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Central-Verein-Zeitung · 1930-06-06 · 23 (6.6.1930) · p. Seite 298

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
23 (6.6.1930)
Date
1930-06-06
Page
Seite 298 (sequence 2)
Language
German
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m J§L KarMer Ursprung 1835 Lebens-, Anssteoernnl StnfflengeM-MAemnieii Mitarbeiter gesucht. N e i ch s g es u n d h e i t s a m t s, das den Standpunkt der von den Tierschutzvereinen angeführten tierärztlichen Gutachten wegen der Frage der Tierquälerei entschieden verneint. Die Kommnnisten endlich betrachteten den Vorstoß der Nationalsozialisten nicht als eine Frage des Tierschutzes, sondern als ein weiteres Mittel für ihre judenseindliche Hetze. Die Zweistündige» sehr lebhaste Debatte stand aber völlig unter dem Eindruck der Zwischenrufe und späteren Ausführungen, die der nationalsozialistische Abgeordnete und Fraktionssührer S a u ck e l gemacht hat. Sauckel war auf den Einwurf von sozialdemokratischer Seite eingegangen, daß die verstärkte Judeuhetze der nationalsozialistischen Regierung in Thüringen dem Lande schweren Schaden znfügen müßte, weil sich viele jüdische Staatsbürger fragen würden, ob sie unter solchen Berhältnisien ihren Sommerurlaub in thüringischen Bädern und Kurorten verbingen könnten. Darauf erklärte S a u ck e l mit sichtlicher innerer Befriedigung, daß dies ja gerade die Absicht der Nationalsozialisten sei, die Juden sollten überhaupt nicht nach Thüringen kommen, sie sollten draußen bleiben, weil man sie als Kurgäste gar nicht haben wolle. Daß S a u ck e l damit im Sinne seiner Anhänger gesprochen hatte, bewies der starke Beifall durch Bravorufe und Händeklatschen. Man hätte allerdings erwarten müssen, daß sich wenigstens die W i r ts ch as t s P a r t e i als angebliche Vertreterin der Interessen der vom Fremdenverkehr abhängeuden Gewerbebetriebe und der Fremdenindustrie selbst gegen diese nicht etwa sür die Juden beleidigenden, aber für das Fremdenverkehrsgewerbe schwer schädigenden A u s f ü h r u n - g e n des Mitgliedes einer Regierungspartei wenden würde. Es geschah aber nichts, und auch die Deutsche Volkspartei konnte sich nicht zu einem Widerspruch ausraffeu. Es Nichte auch nichts, daß die S o zialde m o - kraten zweimal versuchten, diese Parteien im Interesse des Fremdenverkehrs zu veranlassen^ doch wenigstens von der nationalsozialistischen Argumentation äbzurücken. Beide Parteien schwiegen und billigten damit die Stellungnahme des Herrn Sanckel. Wir wissen allerdings, daß die maßgebenden V e r k e h r s o r g a n i s a t i o n e n in Thüringen, der B ä d e r v e r b a n d, der V e r - k e h r s v e r b andebenso der H o t e l i erde r b a n d, anderer Meinung sind. An ihnen, die sich bisher stets bemüht haben, in politischneutraler und damit einwandfreier Form den Interessen des Fremdenverkehrs zu dienen, liegt es nun, mit aller Deutlichkeit einen Trennungsstrich zwischen ihren Ausgaben und den parteipolitischen Verhetzungsmethoden der Nationalsozialisten in Thüringen zu ziehen. mt Erregung über Chürmgen im öe«tfchen Ittöentttm. Zluch an den Centralverein sind aus allen Teilen DerckschLanDs Zuschriften gelangt,, die uns aufsordern, unseren Mitgliedern die SkMWerfrische in Thüringen Zn widerratem Wir lehnen es ab, naLionalsoKiMMche BoykoLLmanieren naMrrahMen, zumal wir wissen/ daß nur ein kleiner Teil der thüringischen Bevölkerung hinter F r i ck imb seinen Anhängern steht. Unsere jüdischen Freunde in Thüringen selbst haben an einem jüdischen Boykott nicht das geringste Interesse. Wer nach Thüringen geht, wird sich vergewissern, wo er absteigt und wo er kaust. Andere Zuschriften geißeln die wenig