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Central-Verein-Zeitung · 1930-07-11 · 28 (11.7.1930) · p. Seite 376

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
28 (11.7.1930)
Date
1930-07-11
Page
Seite 376 (sequence 12)
Language
German
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370 Literarische Spaziergänge. Von Sr. Ludwig Holländer. (Schluß des Aufsatzes aus Nr. 26). William Rosenau: „ I ü dis ch e Sitten und gottesdienstliche Gebräuche." Verlag „Jalkut", G.m.b.H. Berlin-Charlottenburg 1929. Das Werk gibt eine Darstellung der jüdischen gottesdienstlichen Gebräuche in gut lesbarer Sprache, die um so notwendiger ist, als sehr vielen unter uns der Sinn und Inhalt dieser Gebräuche nicht in genügendem Maße gegenwärtig ist. Das Buch sei bestens empfohlen. Paul Tillich: „Religiöse Verwirkl i ch u n g". Furche-Verlag, G. m. b. H., Berlin 1930. Die geistige Grundlage dieses Buches ist das Grenzgebiet von Kirche und Gesellschaft, von Heiligem und Nichtheiligem. Es behandelt die Dinge vom Standpunkt des modernen Protestantismus, ist aber für uns von besonderer Bedeutung in seinen Abschnitten über die außerreligiöse Verwirklichung des Religiösen. Dort werden behandelt die Ueberwindung des Persönlichkeitsideals, Klassenkampf und religiöser Sozialismus und der Staat als Erwartung und Forderung. Wir möchten wünschen, daß diese drei mehr politischen Abhandlungen, die m engster Beziehung zu den Aufgaben des Centralvereins stehen, im kommenden Abschnitt unserer Arbeit zum Gegenstand der Vertiefung unseres politischen Kampfes gemacht werden. Genauere Inhaltsangabe wird unseren Ortsgruppen gesondert Zugehen. Erich Koch - Weser: „Deutschlands A u ß e n p o l i t i k i n der Nachkriegszeit 191 9 — 1 9 29." Kurt Vowinckel Verlag G. m. b. H. Berlin-Grunewald 1929. Ein kurzer, aber durchaus vollständiger Ueberblick über den Gegenstand. Für alle diejenigen unentbehrlich, die den außenpolitischen Teil ihrer Zeitung mit Verständnis lesen wollen. Koch hat recht, wenn er ausführt: „Nationalismus wird am gefährlichsten, wenn er zum Nassendünkel abirrt. Völker wie die Schweiz und Kanada haben es am leichtesten, sich davon freizuhalten . . . Aus dem Rassenstolz europäischer Großmächte hat sich der Dünkel entwickelt, der die Russen sich als „das Volk der Zukunft", die Franzosen als „1a grande Nation", die Engländer als „das auserwählte Volk" bezeichnen läßt. Die Deutschen reden davon, daß an ihrem Wesen die Wett genesen wird. Hermann Heller: „Europa und der Faschismus". Verlag Walter de Gruyter u. Co. Berlin und Leipzig 1929. Das Buch bringt weit über seine eigentliche Themenstellung hinaus ein wirkliches Eindringen in die politischen Kreise Europas und beschäftigt sich namentlich mit dem Gebiete der politischen Pseudorenaissancen, wie Heller in ganz vorzüglicher Weise die ganz neue Betrachtung politischer Grundbegriffe in der Nachkriegszeit bezeichnet. Einige Ausführungen aus dem Buche, welche die Stellen der in ihnen enthaltenen Anregungen beweisen: „Ein verhängnisvoller Irrtum wäre die Meinung, die extremen Rechte und Linke stimmten ausschließlich überein in einer formalen Gewaltideologie, die sich daraus ergibt, daß beide politische Situationen vorsinden, die sie auf gesetzlichem Wege nicht ändern können. Es ist vielmehr so, daß die gesamte geistig lebendige Nachkriegsgeneration nicht mehr daran glauben will, daß das politische Geschehen durch Vernunft erklärbare und durch Vernunft zu verwirklichende Gesetze beherrscht wird. Sie findet die Vernunft weder politisch wirksam noch ästhetisch schön noch auch — was bei der geschilderten Zersetzung nicht wundernehmen kann — sittlich gut . . . Obzwar also der Faschismus auch heute