Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 27 (4.7.1930)
- Date
- 1930-07-04
- Page
- Seite 359 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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35- JOD BAD DAS BAD GEGEN ARTERIENVERKALKUNG TÖLZ KUR-u. BADHOTEL ■ MMW»»» DER JODQUELLEN. Inh. G.Kisskalt. Bayer. Aipen Das Haus für alle Kreise. Verlangen Sie Ptospektl Meinung entwickelt habe, in denen ich die Stellung des Kaisers als die fortgeschrittenere gegenüber feiner Umgebung bezeichnet habe, und in denen ich gegenüber Bülow und zum Teil auch gegen den Militärattache von Schwartzkoppen Stellung nahm. Ohne zu einem anderen Urteil bezüglich des Kaisers und des Botschafters zu kommen, verleidigt Oberst Schwertfeger mit einer außerordentlichen Wärme Schwartzkoppen. Er kommt zu dem Schluß, daß General von Schwartzkoppen vor uns stehe „als das Muster eines deutschen Offiziers und Ehrenmannes, eines Mannes, der in schwierigster Lage stets den Weg der Pflicht gegangen, ohne die Gebote reiner, über Konfessionshader und kleinlichen Vorurteilen erhobener Menschlichkeit außer acht zu lassen". Es ist heute noch nicht an der Zeit, den Schlußstrich unter die Debatte zu ziehen. Die Fragen, die streitig bleiben, "sind zunächst: Hat der General Schwartzkoppen richtig gehandelt, als er, von dem Botschafter auf Ehre und Gewissen nach etwaigen Beziehungen zu Dreyfus befragt, (mit Recht) diese in Abrede stellte, dabei aber verschwieg, daß Spionagebeziehungen zu einem anderen französischen Offizier bestanden? Die weitere Frage: Marder Militärattachä nicht verpflichtet, als sich das verbrecherische Angebot Esterhazys in eine fortgesetzte Spionagetätigkeit verwandelte, seinen Botschafter in Kenntnis zu setzen? Hütte er nicht, als die Verurteilung Dreyfus' wegen Landesverrats bekannt wurde, die Aufklärung geben müssen, daß er mit einem anderen französischen Offizier in Verbindung stand? Und wäre nicht der äußerste und letzte Moment, an dem die volle Wahrheit hätte gesagt werden müssen, der 6. Januar 1895 gewesen, an dem der Botschafter den Präsidenten der französischen Republik aufsuchte, um ihm mitzuteilen, daß keine Beziehungen zu Dreyfus bestünden? Selbst wenn man noch geneigt wäre, diese Fragen zugunsten Schwartzkoppens zu beantworten, müßte er nicht spätestens, als er aus der Veröffentlichung im „Matin" die ganzen Zusammenhänge erfahren hatte, als für ihn ein Zweifel überhaupt nicht, mehr bestehen konnte, daß Dreyfus wegen seines Spions E st e r h a z y verurteilt worden war, die Wahrheit gestehen? Der Botschafter selbst ist offenbar dieser Meinung gewesen. Er hat schwer unter der unhaltbaren Lage gelitten, in der ihn das Verschweigen von Schwartzkoppens Beziehungen zu Esterhazy gebracht hatte. Des Militärattaches Memoiren beweisen, das; ihm der ausdrückliche Befehl z u m Schweigen auferlegt worden ist, und zwar anscheinend mehrere Male. Dieses Schweigen hat er der Oesfentlichkeit gegenüber niemals, dem Botschafter gegenüber erst gebrochen, als dieser durch einen jetzt bekanntgegebenen Brief vom 19. Dezember 1898 ihn in stärkster Form beschwor. Die von Oberst Schwertseger bekanntgegebene Korrespondenz schwartzkoppens beweist, daß von den verschiedensten Seiten, und zwar zum Teil in allerdringlichster Form, an ihn das Ersuchen gerichtet wurde, endlich das Schweigen zu brechen. P a n i z z a r d i hat sich an ihn gewandt; eine Freundin des Fürsten Bülow, Malvida von Meysenb u g, hat ihm in dringender Form geschrieben, des Kanzlers Hohenlohe eigener Sohn, P r i n z A l e x a n d e r v o n Ho h e nlohe, hat ihn darauf hingewiesen, daß