Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 19 (9.5.1930)
- Date
- 1930-05-09
- Page
- Seite 250 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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25- Trost, weil er zeigt, daß, nach Björnstierne Björnsons schönen Worten, die Wahrheit „Verlassen von den als Wache Berufenen am Tor," dennoch sich durchsetzt, „Erst als ein leises Brausen Im Sommerkorngesild, Das dann zu mächtigem Rauschen Im Waldesdickicht schwillt. Als Meeves-Donnerrollen Zum Schluß die Welt durchdröhnt. Und siegend alles alles Gewaltig übertönt." Der Fall beginnt als Spionage. Die Papierkörbe der deutschen Botschaft in Paris, die bestochene Reinmachefrau, sie spielen die Hauptrolle. Das ganze Handwerkszeug wird gezeigt: kleine Brieffetzen zusammensetzen, Dokumente photographieren, Ziffern dechiffrieren, Zusammenkünfte abhorchen. Drehfus wird beschuldigt, angeklagt, verurteilt, deportiert, gequält, befreit, hingehalten, begnadigt, rehabilitiert. Bruno Weil (dessen Vorträge vor wenigen Monaten weltweites Echo weckten) führt in seinem (soeben bei Dr. Walter Rothschild, Berlin erscheinenden) Buche „Der Prozeß des Haupt man ns Drehfus" diesen verschlungenen Weg so, daß man ihn atemlos gespannt durchjagt. Was ist's mit Henry, der das Rasiermesser durch seine Kehle führte? Wer half Esterhazy, der die Franzosen nicht liebte, und die Juden anbettelre, der in England sein Wissen um die Affäre vermarktete? Wann siegt P i c q u a r t, der in Beschränktheit aufrecht männlich - ritterliche unerschrockene Offizier? Und wie trägt Drehfus diese Last, die ihm das Schicksal auf die schwachen Schultern bürdet? Weil läßt Clemenceaus skeptisch spöttische Stimme hören. Der Tiger kratzte auch hier zu böse. Drehfus hat eine unerhörte Kraft des Leidens entwickelt, stark im Tragen, unerschrocken im Rusen. Auch darin ein typischer Repräsentant des Judentums, das man offenbar in seiner Person hatte treffen wollen. Drehfus wurde Opfer, weil er Jude war, und er fand Helfer, weil er Jude war. Die Schmach, daß der Jude als Verräter unschuldig leiden sollte, weil -er Jude war, rief die Männer auf den Plan, die erkannten, daß diese Schmach alle traf, die sie zuließen. Der Mensch fand sich zum Menschen. Nicht, als ob dem Nicht- Juden die Helfer gefehlt haben würden. (Ihm wäre wohL das Fehlurteil nicht so kraß gesprochen worden.) Aber weil manche der Helfer den judengegnerischen Adam in sich selbst erst überwinden mußten, weil manche erst „Komplexe" zu „verdrängen" hatten, deshalb „überkompensierten" sie, deshalb fochten sie kräftiger und unermüdlicher, als es sonst vielleicht der Fall gewesen wäre. Wir haben in Deutschland einen Fall, der in manchem nicht minder scheußlich ist als der Fall Drehfus: der FallBullerjahn. Auch hier unbekannte Beweismittel, auch hier Zeugen, die die Richter nicht kennen, auch hier Berufung auf Vertrauenspersonen, deren Vertrauenswürdigkeit niemand kennt. Auch hier das Opfer ein Mann, von dem, ebenso wie einst bei Drehfus, kein Charme ausgeht, der bezauberte oder auch nur anspräche. Juden sind dieses Mannes Lodbad Tbl». - — bietet bei ....mäßigen Preisen das Beste an Unterkunft und Verpflegung. Verteidiger, feit Jahren mühen sie sich, ihn aus dem Zuchthaus herauszuholen. Vergeblich! Deutschland muß noch wachgerüttelt werden. Weils Buch, eine ausgezeichnete, historisch äußerst exakt fundierte, herrlich lesbare Schilderung des Falles Drehfus, rüttelt jeden auf, der es liest. Möge es, um Deutschlands willen,, viele Leser finden! Dr. Carl Misch. Aus der Arbeit des Centralvereins. presse-Cmpfang öes Centralvereins Der Direktor des Centralveroilns deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Dr. Ludwig Holländer, hat vor einigen Tagen die Redakteure der großen Berliner Zeitungen und die Berliner Vertreter einer Reihe wichtiger im Reiche erscheinender Blätter zu einem Bierabend in den „Kaiserhof" geladen, der außerordentlich gut besucht war. Zweck der Veranstaltung war, aus der Fülle des beim Centralverein vorhandenen Materials über den Nationalsozialismus neue, bisher der Öffentlichkeit unbekannte Vorgänge mitzuteilen. Der Wunsch hierzu war von Presseleuten geäußert worden, die an einer ähnlichen Veranstaltung des Centralvereins vor Jahresfrist teilgenommen hatten. Nach einleitenden Worten von Dr. Holländer gab Dr. Alfred Hirschberg, stellvertretender Syndikus des Centralvereins, einen gründlichen und umfassenden Ueberblick über „Propaganda und Presse" der Nationalsozialisten, wobei er die Vielfältigkeit der Propaganda an Hand« von Beispielen nachwies und die nationalsozialistische Presse mit ihren zahlreichen Verästelungen unter Benutzung vertraulichen Materials darstellte. Der Syndikus des Centralvereins, Dr. Alfred Wiener, sprach sodann über grundsätzliche Fragen der nationalsozialistischen Wirtschafts- und Kulturpolitik unter starker Betonung der Wandlung der außenpolitischen Zielsetzung des Nationalsozialismus und ihrer Bedeutung für die innerpolitische Parteiauseinandersetzung. In einem der Nebenräume war eine instruktive Ausstellung des Philo-Verlages aufgebaut, die die Fülle der Veröffentlichungen des Centralvereins und des Philo - Verlages gegen die judenfeindliche, insbesondere die nationalsozialistische Bewegung auszeigte. Besonderes Jnterefle fand eine Zusammenstellung „Die Handbibliothek des Redakteurs". In einem weiteren Raum war die aus mehreren Jnformationsabenden des Centralvereins bekannte, völlig erneuerte und aus den letzten Stand der Dinge gebrachte A u s st e l - lung des Centralvereins zu besichtigen. Dr. Hans R e i ch m a n n, stellvertretender Syndikus des Centralvereins, führte die Gäste durch die Ausstellung und entwickelte an den Bildern und sehr aufschlußreichen graphischen Darstellungen die Organisation und den Umfang der nationalsozialistischen Bewegung. Den Referaten folgte eine angeregte Aussprache, in der eine Reihe Anfragen gestellt, ergänzende Mitteilungen gemacht, Wünsche auf Wiederholung derartiger Informationen geäußert wurden und der Dank der Teilnehmer: für die Veranstaltung zum Ausdruck kam. Dr. Ludwig Holländer ging aus den Inhalt der Aussprache in seinem Schlußwort ein und machte darüber hinaus wichtige Mitteilungen aus der Fülle seiner Beobachtungen und Erfahrungen. Schleswig-tzolsteinischeTagung in Kiel. Aehnlich wie vor wenigen Monaten für Mecklenburg in Rostock veranstaltete der Nordwest deutsche Landesverband Torczyner M Die" ' ' und die M Anfänge der Bellglon Israels »<^»»»<, 2., verbesserte Auflage. /ftllSiM' 1 80 Seifen, broschiert 1,60 M* , 4m Kutiner / PatMgie des Bassenm anlisamitismns M Wt» mit einem Vorwort von M HMßZ Ministerialrat Dr. Beyer. » „J,. Z 32 Seiten, 0,50 M. M 43 BERNHARD BAUCH PELZMODEN MÜNCHEN KAUFINGERSTR. 25 SCHÄFFLERSTR. 3 BRIENNERSTR. 8 TELEPHON 91540/41 ■ „Welt-Detektiv“ H Berlin Will, Kleiststr. 36, Nähe Noilendorfplatz, Kurfürst 4543 u. 4544 Gründung 1905 das leistungsfähige, am meisten in Anspruch genommene, zuverlässig arbei- PrmÜtllinfSPII " tende Spezialinstitut für ElllillliUIiytJiS, W» (Beschaffung von Prozessmaterial) OntmaSancIrilnffct über Vor« jeder Art im In- und Auslande! d|JutiuluUoRulillC leben, Lebensführung, Tätigkeit, Einkommen, Vermögen, Ge« s und heit usw.! 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