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Central-Verein-Zeitung · 1930-05-23 · 21 (23.5.1930) · p. Seite 274

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
21 (23.5.1930)
Date
1930-05-23
Page
Seite 274 (sequence 2)
Language
German
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274 dein starken Interesse, das die Verordnung in der Thüringer Bevölkerung gesunden hat, sehen wir uns veranlaßt, unsere Stellung zu der Maßnahme hiermit kurz zu kennzeichnen, und glauben dies um so mehr tun zu müssen, als die Form einer Empfehlung', in die die obere Schulbehörde ihre Absicht kleidet, für, den Lehrer durchaus den Charakter des Unbedenklichen verliert gegenüber der ausdrücklichen Anordnung an die Schuldirektoren nnd Schulräte, über die Durchführung der Berfügung zu -berichtend Der Vorstand des Thüringer Lehrervereins kann in dieser Verordnung, so natürlich und unverfänglich sie auch manchem, vom vaterländischen Standpunkt aus betrachtet, erscheinen mag, nur eine der bedenklichsten Maßnahmen der Schulpolitik sehen, die seit der Gründung des thüringischen Staates erfolgt find. Sie verläßt unseres Erachtens zweifellos die mit der Reichsverfassung gegebene und in Thüringen gesetzlich bestimmte Grundlage der Gemeinschaftsschule, wonach die Staatsleitung in der Schule nicht nur parteipolitisch strengste Neutralität übt, sondern sich auch grundsätzlich jeder Beeinflussung des Lehrinhaltes im bekenntnismäßigen Religionsunterrichte enthält, zu dem zweifellos auch die Gebetsübung gehört. Die Bedenken, die die ministerielle Verfügung erweckt, verstärken sich angesichts des Inhaltes der empfohlenen Musterbeispiele noch erheblich. Die Beispiele verraten in ihrer Mehrzahl nach ihrem Inhalt weltanschaulich-politische Anschauungen und Bestrebungen, die sicherlich von der Mehrheit der thüringischen Bevölkerung abgelehnt, ja von einem großen Teil als unerträglich empfunden werden. Wir vermögen darin leider nicht den Geist des ganzen deutschen Volkes zu sehen, auch nicht rein religiösen Sinn und weltversöhnliches Christentum, abgeklärtes, weltumspannendes deutsches Geistesleben und anerkannte deutsche Erziehungsgrundsätze, sondern das Streben einer politischen Partei, das im Gebet nicht nur die Umwelt, sondern auch die eigenen Volksgenossen mit dem Vorwurfe des -Betruges', -Vaterlandsverrats', der -Gottlosigkeit' bedenkt, der Jugend ein durchaus trübes Weltbild darbietet und sie allzu früh in die Leidenschaften und Gegensätze des politischen Lebens verstrickt. Es erscheint ganz undenkbar, daß Deutschland auf diese Weise als Weltvolk die Güter der -Ehre', der -Freiheit' und des -Friedens', wie sie in den Gebeten genannt werden, wirklich wahren oder mehren kann, und nur mit schwerer Sorge um Vas Schicksal des deutschen Volkes können wir das Eindringen solcher einseitig gerichteten Geisteshaltung in die Schule beobachten. . ♦" Altardecke mit den silbernen Leuchtern herunter, zerstörte ein am Altar angebrachtes Betpult und brach die Zeiger einer Uhr ab. Die Untat wurde am nächsten Tage entdeckt. Der Gemeindevorstand benachrichtigte sofort die Polizei, die ihrerseits die Untersuchung Zunächst durch einen Ortspolizeibeamten vornehmen lieh und dann auf Anweisung des Oberstaatsanwalts in Lyck einen Beamten der Landeskriminalpolizei in Allenstein anforderte. Sensburg ist zurzeit ein Herd nationalsozialistischer Umtriebe. In