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Central-Verein-Zeitung · 1930-07-25 · 30 (25.7.1930) · p. Seite 394

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
30 (25.7.1930)
Date
1930-07-25
Page
Seite 394 (sequence 2)
Language
German
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m schweren Störungen bewahrt. Von uns als den vom nationalsozialistischen Ansturm, von den etwaigen Experimenten eines nationalsozialistischen Regimes zunächst Betrosfenen, erwartet man besonders grotze Anstrengungen und eine überdurchschnittliche Pflichterfüllung! Wir können nicht voraussehen, ob die Zahl der Nationalsozialisten nach der Wahl im Reichstage ausreichen wird, um die Regierung entscheidend zu beeinflussen. Aber gleichviel: es gilt zu erkennen, daß der Zeitpunkt, wo auch diese Bewegung zerfallen wird, nur dann kommen wird und kann, wenn mit aller Kraft ihrer inneren Unwahrhaftigkeit, ihrem politischen Betrug gegenübergetreten wird. Unsere Arbeit gegen den Nationalsozialismus wird auch nach dem 14. September nicht aufhören dürfen, vielleicht wird sie dann sogar in verstärktem Maße einzusehen haben. Wir wissen, datz der uns nun einmal aufgezwungene Kampf in Abwehr und Angriff uns noch lange Zeit hinaus vor immer steigende Aufgaben stellen wird. Wir werden ihn führen und wollen ihn führen, wenn unsere Freunde sich der Einsicht erschließen, datz wir es ohne ihre tatkräftige Unterstützung nicht können, wenn sie innere Reibungen vermeiden und im Bewußtsein unseres guten Rechtes persönliche und sachliche Opfer zu bringen gewillt sind! besser gemacht w e r d e n m ü ß t e. Es genügt, daß er das, was von jüdischer Stelle schon ungezählte Male in praktischerer Form gesagt worden ist, von einer Plattform wiederholt, die von den deutschen Juden als neuartig, als „außen" empfunden wird. Kein Wort der Aneiferung in diesem „Offenen Brief", anher den gänzlich utopischen, das nicht schon in jüdischen Zeitungen, vor allem in der tapferen, gar nicht „matten" und „kümmerlichen" „C. V. - Zeitung", dem Wochenblatt der größten deutschen jüdischpolitischen Organisation, des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, gestanden hätte. Aber viele andere Worte außer diesen, viele Anregungen, Ausrufe, Tatsachenberichte haben in" diesen Blättern seit Jahren und Jahrzehnten für die Selbstwehr der deutschen Juden gewirkt. Nicht alle, die sie angingen, haben sie gehört oder hören wollen. Und darum freuen wir uns der Unterstützung, die uns aus anderem Lager unerwartet zuteil ward. Aber diese Unterstützung kann nur fruchtbar werden, wenn sie mehr kann als Worte machen, wenn sie bereit ist m itzutu n. Tie Tat kann aber nur erwachsen aus Erkenntnis der Tatsachen und aus dem Willen zur Gerechtigkeit. Verrohte Schuljugend in Sensburg stört öenjü-Wen Religionsunterricht In der Beilage zur „Königsberger Volkszeitung" lesen wir in einem Aufsatz „Der Sensburger Schulskandal wird immer größer" u. a.: „Wenn umn heute den Namen Sensburg hört, so kommt einem unwillkürlich der Gedanke an die Städte Sodom und Gomorra. Was sich beispielsweise am 18. Juni gegen 15 Uhr in der Sensburger Volksschule zugetragen hat, stellt alle bisher von uns kritisierten Zustände weit in den Schatten und beweist wohl ohne weiteres die Berechtigung unserer Kritik. Am genannten Tage hielt der Lehrer I. jüdischen Religionsunterricht ab. Schüler der ersten Klasse, in der