Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 27 (4.7.1930)
- Date
- 1930-07-04
- Page
- Seite 360 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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360 Mtestamentter voran, auf der Professor Wille (Wien) über „D i e k u l t i s ch e Keuschheit i m i s r a e l i L i s ch -jüdischen Altert u m" und Professor Schlögl (Wien) über ein rein gelehrtes Thema sprachen. Professor Wille stellte eingangs fest, daß in der altbiblischen Zeit .die Ehe als etwas Natürliches wertgeschätzt war, und daß der geschlechtliche Verkehr nach göttlicher Ordnung als selbstverständlich und naturgegeben angesehen wurde. Später kam die Anschauung aus, daß der geschlechtliche Verkehr rituell verunreinigte. Drei Arten sexueller Abstinenz könne man unterscheiden: die Abstinenz irn Kriege, die Abstinenz bei der Frau, die Abstinenz vor kultischen Handlungen (Offenbarung am Sinai). Nach dem babylonischen Exil trete auch geschlechtliche Enthaltsamkeit als religiöse Hebung auf. Aehnliche Vorgänge fänden Parallelen in der gesamten Völkerwelt. Man fände die Anschauung, daß die Enthaltsamkeit die Kräfte des Menschen erhöhe, daß die Keuschheit die Ansamnrlung von Kraft im physischen, religiösen, magischen Sinne darstelle. Gottesdienst und Liebesgenuß schließen letzlich einander aus. Wille wies aus das Uebergreisen dieser Anschauung aus die christliche Kirche (Zölibat, Nonnen tum) hin. Die 25. Hauptversammlung des T e u t s ch e n Palästina-Vereins, die von Professor Albrecht A l t (Leipzig), dem Vorsitzenden des Deutschen Palästina- Vereins, mit einem eingehenden Geschäftsbericht eröffnet wurde, brachte bedeutungsvolle Vorträge des Professors S. K r a u ß (Wien) über „N e u e S y n a g o g e n f u n e i n P alü st i n a" uni) des Professors M a d e r (Jerusalem) über „Die Ausgrabungen in Mamre" (bei Hebron). Krauß wies auf die grundlegende Arbeit von Kohl und Watzinger über den Synagogenbau in Galiläa hin. Seitdem hätten verschiedene Institutionen und Organisationen die Ausgrabung von Synagogen in Palästina betrieben: dabei seien Synagogen vom 2. bis 7. christlichen Jahrhundert in mehr oder minder großen Teilstückcn an das Tageslicht^gekommen. Wichtige Inschriften, über deren Entzifferung das letzte Wort noch nicht gesprochen sei, und die in aramäischer und griechischer Sprache verfaßt sind, konnten der Wissenschaft zugänglich gemacht werden. Einige wichtige Mosaikbilder seien gesunden worden: so sei Daniels Errettung aus der Löwengrube dargestellt imb neuerdings bei der jüdischen Kolonie Beth Alpha der Tierkreis mit den 12 Bildern und mit griechischen und aramäischen Inschriften bekanntgeworden. In Dscherasch, dem alten Gerasa im Ostjordanland, sei eine in einer Kirche eingebaute Synagoge mit Inschriften und Mosaiken im Jahre 1929 entdeckt. Unter den Mosaiken sei ein Bild der Sintflut bemerkenswert mit Vögeln, Tauben, Pfauen, Gazellen, die in die Arche einziehen. Auch im letzten Jahre seien neue Funde zu verzeichnen, so daß man mit einer weiteren Bereicherung unserer Kenntnis des Synagogenbaues und der Kulturen, die ihn beinflußten, -erfreulicherweise z'u rechnen hat. Mit sicherem Blick hat Professor Made r schon seit langem in einer Ruinenstätte unweit Hebrons (Sudpalästina) das trotz aller Gelehrtenstreitigkeiten wahre Abrahams-Heiligtum erkannt. 