Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 20 (16.5.1930)
- Date
- 1930-05-16
- Page
- Seite 266 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sodbad Tvlz. MM« KÄMM SL Preisen das Beste all Unterkunft und Verpflegung. ist. — Zu einer sehr beachtlichen Monographie dürfte sich die Arbeit von Jeremias: „Jerusalem zur Zeit Jesu", von der jetzt drei Bändchen (bei Eduard Pfeiffer, Leipzig) vorliegen, gestalten. Neben einer Fülle von Einzelerkenntnissen über die Lage der Jerusalemer Bevölkerung um die Wende der Zeiten interessiert in diesem Buch der großzügigeBersuch, auf Grund der neuesten Untersuchungen von Rabbiner B a e cf über die „Pharisäer" zu einer möglichst genauen Umschreibung dieses so vielumstrittenen Begriffs zu kommen. Man darf auf die Fortsetzung dieses Werkes gespannt sein. 4. Als Beispiel k a t h o l i s ch e r Forschertütigkeit auf diesem Grenzgebiet jüdisch-christlicher Aera sei auf die soeben erschienene Studie von Professor D r. Georg A i ch e r (B a m b e r g): „Der Prozeß Jesu" (^-chroeder, Bonn 1929) verwiesen. Hier ist ein heikles Thema in dezenter Weise erneut zur Diskussion gestellt. Die Schwierigkeiten bei der Entwirrung dieses Prozesses sind ja deswegen so groß, weil die Darstellung der Todestragödie innerhalb der Evangelien selbst widerspruchsvoll und im übrigen mit den Vorschriften des biblisch-talmudischen Strafrechtes schwer in Einklang zu bringen ist. Professor Aicher kommt unter Einbeziehung aller bis heute von namhaften Theologen und Juristen über den Prozeß Jesu geäußerten Meinungen zu folgendem Ergebnis: Jesus ist sowohl vom Synhedrium wie von Pilatus zum Tode verurteilt worden. Das eine Verfahren hat aber mit dem andern nichts zu tun. Vor der jüdischen Gerichtsbehörde erfolgte die Verurteilung wegen der von den Richtern als Gotteslästerung aufgefaßten Antwort des Angeklagten. Die Ausführung des Urteils stand dem Synhedrium in damaliger Zeit nicht zu, da Kapitalverbrechen von der römischen Behörde abgeurteilt wurden. Pilatus nahm lediglich die Anklage, daß sich Jesus als der vom Königshause David herkommende Messias ausgab, vom Synhedrium entgegen. Das Urteil der Juden, das auf religiösen Motiven fußte, interessierte ihn nicht. Er ordnete sofort ein eigenes Gerichtsverfahren nach römischem Recht an. Obwohl er selbst von der Unschuld Jesu überzeugt gewesen sei, habe er ihn doch, weil er Komplikationen politischer Art befürchtete, als Aufwiegler gegen die Staatsgewalt behandelt und zum Kreuzestod verurteilt. Es liege also hier ein Tendenzprozeß und Justizmord vor. Aicher wendet sich zum Schluß mit aller Entschiedenheit gegen die noch von Bille r b e ck vertretene Behauptung, als habe Pilatus auf Verlangen des Shnhedriums Jesus zum Tode verurteilt. Die Juden tragen keine Schuld am Kreuzigungstod Jesu, es fei denn die „metaphysische", daß sie im Gerichtsverfahren glaubten, einen „irdischen" Messias vor sich zu haben, während die von Jesus beanspruchte „Gottessohnschaft" in überirdischem Sinne gemeint gewesen sei. Alls diesen! „Versehen" habe sich alles andere zwangläufig ergeben. 5. Diese Beispiele mögen genügen, um eine Vorstellung von dem Aufgabenkreis zu geben, den die nelltestamentliche Forschung noch zu bewältigen hat. Wir sind mit Bewußtsein in dieser Zusammenstellung auf den Anteil der jüdischen Wissenschaft bei der Allfhellnng dieser Zusamrnenhänge llicht eingegangen, lveil lvir der Auffassung sind, daß sich die christliche Gelehrtenwelt zunächst einmal sachgründlich mit dem talmudischen Material auseinandersetzen muß, ehe ein fruchtbringendes Gespräch zwischen Juden und Christen auf diesem Gebiet möglich sein wird. Daß hier noch viel Arbeit zu leisten ist, das hat am deutlichsten einer der Wortführer innerhalb dieser neuen Forschungsmethode, Professor Gerhard Kittel, in seiner akademischen Antrittsvorlesung in