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Central-Verein-Zeitung · 1930-07-11 · 28 (11.7.1930) · p. Seite 371

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
28 (11.7.1930)
Date
1930-07-11
Page
Seite 371 (sequence 7)
Language
German
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37! Ein örief von -er Mosel. Hakenkreuz stört Sefreiungsfeier. T r a b e n - T r n r b a ch, Anfang Juli 1930. Wer in diesen Tagen von Köln nach Koblenz rheinaufwärts fährt, findet die rheinische Bevölkerung noch immer in fröhlicher Festesstimmung. Um das schöne Koblenz herum, das treue Wacht an Rhein und Mosel hält, bis zum goldenen Mainz findet man allüberall die reinste, lauterste Herzensfröhlichkeit. Das Land ist frei, und Rhein und Mosel sind so schön. Und wenn der Weg an den lieblichen Moselufern entlang gen Traben-Trarbach. dem berühmten Idyll, führt, ist man eingesponnen von eigener Herzensfröhlichkeit und ausgelassener Freude Frieden suchender Menschenkinder. Wo trifft man nicht einen guten C. V.- Freund, einen Kampfgenossen aus alten Tagen? Warum soll man ihm nicht auch an der Mosel begegnen; warum nur immer in Kampf und Not? Und der Ferund erzählt, von einer Eisenbahnstation zur andern, wie Pünktlich er seinen Beitrag an den Centralverein seit Jahrzehnten bezahl und wie sehr er mir gerade eine Erholungsreise in das schönste Fleckchen deutscher Erde gönne. Nach Traben-Trarbach loollen Sie? Das ist gescheit. Das ist gewissermaßen der Mittelpunkt der Weinkarte, die die Ortschaften an der Mosel entlang mit den schönsten Namen ausfüllen. Wo können wir uns heute abend treffen?" „In der Festhalle!" Mein Nachbar lacht. Bei 40 Grad im Schatten fällt es ihn: schwer; aber er muß herzlich lachen. Festhalle heute? Da finden ja sonst nur Massenveranstaltungen statt?" Und nun erzähle ich dem Freunde aus Elberfeld, daß ich am Abend in einer großen öffentlichen Kundgebung des Reichsbanners über „Das wahre Gesicht der Nationalsozialisten" sprechen werde. Veranstaltung hat das Reichsbanner einen Umzug durch die Stadt veranstaltet und die erst spät von den Weinbergen gekommenen Winzer, Arbeiter und Mittelständler, die durch die Schwere der Zeit besonders mitgenommen sind, eingeholt. Hier hat M ü n ch m eher vor einigen Wochen gesprochen und seinen dreistündigen Phrasenschwall mit einer Beschimpfung Hindenburgs geschlossen. Hier haben auch andere Führer der Nationalsozialisten die Wirtfchnftsnot der Winzer vor ihren Agitationskarren gespannt und ihnen eingeredet, daß im dritten Reich ein strenges Wein-Einfuhrverbot ergehen würde; daß also die Nationalsozialisten die Winzer wieder guten Zeiten entgegenführen würden. Hier war es leicht, mit dieser Deumgogie gewissenloser Naziführer abzurechnen. Man braucht nicht der optimistischen Auffassung zu sein, die nach der in allen Teilen geglückten Veranstaltung von den Führern der republikanischen Parteien geäußert wurde: für das anständige Traben-Trarbach ist der Nationalsozialismus jetzt erledigt, — eins ist gewiß, wenn die Nationalsozialisten wiederkommen, werden sie es schwer, sehr schwer haben, ihre Hetzkampagne, die so hoffnungsvoll begann, fortsetzen zu können. Man muß Zugeben, daß die Nationalsozialisten dazu beigetragen haben, dem Gegenstoß der republikanisch gesinnten Bevölkerung wirksame Kraft zu geben. Während der Befreiungsfeier am Moselstrand Landrat von Stein hielt gerade die Festrede — flammte ein riesiges Hakenkreuz auf der Grevenburg auf. Das „Heil!" über dem weithin sichtbaren Hitler-Symbol grüßte die Massen am Moselufer plötzlich so aufdringlich, daß Staunen und Empörung Festesstimmung ablösten. Eine Viertelstunde lang konnte diese Lausbuberei die beabsichtigte Wirkung tun; bis ein beherzter Junge den Berg hinauf geklettert war und die Lichtleitung durchschnitten hatte. Am letzten Freitag hat der von allen Seiten angegriffene B ü r g e r m e i st e r der ^tadt in öffentlicher Stadtratssitzung die Erklärung abgegeben, daß er von dem nationalsozialistischen Stadtverordneten des Kollegs durch lügnerische Angaben übertölpelt worden sei. Die Lichtleitung sei bewilligt worden, weil nach Angaben dieses ehrenhaften Stadtvaters man einen Punkt auf dem Berg beleuchten wollte, an dem die Nationalsozialisten sich sanuneln sollten, um die Befrerungsfeierlichkeiten nicht, zu stören. Diese Kriegslist und die Beschimpfung Hindenburgs durch Münchmeyer sind nicht nach dem Geschmack des Moseltalbewohners. Er ist gradaus und ehrlich und will, daß seine Mosel überall in Deutschland geliebt und verehrt wird. „Solche Methoden