungssreiheit auszuerlegen, und daß ich eine sich in sachlichen Formen haltende Vertretung von Ideen nicht beanstanden würde. Dafür ist aber die unerläßliche Voraussetzung, daß auch Ihre Gruppe sich in den Nahmen der Hochschule einsügt ... Die Nationalsozialistische Studentengruppe ist die einzige Organisation an der Hochschule, die in dieser Weise vorgeht, obwohl gerade sie viel geringfügigere Verstöße von anderen Gruppen mit großer Schärfe zur Sprache zu bringen und alle studentischen Rechte in besonderem Maße für sich in Anspruch zu nehmen pflegt. Ich muß darauf bestehen, daß der Burgfrieden und die akademischen Sitten an der Hochschule sowie die erlassenen Vorschriften aufrichtig und ohne Vorbehalte und Umgehungsversuche geachtet werden." Zum Schluß droht der Rektor schärfste disziplinarische Verfolgung weiterer Uebergrisse an. Die Warnung war wirkungslos. In den ersten Tagen nach dem Brief des Rektors ereignete sich nun folgendes: «.Getarnte Der „Rampfbunö für öeutsche Rultur" Die „C. V.-Zeitung" vom 23. Mai d. I. gab im Anschluß an eine bis dahin unwidersprochene Pressemeldung über die Zuwendung von Reichsmitteln an den „K a m p f b u n d für deutsche Kultur" eine kürze Charakteristik dieses Bundes, die insbesondere auf die gehässige katholikenseindliche Tendenz des „WeLLkampfs" einging. In der Nummer vom 4. Juli d. I. veröffentlichten wir preßgesetzliche Berichtigungen der Leitung des „Kampsbundes für deutsche Kultur" und des Verlages und der Redaktion des „Weltkarn Psetz". Haus — der neutralen Wutschausorgamfatwu an der Technischen Hochschule in Verlin-Charlottenburg —, der die Freiheitliche Studentenschaft (F. St.) als Vertreterin der republikanischen Studierenden und die Grotzdeutsche Studentenschaft (Gr. St.) als Vertreterin der „anderen" Richtung angehören, erschien als Vertreter der Gr. St. der Vorsitzende der Nationalsozialistischen Studentengruppe, ein Herr H a m m e r s e n, und als Vertreter der F. St. Herr Samuel. Herr Menzel, der Geschäftsführer des Vereins, machte die beiden Herren miteinander bekannt. Herr Hammersen würdigte jedoch Herrn Samuel keines Blickes. Nachdem Herr Samuel hieraus eine Verhandlung mit Herrn Hammersen, der noch dazu mit einem großen Hakenkreuz geschmückt war, abgelehnt hatte, rügte Herr Menzel den Vertreter der Gr. St. mit scharfen Worten. Der Nationalsozialist verlangte nun von Herrn Menzel Genugtuung, die dieser jedoch ablehnte. Diese Ablehnung teilte Herr Hammersen beschwerdesührend dem Rektor in einem Briefe mit, den er mit „Heil Hitler" untere zeichnete. Die Folge war ein Disziplinärversahren. Aus dr eimalige Aufforderung von Herrn Samuel, für feine Beleidigungen einzu stehen, reagierte der Hakenkreuzler überhaupt nicht. Im Verlaufe des Disziplinarverfahrens wurde Herrn Hammersen dann für diese Vorfälle und, wie er im „A n - griff" schreibt, „für die angebliche Unhöslichkeit gegenüber dem Juden Samuel" ein Verweis erteilt. In der Unterredung mit dem Rektor, in der Herrn Hammersen auf Beschluß des Senats der Verweis erteilt werden sollte, trat er seinem Rektor mit geradezu unglaublicher Frechheit gegenüber. Als er schließlich hinausgewiesen wurde, verließ er das Zimmer nicht ohne ein nochmaliges kräftiges „Heil Hitler". Außer den oben erwähnten Verfügungen ordnete der Rektor noch an, daß jeder Student, der nationalsozialistisch orientierte Flugblätter verteilt, sei es innerhalb oder außerhalb der Hochschule, mit dem Ziele der Relegation disziplinarisch bebe langt, und daß Schreiben des Nationalsozialistischen Studentenbundes an die Hochschulbehörden nicht mehr beantwortet werden. Erfreulich ist es, daß Professor Dr.-Jng. Krencker mit der erforderlichen Konsequenz versucht, die Hochschule vor den Wogen der politischen Verhetzung zu schützen. Sie war auf dem besten Wege dazu, eine der reaktionärsten Hochschulen Deutschlands zu werden. ' R. 8. " vereine -och eine nationalistische Organisation Nunmehr erhalten wir von einer Persönlichkeit, die jahrzehntelang im Lager der Rechten tätig war, eine Zuschrift, in der hinter die Kulissen derartiger „Berichtigungen" geleuchtet wird. Soeben erhalte ich zufällig Kenntnis von den in der Nr. 27 der „C. V.-Zeitung" vom 4. Juli 1930 enthaltenen „Berichtigungen" zum Thema „K a m p f b u n d f ü r d e u t s ch e K u l t u r", in welchen Herr Alfred R 0 s e n b e r g' und sein „Kampfbund für deutsche Kultur" mit erstaunlicher Unbesorgtheit um die Wahrheit alle intimen Zusammen¬