letzter Zeit hat dort eine Reihe von Versammlungen stattgesunden und es ist daher leicht möglich, daß der Täter aus diesen völkischen Kreisen stammt. Die Polizeibehörden des. Kreises und der Stadt rechnen aber auch damit, daß der Täter einer der Kirchenschänder ist, die in den letzten zehn Tagen in der Umgebung von Sensburg nicht weniger als drei protestantische und eine katholische Kirche heimgesucht haben, dort Opferstöcke erbrachen und Kirchengut an sich rissen. Unser Landesverband Ostpreußen hat sofort feinen Syndikus nach Sensburg entsandt, der ün Gemeinschaft mit unserem dortigen Ortsgruppenvorsitzenden die notwendigen Schritte unternommen hat. Die Behörden führen die Untersuchung mit großem Eifer. Unser Landesverband Ostpreußen hat gemeinsam mit der Gemeinde eine Belohnung von 200 Mark zur Ermittlung des Täters der Polizeiverwaltung zur Verfügung gestellt. Mthjos Nansen, der Menschenfreund. Die Jüdische Telegraphen-Agentur verbreitet einen Nachruf Lucien Wolfs, Generalsekretärs des Joint Foreign Comittee, auf Frithjos' Nansen, in dem es heißt: „Die jüdische Gemeinschaft schuldet Nansen großen Dank. Sein erstes Werk in Genf galt den Kriegsgefangenen und den Hungernden in Rußland. Diese beiden Fragen brachten uns häufig in Berührung miteinander, und als er 1921 zum Oberkommissar für das Flüchtlingswesen ernannt wurde, hatte ich den Vorzug, mit ihm bei der Bildung des Komitees privater Organisationen für Flüchtlingshilse, das schließlich dem Nansen-Kommissariat angegliedert wurde, zusammenzuarbeiten. Bei den vielen jüdischen Aspekten des Flüchtlings- Problems zeigte sich Nansen immer als ein warmer und von Energie beseelter Freund. Seine Dienste waren uns in politischer Hinsicht von unschätzbarem Wert. Auf Anregung des Joint Foreign Committee und der Jewish Colonisation Association hat er im Interesse der jüdischen Emigration interveniert, so u. a., als Südamerika sich anschickte, die Tore für neue Einwanderer zu schlreßen. In der Krisis der Jahre 1921 bis 1923, als die Polnische und die rumänische Regierung gegen die russisch-jüdischen Flüchtlinge, die sich in den Grenzgebieten dieser Länder ansammelten, vorzugehen im Begriffe waren, hat Nansen die jüdischen Gesellschaften in der Abwehr dieser geplanten Maßnahmen unterstützt. Als im Herbst 1923 die Polnische Regierung die Flüchtlinge ausweisen wollte, berief er eine Sondersitzung des Beratenden Komitees ein, dessen Eingreifen eine Zurücknahme der Drohung zum Ergebnis hatte. Als die rumänische Regierung eine Ausweisung der jüdischen Flüchtlinge aus Beßarabien unter harten Bedingungen anordnete, sandte er in seiner Eigenschaft als Oberkommissar einen energischen Protest nach Bukarest. Er intervenierte auch erfolgreich zugunsten der mit Entrechtung bedrohten ausländischen jüdischen Studenten an den österreichischen Hochschulen. " In einer Zeit, in der reines Menschentum. selten geworden ist und in der so oft die Rasse über Menschen und Menschenwert gestellt wird, muh das Bild eines Menschen wie Nansen immer wieder in das hellste Licht der Gegenwart gestellt werden. Kampfbunö für -rutsche Kultur. Gelder -es Reichsinnenministeriums für eine nationalsozialistische Organisation. Nach unwidersprochenen Zeitungsmeldungen hat der thüringische Kultusminister Dr. Fr ick dem Kampsbund sür deutsche Kultur Reichsmittel Zugewendet. Es gibt eine Zeitschrift „D e r W e l t - kam Pf". Ihr Herausgeber war jahrelang Alfred Rosenberg, erst seit einigen Heften zeichnet Graf E. Reventlow verantwortlich. Alfred Rosenberg ist Haupts christleit er des „Völkischen Beobachters", Reventlow nationalsozialistischer Reichstagsabgeordneter und Herausgeber der nationalsozialistischen Wochenzeitschrift „D e r Reichswart". „Der Weltkamps", von dem nunmehr das 77. Heft vorliegt, widmet jedes Heft einem einheitlichen Thema, das in der bei nationalsozialistischen Schriften bekannten pseudowissenschaftlichen Art mit falschen, verfälschten und bedeutungslosen Zitaten aus jüdischen und nichtjüdischen Autoren behandelt wird. Hier einige solcher Ueberschristen: „Jüdische Weltpoli tik", „Die internationale Geldherrschaft", „Judenherrschaft über Deutschland", „D e r e w i g e I u d e", „M u s i k und Judentum", „Iuden tum und Dichtu ng", „Rom und das Juden - t u m", „D e r N a t i o n a! s o z i a l i s m u s", „Die Freimaurer des B ö l k e r b u n - des", „Der internationale Mädchenhandel und sein jüdisches Monopol", „Der Krieg Zwischen Juda und Japan", „M e n s ch w e r - düng und Schmarotzertum, eine Rassen studie über den Menschen und das in e n s ch l i ch e R a u b t i e r", „Das Gesetz des Schmarotzertums", kurz, alles Ueberschristen von einer Sensationsgier und einem Anreißerium, die von Kultur und anständiger Journalistik weit entfernt sind. Im 53. Heft „Der Weltkamps" vom Mai 1928 veröffentlichte Alfred R o s e n b e r g in einem großen Artikel „Der Schicksalsk a m P f der deutschen Kultur" eine wüste und wütende Beschimpfung des Judentums und rief am Schluß des Aufsatzes Zur Gründung eines „K a m p f b u n d e s für deutsche Kult u r" aus, an dessen Spitze Männer wie Adolf Bartels, Verleger B r u ck m a n n, Verleger Lehmann, Professor L e n a r d, Professor Schulze-Naumburg, um die bekannteren zu nennen, traten. Es handelt sich also um eüw Gründung mit dem ausgesprochenen Ziel der Bekämpfung angeblicher jüdischer, freimaurerischer, u l t r a m o n t a n e r Einflüsse. Eine Ironie will, daß das neueste, 77. Heft vom Mai d. I. sich auf fünfundzwanzig Seiten ausschließlich mit dem Jesuitenorden besaßt und aus der Feder des Russen Gregor Schwarz-Bostunitsch maßlose Beschimpfungen aus diesen katholischen Orden häuft. Einige Zwischenüberschristen: „Heil dem Verbrechen", „E s' l e b e die Lüge", „Papsttum und Judentum", „Die Vorhaut Christi", „Berechtigung des Fürstenmordes", „Auch " V a t e r m o r d i st erlaub t", „Auch Menschenfresserei ist erlaubt", „Leichenschändung ist auch nicht so schlimm", „Weiblich e Brüste", „Beischlaf mit dem Beichtkind". Diese Zeitschrift ist das Organ des „Kampfbundes für deutsche Kultur"! Für diesen Kampfbund und damit zu Beschimpfungen der Juden und des Jesuitenordens sind R e i ch s m i t t e I verwendet worden! Wir stellen diese Tatsache vor der deutschen Öffentlichkeit, insbesondere vor dem Reichsinnenminister Dr. Wirth, Mitglied der Zentrumspartei, fest. A. H. Synagogenschandung in Sensburg. Die ostpreußische Judenheit wird nun schon zum dritten Male durch eine Synagogeuschändung in Erregung versetzt. Ern Akt von besonderem Vandalismus ist in Sensburg erfolgt. Der Täter (wahrscheinlich handelt es sich um einen einzigen) warf zunächst eine Fensterscheibe der Synagoge ein, stieg durch das Loch in den Tempel und riß die

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