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Central-Verein-Zeitung · 1930-05-16 · 20 (16.5.1930) · p. Seite 265

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
20 (16.5.1930)
Date
1930-05-16
Page
Seite 265 (sequence 9)
Language
German
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2*5 Weltsch gibt zu, daß der Zionismus als Reaktion auf den Antisemitismus entstanden ist. Also, warum den anderen den Vorwurf machen, sie seien „reaktiv"? Den Ausweg findet Weltsch leicht durch seine beliebte Bewertung. Die Reaktion der Nichtzionisten erklärt er für mechanisch und negativ, während der Zionismus eine schöpferische und positive Reaktion darstelle. Diese Unterscheidung klingt schön, aber sie besagt und beweist nichts. Mit willkürlichen Werturteilen läßt sich alles „beweisen". Weltsch geht auch auf die Praktischen Probleme des Zionismus ein, er bringt Zahlen und Statistiken. Dazu genügt es, auf Alfred Wieners Bericht „Kritische Reise durch Palästina" (Philo-Verlag, Berlin) zu verweisen. Nur ein Punkt sei noch erwähnt: Die A r a b e r f r a g e. Weltsch sieht darin ein schweres Problem, aber er meint, man müsse nur den Arabern zum Bewußtsein bringen, daß die Juden einen gerechten Anspruch aus Palästina haben, daß sie durch Arbeit das Land wieder erobern wollen und daß sie den Arabern selbst wirtschaftliche und kulturelle Vorteile bringen. Das mag schön und gut sein, aber es ändert nichts an der harten Tatsache, daß in Palästina etwa 600 000 Araber wohnen und noch nicht 155 000 Juden, ein Verhältnis, das sich zwar zugunsten der Juden durch verstärkte Einwanderung verschieben kann, das aber im wesentlichen konstant bleiben wird. Solange die jüdische Siedlungsarbeit mit nationalistischen Tendenzen verbunden bleibt, müssen sich mit Notwendigkeit Konflikte ergeben. Die Meinung von Weltsch, es genüge, den gerechten Anspruch der Juden aus das Land den Arabern zum Bewußtsein zu bringen, um das Problem zu lösen, ist höchst naiv und zeigt eine groteske Verkennung der Wirklichkeit. Weltsch weist darauf hin, daß die Araber „das ganze große Arabien, ein Vielfaches des kleinen Palästina" als Heimstätte haben; aber was nutzt das den Arabern, die in Palästina wohnen und dort die Mehrheit bilden? Das wäre ebenso, als wollte man die Deutschen in Tirol damit abspeisen, daß man ihnen sagt, sie hätten ja das ganze große Deutschland als Heimstätte. Das Araberproblem kann auch nicht durch Gewaltmaßnahmen gelöst werden, selbst nicht durch die Engländer, und selbst dann nicht, wenn diese nur die Interessen der Juden vertreten wollten. Mannigfache geschichtliche Erfahrung hat gezeigt, daß auch stärkste Macht sich in diesen Problemen nicht durchsetzen kann. Zudem treibt England englische, nicht zionistische Politik. Es ist Tatsache, daß die englische Regierung der jüdischen Einwanderung in den letzten Jahren die stärksten Hindernisse in den Weg legte, während sie den Zuzug von Arabern frei gestattete. Weltsch meint abschließend über das Araberproblem: „Englands Mandat bietet uns den ungeheuren Vorteil, daß wir geschützt sind, solange die Araber sich nicht von unserer guten Absicht überzeugt haben." (Seite 21.) Dieses Vertrauen auf die Bajonette Englands hat sich durch die tiefbedauerlichen Araberunruhen in Palästina als eine irrige und höchst gefährliche Meinung erwiesen. An der Stätte, wo Juden Ruhe und Sicherheit suchten, ist jüdisches Blut geflossen. Diese Vorgänge, von denen wir alle wünschen und hoffen, daß sie sich niemals wiederholen mögen, sprechen eine deutliche Sprache und widerlegen die leichte Art, mit der Weltsch das Araberproblem behandelt. Der Versuch, bedrängten Juden durch Siedlungen, sei es in Palästina