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Central-Verein-Zeitung · 1930-06-13 · 24 (13.6.1930) · p. Seite 310

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
24 (13.6.1930)
Date
1930-06-13
Page
Seite 310 (sequence 2)
Language
German
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310 die nicht Gespenster fürchtet, sondern die aufrechte Haltung ist, das stolze Bewußtsein der Unbrechbarkeit in jedem Schicksalssturm, Bewußtsein des Widerstandes und der Energie, die niemand betrügen konnte, die niemand verraten kann. „Ich weiß, daß Gottlosigkeit und Vaterlandsverrat unser Volk Zerriß und vernichtete", so sollen Kinder sprechen. So will es das vierte der Frickschen Schulgebete. Vernichtete! Wer hat vor diesem thüringischen Ministerialdekret das deutsche Volk so satanisch beleidigt?! Wo gibt es noch eine Nation, die auch nur einen Landschulmeister geduldet hätte, der die Kinder seines Dorfes mit dem Gift impfte: Wir gehören einem vernichteten Volke an, einem zugrunde gegangenen Volk also, einem hoffnungslosen Volkstrümmer, denn mehr ist ein „vernichtetes" Volk auf keinen Fall. Es gibt kein Wort in unserer Sprache, das dies Verbrechen an deutschen Kindern, deutschen Seelen, deutschem Zukunftswillen bezeichnet. Vielleicht, weil es nie zuvor begangen worden ist. Es ist nicht Landesverrat, es ist Schlimmeres: es ist N a t i o n a l v e r r a t. Verrat an der Volkskraft. Verrat am Volkstum. Die Menschen, die in namenloser Verwirrung der Herzen und Hirne diese Minderwertigkeitsgefühle in die Kinder säen wollen, nennen bekanntlich die Weimarer Reichsversassung gern den großen Verrat an der deutschen Tradition. Es wäre deshalb gut, wenn die verantwortlichen Führer des deutschen Schullebens eingehend den Geist der Schulgebete mit dem Geist der Verfassung vergleichen ' wollten. Der Artikel 148 macht bekanntlich zur Pflicht, daß in allen Schulen u. a. „persönliche und berufliche Tüchtigkeit im Geiste des deutschen Volkstums" zu erstreben ist. Jeder Studierende der Psychologie im ersten Semester weiß, daß die Grundlage der persönlichen Tüchtigkeit ein wohl ausgewogenes Selbstvertrauen ist, und daß die Suggestion: „Glied eines vernichteten Volkes" ein verantwortungsloses Annagen dieser Grundlage ist. Und man braucht nicht Nationalist, sondern ganz einfach ein sehender Mensch zu sein, um zu wissen, daß der Geist der Schulgebete, der Geist der „Niedergangsgefühle", den sie ausströmen, der schlechtsinnige Feind des Geistes unseres Volkstums ist, der ein wagender, furchtloser, fruchtbarer Geist gewesen ist — im Unglück wie im Glück. Er hat alles Unglück überwunden, weil er sich nicht als betrogen, verraten, vernichtet fühlte, sondern: als zeugungsfähig, als Dennoch-Geist, der sich selber vertraute, wie jeder gesunde Deutsche ihm heute noch vertraut. Der Artikel 148 ist Ausdruck u n e n t - stellten nationalen Pflichtbewußts e i n s. Er erhebt die elementare Forderung der nationalen Bildung. Das Bildungsministerium des Landes Thüringen verletzt sie. Darf es sie widerspruchslos verletzen? Artikel 120 bestimmt: „Die Erziehung des Nachwuchses zur leiblichen, seelischen und gesellschaftlichen Tüchtigkeit ist oberste Pflicht und natürliches Recht der Eltern, über deren Betätigung die staatliche Gemeinschaft wacht." Darf der Geist der Frickschen Schulgebete auch nur den Versuch machen, mit seinen Dekadenzsuggestionen diese oberste Pflicht und dieses natürliche Recht der Eltern zu durchkreuzen? Die staatliche Gemeinschaft soll über die Erziehung zur seelischen Tüchtigkeit wachen — welche staatliche