sind bei uns nicht angebracht!" Damit hat inan Herrn Münchmeyer heimgeschickt und beu nationalsozialistischen Stadtvater allgemeiner Verachtung preisgegeben. Koblenz, das rheinische Koburg, soll nach dem Willen der Nationalsozialisten zum Mittelpunkt ueuländischen Besitzes Hitlers an der Mosel werden. Die gutmütige Bevölkerung dieser Gegend hat sich seit Jahrhunderten um ihre Weinberge unb nicht um Politik gekümmert. In diesen „Primitiven", wie sie der Nationalsozialist nennt, kann man auf die Dauer Gehässigkeiten nicht heimisch machen. Herr Hitler wird es bald erkennen: Wer an der Mosel maßlos mit Haß regiert, verliert. Artur Schweriner. Ein alteingesessener Traben-Trarbacher, Führer der Demokraten, leitet die Versammlung in der überfüllten Festhalle. Das Zentrum unter Führung eines Postinspektors und eines Rektors ist zahlreich vertreten. Vor der Bericht der „Kölnischen Zeitung". Nationalsozialistische Forderungen. Personalpolitik im „Dritten Reich". I! t [! [ i!! i!! U H (ü I (HI!(111N t f H i (1! t (I i HIH il f >! IN (I {t! f ü U (11 i I! f f il i H! 111! I i 11 i 1! 11! i! 1! H f f{!! (I!! i i i [ Einladung zu einer Mündtmeyer-Versammlung. Was sie für zugkräftig halten. Uniform/erbot>j. Jüngst fand in der Messehalle in Köln eine öffentliche Kundgebung der Nationalsozialistischen Partei, in der nach einem Bericht der volksparteilichen „K ö l n i s ch e n Z e i t u n g" der Landtagsabgeordnete Kube und der aus seinen Prozessen bekannte ehemalige Pfarrer M ü n ch m eher mit starker Selbstüberhebung über das Anwachsen der nationalsozialistischen Bewegung bei den Landtagswahlen in Sachsen berichteten. Neber 4000 Personen, die zum Teil nur aus Neugier und Sensationslust gekommen waren, füllten die Große Messehalle. Beide Redner waren bemüht, mit ihren würdelosen Angriffen auf den gegenwärtigen Staat den Erwartungen der sensationshungrigen Zuhörer in jeder Beziehung gerecht zu lverden. Dagegen sind sicherlich alle die enttäuscht nach Hause gegangen, die nicht nur Phrasen und schöne Worte hören wollten, sondern die im Hinblick aus die wachsende Notlage im ganzen Reich von den Rednern eine ernsthafte Stellungnahme zu den wirtschaftlichen und politischen Fragen der Gegenwart erwartet hatten. Landtagsabgeordneter Kube meinte u. a. in seiner Rede, daß aus der Geschichte der letzten zehn Jahre nur die machtvolle Idee des Nationalsozialismus hervorrage. Die Nationalso- Cm Xacscfbof HFa zialistische Partei werde im Reich erst f , (> [ / J dann einen Ministerposten annehmen, Ochorrbrl/NTr wenn sie in Preußen den Minister des Innern stelle. Bei den nächsten Reichstagswahlen werde für sie bestimmt ein Minister- Cit Posten frei. Man denke jedoch niemals daran, Nicht flechtet St>nJtrn5$Mre neue uH&erec das Finanzministerium zu übernehmen. Man FfW Jüntrdt'Solf*. 'EnAm* **W<wstf*' werde vielmehr in erster Linie das Reichs- VS.IMlhkrU^) kreppeSÄm*. wthrm,nisterium beanspruchen, für das —-—t j y——■+■- General a. D. von EPP vorgesehen sei. Im cjjp jj,o Am SQnnahend, den5övlit Abends S Lf^r Sprecht (m JCacser hof t-JR ■* . | * fc mf Jchörtfertmn Sfc rCcca^erstrassA dtrMhtionaisoiiaUst ffaw ajj.Mifnü Vi , ^”7 77 _ _ _ Ober dt&s IhemO" ichm&iter kommenden „Dritten Reich" lvürden Marxisten als Beamte nicht mehr beschäftigt. Aus dem Richterstand müsse jeder entfernt werden, der nicht deutschen Blutes sei. In ganz kurzer Zeit wurden die bürgerlichen Parteien in den letzten Zügen liegen. Dann gelte der Jagdruf: Sau tot! Jagd ans! Der frühere Pfarrer M ü n ch m e y e r versuchte ein Spißtzelbild von den Wahlkämpfen in Sachsen zu entwerfen. Er sagte in diesem Zusammenhang u. a., daß alle diejenigen, die dem heutigen System dienen, ohne Pension entlassen würden, wenn der Nationalsozialismus die Macht in der Hand habe. Spätestens in eineinhalb Jahren habe man das „Dritte Reich" erkämpft. Wer bis zu dieser Zeit nicht in den Listen der Nationalsozialistischen Partei stehe, der könne im neuen Deutschland keine verantwortliche Stellung mehr bekleiden. Die Offenheit, mit der hier -die zukünftige Personalpolitik der Nationalsozialistischen Partei ausgedeckt wird, -ist bemerkenswert für eine Partei, die sich nicht genug darin tun kann, den heutigen Staat mit einer „Futterkrippe" zu vergleichen. Die 82. FrieMschäoiliiiig! In Dicspeck (Miltelfranken) hat eine Friedhofschändung, der drei Grabsteine;«m Opfer gefallen find, in der dortiger» Bevölkerung grotze Ansregnng verursacht. Die jüdische Gemeinde hat HM) Mark Belohnnng ausgesetzt.

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