Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 30 (25.7.1930)
- Date
- 1930-07-25
- Page
- Seite 393 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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l^ntrol l?rein Blätter für öeutfektum und Judentum. Serttn, 25. Juli 1-ZS IX. Jahrgang * flr. 30 Cinzelnummeo 20 Pfennlj 'draanOes Zentral WreiasöeutfetteAV ölmttsdükyerMölfetten Klaubens e.V. /^.UHsmeine ^situntz clss Judentums BierLeljahesabonnement 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und SchrifLleiLung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. .:. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube 6, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Moste, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90fiir die 7gewaltene Zecke nach Rudolf Moste; Normalzeilenmester Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 Ml, die 62 mm breite Reklamezeile 3,50 c7cm* An die deutschen Juden! Der Reichstag ist aufgelöst. Mit einem heftigen Wahlkampf ist zu redmen. Der Nationalsozialismus hofft auf grosse Erfolge. Seinem Judenhass mit allen Mitteln entgegenzutreten, ist Euer aller Pflicht. Wir rufen unseren Freunden, wir rufen allen Juden zu: Kampf der Pogromhetze! Kampf dem Boykott! Kampf aller böswilligenV erleumdung von Juden und Judentum! Kein neues Thüringen im Reiche! Für Frieden im Lande! Denkt an die Zukunft unseres Vaterlandes! Deutsche Juden, helft uns! Tretet in unsere Reihen, gesellt Euch zu den Streitern für jüdische Ehre und staatsbürgerliche Freiheit. Eure Gleichberechtigung ist bedroht. Bietet alles an ideellen und materiellen Kräften auf, um den Anschlag auf Eure höchsten Güter abzuwehren! Stärkt namhaft unsern Kampffonds 1930! Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Justizrat Dr. Brodnitz. Neuwahlen von Ludwig Holländer Ueberflüsfig scheint es, die deutschen Juden darauf hinzuweisen, was der Ausgang der Reichstagswahlen für sie bedeutet. Die Wichtigkeit dieses politischen Ereignisses ist nicht zu übersehen. So sparen wir diesmal Wiederholungen, die unzählige Male nötig waren, ehe unsere Freunde die Gefahr des Nationalsozialismus mit genügender Klarheit erkannten. Viele von ihnen hatten das Anwachsen dieser Bewegung zwar mit Schrecken bemerkt, aber nur wenige zogen die einzig mögliche Schlußfolgerung: alle ihre geistigen und wirtschaftlichen Kräfte in die Kampffront einzureihen. Wir haben niemals versprochen, und wir behaupten auch heute nicht nach Quacksalbermanier, das Allheilmittel gegen die nationalsozialistische Krankheit zu besitzen. Aber was wir an Kampfmitteln schufen, und w i e wir sie einsetzten, erwies sich als zweckmäßig und aussichtsvoll. Aber unsere Kampffront blieb zu dünn, unsere Stimme war nicht stark genug, um den Klang der Wahrheit bis in die entferntesten Winkel unseres Vaterlandes dringen zu lassen! Trotzdem sind unsere Erfolge als nicht ganz geringfügig anzusehen. E i n e n o b j e k t i v e n M a ß st a b für sie bietet d i e S t ä r k e des Hasses, mit der uns unsere Gegner bedenken. Man fühlte nicht nur st immungs mäßig in uns den einzigen ernsthaften Gegner, man merkte aus dem, was wir redeten und schrieben, daß bei uns wie auf keiner anderen Stelle in Deutschland der gesamte Fragenkreis des Nationalsozialismus in seinem gedanklichen und tatsächlichen Inhalt erkannt, geprüft und entlarvt worden ist. Deshalb galt es, uns als unglaubwürdig, ehrlos, verlogen hinzustellen. Tag für Tag sind die nationalsozialistischen Zeitungen, sind die Reden der nationalsozialistischen Agitatoren von Verleumdungen, Beschimpfungen, Verdächtigungen des Centralvereins und seiner Führer erfüllt. Nichts ist so unglaubhaft, nichts so niedrig und unbegründet, daß es nicht gegen uns verwertet würde. Und weil es immer von neuem gehört und gelesen wird, glaubt schließlich die urteilslose Menge, es sei wahr. Hiergegen a n - Z u k ä m p f e n, k a n n erfolgreich sein. w e n n unsere Mittel stärker find. Aber nicht nur für das., deutsche Judentum haben wir den Kampf gegen Zersetzung und Lüge geführt. Die gleichen niedrigen Kampfmittel setzt der Nationalsozialismus gegen die Politischen Parteien, gegen den Staat als solchen, ein. Sehr spät erst haben die Parteien -erkannt, welche Gefahr im Nationalsozialismus heraufzieht. Die Einsicht, daß die Juden -nur die Vorgeschobenen sind, daß in Wirklichkeit aber der Staat und die Staatssorm gemeint sind, ja, daß das Motto für den Bürgerkrieg, „Gewalt vor Recht!", für viele Hunderttausend bereits Glaubenssatz geworden ist, ist jetzt endlich allen aufgegangen. Heute aber hat die politische Verhetzung bereits einen Grad erreicht, daß man in manchen Landesteilen von einem latenten Bürgerkrieg sprechen muß. Deshalb mutz ein Vielfaches an Anstrengungen geleistet werden von dem, was vor wenigen Jahren ausgereicht hätte, den damals noch bedeutungslosen Nationalsozialismus zu vernichten. Alle Staatsbürger, denen die Erhaltung des Staates wichtig ist, werden in den kommenden Wachen Opfer bringen müssen, um ein Wahlergebnis zu erreichen, das den Staat vor