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Central-Verein-Zeitung · 1930-07-11 · 28 (11.7.1930) · p. Seite 369

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
28 (11.7.1930)
Date
1930-07-11
Page
Seite 369 (sequence 5)
Language
German
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Soll öas fc weitergehen I Unglaubliche nationaljü-ische tzerausforüerungen öes Centralvereins Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß in den letzten Jahren eine gewisse Beunruhigung im innerjüdischen Leben Deutschlands mehr und mehr eingetreten ist. Zwar sind die Gegensätze der Weltanschauung zwischen Nationaljudentum und jüdischem Deutschtum unüberbrückbar. Es ergab sich auch die Notwendigkeit, Angriffe und Uebergrisfe mündlich und schriftlich, wie auch in diesen Blättern zurückzuweisen; im allgemeinen aber herrschte das Bestreben vor, nicht unnötig neue Kämpfe herausbeschwören. In unseren Reihen zeigte die letzte Hauptvorstandssitzung das klare Bestreben, bei stärkster Wahrung unserer Weltanschauung die innerjüdischen Gegensätze angesichts der Nöte der deutschen Judentums nicht unnötig zu verschärfen. Es mag dahingestellt bleiben, aus welchen Gründen das Nationaljudentum seine frühere Angriffslust, die sich besonders gegen die Abwehr allgemein scharf richtete, zurückgestellt hat. Wir unserseits vermieden in den letzten Jahren laute und beide Teile von ihren eigentlichen Aufgaben abziehende Kämpfe, weil der harte Kamps nach außen hin, nach nun schon banaler Erfahrung, für jeden vernünftigen Politiker nicht unbedingt nötige Streitigkeiten im eigenen Hause vermeiden heißt. Wir beobachten nun mit steigendem Erschrecken, wie seit einigen Monaten diese aus dem Zwange der Tatsache sich ergebende — sagen wir einmal — innerjüdische Ruhe von nationaljüdischer Seite stärker und immer stärker gestört wird in einer Zeit, wo der nationalsozialistische Ansturm sich zu einer a l lg e m e i n deutschen und einer besonderen jüdischen Gefahr ausw ächst , wo der Centralverein Tag und Nacht in ununterbrochener Tätigkeit aufzuklären und abzuwehren mit allen geeigneten und erlaubten Mitteln auf Grund mehr als 30jäh ritz er Erfahrung bestrebt ist, wo seine Mitabeiter und An ge st eilten im ganzen Reiche bis zur Erschöpfung sich für das ganze deutsche Judentum einsetzen. In dieser Zeit bekommen es Kreise, die jede Stunde von „jüdischer Verantwortung" reden, fertig, Handlungen zu begehen, die man tatsächlich als „D o l ch st o ß" in die Abwehrfront bezeichnen muß. Aus welchen Gründen die Zionistische Organisation für Deutschland seit einiger Zeit eine Propaganda für eine g e - meinsame Abwehr bzw. für die Uebernahme der Abwehr aus die Gemeinden mittel- und unmittelbar durch ihre bekannten Kanäle betreibt, wollen wir heute nicht untersuchen. Es wäre ein leichtes, diese Agitation unter eine satirische Lupe zu nehmen und die Haltung der Zionisten der Abwehr und dem Centralverein gegenüber, die noch vor gar nicht so langen Jahren bestand, mit den heutigen Wünschen nach gemeinsamer Abwehr zu vergleichen. Aber niemand kann einer Organisation wie der Zionistischen das Rechts bestreiten, aus den Tatsachen zu lernen und ihrerseits eine Prüfung der Möglichkeiten, die Abwehr auf eine breitere Grundlage zu stellen, vorzunehmen. Solche Aussprache kann nützlich sein, und Aussätze, die ruhig und sachlich in dieser Frage in der „Jüdischen Rundschau", in der „Breslauer Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland" veröffentlicht worden sind, waren gewiß förderlich. Etwas ganz anderes aber und Unerhörtes ist es, wenn