oder in Südrußland, eine Heimstätte zu schaffen, ist gewiß wertvoll und erfreulich, aber es muß dafür Sorge getragen werden, daß nicht durch politische Aspirationen irgendwelcher Art schwere Konflikte heraufbeschworen werden. Eine Politik, die die Juden der Gefahr aussetzt, Opfer von Pogromen zu werden, kann nur als leichtfertig bezeichnet werden. Weltsch sucht an einer Stelle (Seite 18 und 19) den Einwand zu entkräften, daß der Zionismus den Antisemitismus in der Diaspora vergrößere. Er fragt den Mitunterredner: „Glaubst du wirklich, daß die Pogrome in der. Ukraine furchtbarer gewesen wären, wenn es eiK jüdisches Gemeinwesen in Palästina gegeben hätte?" Darauf kann man im Sinne von Weltsch mit „nein" antworten. Bei der Beurteilung des Zionismus ist es auch gar nicht wesentlich, was die Antisemiten etwa dazu sagen. Mit Recht betont Dr. Ludwig Holländer: „Niemals darf unsere Tätigkeit auf die Auswirkungen Rücksicht nehmen, welche etwa Judengegner aus ihr ziehen können." („C. V.-Zeitung", Jahrgang 1, Nr. 1 vom 4. Mai 1922.) .Die schwere und beängstigende Arage ist nicht die Rückwirkung auf den Antisemitismus in der Diaspora, sondern die Sorge, daß nicht in Palästina selbst Für die Gesundheit! Fachinger Versandstelle, Berlin SW 11, ßchöneberger Strasse 16a. Telefon: Liitzow 8260/81 ein neues Pogromland entsteht. Das ist eine bedrohliche Perspektive, die von den Verantwortlichen nicht übersehen werden darf und die eine ernsthafte Prüfung erfordert. Christliche Forscher über jüöische (Quellen -es Urchristentums. von Rabbiner Dr. Hugo Hahn (Essen). 1. Die Tatsache, daß die Quellenschriften des Christentums uns fast ausschließlich in der griechischen Sprache überliefert sind, hat die Neligionsforscher veranlaßt, vor allem den Beziehungen des Hellenismus zu der Glaubenswelt des „Neuen Testaments" nachzuspüren. Dabei hat man viel zu stark übersehen, daß das Urchristentum zwar seine großen Erfolge in der hellenistischen Umwelt zu verzeichnen hat, daß aber sein Ursprungsland Palästina ist und daß seine ersten Träger Juden waren. Mit dem Erstarken des geschichtlichen Sinnes innerhalb der Religionsforschung meldete sich immer stärker das Verlangen nach Klärung des Beziehungsverhältnisses zwischen jüdischer Umwelt und christlicher Urgemeinde. Jüdische Gelehrte hatten schon frühzeitig erkannt und darzulegen versucht, daß man ohne gründliche Kenntnis des biblischen und talmudischen Judentums den Sinngehalt des evangelischen Schrifttums schlechthin nicht verstehen könne. Die christliche Gelehrtenwelt folgte nur zögernd dieser Wegweisung. Sachliche und gefühlsmäßige Gründe waren hierfür maßgebend. Dem christlichen Neligionsforscher bot sich an der Universität so gut wie keine Gelegenheit, die nachbiblische jüdische Literatur kennenzulernen, Proben aber, die man aus christlichen Darstellungen der talmudischen Epoche entnehmen konnte, erschienen so wenig anziehend, daß man sich kaum einen Gewinn von der Beschäftigung mit diesem merkwürdigen Erzeugnis des jüdischen Geistes für die Aufhellung des neutestamentlichen Schrifttums versprach. Infolge dieser einseitigen Beleuchtungsmethode findet man bis heute bei den meisten Darstellern der Entstehungsgeschichte des Christentums kaum eine zureichende Erwähnung des zeitgenössischen jüdischen Geistesgutes, vielmehr benutzt man den jüdischen Hintergrund, sofern man ihn überhaupt zeichnet, nur dazu, um die neue Lehre um so glänzender gegen die alte, vermeintlich veraltete und unbrauchbare Lehre des biblisch-talmudischen Judentums abzuheben. Erst in neuerer Zeit ist eine Aenderung dieses Sachverhalts eingetreten. Männern wie Franz Delitzsch (1813—1890), August Wünsche (1839—1913) und Hermann Strack (1848 bis 1922) ist es zu danken, daß die christliche Theologie anfängt, die Ernsthaftigkeit des hier vorliegenden Problems einzusehen. Wenn in folgendem versucht wird, den Stand der Arbeiten auf diesem heißumstrittenen Gebiet durch einige charakteristische Proben auszuweisen, so geschieht es in der Ueberzeugung, daß gerade diese neue Wissenschaft dazu angetan ist, alteingewurzelte Vorurteile gegen das Judentum zu zerstören und den Frieden unter den Religionsgemeinschaften zu fördern. 