80 bis 90 Arbeitskräfte gruben fünf Monate lang täglich, um die Grundmauern der über dem Erdboden herausragenden gewaltigen Zyklopenmanern sreizulegen. Scherben, Münzen der römischen Kaiser und Landpfleger, Tonlampen, Schmuckgegenstände bewiesen u. a., daß man auf dem richtigen Wege war. Ein alter palästinischer Schriftsteller meldet, daß solche Gegenstände in den Brunnen, dessen Höhlung man freilegte, zur Verehrung Abrahams geworfen worden waren. Innerhalb der freigelegten Mauern wurden ein vorherodianischer Steinplattenfuhboden und der Brunnenbau des Kaisers Konstantin freigelegt. Außerhalb der Mauergrenzen selbst gelang es schließlich, als glänzende Bestätigung der Maderschen Theorie, die Mauern der Konstantinischen Basilika zu Ehren Abrahams auszudecken. Pilgerinschriften an den Mauern bewiesen die Heiligkeit des Platzes. Bei der Apsis fanden sich 50 Tonlampen aus dem sechsten nachchristlichen Jahrhundert, im Hauptschiff 400 Münzen als Votivgaben. Das zerstörte Bild des Merkur-Hermes wurde in den Fundamenten der Basilika entdeckt, ein Beweis für ein römisches Heiligtum, das sich ursprünglich dort befunden hatte. Die Umfassungsmauern (Haram) der Mamre- Basilika, die selbst aus dem 4. Jahrhundert stammen, zeigen Aehnlichkeiten, aber auch charakteristische Abweichungen von den Umfassungsmauern (Haram) der gegenwärtigen Hauptmoschee (Patriarchengräber) in Hebron. Die Verfeinerung der Technik in Mamre gestattet die Schlußfolgerung, daß der Mamre-Bau jünger ist als der von Hebron. Neben dem Brunnen im Hofe des Mamre-Harams wird wahrscheinlich die uralte Abrahamseiche, die hohe Verehrung genoß, gestanden haben. Professor Mader, dessen Ausgrabungsarbeiten von Professor Stummer wirkungsvoll unterstützt wurden, vermutet, daß Mamre der Platz sei, wo ein noch weit älteres Heiligtum aus der vorisraelitischen Zeit sich befunden habe, und daß der vorgenannte Steinplattenboden den „Heiligen Weg" (via saera) dorthin darstellt. Der Gelehrte rechnet mit der Möglichkeit und will die Beweise im einzelnen dafür noch erbringen, daß hier ein uraltes p a l ü st i n i s ch e s H eilig t um von zentraler Bedeu tung gestanden habe. Alfred Herzog: Blumenthal, seit 1915 tüchtiger Soldat, konfessionsloser Sozialist jüdischer Abstammung, aus dem Mannschastsstand hervorgegangener Reichswehrofsizier, von seinem Hauptmann wegen militärischer Leistm^ geschätzt, als Vorgesetzter geachtet, von seinen Kameraden aber gemieden und zurückgewiesen. Jude bleibt Jude, auch wenn er konfessionslos ist. Mit solchen Leuten, die nicht von ihrem Geist sind, wollen sich die Stachwitz und Lüritz nicht an einen Tisch setzen. Ein Konflikt auf der Wache, Ohrfeigen, für „Judenlümmel" — und es steht eine Einheitsfront gegen den Leutnant Vlumenthal, der seine Zukunft bei der Polizei beschließen mag. Wir haben hier das Teudenzstück nicht literarisch zu werten. Wir haben hier auch nicht zu der politischen Kritik, die der Verfasser in dramatischer Form an der Reichswehr übt, Stellung zu nehmen, wollen wir nicht unsere Neutralität gegenüber solchen Fragen der Parteipolitik verletzen. Daß Leutnant Blumenthal jüdischer Abstammung ist, schürt den Konflikt, bedingt ihn aber nicht; sein Dissidententum, sein Sozialismus und seine Herkunft aus yiUREOL seit 34 Jahren anerkannt beste iärbt echt und natürlich in allen Nuancen, vom hellsten Blond bis zum tiefsten Schwarz Frohekarton zu 1 Portion.M. 1,85 Probekarton zu 2 Portnnen .. 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