Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 22 (30.5.1930)
- Date
- 1930-05-30
- Page
- Seite 289 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Hugo Oftbrrg. Von einem unendlich schweren Verluste ist unser Centralverein betroffen worden. Im noch jugendlichen Alter von 48 Jahren wurde Direktor Hugo Ostberg, Mitglied des Hauptvorstandes und stellvertretender Vocsttzender unserer Ortsgruppe Berlin-Schöneberg, in die Ewigkeit abberufen. Einen Mann der Tat, einen aufrechten Mann der Wahrheit, deutsch bis in die Knochen, von tiefster ergriffener Hinneigung zu dem ewigen Gehalt unseres Judentums, haben wir an ihm verloren. Seit Jahrzehnten stand er in unseren Reihen. Niemals haben wrr auf ihn vergeblich gewartet. Ostberg kannte keine Bedenken, wenn es galt, sich für unsere große Idee in der Oefsentlichkeit „herauszustellen". Der Mut der Ueberzeugung war ihm eigen, und er wich niemals Zurück, auch wenn Unannehmlichkeiten und Peinlichkeiten drohten. Dieser Freund der Wahrheit konnte es mit seiner Ueberzeugung nicht vereinigen in Fragen der Ehre und der Betonung der jüdischen Persönlichkeit, angesichts der Schmach, die ihr heute zugefügt wird, feige zurückzustehen. Wohl wäre es unserer Gemeinschaft, wenn alle den Mut hätten, sich so zu o e k e n n e n. In Ostberg zeigt sich in hervorragendem Maße die glückliche Verbundenheit von Deutschtum und Judentum. Er war ein echter Sohn seiner deutschen Heimat. Wenn er auch alle diejenigen, die in innerjüdischen Fragen nicht seine Meinung teilten, als Menschen von innerer Ueberzeugung achtete und ehrte, so ließ er sich durch sie in dem Standpunkt nicht beirren, daß es Pflicht sei, in ernster Betonung deutschen Seins chauvmistische Gedankengänge jeder Art als innerlich unbegründet und gefährlich zurückzuweisen. Mit Hugo Ostberg haben wir einen unserer Besten begraben. Der verehrte und geliebte Mann wird uns in unserer Arbeit unersetzlich sein. L. H. C. V.'Harzkagung in Seesen. Guter Besuch der Kundgebung. Am Sonntag, dem 25. Mai, fand in Seesen eine Versammlung der Ortsgruppen und Vertrauensleute des Harzgebietes wie auch der in den kleineren Harzorten lebenden Einzelmitglieder statt, die einen außerordentlich starken Besuch aufzuweifen hatte. Noch nie hat in Seesen eine derartige stattliche jüdische Versammlung stattgesunden. Aus nah und fern waren unsere Freunde herbeigeeilt, um in ernster Beratung ihre Sorgen und Wünsche darzutun und über planmäßige Aufklärungs¬ und Abwehrmaßnahmen gegen den auch in das Harzgebiet stark eindringenden Nationalsozialismus sich auszusprechen. Vertreten waren die Ortsgruppen Braunschweig, Dassel, Duderstadt, Einbeck, Goslar, Göttingen, Halberstadt, Harzburg, Hannover, Hilde s h e i m, Holzminden, Nordhausen, Nordheim, Osterode, Groß- Rüden,Seesen. Die Versammlung stand unter Leitung des Seesener Ortsgruppenvorsitzenden Harry Simon, dem für die erfolgreiche Vorbereitung allerseits der beste Dank ausgesprochen wurde. Von der Zentrale des Vereins in Berlin war Syndikus Dr. Alfred Wiener, von der Leitung des Landesverbandes Hannover die stellvertretenden Vorsitzeenden Dr. Dux (Hannover) und Dr. Cohn (Hildesheim) sowie Syndikus Wittelshöfer (Hannover) erschienen. Ferner nahm der Landesrabbiner von Braunschweig, Dr. Gärtner, sowie Landesrabbiner Dr. L ewinski (Hildesheim) an der Sitzung teil. Zuerst gab Syndikus Wittelshöfer (Hannover) einen Ueberblick über die wirtschaftliche Lage sowie über die besonderen Verhältnisse des Landesverbandes Hannover, zu dem das Harzgebiet gehört. Dr. Wiener erstattete daraus einen umfassenden Bericht über die politische Lage, über die Tätigkeit 269 Kulturfrife - nicht Meöergangl Von Bezirksrabbiner Dr. Ernst Steckelmacher. Der Begriff Kulturkrise ist uns heute sehr geläufig. Denn wir stehen ja inmitten einer solchen. Der Zwiespalt, dem die Kultur der Gegenwart verhaftet ist, tritt uns täglich vor Augen. Wir können beobachten, wie Wissenschaft und Technik — Technik nicht nur im gewöhnlichen Sprachgebrauch, sondern auch Technik des Lebens, also Vervollkommnung des mehr Aeußerlichen und Zufälligen, in jedem Falle nicht Wesenhaften und Entscheidenden — sich in einer stürmischen Aufwärtsentwicklung befinden, deren Ende gar nicht abzusehen ist, deren Ergebnisse uns nur in immer neues Staunen versetzen. Zugleich müssen wir uns aber davon überzeugen, wie das, was Zutiefst über Wert oder Unwert des Menschen entscheidet, die Grundsätze der Moral im allgemeinen und der sexuellen Sittlichkeit im besonderen häufig in einer beängstigenden Auflösung begriffen sind. Besitzen diese Vorgänge für uns, die wir im Centralverein uns Zusammengeschlossen, schon aus dem Grunde Interesse, weil deutsche Not auch unsere Not ist, so erregen sie doch noch unsere besondere Teilnahme, weil jener Zersetzungsprozeß sich leider auch innerhalb des Judentums vollzieht. Paul Lazarus hat in seinem ergänzenden kurzen Literaturnachweis für die Praxis des Seelsorgers („Morgen", 5. Jahrgang, 6. Heft, S. 629) auf „die ungeheure sittliche und sexuelle Not in der Gegenwart auch unter uns Juden" hingewiesen. Unsere heutige schlechte Wirtschaftslage ist nun gewiß nicht dazu angetan, uns hoffen zu lassen, daß unsere sittlichen Zustände sich des Vereins und über die Aufgaben, die jeder Ortsgruppe und jedem Mitglieds in dieser ernsten Zeit aufzuerlegen sind. Eine mehrstündige umfassende Aussprache, an der säst sämtliche Ortsgruppenvertreter teilnahmen, brachte eine Reihe von wichtigen Mitteilungen und wertvollen Anregungen für unseren Kampf. Einmütig wurde dem C. V. Treue und Vertrauen ausgesprochen, einmütig gelobte die Versammlung, trotz wirtschaftlicher Not und trotz heftigster Angriffe des Nationalsozialismus nicht nachzu lassen in dem Kampfe für Recht und Gerechtigkeit. Wie gut muß ^eine Zigarette sein» wenn sie äurch mehr als 4 Jahrzehnte in immer steigenäem Maße gesallen konnte. Ueberzeugen auch Sie sich äurch eine Probe äavon» äaß Sie mit unserer III. Sorte eine außerordentlich bekömmliche» wohlschmeckenäe» rassige S-Ps.-Zigarette zur Hanä haben. Hl. Sorte 6 Pf.