Tübingen: „Urchristentum, Spütjudentum, Hellenismus", und in seinem Buch: „Die Probleme des palästinischen Spätjudentums und das Urchristentum" (beide Verlag Kohlhammer, Stuttgart 1926) zum Ausdruck gebracht. Eine wesentliche Förderung könnten diese Bemühungen erfahren, wenn ein Wunsch der deutschen Judenheit in Erfüllung ginge, wenn, wie Paul de La gar de das bereits gefordert hat, jüdische Lektorate an allen deutschen Universitäten errichtet würden. ^ubilaumsfchristerr -es Zrankfurter philanthropins. Im November v. I. konnte, wie auch in diesen Blättern eingehend berichtet wurde, das Philanthropin, diese ehrwürdige und aus der Zeit der ersten jüdischen Schulgründungen in Deutschland als einzige noch bestehende Bildungsstätte, auf ein 125jähriges Bestehen Zurückblicken. Aus einer einfachen Realschule hat sich das Philanthropin unter der Leitung seines derzeitigen Direktors Dr. Otto D r i e s e n zu einem umsangreichen Schulwerk entwickelt, das seine Schüler vom Kindergarten bis Zur Hochschule führt. Anläßlich des Jubiläums haben Lehrer- und Schülerschaft Zwei Festschriften herausgegeben, die ein helles und erfreuliches Licht aus die Unterrichts- und Erziehungsarbeit in dieser alten, und doch im besten Sinne des Wortes in o d e r n e n Bildungsanstalt werfen: 1. „B a u - steine praktischer Pädagogi k", eine Sammlung pädagogischer Aussätze von Mitgliedern des Lehrerkollegiums (Verlag Kornsand u. Co.). 2. „D a s P h i l a n t h r o p i n"; Nr. 3 und 4 des 1. Jahrgangs der Zeitschrift; herausgegeben von ehemaligen Schülern und Schülerinnen des Philan- Ihropins für die Freunde der Anstalt. Tie „B a u st e i n e" bieten dem Laien ein fesselndes Bild von der Arbeitsweise einer guten neuzeitlichen Schule und vermitteln dem Fachmann vielfache Anregung und reiche Belehrung. Nicht eine Zeile der zwölf Aussätze ist geschichtlichen Erinnerungen gewidmet; sie alle erzählen von der Gegen wartsarbeit und den Zutun f t s a u s g a b e n deutsch - jüdischer Mensche n. Der Geist der Schule weht den Leser schon aus dem einleitenden Aufsatz des rührigen, temperamentvollen Leiters an: „Erziehung zur Freude als sittlicher Grundhaltung." Das ist die Freude als Interesse an der Ausgabe, als Hingegebensein ans Werk und als die daraus sich ergebende Befriedigung durch das Gefühl und Bewußtsein der Leistung. Von den Erfolgen dieser Arbeit sprechen die Aussätze der ehemaligen Schüler: Erinnerungen an die Schulzeit, geschichtliche Darstellungen, Erlebnisse und Erfahrungen in fremden Ländern. Das Philanthropin wurde vor 125 Jahren zu dem Zweck gegründet, jüdische Menschen in deutschem Geiste zu erziehen. Dieser Zielsetzung ist die Anstalt treu geblieben, ihre Arbeit vollzieht sich unter der Devise: „Heimat, Glaube, Menschlichkeit." Oie einzige Zeitschrift für jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik ist die Jüdische Wohlfahrtspflege und_Sozialpoliiik herausgegeben von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und der Hauptsfelle für jüdische Wanderfürsorge. Ä l i*fc aus a-iea Gebieten der jüdischen u. allgemein en Wohl- .rtUioCU^C iahrfsarbeii, reichhaltige aktuelle Umschau (Jugendfürsorge, Soziale Gerichishilfe, Gesundheitsfürsorge, Bevölkerungspolifik, Wanderung, Wirtschaftsfürsorge, Arbeitsnachweis, Berufsberatung u. a. m). MilArKpifpr• Dr. Baeck, R.-A. Dr. Georg Baum, 1 liiOlUCuCi Alfred Berger, Pastor Braune, Eugen Caspary, Dr. Erich Fromm, R.-A. Dr. Frausfadter, Prof. Dr. Glaessner, Rabbiner Dr. Goldmann, Rabbiner Dr. Hörovifz, Rabbiner Dr. Prinz, Prof. Dr, M. Moses, Prof. Dr. Seligmann, Prof. Dr. Erich Stern, Siddy Wronsky u. a. Erscheint monatlich. Bezugspreis 12 M. jährlich. Abonnementsbestellungen: „Jüdische Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik“ ' Berifu-Charloifenburg 2, Kantstrasse 158. 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