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Central-Verein-Zeitung · 1930-05-30 · 22 (30.5.1930) · p. Seite 288

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
22 (30.5.1930)
Date
1930-05-30
Page
Seite 288 (sequence 4)
Language
German
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28S Wie-er einmal: Mraham und Kareski. Der ^Stürmer^ vor -em Nürnberger Schwurgericht. Der bayerische Ländtagsabgeordnete Streicher, Herausgeber des berüchtigten „Stürmer", in Nürnberg, hatte sich vor wenigen Tagen wiederum wegen Neligionsbeschimpfung vor dem Schwurgericht zu verantworten. Aus formellen Gründen erfolgte Freisprechung. Die Verhandlung, der die seit einem halben Jahrzehnt als Verleumdung entlarvte Behauptung zugrunde lag, daß in einer zionistischen Versammlung in Breslau zwei Rabbiner, Abraham und Kareski, erklärt hätten, die Schändung nichtjüdischer Frauen sei ein religiöses Gebot des Judentums, bot eine Reihe interessanter Einzelheiten, über die wir noch ausführlich berichten werden. Es sei nur vorweg genommen, daß Streicher wegen grober Ungebühr im Gerichtssaal, begangen durch Bedrohung des Staatsanwalts, in eine Ordnungsstrafe von 50 Mark genommen wurde, Zneöhöfe find keim Kinöerspielplätze! Der Wärter des Friedhofes der Jüdischen Gemeinde an der Rat-Beil-Straße in Frankfurt a. M. entdeckte am 18. Mai mittags, daß fünf Grabsteine umgestürzt waren. Als Täter wurden drei Schulknaben im Alter von sieben bis neun Jahren fest ge stellt. Die Kinder wohnen dem Friedhof gegenüber. Sie haben von jeher die Mauer als Spielplatz benutzt und die großen Grabsteine umgeworfen, weil sie einmal ihre Kräfte ausprobieren wollten. Die Kinder waren sich der Schwere ihrer Tat gar nicht bewußt. Sie gestanden ihre Tat dem Polizeibeamten ohne weiteres ein und zeigten ihm sogar harmlos, wie sie die Steine umgelegt hatten. Die Eltern der Kinder sind brave unpolitische Leute. Wir sind weit davon entfernt, der Tat irgendein judenfeindliches politisches Motiv unterfchieben zu wollen, wir müssen aber doch bedauernd feststellen, daß die Möglichkeit eines derartigen groben Unfugs einen traurigen Mangel an Achtung vor dem Tode beweist. Von christlichen Friedhöfen sind uns außerdem solche Vorfälle niemals bekannt geworden. Die Eltern täten gut daran, den Kindern rechtzeitig beizubringen, daß jüdische Friedhöfe ebenso heilige Orte sind wie christliche, und daß sie ihr mutwilliges kindliches Spiel an anderen Stätten als auf Friedhöfen treiben sollten. Am Donnerstag, dem 29. Mai, waren zehn Jahre verflossen, seitdem Justizrat Dr. Julius Brodnitz sein Amt als Vorsitzender des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens übernahm. Heute weiss es jeder, welches Mass von Arbeit und Sorge, wieviel Selbstverleugnung und Begeisterung dazu gehören, um eine Bewegung von der Grösse und dem Umfang zu leiten, wie sie der Centralverein darstellt. Schon vor zehn Jahren war sich Justizrat Dr. Brodnitz der Schwierigkeit dieser Aufgabe wohl bewusst. Er hat trotzdem nicht einen Augenblick gezögert, das Amt anzunehmen, das Maximilian Hörwitz und Eugen Fuchs vor ihm verwaltet haben. In langen zehn Jahren hat Brodnitz keine Feierstunde gehie Kölner Tagung ües Aerrtralverbanües jüdischer Handwerker Deutschlands. Zu einer überaus erhebenden und würdigen Feier gestaltete sich die Eröffnung der 9. Verbandstagung des Zentralverbandes jüdischer