mutige Art des thüringischen Innenministers, fern nationalsozialistisches Programm gerade bei den. Juden zur Verwirklichung Al bringen, die eine Zahlenmäßig geringe Minorität im deutschen Volke darstellen. Mit Recht wird gefragt, warum Minister Dr. Frick z. B. viel entscheidendere Punkte des natiorralsozial i st i s ch e n Programms, wie „die Brechung der Zins k n e chtschaf t", n icht in Lhüringen auspr obiere. Anderseits wird aber energisch darauf hmgewiefen, wie das Vorgehen des thüringischen Innenministers keineswegs nur die jüdischen Deutschen, sondern alle verfassungstreuen Deutschen aus das innigste berühre. So heißt es in einer Zuschrift, die wir aus Man nheim erhalten: „Roch bedenklicher wäre es, ein Unrecht deshalb' gering zu werten, weil die Opfer gering an der Zahl sind. Ganz enLfetMch wenn es sich gegen Schwache richöt. Natürlich ist ein Frick fmx FrWWd des Katholizism u s; das weiß man. Aber so dumnr ... oder mutig ist er natürlich nicht, etwa die Katholiken zum Ziel seiner Hatzgebete zu machen. Man greift culch sonst nicht gerade Grrlppen der Bevölkerung im politischen Kampfe an, die eilte, beträchliche Wählerzahl in sich fchlreßen. Keine Partei kann es. riskieren, es etwa mit den Landwirten oder mit den Beamten zu verderben. . Darin sehe ich das Betrüblichste bei den thüringischen Haß gebeten, daß nicht jeder Teicksche das „Deine Sache steht auf dem Spiel" verspürt. Frick hat gezeigt, wo es anfängt, aber keiner weiß, wo es endet. Gerade die Katholiken, die häufig von den Völkischen scharf aufs Korn genonnnen werden (LudendorM Müßten besonderen Anlaß haben, angesichts der Frickschen Gebete aufzuwachen. Weit darüber Hinaus gilt für jedermann hier die Notwendigkeit klarer Erkenntnis: ,,D eine Sache steht ans dem Spielet" was tut -et Crntralverein. Der Centralverein arbeitet in engstem Zusammenhänge mit feinen thüringischen Freunden in allen die deutschen Juden angehenden Fragern die der thüringische Innenminister aufgeworfen hat. Alle entsprechenden Maßnahmen, die der Tag erforderte, sind ergriffen. Wir werden uns außerdem in einer Sondernummer dev Monatsausgabe der „C. B.-Zeitrmg" in Zehntaufenden von Exemplaren an thüringische Mitbürger wenden, um den Verleumdungen des Ministers vom „art- und Volks fremden Judentum" sowie vom „zersetzenden jüdischen Geist" die nötige Antwort zu geben. Am Dienstag, dem 17. Juni, werden wir in einer großen Kundgebung im Berliner Herrenhaus ebenfalls Herrn Dr. Frick sagen, welche Empörung das deutsche Ein trauriges historisches Dokument. AMlatt »M «gUBCTBUfl lall» rr.ii) m Uch iBtimal eduaaiiscB tpu bwib. t>U- Soü E«H«U4»Sfrt» btfiägl ot«t»U«6tili 0.75 Jtt Inhalt: g*«*** __ Daat&n S-di-ig.»-« - tElbe» W» JUartfaüm' füi Stutlajt» Colfirtnm 6 M - Cornröla.. B«f«»una t«i 8»V«it ti» #«. »1,1 »im» *»» d » II—IV »t* 5r «rirWmwar’l’» °»® « ft*»- iS*» l«»| -S S WS «> «1 — Srg.tmin» tm oon bea» tMitaoUQ»« vtsUtAboml fß» wil>«i>la>»ntrchr ilr!n«i at> b&brrar k*»l.ir a» de« ün>a«>ltiat-2«r»a tu btt 8mT«m» t »ptB I82S K» M s»a iw *5s»b«litriCTi X!rtttoi>se" 6 K - Udenilr, wt C<um «nb etbuiloom (4 Bca i>li»lltS.r)'tlu»t»ti6«littilWrtnjt € «3 - Srgebnl» 6tt w«b> »am Jycmrrb.trttin. »a» t#>: b« »t(44IUbn«tÄ btr Ibäitrr^toB 6 «■ - C[f«n.-SteOm an« ««ImaUm. & Ml - «MUatfti*»» Ul. 