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Central-Verein-Zeitung · 1930-05-16 · 20 (16.5.1930) · p. Seite 262

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
20 (16.5.1930)
Date
1930-05-16
Page
Seite 262 (sequence 6)
Language
German
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2»2 JJolilif des Tages im Spiegel -er Presse. Die „Deutsche Tageszeitung" Nr. 220 vom 12. Mai veröffentlicht einen Sonderbericht von der 10. Hauptversammlung des Kreis l a n d b u n d e s West sternberg in Neppen. - Bei dieser Tagung habe Graf Kalckreuth u. a. ausgeführt: „♦ . . Kein Verständnis habe ich dafür, datz man diesem Kabinett keine Zeit zur Arbeit lassen wollte, sondern es sofort zu stürzen versuchte. Das Verhalten der Nationalsozialisten ist bei der heutigen Lage falsch. Sie wollen auf revolutionärem Wege das bestehende System beseitigen, dann einen neuen Staat aufbauen und das Wirtschaftsleben durch ihren Staat. leiten. Das hat sich noch immer als ein Fehler erwiesen; denn es führt stets zu Bureaukratismus oder Korruption. Auch der Standpunkt eines Teiles der Deutschnationalen unter Hugenbergs Führung scheint mir nicht der richtige zu sein. Die Landwirtschaft kann nicht warten, bis das jetzige auch von ihr bekämpfte System zusammenbricht . . In der „Deutschen Wochenschau" Nr. 19 vom 10. Mai stellt Gottfried Feder. M. d. R., ein „Politisches Horoskop für Sommer 1930". Er führt u. a. aus: „Böse Aspekte für die Deutschnationalen, Opposition Sozialdemokratie und Quadratur Zentrum, Halbsextil Nationalsozialisten! so würde wohl ein politischer Sterndeuter die Konstellation am politischen Sternhimmel für die Deutschnationalen erklären. ... Unter diesen ungeheuren inneren Spannungen zerbrechen die Deutschnationalen, müssen zerbrechen, weil auch die sogenannten Oppositionellen der Hugenberg-Gruppe im tiefsten Grunde bürgerlichkapitalistisch sind und deshalb immer wieder in entscheidenden Fragen Umfallen bzw. der Gesamtfraktion Ihren Willen nicht einheitlich werden aufzwingen können . . Es ist sicher nicht Schadenfreude oder gar Gehässigkeit, wenn wir Nationalsozialisten oft besonders scharf auf die jammervolle Politik der Deutschnationalen Hinweisen. Wir tun es deshalb, weil wir von den Deutschnationalen als einziger Partei immerhin noch etwas Gradlinigkeit und Zuverlässigkeit wenigstens in nationalen Fragen erwartet hatten, während die übrigen Parteien des chohen Hauses mit dem niederen Niveau' als nationale Faktoren von vornherein ausschalten. Das; die Deutschnationalen gerade in diesem Punkt immer wieder so schmählich versagt haben, daß sie ihre Machtstellung nach den Maiwahlen 1924, durch die sie als stärkste Partei mit 110 Sitzen in den Reichstag eingezogen waren, so leichtfertig verspielt haben, mußte natürlicherweise unseren Zorn besonders reizen ... lieber Nahestehende wird man sich im Falle einer Verfehlung sehr viel mehr erregen als über einen notorischen Lumpen. Von den Regierungsparteien kann man nichts anderes verlangen als Erfüllungspolitik, von der Sozialdemokratie nichts anderes als perpetuellen Volksverrat. Die Deutschnationalen hatten aber einst die hohe Mission, den nationalen Gedanken gegen Marxismus und Ersüllungspolitik zu verteidigen, sie durften nicht bei jeder Gelegenheit aus falsch verstandenen „realpolitischen" Gründen Umfallen und ihre nationalen Ideale verraten. Sie sind gewogen und zu leicht befunden worden, sie haben kein Gewicht und keine Bedeutung mehr im politischen Leben. . . . . . . Das Zentrum und sein bayerischer Wurmfortsatz, die Bayerische Volkspartei, sind im Gegensatz zu dem bürgerlichen Parteibrei weltanschaulich orientiert und werfen sich.zum Hüter eines christlichen Staates aus; das heißt sie tun so als ob. Es gibt aber wohl keine schlimmere Heuchelei als die Politik von Zentrum und Bayerischer Volkspartei. Mit dem Feldgeschrei ,Die Religion ist in Gefahr' ziehen sie in die Wahlkämpfe, mißbrauchen die fromme Gläubigkeit der Bevölkerung, um ihre Mandate und politische Machtstellung zu sichern . . In der „Hannoverschen Landeszeitung" vom 25. März lesen wir in einem Artikel „Tie nationalsozialistische Welle" folgendes: . . Von diesem Gesichtspunkt aus sind die Erfolge, die der Nationalsozialismus