Von deutsch-jüdischer Jugend
- Journal
- Von deutsch-jüdischer Jugend
- Volume
- 6 (1930)
- Issue
- 2 (23.5.1930)
- Date
- 1930-05-23
- Page
- Seite 7 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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7 Jugendfuhrer-Briefe Für die Bildungsarbeit der deutsch-jüdischen Jugend In wenigen Tagen gelangt das erste Heft einer Schriftenreihe zur Versendung, die der Jugendausschuss des Centralvereins im Laufe der nächsten Monaten in kürzeren und längeren Abständen zu Ende führen wird. Dem ersten Heft, das Dr. Fritz Bamberger und Dr. Fritz Frie dlaender zu Verfassern hat, schickt der Vorsitzende des Jugendausschusses, Emst Heinrich Seligsohn, folgende grundsätzliche Einführung voraus: Auf der Grünauer Tagung der C.V.- Jugend von Ende September 1929 ist, einer Anregung des Vorstandes des Jugendausschusses folgend, beschlossen worden, eine Reihe von Heften herauszugeben, die der Bildungsarbeit in der deutsch-jüdischen Jugend dienen sollen. Das vorliegende Heft ist das erste einer bald folgenden Reihe ähnlicher Hefte. Der Mangel an geeigneten Führern, der in der deutsch-jüdischen Jugend (aber nicht nur in ihr) besteht, ist darauf zurückzuführen, dass die meisten in führender Stellung Befindlichen vor der organisatorischen und hündischen Arbeit nicht zur Erarbeitung des Materials kommen, das für eine ernsthafte Betrachtung aller das deutsche Judentum betreffenden Probleme unumgänglich notwendig ist. Der Hinweis, dass es für diese und jene Fragen Literatur gibt, hilft erfahrungsgemäß nur wenig. Hier wollen die Hefte eine Lücke schliessen helfen. Für bestimmte, möglichst eng umgrenzte politische Probleme, historische Erscheinungen, religiöse und philosophische Fragen sollen sie knappe, die Hauptmomente scharf herausarbeitende Darstellungen und eine Anleitung zur Benutzung der dazugehörigen Literatur geben. Ein doppelter Zweck wird damit verfolgt: wer überhaupt nicht über das betreffende Gebiet unterrichtet ist, erfährt auf diese Weise einige Grundtatsachen. Wer sich näher interessiert, erhält die Möglichkeit, durch das Studium einiger oder aller angeführten Schriften ein genaueres Bild zu erhalten, das ihn befähigt, einen Kurs oder eine Arbeitsgemeinschaft in seiner Gruppe zu leiten. Aber noch einen dritten Wunsch haben die Herausgeber der Hefte: dass alle, die sich durch das in den Heften skizzierte Material zu eingehenderem Studium angeregt fühlten, dem Jugendausschuss mittellen, wie sie einzelne zu dem speziellen Gebiet gehörige Fragen (vergleiche insbesondere die im Referat von Dr. Bamberger aufgezählten Fragen) beantworten. Auf diese Weise könnte so etwas wie ein geistiger Erfahrungsaustausch entstehen, der gegebenenfalls in der Beilage von „Deutsch-jüdischer Jugend“ veröffentlicht werden oder als Grundlage einer späteren Jugendtagung dienen könnte. Die Hefte werden tunlichst von Fachleuten zusammengestellt. Sie erheben aber, weil sie erzieherische Zwecke verfolgen, nicht den Anspruch auf wissenschaftliche Vollständigkeit. Die aufgeführte Literatur ist — falls keine Gemeindebibliothek am Orte des Lesers vorhanden ist — durch den Jugendaursschuss zu beschaffen. Dieser hat eine Reihe von wichtigen Werken angeschafft, die er einzelnen Gruppen gern leihweise zur Verfügung stellt. Das erste Heft will die Grundlagen der