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Central-Verein-Zeitung · 1930-06-20 · 25 (20.6.1930) · p. Seite 331

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
25 (20.6.1930)
Date
1930-06-20
Page
Seite 331 (sequence 7)
Language
German
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331 tzaftftrafe wegen Sopkottaufforöerung. Veöeutsamr Entscheidung des Gberlanüesgerichts Celle. Wir haben in Nr. 19 der „E. V. - Zeitung" vom 19. Mai 1930 auf die in Osnabrück erscheinende Wochenzeitschrift „Ter Stadtwächter" von Dr. Heinrich Schierbaum hingewiesen und unseren erfolgreichen Kampf gegen die Boykottmethoden dieses Hetzblattes dargelegt. In diesem Kampfe ist ein weiterer beachtlicher Erfolg zu verzeichnen. Trotz der ergangenen e i n st w e i l i g e n V e r f ü g u n g e n und Verurteilungen hatte der „S t a d t w ä ch t e r" fortgesetzt unter Verunglimpfungen zum Boykott jüdischer Geschäfte in Osnabrück aufgefordert. So führte er die einzelnen Geschäftsinhaber als „Judenfirmen" namentlich aus, und im Inseratenteil der Zeitung befand sich an verschiedenen Stellen verbreitet unter der Bezeichnung als „10 Gebote" die Aufforderung: „Nie beim Juden kaufen." Das Oberlandesgericht Celle hat nunmehr durch Beschluß vom 2. Juni 1930 (3 II W 153/30) gegen den Redakteur Simoneit eine Haftstrafe von 3 Tagen verhängt. Es führt in den Gründen seines Beschlusses aus, daß bei der bekannten Richtung und Tendenz der Zeitung die Aufforderung: „Nie beim Juden kaufen" ohne weiteres als eine Verunglimpfung der Juden auszufassen ist. Diese Aufforderung in Verbindung mit dem Ausdruck „Judenfirma" bringt vollkommen verständlich zum Ausdruck, daß für die Zeitung der Jude etwas Widerwärtiges sei, daß zu dieser Menschenklasse auch die hier in Frage kommenden jüdischen Firmen gehörten, und daß deshalb niemand bei diesen kaufen sollte. Wir begrüßen diese Entscheidung als Erfolg unseres zähen Kampfes gegen die völkischen Verhetzungsmethoden und werden nicht Nachlassen, auch weiterhin unseren Freunden mit unserer Hilfe zur Seite zu stehen. II. L. M ' " ‘ ‘ in MM. Das Schweriner Ministerium greift ein. In Nr. 5 der „C. V.-Zeitung" vom 31. Januar d. I. haben wir einen Bericht über die für die jüdischen Bewohner in Gnoien unhaltbaren Zustände veröffentlicht. In Gnoien befinden sich verhetzende Inschriften gegen die Juden an Häusern und Scheunen. A u f eindringliche Vorst ell u n ge n hat nunmehr das M ini st e r i u m d e s I n u e r n i n S ch w e r i n erwidert, daß der Rat der Stadt Gnoien den Besitzern der in Frage kommenden G e b ä u d e die Entfernung der polizeilich unzulässigen An s ch r i f t e n a uf e r l e g t hat und angewiesen ist, die Entfernung mit allen ihm zu Gebote stehenden polizeilichen Zwangsmitteln durchzusetzen. Ü. L. Schluss des Berichtes aus Eisenach. griffe und Haßexzesse, zumal gerade Hindenburg den Gedanken der Einheit des deutschen Volkes immer erneut betont habe. Die deutschen Juden ließen sich auch nicht durch die Angriffe des Herrn Frick, auch nicht durch die Lehrmeinungen des gegen den Willen der Universität zum Profesior gemachten Rasieforschers Dr. Güntl-er vom geraden Wege der Pflichterfüllung und der vaterländischen Treue abbringen. Aber sie forderten energisch daß mit dem thüringischen Spuk, der Deutschland vor Europa und der Wett lächerlich zu machen drohe, jetzt endlich und gründlich aufgeräumt werde. Nach Dr. Weil sprach Rechtsanwalt Dr. Mth, der Vorsitzende unserer Ortsgruppe Eisenach: Es sei besonders beschämend, daß im grünen Herzen Deutschlands, wo bisher Juden und Nichtjuden in einträchtigem vaterländischen Wirken sich verbunden fühlten, ein nationalsozialistischer Minister Maßnahmen gegen die verfassungsmäßige Gleichberechtigung der thüringischen Juden getroffen habe. Verfassungsfeindlich seien die Schulgebete und von verfassungsfeindlichem Geist zeugen die Verwaltungsanweisungen, deren Ziel Verhinderung der Einbürgerung jüdischer Ausländer sei. Gegen'die Gewissensfreiheit, die durch die Reichsverfassung garantiert werde, richteten sich die Schächtverbotsanträge, die die Parteigenossen des Ministers Frick im Landtag eingebracht hätten. Es sei bezeichnend, daß man in Thüringen eine Persönlichkeit nicht habe finden können, die nationalsozialistische Forderungen als Minister zu verwirklichen habe. Man habe erst aus Bayern einen Mann holen müssen, der jetzt das Innen- und Volksbildungs- Ministerium verwalte. Die thüringischen Juden sollten sich nicht bedrücken lassen; das Recht sei auf ihrer