die Verkündung der Wahrheit ihn zum populärsten Manne in Frankreich machen würde. Und schließlich erfahren wir aus der bekanntgegebenen Korrespondenz, daß auch die F a - m i l i e Dreyfus auf dem Umweg über einen Freund sich an Schwartzkoppen gewandt hat. In der neuen Auflage meines Buches, die jetzt erscheint, werde ich mich in ausführlicherer Weise, als es bisher geschehen konnte, mit den Aufzeichnungen Schwartzkoppens und der Darstellung Schwertfegers beschäftigen. Der Schluß, zu dem man meines Erachtens kommen muß, ist der: Vom rein militärischen Standpunkt aus mag der Befehl, nicht einzugreifen, Schwartzkoppen gedeckt haben. Vom menschlichen Standpunkt aus ist seine Haltung bei einem ehrgeizigen, disziplingewohnten Manne zu begreifen, aber nicht zu billigen. Unwillkürlich drängt sich der Vergleich mit dem Obersten Piequart auf, von dem Schwartzkoppen selbst in begeisterten Worten spricht. "Piequart, der an sich in dieser Angelegenheit in keiner Weise interessiert war, aber die Verkündung der Wahrheit, an der er keinerlei selbstisches Interesse hatte, für oberstes Gesetz hielt, und der alles aufs Spiel setzte, um der Wahrheit zum Siege zu verhelfen. Auch ihm haben die Vorgesetzten den Befehl zum Schweigen gegeben. Aber er hat mit dem trotzigen Wort, „daß er das Geheimnis nicht mit ins Grab nehrnen werde", geantwortet. Schwartzkoppen aber war an der Befreiung Dreyfus' aufs höchste interessiert. Er hat in dem Zwiespalt zwischen Menschlichkeit und militärischer Pflichterfüllung es nicht auf sich nehrnen wollen, dem rnilitärischen Befehl entgegen das befreiende Wort zu sprechen, das ihm den inneren Frieden und einem in tragischer Verstrickung durch ihn ins Unglück geratenen Manne und Kameraden Ehre und Freiheit wiedergegeben hätte. Er hat aber auch sonst keinen Weg, etwa durch Einwirkung auf den Kaiser, gefunden, der es ihm erlaubt hätte, das ungeheure Rechtsverbrechen, das an Dreyfus verübt worden war, für seinen Teil wiedergutmachen zu helfen. So bleibt trotz des leuchtenden Bildes, das Schwertfeger von Schwartzkoppen entwirft, ein Gefühl des menschlichen Bedauerns und der inneren Unbesriedigtheit gerade bei denen zurück, denen der Kampf ums Recht die heiligste Sache des menschlichen Lebens ist. Der b. Deutsche Grientaliftentag in Wien von Dr. fllfreö Wiener. Wien ist dem Orient so nahe benachbart, daß es zu Zeiten Prinz Eugen des Edlen Ritters, und des mutigen Verteidigers Rüdiger von Starhemberg 1683 dem Schicksal nur um Haaresbreite entging, eine türkische Stadt zu werden. Noch immer treffen sich in ihm Orient und Okzident und schon seit alten Zeiten umschlossen seine Mauern gelehrte Bestrebungen und ihre Träger, die nach dem Orient wiesen. Als der Vorsitzende der Deutschen morgenländischen Gesellschaft, Minister a. D. Dr. Friedrich R o s e n, den 6. D e u t s ch e n O r i entöl i st e n t a g (10. bis 14. Juni) im wunderschönen Saal der Akademie der Wissenschaften erchfnete, nannte er eine stolze Reihe von Diplomaten und Gelehrten, die seit altersher in Wien die Verbindung mit dem Orient aufrecht erhielten und die orientalischen Wissenschaften seit jeher pflegten. — Die Kleinarbeit des Kongresses gliederte sich in acht Sektionen. Es ist schon aus Raumgründen unmöglich, die fachlichen Leistungen der einzelnen Sektionen hier zu würdigen. Der stillen Gelehrtenarbeit, die für die Leser minder interessante Probleme bearbeitet, würde Unrecht geschehen, wenn hier etliche von den rund 90 Vorträgen, die sich nur an die Fachgenossen wendeten, wahllos behandelt werden würden. Die Allgemeinheit werden vor allem die Berichte