zurzeit bei der Landbevölkerung einheimst, ganz besonders bedeutungsvoll . . . Nun wird ja in den führenden Kreisen der deutschen Landwirtschaft die Gefahr der ganzen Lage erkannt oder doch wenigstens geahnt, und man versucht hier, derselben durch kluge' und geschickte, rein wirtschaftspolitische Aufklärung über das Hitlersche Parteiprogramm mit seiner zwiespältigen Stell,mgnahme zur Eigentumsfrage, zum Problem der Bodenrente usw. beizukommen. . . . ... es ist deshalb unbedingt nötig, den Nationalsozialismus da zu bekämpfen, wo derselbe am gefährlichsten ist: in seiner Jdeenwirkung! Vorausgehen muß der Bekämpfung eine Festigung der politischen Vegrifsswelt des Bauern überhaupt, denn auch rein geistig ist es das Schlimmste, was dem Bauern passieren kann, wenn der Boden unter seinen Füßen zu wanken beginnt, und einer Erschütterung der Geisteswelt des Bauern haben wir alle uns mehr oder minder, kürzer oder länger, seit Krieg und Zusammenbruch schuldig gemacht, und es ist die allerhöchste Zeit, damit endlich Schluß zu machen. . . . Kann doch Wohl schwerlich bestritten werden, daß diese Bearbeitung bisher eigentlich nur darin bestand, dem Bauern von diesem oder jenem Parteistandpunkt aus für die panikartige Stimmung des wirtschaftlichen ,Welt'-Unterganges reif zu machen, womit ich unter ,Welt' Haus und Hof des Bauern im Sinne des Katechismus verstehe. Ein grenzenloser Fatalismus und eine im tiefsten Sinne unchristliche Verzweiflung an Gott und der Welt ist die Folge dieser von allen Seiten auf den Bauern eindringenden negativen Politik ... In dieses Dunkel, das die Bauernseele erfüllt und von dem wir alle wohl viel zu viel gesprochen haben, siel kein Lichtstrahl, und keine seiner Parteien inventarisierte den Geisteschof' des Bauern, den alle zusammen gründlich ausgeräumt haben, neu. In diese Lücke springt der Nationalsozialismus, und der einfachen Formel ,national-sozial' verdankt er seine Erfolge. Hat man dem Bauern nicht immer aufs neue gesagt, er sei die letzte und einzige Stütze des nationalen Deutschland? Hat man ihn nicht immer wieder aufs nachdrücklichste vor allem Sozialismus gewarnt? Findet er nicht in den Propheten des Nationalsozialismus die Versöhnung dieser beiden unversöhnlichen Gegensätze? Kann, muß die Synthese Zwischen national und sozial nicht die Rettung sein, der sichere Boden, auf dem man wieder aufbauen kann? Das Rezept der Nationalsozialisten, mit dem sie ihre Parteierfolge erringen (nicht etwa mit dem sie Deutschland oder auch nur dem Bauernstand die Rettung bringen!), ist so grenzenlos einfach und simpel: Instinktiv, denn dafür, daß ihnen das Bewußtsein ihres Tuns nicht aufging, glaube ich garantieren zu können, also instinktiv spürten sie, daß der deutsche Bauer heraus will aus den Schlagworten dieser Zeit, aus Hader und Unfrieden, daß er keine tiefere Sehnsucht kennt als Befriedung! Flugs wurden aus zwei Schlagworten deren eines, und unter der Flagge,national-sozial' werden nun die nächsten Wahlen vorbereitet mit einem Zieh das allem anderen als dem inneren Frieden dienen dürfte. — Ist es da nicht Zeit, allerhöchste Zeit, der nationalsozialistischen Wette mit allen verfügbaren Kräften entgegenzutreten und den Kampf auszunehmen, wo immer er sich bietet? Die Antwort mögen die Parteien geben und ihre Führer!" Der „Bayerische Kurier" bringt in seiner Nr. 106 vom 16. April unter der Ueberschrist „Die ,Retter Deutschlands'" folgende Anekdote: „... Auch die Nationalsozialisten stimmten mit den Regierungsparteien für das Lunktim'. Sie hatten nicht bemerkt (!), daß die umkämpfte Bestimmung sich diesmal an anderer stelle im Gesetz befindet als in der Zweiten Lesung. Damit war der politisch heikelste Punkt der Abstimmungen ,durch ein Versehen' überwunden. Nicht mit dem Artikel Ia, in dein das ^Junktim' am Sonnabend vorweggenommen wurde, sondern mit dem Artikel 1 der Agrarvorlage in Zusammenhang mit Benzin- und Venzolzoll begann gestern die Abstimmung in dritter Lesung. Wo ist Ia geblieben? Auf der Spitzenbank des Keils der gesamten Rechten sitzen Rademacher und . Graf Wöstarp. Bleiben die sitzen, bleiben die anderen auch sitzen. Löbe schmunzelt. Nun geht, argwöhnisch gemacht, der Nationalsozialist Frick nach vorn zu den