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Central-Verein-Zeitung · 1930-06-20 · 25 (20.6.1930) · p. Seite 332

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
25 (20.6.1930)
Date
1930-06-20
Page
Seite 332 (sequence 8)
Language
German
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vor der Entscheidung in Sachsen. Stimmungsbilö aus öem oMchjlfcken Wahlkampf. (Sonderbericht für die „C. V. - 3 e i t u n g".) Dresden-18. Juni 1930. Juniwahlen sind, besonders unter dem Einfluß sommerlicher Hitze, für eine ausgiebige Wühltätigkeit der Parteien ein wenig angenehmes Geschenk/ Bekanntlich tragen die Nationalsozialisten die volle Verantwortung für die Auslösung des sächsischen Landtags und die Ausschreibung der Neuwahlen. Da für den Wahlkampf nur elf Wochentage zwischen den Pfingstfeiertagen und dem 22. Juni, dem Wahltag übrig bleiben, setzten sämtliche 13 Parteigruppen mit ihrer Versammlungstätigkeit sofort nach dem dritten Feiertag ein. Im allgemeinen scheint man sich mit sogenannten Wahlkundgebungen begnügen zu wollen, in denen ja die Gegner niemals zu Worte kommen. Die Spitze an Bersammlungslätigkeit halten offenbar die Nationalsozialisten, die zn einem großen Teil von ihrer bisherigen Gepflogenheit, Eintrittsgelder zn erheben, abweichen. Sie sind aber, besonders durch die unmittelbar gegen sie gerichteten Angriffsversammlungen der S. P. D., vielfach in die Verteidigung gedrängt. So hatten sie eine Hitler-Versammlung in Bautzen schon für Freitag vor den Pfingstfeiertagen angekündigt, die einmal den größten Saal Bautzens mit 2500 Personen füllen und daneben noch eine Paralle'lversammlung ergeben sollte. Sofort kam der Gegenhieb. Unter Zuhilfenahme des Reichsbanners fand am Abend vorher am verkehrsreichen großen Kornmarkt ein Lautsprechervortrag statt, der die Bautzener Bevölkerung über „Nationalsozialisten, Deutschlands Unglück" ausklärte. Auffällig war dabei der starke Zulauf zuhörender Reichswehrleute. Der Erfolg war der Wegfall der Parallelversammlung der Nazis am nächsten Tag. Nicht nur in der S. P. D., auch im bürgerlichen Lager befassen sich Wahlaufrufe und Versammlungsredner mit der demagogisckM Tätigkeit der . Nazis. Allein bei den Deutschnationalen, dem Sächsischen Landvolk und der 13. Partei, dem Christlich-nationalen Volksdienst, scheint es bislang noch unbekannt zu sein, daß Nazis und Antisemiten eine öffentliche Gefahr bedeuten; denn hier wird ängstlich vermieden, sich gegen antisemitische Tendenzen zu wenden, wohl aus der Erwägung heraus, daß gerade diese Parteien neben den Kommunisten und Altsozialisten ein Großteil ihrer Wähler an die Nazis zu verlieren fürchten, wenn sie es unternehmen wollten, gegen den Judenhaß Front zu machen. Die Mahraun-Gruppe, die als Volksnationale Reichsvereinigung im sächsischen Wahlkampf auftritt, wendet sich auch gegen judenfeindliche Tendenz und auch sonst gegen die Nationalsozialisten, aber ihre Versammlungen haben, besonders in ländlichen Bezirken, so gut wie keinen Zulauf. So war in einem Ort bei Königsbrück außer dem Versammlungsleiter und dem Redner überhaupt niemand erschienen, während in demselben Ort eine Naziversammlung fast ebenso stark besucht war wie die gutbesuchte Versammlung der S. P. D. Während die Nationalsozialisten in ihren eigenen Versammlungen gegnerische Redner fast nie ausreden lassen, nehmen sie die Gelegenheit zur Aussprache, die ihnen in S. P. D. - Versammlungen fast immer geboten wird, selten in Anspruch, sondern versuchen durch aufgeregte und gehässige Zwischenrufe, die offenbar in einem besonders dazu verfaßten Schema ihnen mit aus den Weg gegeben sind, die Versammlungen zu stören. In Dresden ist natürlich in einer großen nationalsozialistischen Z i r k u s k u n d g e b u n g neben sechs Thüringern der Hauptredner Dr. F r i ck von seinen Anhängern mit viel Lärm und großem Aufwand gefeiert worden. Aus den dort gehaltenen Reden konnte man immer wieder hören, daß mit der nationalsozialistischen Eroberung Sachsens ereicht werden müsse, ein nationalsozialistisches Mitteldeutschland zu schaffen, von dem aus dann die Errichtung des neuen dritten Reiches in Deutschland erleichtert werde. Da die anderen Parteien diese dort deutlich ausgesprochene Absicht auch schon erkannt hatten, ist es nicht verwunderlich, wenn sie nunmehr, wenn auch jede von ihrem eigenen Standpunkt aus, wie mit vereinten Kräften das Kampfziel gegen den Nationalsozialismus und seine