Handwerker Deutschlands am 25. Mai in Köln. Aus allen Teilen des deutschen Vaterlandes, ja aus den östlichen Nachbarländern waren Delegierte herbeigeeilt. Der große Saal der Nheinlandloge war in dichten Reihen voll besetzt. Von Behörden waren u. a. vertreten: ‘ Der Oberbürgermeister, die Negierung, außerdem die Handwerkskammer, der Verband der Kölner Innungen. Nach einer sehr stimmungsvoll vorgetragenen. gesanglichen Darbietung durch ein Quartett der Metzgerinnung begrüßte der Vorsitzende der Kölner Ortsgruppe, Louis G o l d b e r g, die Gäste, Delegierten rmd Mitglieder, gedachte der einträchtigen Zusammenarbeit des jüdischen Vereins mit den christlichen Vereinigungen und schloß mit einem Gelöbnis treuer und hingebender, dem deutschen Vaterlande gewidmeter Aufbauarbeit. In einer großzügig angelegten Eröffnungsrede schilderte der Verbandsvorsitzende, Marcus (Berlin), die Schwierigkeiten, mit denen der Verband zu kämpfen gehabt hat. Es habe sich aber auch hier gezeigt, ein wie wichtiger Faktor der Optimismus sei. Ohne ihn wäre es nicht möglich gewesen, das jüdische Handwerk von den Gefahren des allgemeinen wirtschaftlichen Niederganges zu bewahren. Auch heute gelte es, sich mit festem Willen am Wiederaufstieg zu beteiligen. Sein tzlppell galt auch den jüdischen Kreisen, das Streben des jüdischen Hand werker st an des nach Anerkennung, mehr, als dies in der Vergangenheit der Fall gewesen sei, zuunterstützen. — Louis Wolfs (Berlin), der zweite Vorsitzende des Zentralverbandes jüdischer Handwerker und Mitglied des Haupt- Vorstandes des C. V., hielt die Festrede. Er gedachte der jahrtausendalten Vergangenheit, da Juden am Rhein gesessen und ihr Handwerk ausgeübt haben, und sprach von der heutigen Zeit, da im Zeichen des Hakenkreuzes gegen alles, was jüdisch ist, rücksichtsloseste Hetze getrieben werde. Die jüdische Religionsgemeinschaft müsse heute tätigen Anteil an dem Kampf für das jüdische Handwerk nehmen und dem jüdischen Handwerk Gelder zur Verfügung stellen, damit wankende Existenzen gestützt und intelligente junge Menschen dem Handwerk zugeführt werden können. Gemeinderabbiner Dr. Rosental brachte in einem Schreiben zum Ausdruck, daß die Rabbinen in der Ausbreitung und Kräftigung des Handwerks unter den Juden in Deutschland eine der wichtigsten sozialen, ethischen und wirtschaftlichen Forderungen erblickten. Gemeinderabbiner Dr. Kober, der auch kannt, wenn es galt, der deutschen Judenheit den hohen Dienst zu leisten, den sie von einem ihrer Führer fordern kann: stets bereit zu sein, ihre Ehre und ihr Recht zu verteidigen und für ihr Sein und Werden einzutreten. Brodnitz ist von der Ueberzeugung unseres Eugen Fuchs ausgegangen, dass die Liebe zur Heimat und zum deutschen Volke mit der Liebe zum Glauben der Väter und zur jüdischen Gemeinschaft verbunden werden kann, soll und muss. Wir sind stolz, von einem Manne wie Brodnitz geleitet zu werden. Gottes Segen möge ihn noch viele, viele Jahre in Gesundheit erhalten. Solange er seine Kraft unserem Werke widmen kann, wissen wir es wohl geborgen! L. H. Schone weitze Zahne. „Auch ich möchte nicht vevfehlen, Ihnen meine größte Anerkennung und vollste Zufriedenheit über die „Chlorodont-Zahnpaste" zu übermitteln. Ich gebrauche „CHIorodont" schon seit Jahrenund ich werde ob meiner schönen weißen Zähne oft beneidet, die ich letzten Endes nur durch den täglichen Gebrauch