Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 24 (13.6.1930)
- Date
- 1930-06-13
- Page
- Seite 309 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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[«fitrat l?rein Blätter für -entfrktum und Judentum. Serttn, 13. Juni 193* IX, Jahrgang ♦ Nr. 24 Einzelnummer 20 Pfennig ' Oman -es fentrolVereittSj&eutfchejF ötaotsdüryerlüdifelren lAaudens cP. Allgemeine Zeifung des Judentums BierieliahrSabonnement 2,50 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag und Schriftleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube G, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt- Rothschild & Co-, Berlin W 8. A ® *. r-a» w Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Gxpedition Rudolf Moffe, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JUL für die 7gespaltene Zeile nach Rudols Moss^ Normalzeilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 JUL, die 62 min breite Reklamezelle 3,50 JUL. Dienstag, den 17. Juni 1930 abends 8 Vs Uhr im Herrenhaus, Berlin, Leipzigerstr. Z des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens gegen die Beschimpfungen der deutschen Juden durch den thüringischen Minister Dr. Fridk. Justizrat Dr. Julius Brodnitz, Vorsitzender des C. V., Rechtsanwalt Dr, Bruno Weil, Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, Rechtsanwalt Dr. Julius Bliitli, Eisenach, Syndikus Dr. Alfred Wiener. Eintrittskarten sind auf schriftliche Anforderung und gegen Vorzeigung der Mitgliedskarte in der Hauptgeschäftsstelle des Centralvereins, SW 68, Lindensir. 1Z, zu haben. Es geht um veutfthlanö. Zugleich ein Vorwort zu den großen Runögebungen -es (. v. Lassen wir beiseite, was an den Frickschen Schulgebeten nach Ursprung, Tendenz, Gehalt mit dem Antisemitismus zu tun hat. Lassen wir es vollkommen beiseite und nehmen wir sogar an, kein Wort habe mit dem Antisemitismus zu tun. Diese merkwürdigen Gebetsformulare nennen den Juden nie, und wenn sie ihn dennoch meinen, so sind sie Gegenteile germanischer Gottesauffassung und Gottesanbetung: die Germanen haben ehrlich gebetet. Sie haben vor Gottes Ohr genannt und nicht zweideutig umschrieben, was sie meinten. Aber wir sehen ganz davon ab, was zwischen den Zeilen gemeint ist. Wir lesen sie ohne Hintergedanken, ganz unparteiisch mit den Augen des gesunden deutschen Menschen — und dann erst steigt uns das Blut in den Kopf. Vor Scham. Und vor Zorn. Es ist aber der Zorn, den wir fühlen, wenn ein Mensch die Ehre der Nation schändet. Die Scham, die uns quält, wenn Menschen, die Schrnachvolles tun, sich obendrein überlaut als Repräsentanten des deutschen Volkstums anpreisen. Drei von den fünf Gebeten flehen um Befreiung von Betrug und Verrat. Welche Anklage liegt in diesem Anruf! Welche S e l b st - anklage! Welches Eingeständnis vom tiefsten sittlichen Elend des Volkstums, das da verzweifelt vor Gott jammert über Betrug und Verrat, der es „zerriß und vernichtete", und die Strafe von Gott dafür herabsleht. Welch ein unseliges Bild soll da in die ratlosen Seelen der Kinder gepflanzt werden — welch ein Minderwertigkeitsgefühl von der deutschen Nation und dem deutschen Volkstum, das hilflos, kraftlos, ohne Aufgebot der Gegenenergien, die in jedem gesunden Volkstum naturnotwendig Hervorbrechen und den Volkskörper von denen befreien, die Betrug und Verrat üben wollten, sich verraten und betrügen läßt wie ein schwachsinniger Greis!! Eine Nation, die vor Gott hintritt und jammert: „Ich weiß, daß Gottlosigkeit und Vaterlandsverrat unser Volk zerriß und ver» . nichtete". hat nur die Entscheidung Zwischen diesen beiden Möglichkeiten. Entweder: sie ist so müde, abgebraucht, abgestumpft, instinkt- und intelligenzlos, daß sie sich jahrzehntelang widerstandslos und erfolgreich betrügen läßt — oder: die Betrüger und Verräter haben eine solche Majorität in ihr, daß sie ihnen hoffnungslos unterliegen mußte. Beides ist gleich unwahr — gleich irrsinnig. Aber dann soll der deutsche Mensch die dritte, die gesunde, die einzig ehrenhafte Entscheidung treffen: Er soll millionenfach aufstehen und es sich verbitten, daß so jämmerliche Ohnmachtslaute, so würdelose Schändungen des deutschen Namens Kindern in den Mund gelegt werden. Das sind nicht Gebete. Das sind hysterische Geißlerschreie. Wer sie Kindern zuraunt, macht sie zu Krüppeln der Seele und des Geistes. Er macht sie zu Psychopathen, zu Verirrten und Geduckten, die nicht mit selbstsicherer Würde ihrer Kraft bewußt sind, son- IHI!II!!!!!!I!!!!>!!!!!!!!!!'!>!!!!!!!!!!!!!!!!!!I'!I!!!IllllI!II!!IHI!!II!III!I!!I!I!!IIIIII!!I!I!IIlIIi!!II! Sie müssen lesen: Dr. Felix Goldmann (Leipzig): Wahlen in Sadisen am 22. Juni! Seite 311 Professor Dr. Friedrich Hertz (Halle): Hans Günther als Passenforscher. Seite 313 Professor Dr. J. Heinemann (Breslau): Fakultas in jüdischer Religion. Seite 318 uüiiminitmimuiiinimimiiminiminiiiiiuiimHinimuiistiimiiiüiHimmüuniniiiii dern immer Verräter und Betrüger wittern — immer auf der Linie der Angst leben. Gesundes Volkstum ist der unversiegliche Quell nationaler Würde, die nicht an Utopien sich berauscht, die sich nicht einschüchtern läßt.