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Central-Verein-Zeitung · 1930-05-09 · 19 (9.5.1930) · p. Seite 249

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
19 (9.5.1930)
Date
1930-05-09
Page
Seite 249 (sequence 5)
Language
German
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249 Raucherzähne. Die Speziattonstruttron der ChlorodonL-Zahnbürste ermöglicht das Rem,gen und Weitzvutzen der Zähne auch an den Seitenflächen. Nur echt in blau-weitz-grüner Originalpackung m allen Chlorodont-Verkaufsstellen. gedruckte Anzeige über den Tod seiner Frau und einer Tochter zusandte. Beide hatte er an demselben Tage verloren. In der Todesanzeige befand sich ein Passus, worin er „Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog von Weimar und Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Großherzogin" feinen besonderen Dank dafür aussprach, daß . sie „die Gnade gehabt hatten, anläßlich des Trauerfalls einen Kranz zu schicken". Der Verfasser der Hohenzollern-Legende als Byzantiner! Und noch dazu einer Fürstlichkeit gegenüber, die mit dem Schirrnherrn Goethes zwar den Namen gemein hatte, sonst aber nur Zweifel darüber erwecken konnte, ob ihre Unwesentlichkeit oder Unwürdigkeit bemerkenswerter sei. Nach dem Weltkrieg wirkte Maurenbrecher erst als orthodoxer evangelischer Geistlicher in Dresden, dann auch als C h e f r e d a k t e u r an der „Deutschen Zeitung". Selbst halb deutschnational und halb völkisch, paßte er scheinbar ausgezeichnet an dieses Blatt, an dem er sich in puncto Antisemitismus auch keine Zügel anzulegen brauchte. Trotzdem bekam er selbst da nach wenigen Jahren Konflikte, die ihn zum Verzicht auf jede weitere politische Tätigkeit veranlaßten. Er zog sich als D o r s p s a r r e r nach M e n -- gersreuth bei Sonneberg zurück und ist dort vereinsamt und schon halb vergessen gestorben. Die Tragik seines Lebens kam aus der Labilität seines Gehirns, die ihn verhinderte, in irgendeiner Bewegung feste Wurzel zu schlagen. Er war hochbegabt und unendlich fleißig, eindrucksvoller Redner und guter Schriftsteller. Aber i h m fehlte die Linie. Impulse störten die Klarheit seines Denkens, I n st i n k t e ließen die Wagschale seiner Vernunft in die Höhe schnellen. Sein Leben war nicht Entwicklung, sondern Zickzack. Das einzige, was von ihm bleibt, ist seine „Hohenzollern-Legende". Und die empfand er von 1914 bis zu seinem Tode als unerträglich drückende und hemmende Hypothek, die er leidenschaftlich gern gelöscht hätte. # A. W. Es ist immer wichtig und Lehrreich, den Lebens- und Werdegang eines Menschen zu erfahren, der im öffentlichen Leben eine Rolle spielt. Deshalb sind wir Hellmuth feon Gerlach dankbar, daß er ltns in den vorstehenden Zeilen ein Lebensbild von Max Maurenbrecher zeichnet, der jahrelang die völkische Bewegung als Hauptschriftleiter der „Deutschen Zeitung" in Deutschland führte. Er war nüt seinem scharfen Judenhaß um so gefährlicher, weil er trotz aller das Judentum rücksichtslos, angreifenden Aussätze in seiner Zeitung es gemeinhin verschmähte, in die Radauversammlung und in die völkische Gosse, mit der nur uns leider allzuoft zu beschäftigen haben, hinunterzusteigen. Das ist gewiß gar kein Beweis für den fanatischen Judenhaß, der Maurenbrecher eignete. Wir erinnern uns noch genau des Tages, an dem er, der einzige erreichbare „Sachverständige", im Prozeß des Eentral-Bereins gegen den völkischen Hausbesitzer S t a e g eiiuuui zwar ruhig in der Form, aber augefüllt mit rücksichtslosem Judenhaß und den vermeintlichen Ursachen dafür dem Gericht Vorwürfe über Vorwürfe über das Judentum darbot. Diese Haltung ist symbolisch. Auch seine Schriften, wie „Goethe und die Juden" (Berlin 1921) oder „Völkischer Geschichtsunterricht" (Langensalza 1925) schimpfen nicht und wahren die Form publizistischen Anstandes. Es ist. z. B. auch