Seite. Stellvertretender Syndikus Dr. Sans Reichmann setzte sich mit der nationalsozialistischen Idee auseinander. Das sei notwendig, weil diese Idee, heute Bestandteil des Negierungsprogramms eines Ministers, nicht mehr blasse Theorie sei. Herr Dr. Frick habe ja von Hitler ausdrücklich den Auftrag erhalten, nationalsozialistische Forderungen in der Regierung durchzusetzen. Die nationalsozialistischen Forderungen aber feien wirr, wie das Programm und die sogenannte Idee des Nationalsozialismus. Man proklamiere eine Synthese zwischen Nationalismus und Sozialismus. Aber die Nationalsozialisten sind keine wahrhaften Nationalisten. Sie haben zwar das nationalistische Vokabular übernommen, ihre Taten aber seien volksfeindlich. Des Wortes „Sozialismus" habe man sich bemächtigt, weil der Begriff „Sozialismus" Massen zu locken imstande ist. Man habe das Wort Sozialismus übernommen, nicht aber den bisher wissenschaftlich gültigen Inhalt dieses Wortes, den Begriff Sozialismus. Deshalb müssen sich die Nationalsozialisten von Kapitän Ehrhardt für diesen demagogischen „Kniff" Betrüger nennen lasten. Nur ein Punkt des nationalsozialistischen Programms sei klar: der Judenhaß. Allerdings hätten die Nationalsozialisten bis vor kurzem selbst nicht gewußt, wie sie die „deutsche Blutszugehörigkeit", die Voraussetzung des Staatsbürgerrechtes im dritten Reich, feststellen können. Jetzt habe man in dem Entwurf eines Rassegesetzes gefordert, daß jeder Einbürgerung eine anthropologische Untersuchung vorauszugehen habe. Ein solches anthropologisches Gutachten sei bereits vor Jahren von dem alldeutschen Rassenhygieniker Professor von Gruber über den Führer der Nationalsozialisten, Hitler, erstattet worden. Es sei vernichtend ausgefallen. Hitler werde als Mischling von schlechter Rasse bezeichnet. Man könnte die Nasseideen der Nationalsozialisten als Spielerei abtun. Gefährlich sei es, wenn derartige Theorien, vom Katheder her verkündet, Aussicht hatten, in der praktischen Politik eine Rolle zu spielen. Der Rassewahn zerstöre den Volksgedanken. Hätten wir während der oberschlesischen Abstimmung den Schädelmeßapparat bei unseren oberschlesischen Volksgenossen angesetzt oder anthropologische Gutachten über sie eingeholt, so wäre wahrscheinlich kaum ein deutscher Oberschlesier der Aufnahme in Hitlers drittes Reich für würdig befunden worden. Gerade bei der oberschlesischen Abstimmung hätte sich die Berechtigung der subjektiven Volkstheorie, des deutschen Volksgodankens, nicht der deutschvölkischen Irrlehre, erwiesen. Deutsch sei, wer in Deutschland von deutschen Eltern geboren sei und deutsch sein wolle. In der nationalsozialistischen Partei hätten noch vor wenigen Jahren die Anbeter einer antichristlichen Germanenkultur stillschweigende Duldung oder gar Förderung erfahren. Aus Zweckmäßigkertsgrüuden habe man den Kampf gegen die Religion aufgegeben, weil er bei der Wahlagitation geschadet habe. Rechtsanwalt Dr. Freubenchal Erfurt) gab der Versicherung Ausdruck, daß der Landesverband Thüringen des C. V. alles getan habe, um die Angriffe gegen die Gleichberechtigung der deutschen Juden abzuwehren. Es ist erfreulich, daß in diesem Kampf die deutschen Juden nicht allein ständen; das Rechtsgefühl sei glücklicherweise im deutschen Volk lebendig. Dr. Freudenthal verlas,. ein Schreiben des thüringischen Bäder- und Hotelierverbandes, die von den Aeußerungen der Nationalsozialisten abrückten: „JmThüringischenLandtag find bei der Debatte über einen' Gesetzentwurf Bemerkungen von einem nationalsozialistischen Redner gefallen, die von der eBrufsorganisation des thüringischen Hotelgewerbes nicht unwidersprochen gelasien werden können. Die thüringische Hotelbesitzerverband stellt deshalb fest, daß er die von dem betreffenden Redner gemachten Bemerkungen schärfstens mißbilligt und daß in den thüringischen Hotels jeder Gast ohne Unterschied der Konfession, der Parteiangehörigkeit oder der Nationalität anss herzlichste willkommen ist. Der Thüringische Bäderverband schreibt, daß ihm antisemitische Bestrebungen nach jeder Richtung hin fernstehen, und daß ihm selbstverständlich jüdische Kurgäste ebenso willkommen sind wie christliche." Dr. Freuden thal schloß: Jhering habe dem deutschen Volke den Gedanken des Kampfes um das Recht gegeben. Die den tischen- Juden fühlen sich diesem Gedanken verpflichtet. Sie werden sich durch verfassungsfeindtiche Minister in dem Kamps um ihr Recht nicht beirren lassen. 9067 7681

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