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Veranl»ar«ung fl» zu tragen Hai vor de» Eelchlchl» unlerr» Untrennbar mit dem deutschen Lalkstum ist' da» >5d>rkrenr»m oeedunden. dl» orrTonlTen Beftanbreil christlich«» (Frzlehung Hallen wir da» lägllch,. Lchulg » d ' l lilr «ln« Leldllnersiandltchket» ln Schul. Nasten deren Medrdetr etnern d», chrUtltchen Be kenn IN Ist« arrgehürl lk» gehl nichtan- und mtder. Ivrlchl dem (Seist, eine» demokraillchen B»rlastung dotz ein, Mcchrhett non SSiNten and Schülerinnen aut m» Pileg, Ihre» rellatalen Denken» und Linpitnden, oetztchten s«L nut s mell »in» Kirrstenmlnderbe» aber de» Lehre» stch I vom Thristenlum adgemend«! hat Wir lebe« *n einem. Staate und Volke, dessen Mehrheit des» Thrtftentum angehör» Die hetanwachlenre christliche deutscher Jugend ist Tragsein, und Deftaltari« des baut« schen Schicksale» Sie. hat deshalb ein- Rech* doeaut auch in de, Schule Telegenheir, z». Ke» kommen, aom allmachltgen Daler Im Himmel 6111« und Keal, ji« ertittten prr-Befreiung.ihre») Dalke» und Vaterlandes Wir eMPfehl»» deshalbmit dem lelbstner» ständllchen Varbebalr. vast dem Selbstvestim» nrungsrechri der ReUginn^eiaklschalien. und der. Ekaubens« und (Sewtls«n«<rettzeit von- Lehrern.- uird SchLiern damit In leinet'Well« Eintrag..ge> schlehr. etuder deullcherr. Rot! und tzaffturng gerwidmete» Tstatinger Schvlgeb-e.» zur (kinlilhrung. da» zum Beginn und Endeder- . Wochenardell narrde, Jugend aderr bau Lehrerr»- : zu Ivrecheir wäre Es kam» dabei «ine, de, fünf Tnrmürke be->- nutzt werden die wir al» Beilpte!» nachstehend bekanntgede«! ' 'llon Ben Schulräten und Letlem de» höheren und Mttlelschulen. erwaete« wir zu gegebener- Zni Bentchr Imwrewelt unserem Wunsche- «nnorochen worden Ist und ma Schürte,igsetten . antarHeie» Rnb ffinmat den 18 Srntt >820 Thllirnglsch», B ° l »a-bl l-d« i, g » m t« ist», I u m. O33 Amtsblatt» ckss die Hassgebete verkündet. Judentum in seiner Gesamtheit über seine Ausfälle ergriffen hak. Auch in Thüringen selbst werden wir nicht schweigen. Unsere Freunde in Berlin und im Reiche können versichert sein, daß wir in diesen schweren Zeiten pflichtgemäß auf dem Posten sind in dem Bewußtsein,^von jedem deutschen Inden moralisch in unserer Haltung und unserer Arbeit gestützt zu werden. Die öfterreichischeKZKdeK gegen die WieneMudentenverfaffung.t Die U nton deutfchöfterreichrscher Juden hat zwei Eingaben an den österreichischen Bundeskanzler Dr. Schober gemacht, in denen sie die Schädlichkeit der auch in der „C. V.-Zeitung" eingehend besprochenen Wiener Studentenverfassn ng darlegt und ihre Aufhebung fordert. Außerdem hat die U n i o n unter größter- Anteilnahme der österreichischen Juden am 22. Mai im Festsaale des Bezirksamts I, Wien, eine P r ot e st v e r s a m m i u n g gegen das Studentenrechk veranstaltet. Diese Versammlung nahm nach Referaten von Stadtrat Dr. Oskar Hein, Regierungsrat Dr.. Max Lenk und des Vorsitzenden Jakob Ornstein eine Resolution einstimmig an, in der es heißt: „Die von dem akademischen Senat der Wiener Universität verlantbarte neue Mndentenordnung" enthält nach der Von Herrn Rektor Dr. Wenzet Gleispach selbst abgegebenen Erklärung chie erstmalige Festlegung einer neuen Norur, deren Auswirkung noch nicht zu übersehen ist', und die Abkehr von dem irr allen modernen Staaten geltenden, die Gleichberechtigung, aller Staatsbürger verbürgenden Staatsbürgerschaftsprinzipe Zugunsten eines vagen und unklaren, aus dem gänzlich unwissenschaftlichen und undefinierbaren Rafsenstandpunkt aufgebauten sogenannten ,Votksbürgerschastsprinzip^. Die tfttfott beutschöfterreichkscher Jrrden erhebt in Wachrung der Jnteresien des öfter* reichrfchen IudentumO errtschieden Einspruch dagegen, daß der atadernische Semrt der Universität Wien in offenkundiger Ueberschreitung der ihrn znstehenden Besugnisie und im Gegensätze zrr Den in der all gern einen Drfziplrnarerdrrnng vorgeschricbencn Richtlinien neue Normen anfgeftellt, welche zu den Bestrebungen des Bundeskanzlers nach einer inneren Befriednng. in ausgesprochenem Widerspruch stehen."

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