sachlich bezeichnend, daß Maurenbrecher dem „völkischen Haß gegen das Judentum" uüderspricht, der dem deutschen Volke das Alte Testament als Bildungsmittel aus der Hand nehmen wollte. („Geschichtsunterricht", S. 116.) Aber welche Feindschaft ihn gegen das Judentum erfüllte, beweist, daß er neben anderem die E n t z ie h u n g des S t a a t s b ü r g e r r e ch t e s unterschiedslos für alle deutschen Juden als selbstverständlich au sieht. Wer Maurenbrechers Lebenslauf liest, sieht, wie durch seine Entwicklung ein tiefer unerklärlicher Riß sich legt. Der Verfasser der „Hohenzollern-Legende" dankt in einer Traueranzeige dafür, daß großherzogliche Herrschaften die Gnade hatten, auf seiner Frau Grab einen Kranz <pt senden. Der Verfasser von Schriften wie „Von Nazareth nach Golgatha" (Berlin 1909) und „Von Jerusalem nach Rom" (Berlin 1910) , die sich liebevoll mit dem Judentum und dein Urchristentum befassen, wird nach dein Kriege glühender Prediger völkischer Haßideale. Was sagt um dec Jatl ficeyfus? Ein Hauptmann der französischen Armee, fälschlich der Spionage verdächtigt, vom .Kriegsgericht zu harter Strafe verurteilt, erhält wieder die Freiheit und schließlich volle Rehabilitation, dank zäher Arbeit unermüdlicher Helfer, (iin ungewöhnlicher Fall, in vieler Hinsicht: ein Offizier, so schimpflicher Tat zu Unrecht beschuldigt, wird von Kameraden verurteilt? Ja, es ist ein Jude! Ein von allen Verstoßener, auf wüsteste, entfernteste Insel Verbannter, wird so unablässig verteidigt, so voller Eifer losgerissen? Ja, es ist ein Jude! Der Elsässer Jude Alfred Dreyfus ist deshalb der Held eines grandiosen Dramas, der Träger eines großen Schicksals geworden, weil sein „Fall" alle die bewegenden Faktoren des 19. Jahrhunderts erbarmungslos bloßgelegt hat (und in vieler Hinsicht stecken wir sicherlich auch heute noch im 19. Jahrhundert). Sehen nur zu: da ist um 1900 der Jmp e r i a l i s m it s, der bewaffnete Friede. Die Großmächte starren in fast nicht mehr zu schleppender Rüstung, umlauern einander, spähen einander aus. Frankreich und Deutschland in beherrscheridem Gegensatz, aber auch Italien, auch England als mögliche Gegner beider. Da ist die G e h e i m d i p l o m a t i e: raffiniert, alles, auch ^eelenregungen, berechnend, aber, weil selbst seelenlos, falsch rechnend, tötend, und selbst lange tot, ein lebender Leichnam, der die Nationen vergiftet. Da ist die S o n d e r g r u P P e der Militärs, in allen Ländern einander merkwürdig ähnlich, von eigentümlicher Mentalität, nach Macht strebend, wobei kein Mittel unrecht scheint, wenn es Erfolg verspricht. Da ist der Rassenhaß, in die Massen hineingehänunert, die Massenverhetzung überhaupt, die das 19. Jahrhundert von früheren so stark abhebt.^ Und da ist endlich die g r o ß e M e n s ch - l i ch k e i t, der unbeirrbare, über alle Rücksichten hinwegschreitende Drang nach Wahrheit imb Gerechtigkeit, verkörpert in den Namen Zola, L a b o r i, I a u rös, P i c q u a r t. Das alles hat ein unerreichter Meister, das Leben selbst, dies bunte, unregelbare, einfallüberschäumende Leben, kunstvoll kontrastierend gemengt, so daß ein Sang entstand von Mannesmut und Treue, Falschheit und Hinterlist, Dummheit und Bosheit, Standhaftigkeit und Kraft, wie ihn ferne Generationen noch staunend vernehmen werden. Der Fall Dreyfus kündet ungeheure Warnung, aber zugleich unendlichen Wer Geld hat, sitzt mit seinem Schatz Im Kino auf dem ersten Platz, Denn dort, das wird wohl kaum bestritten, Sitzt besser man als auf dem dritten. Auch auf der Bahn zieht nur ein Tor Die dritte Klass’ der ersten vor; So wird das Erste allgemein Stets besser als das Dritte sein. Nur dann gilt dieser Grundsatz nicht, Wenn man von Zigaretten spricht. Hier gelten nach wie vor die Worte: „Das Beste ist die III. Sorte.“

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