2. Das monumentalste Werk auf dieseni Gebiet ist der jetzt abgeschlossen vorliegende „ K o m - mentar zum Neuen Testament aus Talmud und M i d r a s ch" von H e r m a n n L. Strack und P a u l B i l l e r b e ck. (Verlag Beck, München 1922—1928.) Die Bezeichnung „Kommentar" trifft eigentlich die Wesensart dieses Werkes nicht ganz eindeutig. Es handelt sich in Wirklichkeit um eine ungemein fleißige und umfassende Zusammentragung von Parallelstellen aus Bibel und talmudischer Literatur zu allen Sätzen, ja man könnte fast sagen, zu jedem Wort des Neuen Testaments. A/an bekommt einen Begriff von der Niesenhaftigkeit dieses Unternehmens, wenn man bedenkt, daß die Verfasser vier ^dicke Bände mit über 4000 engbedruckten weiten benötigten, um die Fülle des aus dem jüdischen Schrifttum geschöpften religionsvergleichenden Stoffes unterbringen zu können. Das heißt nicht d i e Verfasser, sondern der Verfasser, denn Strack hat, wie wir heute wissen, nur die Anregung zu diesem Werk gegeben, die ganze Riesenarbeit ist von dem evangelischen Pfarrer B i l l e r b e ck allein geleistet worden. Das Werk hat neben seinen Vorteilen natürlich auch seine Mängel, die von der Fachkritik mit aller wünschenswerten Deutlichkeit festgestellt worden sind. Billerbeck kommt aus den Kreisen der Judenmission, und man kann sich bei aller Bewunderung für seine gigantische Leistung des Eindrucks nicht erwehren, daß er in seiner Beurteilung des dargebotenen Materials nicht immer ganz sachlich und objektiv bleibt und deshalb dem Judentum z. B. in der Beurteilung des Gebots der Nächstenliebe nicht gerecht wird. So bedauerlich solche Entgleisungen sein mögen, sie wiegen nicht allzu schwer im Hinblick aus die Tatsache, daß hier ein Werk vorliegt, an dem kein zünftiger Gelehrter in Zukunft wird ungestraft vorübergehen können, ein Werk, das dazu angetan ist, jedeni ruhig Urteilenden die Höhenlage der jüdischen Religion klar vor Augen zu führen. 3. Um die Aufhellung von Einzelsragen aus dem Problemkreis: Judentum — Urchristentum sind die evangelischen Professoren Gustav Dalman, Paul Fiebig, Karl Bornhäuser und Joachim Jeremias eifrig bemüht. So sehr wir das weitschichtige Sprachwisfen Dalmans in seinen verschiedenen Werken („Die Worte Jesu", „Jesus — Jeschua") bewundern, so gern wir die von einem chrlichen Verständigungswillen getragenen Schriften Fiebigs regelmäßig hier anzeigen, so stark müssen wir von Born hä users Versuch einer zeitgenössischen Auslegung der „Bergpredigt" (Gütersloh 1923) abrücken. Hier wird zwar von der sehr richtigen Prämisse ausgegangen, daß man versuchen müsse, wieder Zeitgenosse Jesu zu werden, um seine Lehre in ihrer Eigenart ganz erfassen zu können. Wenn aber Bornhäuser von dem „Gottbankhalter der Rabbinen, der die Verdienste im Depot hat", redet, um einen Begriff von der talmudischen Ethik zu geben, so fühlt man schon aus der Geschmacklosigkeit solcher Satzprägung, daß hier die Urteilsfällung nicht mehr vom Gebot der Gerechtigkeit diktiert JODBAD DAS BAD GEGEN ARTERIENVERKALKUNG ▼«LT KURu. BADHOTEL ■ wmÄB DER JODQUELLEN. Inh. G.Kiltssak. Bayer. Alpen Das Haustür alle Kreise. 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