üblen Auswüchse richten. In den Händen aller Parteireserenten scheint sich dabei in der Form einer Anti-Nazi-Mappe vor- Jn der Bundeszeitung des Königin-Luise- Bundes Nr. 23 vom 8. Juni lesen wir in einem eigenartigen Widerstreit der Gefühle den folgenden Nekrolog: Heldentod eines Knaben. Wenn immer wir Pfingsten feiern, das wunderbare Fest in Frühlingspracht, steht vor meiner Seele ein tiefergreifendes, erschütterndes Geschehen, der Märtyrertod eines fünfzehnjährigen deutschen Knaben, Rudolf Ferdinand Hase. Im Geiste sehe ich sein Bild. Mannesmut und Unerschrockenheit sind den freimütigen Zügen dieses Antlitzes schon fest eingeprägt. „Ich weiß, was ich will," so blitzt es aus den kühnen Augen, und „was ich will, das kann ich", so stand es auf der hohen, schönen Stirne, die von vollem, dunklem Haar umrahmt war. „Eine neue Aera der Freiheit und Gerechtigkeit" versprach die „Interalliierte Kommission", als sie die Verwaltung des Abstimmungsgebietes von O b e r s ch l e s i e n übernahm. Und von dem allen, was dieses Versprechen umschloß, wurde nichts gehalten. Statt Ruhe und Ordnung dem Lande zu be- - wahren, wurde eine achthundertjährige deutsche Kultur vernichtet. Unter denjenigen, die sich hervorragend bei der deutschen Werbetätigkeit auszeichneten, war dieser Knabe, Rudolf Ferdinand Hase, geb. 7. Februar 1906. Seine ideale Begeisterung für sein Heimatland hatte den Feinden mißfallen. Vielleicht erkannten sie m dem intelligenten Knaben einen späteren Führer? Während der Abstimmungstage, da er sich in den Dienst der deutschen Sache gestellt hatte, wurde er auf einer Fahrt ins unbesetzte Deutschland aus dem Zuge, dem schriftlich züglich zusammengearbeitetes, durchaus stichhaltiges Material zu befinden, dessen Wirkung auf die Zuhörer, und insbesondere auch auf nationalsozialistische. Zuhörer, unverkennbar und verblüffend ist. N eben den republikanischen Parteien beteiligt sich hier i m O st s a ch f e n - Wahlkreise noch mit besondere m Eifer das Reichsbanner a m K a m p f e g e g e n d i e N a z i s. D i e v o n R e i ch s b a n n e r a ut o s abgeworfenen und au ch in den H ä usie rn ausgetragenen Sonderausgabe:: des „Alarm", einer in Berlin erscheinenden, in hervorragender Weise auf die Psychologie der Massen a b g e st i m m t e Halbmonatsschrift, verfehlen nicht ihre Wirkung u n d e r r e g e n ungeteilten Beifall d er Leser. Wenn auch der Wahlkampf durch die gebotenen Verhältnisse nur ein kurzer ist, so deutet alles darauf hin, daß er sich in den letzten drei Tagen vor der Wahl in ganz besonderer Weise verschärfen wird! Eine Prognose läßt sich im Augenblick noch nicht stellen, doch steht zu erwarten, daß sich die Nationalsozialisten kaum über die Stärke ihrer Wählerzifsern aus dem Herbstgemeindewahlkampf wesentlich erheben dürften! U. K. und ehrenwörtlich freie Durchfahrt gesichert war, im Beisein der englischen protestierenden Vegleitoffiziere herausgeholt und von den Insurgenten g e f a ng e n g e no m - m e n. Es war am 14. Mai 1921, und andern Tags, am 15. Mai, einem P f i n g st s o n n - tage, wurde er nach vierundzwanzigstündiger Gefangenschaft, i m B e i s e i n s e i n e s jüngeren Bruders, im Walde von Komowatz . erschossen. Er st a r b wie ein Held! Ein Märtyrer deutschen Volkstums, deutscher Heimatliebe! Wie einst ein französischer Feldherr nach dem für Frankreich verlorenen Kriege von 1870/71 zahllose Meilensteine in Frankreich setzen ließ mit der Inschrift: y pense — denke daran! — so möchte ich der'deutschen Jugend ins Herz schreiben: „Gedenke daran — Ein deutscher Knabe starb den Heldentod!" O dürft' ich heute goldne Flügel haben. Daß mir für aller Welten Heilgen Sang, Dem Ehrenlied für einen deutschen Knaben, Ertöne aller Harfen Feierklang! Es stand in Jugendpracht ein junges Leben, Von Heimatliebe war sein Herz beseelt! Dem Erbe seiner Väter alles geben. War, was ihm Todesmut und Kraft gestählt! Adele Brülle (Düsseldorf). Wie gern möchten wir glauben, daß sich über diesem Grabe eines jugendlichen Helden wirklich die sonst durch Klüfte getrennten Gruppen des deutschen Volkes die Hand reichen, daß selbst der Königin-Luise-Vund diese unvergängliche Heldentat deutsch-jüdischer Heimatliebe herzlich anerkennt und die Heimattreue jüdischer Deutscher seinen Mitgliedern , verkündet. Der Königin-Luise-Snnals unser Kronzeuge. Gpfertoö eines öeutfch-jiiSifchen Schülers.

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