beiden. ,Was haben wir eben angenommen? (!)' ,Das Junktim!' ,Iawohl, das steht jetzt im Artikel V!' Also auch die gesamte nationalsozialistische Fraktion hat irrtümlicherweise dafür gestimmt! Das gibt Gelächter und Zorn über die Weisheit sämtlicher übertölpelter Neichsboten, aber alles ist ja jetzt gleichgültig. Auf Grund dieser Vorgänge gewinnt die Befürchtung Nahrung, daß die Nationalsozialisten einmal Irrtümlicherweise' statt Deutschland ein anderes Land,retten'. Die „Borkumer Zeitung und Badezeitung" gibt in ihrer Nummer vom 17. April einen Bericht über einen Presseabend in Berlin, der der Hebung des Seebades dienen sollte. Die Aussprache dabei zeigte den ernsten Willen der Borkumer Bevölkerung und Hoteliers jetzt, nach Beseitigung des nationalsozialistischen Hetzers Münchmeher, mit der produktiven Arbeit zu beginnen. In diesem Bericht heißt es: „Wir haben nach der Aussprache mit den Vertretern der örtlichen und Provinziellen Behörden die Ueberzeugung gewonnen daß Borkum einer neuen Blüte entgegengeht. Denn Radikalismus wird auf dieser Insel und in diesem Bade weder bei den Besuchern noch unter den Einwohnern je mehr eine Stütze sinder,." Elternbeiratswahlen! Auf der Reichstagung des Evangelischen Elternbundes Wurde beschlossen, auch in diesem Jahre wieder die „Christlich-unpolitische Liste** bei den Elternbeirats wählen in den Vordergrund zu stellen. Es ist klar, dass an allen Schulen, an denen keine Einheitsliste zusiandekommt, die „Christlich-unpolitische Liste** Gegenlisten herausfordert, die ihre Kandidaten parteipolitisch auswählen. Wir richten an unsere jüdischen Eltern die Aufforderung, sich nicht durch die starke Propaganda des Evangelischen Reichselternbundes für eine „evangelische Elternfront** abschrecken zu lassen, sondern im Interesse aller Kinder am Wahltage der Pflicht als Eltern zu genügen. Es ist aber unbedingt erforderlich, dass diejenigen jüdischen Eltern, denen es nahegelegt wird, auf den Elternbeiratslisten zu kandidieren, dieses Anerbieten annehmen; Wo aber jüdische Eltern bei der Aufstellung der Listen übergangen werden, ist eine Rücksprache mit dem Schulleiter bzw. der Schulleitern geboten. Wenn hv der letzten Verfügung des Provinzialschulkollegiums die Rede ist von der „Achtung vor der ehrlichen Ueberzeugung des anderen*, dann wird es Aufgabe der jüdischen Eltern Werden, innerhalb der Elternschaft einer Schule das Recht auf diese Achtung geltend zu machen. Jüdische Eltern, wählt am /. Juni diejenige Liste, deren Namen Gewahr für diese Achtung bietet. Margarete Fried« Reprasentantenwahlen in Beuchen (©.=$) Am 4. Mai d. I. haben in Verckhen O.-S. Repräsentantenwahlen stattgefunden. Nach einem von seiten der Zionisten außerordentlich heftig geführten Wahlkampf sind aus die Liste des Centralverems 510 Stimmen und 13 Mandate, auf die Liste der Jüdischen Volkspartei 320 Stimmen und 8 Mandate entsall-en. Die Wahlbeteiligung war sehr stark, sie betrug über 83 Prozent. Die für die Volkspartei abgegebenen Stimmen rühren überwiegend von den ausländischen Gemeindemitgliedern, insbesondere den Ostjuden her, von denen etwa 250, das sind 25 Prozent, wahlberechtigt waren. Entgegen den Berichten der zionistischen Presse, die mit einer merkwürdigen Zahlenakrobatik den Sieg der C. V.-Liste zu verdunkeln sich bemühen, indem sie von der Sprengung einer angeblichen „liberalen" Mehrheit sprechen, sei bemerkt, daß es in Veuthen weder eine Mittelpartei, noch eine organisierte konservative oder liberale Partei gibt. Es gibt nur konservative und liberale Gemeindemitglieder, und zwar sowohl beim Central-Verein, wie bei den Zionisten. Der Wahlausgang bedeutet einen Mißerfolg der Zionisten. In den der Wahl vorangegangenen Einigungsverhandlungen waren ihnen bereits acht Sitze zugebilligt worden. Sie haben dann mit Hilfe zahlreicher Ostjuden das gleiche Ergebnis zn erreichen vermocht. Ein Vergleich mit der bisherigen Zusammensetzung des Repräsentantenkollegiums ist nicht ohne weiteres angängig. Früher gab es 19 Repräsentanten (einschließlich 4 Stellvertreter), davon 12 Centralvereinler und 7 Zionisten, jetzt gibt es '21 Repräsentanten, davon 13 Centralvereinler und 8 Volksparteiler.

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