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Central-Verein-Zeitung · 1930-06-20 · 25 (20.6.1930) · p. Seite 333

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
25 (20.6.1930)
Date
1930-06-20
Page
Seite 333 (sequence 9)
Language
German
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333 Eine Rede, -ke gehalten werden müßte. WerteKollegen vom Ortsgruppe n- Vorstand! In weiten Kreisen des deutschen Volkes wird gern von der Sauregurkenzeit gesprochen, wenn der Sommer mit seiner Hitze eingesetzt hat. In vielen Kopsen herrscht die Vorstellung, daß auch die Politiker ihre Kosfer packen, um sich in den Bergen oder an der See Zu erfrischen, und daß jede politische Arbeit infolgedessen bis zum Herbst Zu ruhen habe. Kann wirklich jemand, der heute in der Politik Bescheid weiß, dieses Idyll von einst in Deutschland noch vorfinden? Nur wer die Augen krampfhaft schließt, nur wer die Ohren mit dicken Wachsklumpen verstopft, sieht nicht, wie trotz Gluthitze landaus und landab die nationalsozialistischen Versammlungen sich jagen; Hort nichts von den nun schon üblichen politischen Schlägereien und Schießereien; merkt nichts, was in der Sommerszeit in Thüringen sich abspielt. Unsere Gegner legen sich selbst in diesen heißen Tagen keine Almute auf ihre nationalsozialistische Bärenhaut. Wollen wir die Hände in den Schoß legen, wollen w i r so Lun, als ob der Judenhaß i tu Somme r einschlüft, um im Herbst w i e d e r Z u e r w a ch e n. Wollen wir so tun, als ob Vorstandssitzungen während der Sommermonate überflüssig sind, als ob die hundertfache Kleinarbeit, die einer Ortsgruppe obliegt, unerledigt bleiben darf? Müssen wir nicht gerade die auspeitschenden Vorgänge in Thüringen benutzen, um unsere Front zu stärken; müssen wir nicht die Lauen und Saumseligen aufmuntern? Gelbe RaucherZiihne. „Rach langem Suchen endlich das Richtige für meine Zähne. Rach dreimaligem Gebrauch blendend weiße Zähne, trotzdem dieselben durch vieles Rauchen braun und unschön wirkten. Ich werde nichts anderes mehr gebrauchen, als ChlorodontR B., Horst Berg. —- C h l o r o d o n t: Zahnpaste 60 Pf. und 1 Mil, Zahnbürsten, Mundwasser 1 Mt bei höchster Qualität. In allen ChlorodonbVerlallfsstellcn zu haben. Das neueste Heft der „Führerüriefe" ist vor kurzem ausgegeben worden; haben alle Kollegen, die Ortsgruppen führen, es bereits in Vorstandssitzungen durchgesprochen? Ist es nicht an der Zeit, ans Mittel und Wege zu sinnen, wie man im Herbste neue Freunde werben will? Kurz, ein Dutzend von Ausgaben liegt gerade jetzt vor jedem von uns, der es mit seinem Amte ernst nimmt. Kolleg e n, geht an die Arbeit! Aus der geistigen Werkstatt des Cenkraivereins. Die Judenfrage ist ein geistiges Problem, auch da, wo sie in Angriff und Abwehr politische Formen annimmt. Der Kampf geht mehr um Erkenntnisse, Überzeugungen und Ideale als um praktische Zweckmäßigkeiten. Darum bedeuten im antisemitischen Kampfe Erfahrung und praktische Bewährung weniger für die Richtigkeit einer Behauptung als deren Glaubwürdigkeit und Einstchtigkeit. Der echte Antisemit darf hundertmal die Nützlichkeit jüdischer Kulturarbeit erlebt haben — sobald und solange er an die Fremdrasfigkeit der Juden glaubt, ist und bleibt diese Tätigkeit schädlich, und wenn er eine anonyme Leistung anerkennt, wird, sobald er einen jüdischen Urheber entdecken sollte, die Anerkennung in Ablehnung. Umschlägen, solange nicht die geistige Grundlage seines Antisemitismus erschüttert ist. So hat sich mit dem Antisemitismus sozusagen eine Wissenschaft von der Judenfrage entwickelt, und zwar gleicherweise bei Angreifern und Verteidigern. Diese Wissenschaft hat allmählich das gesamte umfangreiche Gebiet der Geisteswissenschaften Theologie, Philosophie und Psychologie, Geschichte und Soziologie, Rechts- und Volkswirtschaftskunde — in ihren Bereich gezogen und greift nun schon, mit der Entwicklung der Rassenkunde, auf die Naturwissenschaft hinüber. Ein deutliches Bild dieser Entwicklung gibt die Bibliothek des Centralvereins, die in den letzten Jahren auf etwa viertausend Bände angewachsen ist und einen monatlichen Zuwachs von etwa vierzig Nummern zu verzeichnen hat. Den Grundstock bildet naturgemäß die eigentliche Angriffs- und Ab wehrliteratur. Diese gibt darum der Bibliothek das Gepräge; in ihr spiegelt sich deutlich das Wesen und Werden des Antisemitismus wie die Entwicklung unseres Abwehrkampfes in die Breite und Tiefe. — Da treten die alten und ältesten „Klassiker" der Judenseindschast aus dem Dunkel der Geschichte wieder hervor: Luthers „Von den Jüden vnd jren Lügen" im Originaldruck aus dem Jahre 1543, Johann Andrea Eisenmengers „Entdecktes Judentum" im Originaldruck aus dem Jahre 1711; in weitem Abstand davon die Streitschriften aus der Emanzipationszeit, die Kampfschriften von, für