von verschiedenen zionistischen Seiten diese Gelegenheit bewußt benutzt wird, die Aufklärungs- und Abwehrarbeit des Centralvereins mit Schmutz zu bewerfen und sogar vor der allgemeinen deutschen Oeffentlichkeit als falsch, verkehrt und verlogen zu schmähen. Was soll man dazu sagen, wenn die den deutschen Zionisten nahestehende, sonst so zurückhaltende Prager „Selb st wehr" die vier machtvollen Kundgebungen des Centralvereins. in Eisenach und Berlin, insbesondere aber unser unaufdringliches, aus der Not der Stunde geborenes Bekenntnis zum Deutschtum, das in dieser Protestkundgebung im heiligsten Zorne sich äußerte, als „süßliches Beteuern, als geschmacklose Lobhudelei" anspricht? Was soll man dazu sagen, wenn „eine derartige Form der Geltendmachung der Rechte für zwecklos und unwürdig" erklärt wird? Was soll man dazu sagen, daß ein zionistisches Winkelblättchen es fertig bekommen hat, den „Abwehrkampf" in Thüringen als ein „hysterisches Durcheinander von Aktionen" zu bezeichnen? Was sollman dazu sagen, wenn dasselbe Schimpforgan einen Satz der Eingabe des Thüringischen Landesverbandes israelitischer Gemeinden, der von der Heimatstrcue und dem guten Zusammenleben der gesamten thüringischen Bevölkerung spricht, als „Phrasenhaftigkeit und Gedankenarmut" bezeichnet und sich sogar zu der unerhörten Verleumdung versteht, daß diese „leerlaufenden, geschichtsfälschenden Phrasen aus niemand Eindruck machen können"? Was soll man dazu sagen, daß mit eindeutigem Hinweis auf den Centralverein über diesen Schmähartikel das Motto aus Heine gestellt wird: „ . . . Wie schlecht geschützt ist Israel! Falsche Freunde hüten seine Tore von außen, und drinnen sind seine Hüter Narrheit und Furcht!"? Mas soll man dazu sagen, daß dieses Organ zehnten Ranges es fertig bekommt, über den Centralverein auszusagen: „Was er an Entjudungsarbeit geleistet hat, ist außerordentlich." Wir verstehen, daß ein Zionist den Centralverein als weltanschauliche Zusammenfassung durchaus ablehnen kann. Was wir aber nicht verstehen, ist z. B. — und solche Beispiele werden sich nicht schwer vermehren lassen —, daß ein sehr bekannter und angesehener Zionistenführer Mitteldeutschlands es fertig bekommen hat, von der notwendigen Vernichtung des Centralvereins zu sprechen, daß er zu verhindern sucht, daß gewisse, innerjüdisch durchaus unangreifbare, mit dem Centralverein durchzuführende Aufklärungsaktionen ins Werk gesetzt werden. Ueber eine andere schwere Brüskierung des Centralvereins aus jüngster Zeit wird zu gegebener Zeit zu sprechen sein. Dies geschieht im Zeitalter der Hitler und Frick und der Sachsenwahlen, die wahrhaftig jedem Menschen mit gesunden fünf Sinnen die Notwendigkeit unserer Arbeit für alle Juden eingehämmert haben sollten. Niemand wird eine Unterstützung der Abwehrarbeit auch von zionistischer Seite, die im Rahmen des Erfüllbaren und Möglichen und ohne Antastung unserer Weltanschauung geschieht, in diesen schweren Tagen brutal von sich stoßen. Wir fordern aber im Namen aller gerechten und besonnenen Juden, ohne Unterschied der Parteirichtung, daß die Aktionen des Centralvereins nicht durch Dolchstöße aus dem jüdischen Lager sabotiert werden. Wolken gewisse Teile der deutschen Zionisten jetzt den Kampf gegen den Centralverein, so werden wir auch diesen, und zwar schmerznnd zornerfüllt, aber mit ungebrochener Energie, führen. Das mögen sich alle Verächter des Centralvereins, wo sie auch immer stehen, gesagt sein lassen. Freunde des C. V. in Stadt und Land Werbt neue Mitglieder!

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