noch vor allem nur Aktion und Gesühl sein will, weil er nur auf diese Weise imstande sei, „die Volksseele zu bewegen und einen unwiderstehlichen Strom des Nationalwillens zu erzeugen" dürfte Mussolini selbst doch in keinem Augenblick sich darüber im unklaren gewesen sein, daß man mit einem irrationalen Persönlichkeitskult genau so wenig Politik machen kann wie mit der entpersönlichten Programmwut des Nationalismus. Länger als zwei Jahre hatte der Faschismus behauptet, eine Antipartei (antipartito) Zu sein. Am fünften Gründungstage des Fascio erklärte aber Mussolini, er habe bei der Umgestaltung der losen Kampsbünde in eine Partei den Versuch unternehmen müssen, den Faschismus zu entpersönlichen, zu entmussolinisieren . . . Es liegt im Wesen jeder, vor allem aber der diktatorischen Staatsgewalt, daß sie ihre Volksgewolltheit behaupten muß. Je weniger das der Fall ist, um so stärker muß die Beteuerung sein. Eine Widerlegung durch das Volk hat ja die Diktatur, solange sie besteht, nicht zu fürchten" . . . „Der katholische Gedanke." Eine Vierteljahrsschrift, herausgegeben vom katholischen Akademikerverband. 1930. Verlag Josef Kösel und Friedrich Pustet. München. 1. Heft des dritten Jahrgangs. Hochbedeutsam in dem umfangreichen Aufsatz „Ueberwindung des Wirtschaftsliberalismus?" von Franz Xaver Landmesser ist für Bad Wildlingen, Hotel KaiseM Schönste, ruhige Lage,. mit jedem Komfort der Neuzeit. Volle Pension von M. 10,- bis M. 13,—. (Telephon Nr. 9). unsere Probleme die Fragestellung, ob und inwieweit mit der Konzentrationsentwicklung der modernen Wirtschaft eine Ueberwindung des Wirtschastsliberalksmus gegeben sein kann. Die Fragen sind insbesondere auch für die Wirtschaft der Jndenheit von eingehender Bedeutung; denn eine fortgesetzte weitere Bindung der Einzelwirtschaften und eine Unterordnung unter die Großwirtschaft bedeutet eine schwere Gefahr. Der. zur eindringlichen Lektüre empfohlene Aufsatz gibt uns wesentliche Merkmale zur Prüfung der Probleme in die Hand. Dr. Hugo Iltis: „Volkstümliche R a s s e n k u n d e." Urania-Verlagsgesellfchaft m. b. H., Jena 1939. Zur ersten Einführung in die „moderne Rassenkunde" unentbehrlich. Eine wissenschaftliche, vom sozialistischen Standpunkt aus beschriebene Abhandlung, führt insbesondere in die heute vielfach verbreitete Auffassung über Wesen und Bedeutung der Rasse ein. Ich glaube allerdings, daß der Verfasser trotz seiner Einsicht in die Unsinnigkeit der modernen Rassentheorie vieles auf diesem Gebiete auch seinerseits sehr überschätzt. Jedoch grundlegend für Unterrichtung auf unserem Gebiete. M. Steinhardt: „Jüdische Zeit- und Streitfragen." I. Kauffmann Verlag. Frankfurt a. M. 1930. Der bekannte Vorkämpfer für die Rechte der jüdischen Lehrer, eine Tätigkeit, die Steinhardt den Dank aller jüdischen Kreise eintragen sollte, weil er Mißstände unserer Gemeinschaft zu beseitigen bestrebt gewesen ist, hat Aufsätze über jüdische Probleme unserer Zeit, die er im Laufe vieler Jahre verfaßt hat, in einem Büchlein zusammengefaßt, herausgegeben. Will man in unseren Ortsgruppen Diskussionsabende einrichten, so sollte man dieses Buch heranziehen. Steinhardt führt eine geistvolle Sprache, man wird in vielem mit ihm übereinstimmen, in vielenu nicht. Anregend wirkt er immer. Einem Feuerkops kann man nicht gram sein. Manfred Saalheimer: „Der jüdische R e i ch s v e r b a n d." Verlag B. Heller. München 1930. Die Frage der Gesamtorganisation der deutschen Juden in einem Reichsverband wurde bisher eingehend besprochen. Zahlreiche Zweifelsfragen hängen mit dieser Gründung zusam« SSL evboI«nsshÄ«» S.'.L"L Jutta Graf, Norderney, Wilhelmstraße 6. 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