und wider Treitschke und Stöcker — um letzteren gleich in ganzen Serien von Angrisssliteratur. In ununterbrochener Linie dann weiter über Wilhelm Marr, Karl Paasch, Otto Böckel — den hessischen Bauerndoktor — zu den Zeitgenossen Friedrich Delitzsch, Alfred Roth — vor zehn Jahren eine Größe und heute schon vergessen —, Wilhelm Stapel, die „W eisen von Zion" zu Herrn und Frau L u d e n d o r s s, zu Hitler und der Schar seiner Gesolgsmannen. Die Geschichte des Antisemitismus erscheint lückenlos in ihren typischen Vertretern. Ebenso aber auch die Gegenbewegung: von Gabriel Nießer über Moritz Lazarus, Harry Breslau, den Zunftgenossen Treitschkes, Gustav Freytag, Emil Lehmann, Arnold Kalischer, Paulus Cassel zu Eugen Fuchs, Paul Rieger, Bruno Italiener, Hermann Strack, Julius Goldstein usw. usw. Man braucht nur einen flüchtigen Blick in diese zum Teil lange überlebte Literatur zu werfen, um bei aller zeitbedingten Einkleidung des Antisemitismus die völkische Grundierung zu erkennen, ebensowohl aber auch in der Verteidigung die nationaldeutsche Ideologie, das Bekenntnis zur deutschen Volks¬ und Kulturgemeinschaft als Dominante herausklingen zu hören. Rund um diese „aufs Ganze" gerichtete Verteidigungsliteratur baut sich als zweite Gruppe, kaum übersehbar, die Aus - klärungsliteratur über Einzelfr a g e n auf: über Bibel, Talmud und Schulchan Aruch, Ritualmord, Schächten und Eid, Ostjudentum, Zionismus und Palästina. In diesem Ausschnitt interessieren besonders die dokumentarischen Berichte über die großen Ritualmordprozesse von Damaskus, Tisza- Eszlar, Polna, Xanten, Könitz und Kischinew. Anschließend die zahllosen Schriften über die vielfachen natürlichen und noch vielfacheren konstruierten Beziehungen zwischen Judentum und . . . Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, Materialismus, Taufe, Freimaurerei, Mischehe, Mädchenhandel . . Juden aus Hochschulen, im Krieg, in den Parteien, in der Presse, im Theater, im Sport . . . Die Verankerung all dieser Sonderprobleme in den großen Wissenschaftsgebieten führt zur dritten Gruppe, zu den allgemein wissenschaftlichen Werken. Den Grundstock bildet hier die Geschichte. In erster Linie natürlich die jüdische: Allgemeingeschichte in jüdischen und nichtjüdischen Darstellungen; die Spezialgeschichte jüdischer Gemeinden in Deutschland, der Juden in den deutschen Staaten und in fremden Ländern. Die deutsche Geschichte ist in den wichtigsten älteren und neueren Darstellungen vertreten. Eingehender noch die Geschichte der einzelnen Kulturgebiete: Philosophie-, Rechts-, Religions-, Wirtschaftsgeschichte. Damit ist die Brücke zu den systematischen Darstellungen dieser Wissenschaften gegeben: Religionskunde des Judentums, des Christentums, von der altgermanischen Edda bis zum neudeutschen Heidentum, des Islams, des Buddhismus. SBefonöere Aufmerksamkeit ist der Volkswirtschaft in allen ihren Sondergebieten sowie unter dem Einfluß des Rassenantisemitismus der Völkerkunde gewidmet. Eine besonders wichtige Abteilung unserer Bibliothek, wie überhaupt jeder Bibliothek, bilden die Zeitschriften und N a ch - schlage wer k e. Jene gewährleisten die Aktualität, diese die Schnelligkeit der C. V.- Arbeit. Diese Zwecke verlangen natürlich die weiteste Grenzziehung bei der Auswahl der Literatur. So finden wir neben särntlichen jüdischen und den meisten antisemitischen Zeitungen und Zeitschriften die bedeutendere evangelische und in ausfallend starkem Ausmaße die katholische Literatur. Ferner die führenden Zeitschriften über Politik, Gesetz und Recht, Philosophie und Soziologie, Schule, Erziehung und Volksbildung und endlich Jugendzeitschriften aller Richtungen. Dieser Blick „von obenhin" auf und in die Bibliothek des Centralvereins ist wohl geeignet, ein Bild von der Art und denn Umfang der C. V.-Arbeit zu geben. Diese Arbeit ist in der Hauptsache auf Aktualität, auf die unmittelbaren Bedürfnisse des Tages eingestellt; Schnelligkeit und Zuverlässigkeit sind dnrunl die wichtigsten Anforderungen, denen sie gerecht werden muß. Damit ist eine Zentralisierung des Nachrichtendienstes wie der Hilfsmittel, vor allem des wissenschaftlichen Apparates, geboten, die selbst die Filialen im Reiche, die Landesverbände und Ortsgruppen, in der geistigen Arbeit von der Hauptstelle abhängig macht. Wie unpraktisch, ja geradezu unmöglich erscheint da der sonderbare Plan, die Abwehrtätigkeit auf die Gemeinden zu übertragen. Abgesehen von den technischen Schwierigkeiten, die einer solchen Umorganisierung entgegenstehen, würde die politische Arbeit gelähmt und die Abwehr- und Aufklärungstätigkeit zu ihrem wesentlichen Teile illusorisch gewacht werden. H, St. Wethen Sie im Steife Ohtev freunde und Verwandten neue TtHtgtiedee für den <f. V*

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