Rektor G o l l u b . persönlich Unterricht erteilt, versuchten in geradezu rowdyhafter Weise den Religionsunterricht zu stören, was ihnen auch gelang. So wurden u. a. durch das geöffnete Fenster Steine in die Klasie hineingeworfen, wiederholt während des jüdischen Gebetsritus an die Scheiben geklopft und die hebräische Sprache durch entwürdigende Schwabbeleien im Sprechchor nachgeahmt. Selbstverständlich war an Unterricht nicht zu denken. Als sich Lehrer I. diese groben Störungen in ruhigen, beinahe bittenden Worten — ihm tat diese irregeführte Jugend um ihrer selbst willen leid — verbat, rief eine Jungenhorde (mit Namen können wir dienen) „Heil Hitler!". In derselben Jnngenhorde fielen dann später noch Allsdrücke, die daraus schließen lassen müssen, daß der Endzweck derselben etwas Aehnliches wie mit dem Begriff Lynchjustiz gemein hat ... . . . Wundert man sich jetzt noch über die verwerfliche Hakenkrenzsndelei dieser Narrenpartei in Sensburg an Zäunen und Häusern, am Garten des Landrats und an den Schnlhansfenstern? Wundert man sich dann noch über die viehischen Verwüstungen in der Sensburger Synagoge? Wir wollen nun durchaus nicht behaupten, daß einer dieser Jungen an dem Einbruch beteiligt gewesen sein könnte. Ist es jedoch dmn Herrn Staatsanwalt bekannt, daß die Einbruchsöffnung im Shnagogensenster dermaßen klein gewesen ist, daß sich nach Lage der Sache nur ein schmächtiger Körper durch dieselbe hindurchzwängen könnte ..." Die Gelbstwehr der deutschen Juden Wie wir in Nr. 28 der „C. V.-Zeitung" milteilten, hatte die „Deutsche Republik" in ihrem Heft 39 vom 28. Juni d. I. einen „Offenen Brief an die deutschen Juden" von G. H. veröffentlicht, der den deutschen Juden die drohende nationalsozialistische Gefahr vor Augen führte. Das soeben erschienene Heft 42 der „Deutschen Republik" bringt nun eine Antwort auf jenen „Offenen Brief" aus der Feder von Dr. E. R e i ch m ann- I u n g m a n n. Wir entnehmen diesem außerordentlich klugen Aussatz: „Die Selbstwehr der deutschen Juden" nachstehende Ausführungen: ... Eine Tatsache aber ist ganz gewiß, und sie vorauszusagen bedarf es keiner Prophetengabe: der Antisemitismus ist in ständigem Anwachsen begriffen, er wird in der politischen Auseinandersetzung aus Jahrzehnte hinaus eine wichtige Rolle spielen. Und doch bedurfte es der aufrüttelnden Worte G. H.s, um die deutschen Juden aus ihrer Lethargie zu wecken? Sehen denn sie, die Nächstbeteiligken, die in erster Linie der Gefahr Ausgesetzten, nicht, worum es geht? Ist dieses seltsame Gebaren der jüdischen öffentlichen Meinung wirklich berechtigt, die nun aus einmal auf den Appell eines Außenstehenden hin sich zum Worte meldet? Alle diese Fragen sind ebensowenig mit einem glatten Ja und Nein zu beantworten, wie es erlaubt ist, sie in dieser Form überhaupt zu stellen. Daß es den abstrakten „Juden an s i ch" in Wirklichkeit nicht gibt, stellt schon der Schreiber des „Offenen Brieses" selbst fest, und es ist eine mehr als mathematische Selbstverständlichkeit, daß eine Summierung so ungleichartiger Größen, wie es die „konkreten Juden" sind zu dem einheimischen Begriff „die deutschen Juden", nur nach Vornahme höchst fragwürdiger soziologischer Manipulationen möglich ist. Kein Zweifel, daß eine große schläfrige Masse innerhalb der deutschen Judenheit immer noch die drohende Gefahr gering schätzt, daß sie nicht sieht und nicht sehen will, daß