Gemeinschaft wacht darüber, daß dieser Erziehung nicht durch das elementare Untüchtigkeitsgefühl: das Gefühl volkheitlicher Nichtigkeit schlechthin, entgegengewirkt wird? Dieser Tage fragte mich ein junger Engländer, Student, nach den Frickschen Schulgebeten. Er habe über sie gelesen, nie aber ihren ganzen Text. Es sei ihm nicht ganz verständlich, wie Gebete, das Stillste, Verborgenste und Privateste des Menschen, so viel öffentliches Aufsehen bereiten könnten. Ich ließ ihn den Text lesen, fragte, was man in England zu jenem Satz vom vernichteten Volk sagen würde. Er überlegte einen Augenblick; und dann nüchtern, kühl, bestimmt: „Wenn das ein Gentleman sagte, würde man ihn aus dem Klub weisen und ihn nicht mehr kennen. Wenn er kein Gentleman ist, wird ihm jeder Engländer den Rücken kehren und ihn behandeln, als wäre er nie dagewesen — aber es gibt keinen Engländer, der so etwas sagt." In diesen kühlen Worten ist mehr nationale Würde, Trotz, Bewußtsein der Lebenskraft als im gesamten überhitzten Pathos der völkischen Literatur; denn nationale Würde jammert nicht, beweist sich nicht mit literarischen Argumenten, sondern sie ist die selbstverständliche Grundhaltung des Menschen, die nur ungern mit Worten sich befaßt. Gegen Row-ptum Wir haben in diesen Blättern wiederholt auf die Gefahr hingewiesen, die das politische Rowdytum von rechts und links für die Aufrechterhaltung der Ordnung und für die Befriedung innerhalb unseres deutschen Volkes bedeutet. Fast kein Tag vergeht, ohne daß in den Straßen Berlins und anderer Großstädte Blut fließt, weil Nationalsozialisten und Kommunisten untereinander oder mit Verteidigern der Republik und der Ordnung in Zank und Streit geraten. „Verlustlisten" nannten wir die Verzeichnisse der Opfer dieser Streite, Verlustlisten, „nicht, weil diese oder jene Parteigruppe aus eigenem Verschulden Menschen verlor, sondern weil deutsche Kxäfte, deutsches Ansehen, deutsche Aufbaumöglichkeiten verlorengehen zugunsten von Parteileidenschaft, Parteiegoismus, Parteihaß". Wir forderten energisches Durchgreifen der- Behörden gegenüber solchen Ruhestörern und Schädlingen am deutschen Ansehen, und wir begrüßen es mit Freude, daß das Reichsministerium des Innern nicht nur energische Sühne für solche Taten fordert, sondern vorbeugende Maßnahmen in Erwägung zieht. Als solche ist auch z. B. der Erlaß des bayerischen Innenministers, der bei Aufmärschen und Aufzügen das Tragen der Hitler-Uniform untersagt, zu bewerten. Die Presse aller republikanischen Parteien, die für Ruhe und Ordnung eintritt. ist sich einig in der Zustimmung zu scharfen Maßnahmen gegen das Rowdymnr auf der Strafe. So schreibt die „G e r m a n i a" in einem Aussatz „Die Seuche": „ ... In Deutschland aber haben sich schon feit geraumer Zeit Elemente breitgemacht, die das mit Messern und Revolvern tun. Das ist ein politisches Rowdytum, das, schon um des deutschen Ansehens willen, nicht scharf genug bekämpft werden kann. Alle vernünftigen Menschen werden deshalb die Nachricht mit Genugtuung begrüßen, daß man im Reichsinnenministerium an Maßnahmen arbeitet, die das öffentliche unbefugte Tragen von Hieb-, Schuß- und Stichwaffen unter Strafe stellen. Wir haben nur den einen Wunsch, daß das Reichsinnenministerium mit diesen notwendigen Maßnahmen nicht allzu lange wartet und daß es die Strafen scharf und hart bemißt. Wenn wir dem Unfug des politischen Faust- und Straßenkampfes nicht mit allen Mitteln steuern und ihm nicht ganz energisch zu Leibe gehen, wenn wir die Straße nicht von diesen Elementen säubern, und wenn wir