Emanzipation an zwei markanten Vertretern und ihrer geistigen Umgebung aufzeigen. Weitere Hefte werden die geistigen Strömungen innerhalb des Judentums zum Gegenstand haben, wie sie vornehmlich im Jahrhundert der Emanzipation zu beobachten sind. In das politisch-kulturelle Gebiet sollen Hefte über die jüdische Grossgemeinde und die Kleingemeinden in Deutschland, über Palästina, das Ostjudentum, Antisemitismus, Bevölkerungspolitik und moderne Wohlfahrtspflege führen. Das nächste Heft wird den Emanzipationsgedanken in der Geschichte des Centralvereins behandeln. Die Hefte erscheinen in loser Folge, jedes ein Gebiet für sich abschliessend. Für ihre Ausgestaltung ist die Mitarbeit aller interessierter deutsch-jüdischer Jugendkreise erforderlich. Deshalb wünschen wir, dass über Inhalt und Form dieser Hefte Zustimmendes, Ablehnendes, Ergänzendes uns berichtet wird. Denn nur so können die Hefte das erstrebte „Führermaterial“ der deutsch-jüdischen Führer werden. 1. Heft des neuen Jahrganges. Auch Abonnements der „Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland“ können für historische Arbeitsgemeinschaften zur Verfügung gestellt werden. Im Rahmen der Arbeit des Jugendausschusses des C. V. wurde dem Reichsausschuss der jüdischen Jugendverbände Deutschlands für sein Heim in Seesen eine Anzahl von Büchern als Grundstock einer Bibliothek zur Verfügung gestellt, ferner die Herausgabe eines Kalenders der deutsch-jüdischen Jugendgemeinschaft (über die wir an anderer Stelle noch berichten) hervorragend unterstützt. Ständiges Bestreben des Jugendausschusses bleibt es, neben diesen Arbeiten junge Menschen zur aktiven Mitarbeit im C. V. heranzuziehen. Da sich im Verlauf und in der Auswirkung der Grünauer Tagung gezeigt hat, von welcher Bedeutung der persönliche Kontakt aller Mitarbeiter ist, bereitet der Jugendausschuss für die nächste Zeit eine ähnliche Zusammenkunft vor, an der nur Berliner Jugend teilnehmen wird. Gründung des rheinischen Landes-Jugendaussdiusses des CV. Am Sonntag, den 11. Mai d. J., fand in Köln im Jugendheim der Synagogengemeinde die Gründun gsversammlung zur Bildung eines rheinischen Landes-Jugendausschusses des C. V. statt. Es handelte sich hier nicht um Bildung eines neuen Jugendvereins. Die Aufgabe dieser Gemeinschaft ist vielmehr die Intereesierung und Aktivierung der deutsch-jüdischen Jugend zur Mitarbeit an den durch den Antisemitismus in den Vordergrund getretenen Problemen, eine Aufgabe, die nur in engster Kampfgemeinschaft mit dem C. V. gelost werden kann. Es waren zirka 60 Vertreter und Vertreterinnen der Jugendvereine aus dem linksrheinischen Bezirk zu der Tagung erschienen, die von Herrn Diplom-Kaufmann Werner Alexander (Köln) geleitet wurde. Am Vormittag hielt nach einigen grundsätzlichen Ausführungen des Herrn Rechtsanwalt Dr. Rudolf Call mann (Köln), des Vorsitzenden des Landesverbandes Linksrkein des C.*V., Dr. med. Friedrich Brodnitz (Berlin), stellvertretender Vorsitzender des Reichs-Jugendausschusses, das Hauptreferat über „Aeussere und innere Aufgaben der jungen C. V.-Generation. Grundlagen unserer Arbeit!