fesseln — im übrigen auch das Bezeichnende dieser Tagung —, die sich mit den überr a s ch e n d e n A u s g r a b u n g" s e r f o l g e n d e r l e tz t e n Jahre befassen. Professor Georg S t e i n d o r f f (Leipzig) berichtete eingehend über die „Thebanijche Gräberwelt", über hochwichtige Grabungen nahe den großen Pyramiden von Gizeh der arabische Professor Selim H a s s a n aus Kairo. Professor Keil (Greifswald) berichtete über die Grabungen des österreichischen archäologischen Instituts in Ephesus (Kleinasien), der berühmten Stadt des Apostel Paulus. Schon vor dem Kriege seien die Grabungen eingeleitet worden; während der griechischen Besetzung hätten griechische Gelehrte die Grabungen weitergeführt. Nach dem Kriege habe der Amerikaner Rockefeller die Fortführung der Grabungen ermöglicht. Das Theater von Ephesus, in dem die Menge gegen die Lehre des großen Apostel Paulus mit dem Gegenschrei protestierte: „Groß ist die Diana von Ephesus", ist freigelegt. Vom jüdischen Ephesus der Apostelzeit sind bisher nennenswerte Neste nicht gesunden; der siebenarmige Leuchter ist aber als Symbol nachgewiesen. Das uralte Heiligtum der Siebenschläfer, von denen die verschiedensten Völker in den verschiedensten Fassungen sich erzählen, konnte sreigelegt werden. Baron Max von Oppenheim, der wiederholt in den letzten 23 Jahren auf dem Tel H a l a s in Obermesopotamien, nicht allzu weit von Aleppo, gegraben hat, hatte das Glück, eine Reihe von Götterbildern und Statuen zu finden, die bisher der Wissenschaft vollkommen unbekannt waren. Die Funde sind teils im Museum zu Aleppo aufbewahrt, teils in einem von der preußischen Negierung in Berlin zur Verfügung gestellten Hause. Nach Meinung des Barons von Oppenheim lag bei Tel Ha'laf lange Zeit die das ganze obere'Mesopotamien beherrschende Stadt. Buntkeramik etwa aus dem Jahre 3000 v. Chr. kam an die Oberfläche. Mitani-Könige haben hier residiert. Bilderschriften sind nicht gefunden worden, sondern Keilschriften. Auch aramäische Könige hausten hier. Später war der Ort die Hauptstadt der umliegenden assyrischen Provinz. Steinbilder wurden gefunden, die bis in das 4. Jahrtausend v. Chr. zurückreichen und die dem sogenannten saburäischen Kulturkeis zugehören. Aegyptischer Einfluß wurde festgestellt. Bor dem Palast auf dem Hügel fand man das Bild eines großen Vogels. Einzigartige Götterbilder, die auf Tieren stehen, stützten als Säulen die Eingangsdecke. Rechts und links davon befinden sich in etwa ein Drittel Höhe ebenfalls Götter und mythologische Darstellungen. An den Außenwänden des Kultpalastes sind 186 rechteckige Steinbilder entdeckt worden, die bei der Tatsache, daß sie nach Oppenheims Ansicht vor das 12. Jahrhundert v. Chr. anzusetzen sind, in der Lebendigkeit und Wahrheit ihrer Darstellung an die bekannten Jagd- und Tierbilder aus den Hochzeiten babylonischer Kunst erinnern, sie vielleicht^ sogar noch übertreffen. Strauße, Stiere, Gänse, Fabelwesen bieten sich uns dar. Tierkämpfe werden in erschütternder Lebenswahrheit uns vorgeführt. Ja sogar eine Musikkapelle der Tiere, in der diese die verschiedensten Instrumente spielen, ist als Darstellung entdeckt worden. Fast unheimlich wirkt die kubistische Darstellung einer Frau mit scharf vorspringender spitzer Nase und zwei seitlich herausspringenden Zöpfen. Alte Keramik, die der von Professor Hersteld bei Susa gefundenen ähnelt, wurde entdeckt. Die gewaltige Bedeutung dieser Funde, die der Wissenschaft ganz neue Aufgaben stellt, wurde auch dem Laien sofort klar. Den Verhandlungen des Deutschen Orientalistentages ging eine kurze Zusammenkunft der