Ihrer.Chlorodont-Zahnpaste erreicht habe." C. Reichest, Schwerz, Amt Niemberg, Eaalkreis. — CHIorodont: Zahnpaste, Zahnbürsten, Mundwasser Einheitspreis IMk. bei höchster Qualität. In allen Chlorodont-Verkaufsstellen zu haben. namens des Deutsch-Jüdischen Gemeindebundes seine Grüße entbot, wies darauf hin, daß Religion, Judentum und Handwerk aufs innigste verbunden seien. Es sei eine sittliche Aufgabe, diese drer Begriffe ihrer Erfüllung entgegenzuführen. Emil B l u m e n a u, der Vorsitzende der Synagogengemeinde, durfte auf das starke Interesse Hinweisen, das die Verwaltung dem jüdischen Handwerk entgegengebracht habe. Sodann nahmen Stadtdirektor Dr. Kramer in Vertretung des Oberbürgermeisters, Negierungsrat Dr. Knop für den Regierungspräsidenten, Stadtverordneter Peter Welker, Vorsitzender der Handwerkerkammer, sowie der Vorsitzende und Obermeister der Kölner Innungen, P e s ch, das Wort. Für den Centralverein sprach Herr Roßberg, der die Bedeutung des jüdischen Handwerks als Faktor in dem Bestreben, die Wahrheit über jüdische produktive Arbeit zu verbreiten, hervorhob. Zahlreiche Vertreter anderer Vereinigungen überbrachten noch Grüße und Glückwünsche. Am Abend fand im großen Saal der Vürgergesellschaft die Feier des 25jährigen Jubiläums des Kölner Vereins selbständiger jüdischer Handwerker statt. Sie gestaltete sich zu einer großen Huldigung für den Vorsitzenden, Louis Goldberg, der seit Gründung des Vereins an dessen Spitze steht, wichtige Entscheidung zumllampf gegen den Wirtschaftsboykott. Im Dezember 1929 wurde in Witten von der NSDAP ein Flugblatt beleidigender Art verbreitet, das sich namentlich gegen die jüdischen Geschäftsleute der Stadt Witten richtete. Das Flugblatt erging sich in Verallgemeinerungen gegen Geschäftspraktiken der Warenhäuser und übertrug diese in beleidigender Art aus die jüdischen Kausleute Wittens. Auf der zweiten Seite des Flugblattes befand sich ein beleidigendes Lied gegen die jüdischen Kaufleute. Dieser Sachverhalt führte nun zur Anklageerhebung wegen öffentlicher Beleidigung gegen den Geschäftsführer P i t h a n und den Faktor Denzig. Pithan wurde Zu 300 Mark, Denzig zu 50 Mark Geldstrafe verurteilt. Den beleidigten Firmen als Nebenklägern wurde die Publikationsbefugnis zugesprochen. Die gleiche Angelegenheit hat auch zivilrechtliche Folgen gehabt. Es wurde die in Nummer 30 der „C. V. - Zeitung" vom 17. Januar 1930, Seite 26, mitgeteilte einstweilige Verfügung des Landgerichts Bochum vom 20. Dezember 1929 (3 Q 93/29) erwirkt. Auf erhobenen Widerspruch hat das Landgericht Bochum in den gleichen Akten am 4. März 1930 diese einstweilige Verfügung im wesentlichen bestätigt. Hiernach ist es den Antragsgegnern untersagt, zu einem Boykott Wittener Geschäfte, deren Inhaber Juden sind, unter Beschimpfungen und Verunglimpfungen aufzufordern. Weiterhin wird untersagt, Flugblätter oder sonstige zur öffentlichen Verteilung bestimmte Schriften zu drucken, in denen unter Beschimpfungen und Verunglimpfungen zum Boykott der Wittener Geschäfte, deren Inhaber Juden sind, ausgefordert wird. In dem ebenfalls anhängig gemachten Hauptprozeß auf Unterlassung hat das Landgericht Bochum am 4. März 1930 in den Akten 3 0 17/30 inhaltlich die gleiche Entscheidung gefällt wie in der einstweiligen Verfügung. H. L. jostizral Dr.'" Brodnitz. / io me - - des c.?. 1

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