sie vor allen Dingen nichts von Ruhe opfern, nichts von Geldmitteln hergeben, nichts von wirklicher oder nur noch eingebildeter Unauffälligkeit aufs Spiel setzen will. Für sie kann keine Posaune laut genug tönen, keine Kapuzinerpredigt schwarz genug die Folgen der Versäumnisse ausmalen, für sie kann das Gefieder des Vogels, der sie auf das neue Betätigungsfeld lockt, gar nicht fremdartig und ungewiß genug schillern. Aber zur Ehrenrettung des deutschen Judentums sei festgestellt, daß ein Teil, und ein nicht unbeträchtlicher von ihnen, d e r Aufrüttelung nicht bedurfte. Ein Häuflein Führer und ein Haufen Geführter hat sein Schicksal sehr bewußt und energisch in die Hand genommen und sucht es in unermüdlicher, tapferer und erfolgreicher Arbeit zu meistern. Die sind es, die all die wohlgemeinten Ratschläge des „Offenen Briefes" schon längst gekannt, geprüft, zu leicht befunden oder angewandt haben. ^Die nicht dabei stehenbleiben, die politische Schlagwortbildung — nicht n u r die, aber natürlich a u ch die vom „schaffenden" und „raffenden Kapital" — bei ihrer wissenschaftlichen Wurzel anzupacken, sondern die auch die Kanäle finden, um sie zu entgiften und zu ersetzen. Es sind die 'gleichen Kreise, die die nationalsozialistische Gefahr schon zu einer Zeit erkannt haben, als die republikanischen Parteien sie noch als K i n d e r g e s p e n st verlachten und trotz nachdrücklichster Warnung nicht dazu zu bringen waren, ihr irgendwelche ernste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Erst seit neuester Zeit, nämlich seit man erkannt hat, daß der Nationalsozialismus die Juden nur als Zielscheibe benutzt, daß er aber darüber hinaus den gegenwärtigen Staat treffen will, ist man auch in den Bezirken dieser Parteien stutzig geworden. Und auch jetzt sind es wieder die gleichen jüdischen Kreise, deren aus unmittelbarem Lebensinteresse geborener Kampfeswille der allgemeinen Arbeit wertvollsten Elan gibt. Klägliche Abwehrvereine? Nur unbekümmerte Fremdheit, wenn man nicht bedauerliche Motive annehmen will, kann über zähen, aufopfernd geführten Kampf um die Selbstbehauptung solches Urteil fällen. Es ist hier nicht der Ort und nicht der Raum, um deutlicher zu werden, um in Einzelheiten zu gehen. Es ist billig, angesichts einer fortschreitenden politischen Bedrohung. vom Versagen der Abwehrmaßnahm e n zu sprechen. Würde man auch beim Fortschreiten einer Grippeepidemie, das durch wochenlange Ungunst der Witterung beschleunigt wird, wagen, die Schuld im „Versagen" der Gesundheitsämter zu suchen? Auch das Anwachsen des Antisemitismus wird durch Bedingungen, nämlich die herrschende W i r t s ch a f t s k r i s i s, begünstigt, die einer Naturerscheinung gleich zu achten sind und mi-t ihr mindestens die nahezu völlige Unbeei'nssußbarkeit gemein haben. Auf diesem fruchtbaren Erdboden, genährt durch einige objektive Gelegenheiten, meist durch historische Entwicklung hervorgerusene Gruppenbesonderheiten und aufgetrieben durch eine blindwütige Hetze, blüht das Unkraut des Judenhasses. Und ihm gegenüber steht eine tätige, aber kleine Gemeinschaft zur A bw eh r E n tsch lossene v. Herr G. H. hat es leicht, seine hellen Fanfaren ins Land hinauszuschmettern. Es schadet ihnr nichts, daß er sich mit mehr oderminder rhetorischen Fragen begnügt, daß er mit keinem Worte sagt, wie es eigentlich /

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