den friedlichen Bürger nicht endlich davor schützen, daß er selbst das Opfer dieser Banden wird, dann verlieren wir den Anspruch, ein geordnetes Staatswesen genannt zu werden. Po- Die Schulgebete von Weimar sind ein Symptom, das zur Zeit kam, wenn es den deutschen Menschen sehend macht. Deutsche, Politiker, Juristen, Erzieher, wacht aus aus allzu langer Lethargie. Vergeht nicht, die seelischen Grundenergien des Volkes und der Jungen zumal gegen ihre Verderber 3x1 schützen — die seelischen Grundenergien, ohne die eure Politik, eure Rechtstheorien, eure pädagogischen Systeme — leere Spiele bleiben. Schützt den nationalen Gehalt der Neichsverfaffnng gegen den Frevel an gesunden Kinderseelen! Der Centralverein soll darum mit seinen Kundgebungen nicht allein bleiben. Was in Thüringen geschieht, ist vielleicht Ausfluß des Antisemitismus; im Ziel ist es gegen den Pulsschlag der geistigen Gesundheit unseres Volkstums überhaupt gerichtet. Alle deutschen Menschen und Bünde, denen Ansbanwille und Nationalehre mehr find als Schlagworte, alle die fie psychologisch und biologisch begreifen, sind berufen und verpflichtet, offen beim Namen zu nennen, was in Weimar geschieht. Dr. Müller-Claudius. und Slutvergießen. litik und Rauferei sollten doch wirklich zwei wesentlich verschiedene Dinge sein." Und die „Deutsche Allgemeine Zeitung" sagt in einem Aufsatz „Unsere Meinung": „Mit Sorge sieht der ordnungsliebende Bürger jedem Sonntag entgegen: welche neuen blutigen Exzesse des politischen Rowdytums werden als schlimmer Nachgeschmack dieses Tages, der dem Frieden und der Erholung gewidmet sein sollte, wieder zu verzeichnen sein? . . . Die Einsicht, daß schärfste Mittel notwendig sind, herrscht auch im Rerchsinnenmmisterinm vor. Als schärfere Mittel kommen aber nur Strafandrohungen in einem Ausmaß in Betracht, das erzieherisch und abschreckend wirkt. . . Es ist notwendig, daß endlich Exempel statuiert werden. Dauernde Nachsicht provoziert nur immer neues Blutvergießen. Die Strafbestimmungen über Zusammenrottung, Ueberfall, Totschlag, Körperverletzung müssen verschärft, die Justiz- Praxis muß schon jetzt den schlimmen Wirkungen angepaßt werden, die heute durch die Verschärfung der innerpolitischen Gegensätze und durch allzu milde Handhabung der Gesetze herausbeschworen sind. Der Schutz der Gesamtheit erheischt Härte gegen den einzelnen, der sich an ihr vergeht . . 40 Zahre Vadenia und Bavaria. In der Zeit vom 13. bis 16. Juni feiern die Verbindung im K. C. „Bavaria", Heidelberg, und der A. H. V. „Baden: a", Heidelberg, das Fest des vierzigjährigen Bestehens der Verbindung. Die Verbindung „Badenia" und die aus ihr hervorgegangene „Bavaria" haben für den KC. besondere Bedeutung dadurch, daß sie in Gemeinschaft mit der um vier Jahre älteren „V i a d r i n a", Breslarr, den Gedanken des KC. und damit als rmmittelbarer Vorläufer die Gedanken des Centralvereins in die deutsche akademische Oeffentlichkeit hinausgetragen hat. Mannigfache Beziehungen verknüpfen diese Verbindung mit dem C. V. Es genügt, daraus hinzuweisen, daß neben zahlreichen anderen bewährte Führer des K.C. wie Alexander (Krefeld), Haas (Karlsruhe), Mainzer (Frankfurt a. M.), Marx (Karlsruhe), aus diesem Kreis hervorgegangen sind. Diese Namen beweisen am besten, daß neben aller Anhänglichkeit für die Romantik Heidelberger Studententums diese Verbindung ihr Ziel erreicht rmd Männer herLMgebWet Hut, die im Kampf um das deutsche Judentum jederzeit ihren Memn gestanden haben und heute noch stehen. ek.

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