“ Eine rege Diskussion schloss sich an. Es wurde zunächst ein e n g e r e r Ausschuss gebildet, der den Kern des erweiterten Ausschusses bilden wird. Er wird in Kürze zusammen treten und mit den organisatorischen Arbeiten und der eigentlichen Sonderarbeit beginnen. Der Ausschuss setzt sich aus folgenden Herren zusammen: stud. jur. Kurt Braun (Köln), sind. ing. Kurt Heymann (Aachen), Rechtsanwalt Dr. Ernst Levy (Krefeld), stud. jur. Hans J a c o b i (Köln), Referendar Marcei Meyer (Koblenz), Erich Meyrowitz (Euskirchen), stud. jur. Hans W e t z 1 e r (Bonn). Grundstimmung der Tagung war der allgemeine ernste Wille zur Arbeit. Es kann wohl ausser Frage stehen, dass diese Gründung erfolgreich wirken wird. Aus der Hamburger Arbeit Detatsdi-jüdiscSie Jugend Hamburg:. JaltobdLöwcnlberg-Gcdearkstimdc. Anlässlich des Todestages Jakob Löwenbergs weihte die Hamburger deutsch-jüdische Jugend ihm, einem ihrer Mitbegründer, eine Gedenkstunde. Dr. Plaut sprach vor übervollem Saal einige herzliche Worte der Erinnerung, worauf Dy. M ü 11 e r (Rastatt) das Wort nahm und das Bild dieses gütigen und zielbewussten Kämpfers, verwurzelt in deutscher Erde und zutiefst verbunden mit jüdischem Geschick, Wiedererstehen liess. Der Dichter u n d Schulmann hatte nur ein Ziel: „Kämpfen und Bauen“. Frank T h i e s s habe einmal gesagt: „Auch der jüdische Mensch ist eine Resultante aus geschichtlicher und persönlicher Herkunft. Dies ergibt für überdurchschnittliche Juden ein bedeutendes Bild. Hier finden wir Weisheit, Güte, hohen Verstand, Weltklugheit und eine wirkliche innere Freiheit. Die sonderliche Weisheit des Talmud gibt ihm Würde und Rang.“ Diese Worte eines Dichters, so schloss der Redner, würden Jakob Löwrenbcrg am besten gerecht. Rezitationen Löwenbergscher Dichtungen durch Frau Lilli Freud-Marl6f eine Vortragskünstlerin von hohem Rang, gaben der Feier würdigen Abschluss. Julius Carlebach. Deutscli-jüdischer Studentcnbund Hamburg. Wintersemester 1929/3 0. > Leider verliess eine grosse Anzahl unserer Mitglieder die Hamburger Universität, so dass wir in diesem Winter nur 23 Mitglieder zählten. Wir leiteten das Semester mit einem Werbeabend ein, der im Hause von Herrn Dr. Jonas stattfand. Herr Dr. E. Rosenbaum, Direktor der Commerzhibliothek Hamburg, w-ar für ein Referat „Zur Soziologie der Demokratie“ gewonnen worden. Walter H e i m a n n sagte als Vorsitzender Grundsätzliches über den Deutsch-jüdischen Studentenbund. In einer Arbeitsgemeinschaft beschäftigte sich der Bund mit den Problemen „Rasse, Nation, Kultur“. Ausgehend von der Gegenüberstellung der objektiven und subjektiven Volkstheorie, versuchten wir, uns mit dem Antisemitismus, wie ihn Stapel vertritt,. auseinanderzusetzen. Seine Schrift „Antisemitismus und Antigermanismu3u sowie Go Idsteins „Den(sehe Volks-Idee und deutschvölkische Idee“ bildeten die Grundlage. Zu den Asta-Wahlen iin Februar nahm der Deutsch-jüdische Studentcnbnnd keine aktive Stellung. Er betonte jedoch gerade zu dieser Zeit, dass es äusserst wichtig sei, dass jedes Mitglied bei irgendeiner politischen Gruppe, die Juden von der Mitarbeit nicht ausschliesst, sich betätige. Der Deutsch-jüdische Studentenhund veranstaltete zwTei grössere Vorträge. Herr Universitätsprofessor Pastor Windfuhr, bekannt als Sachverständiger im Nürnberger Talmudprozess, sprach über „Der Talmud im Meinungsstreit der Gegenwart“. — In einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Deutschjüdischen Jugend, Hamburg, sprach Herr Professor B. W e h n e r t über „Rasse, Kultur und Volksgemeinschaft“. Walter Ileimann.