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Central-Verein-Zeitung · 1930-05-09 · 19 (9.5.1930) · p. Seite 248

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
19 (9.5.1930)
Date
1930-05-09
Page
Seite 248 (sequence 4)
Language
German
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24S «Ser Mm und feine Beherrscher." „Der lungdeutfche" ist schlecht untenichlet. „Der überwiegende' Teil der-zur Ausführung gebrachten Filme läßt eine vollkommene moralisch-intellektuelle Wertlosigkeit erkennen . . „Ob wir da als Christen und Deutsche . nicht auch eine Aufgabe haben . . .?" usw. Dies sind ein Paar Sätze, herausgegrifsen aus dem Schlußabsatz eines Artikels von Alwin W i e d e r h o l d („Der Jungdeutfche" Nr. 99 vom 29. April). Woher kommt nun diese so kühn festgestellte „vollkommene moralisch-intellektuelle Wertlosigkeit" des überwiegenden Teils der Filmvorführungen? Der Titel des Aufsatzes: „Der Film und seine Beherrscher" deutet die Antwort an, die Herr Wiederhold daraus zu geben hat. Und wer sind diese „Beherrscher" des Films, deren Einfluß sich so unheilvoll geltend macht? Natürlich die Radfahrer. Die Juden! — Man höre: „In Hollywood sind die größten Film- Produktions-Gesellschaften unter der Führung des Juden Adolph Zukor, der die Konzernbildung und Vertrustung leitete. Zukor ist heute der Herrscher in der amerikanischen Filmindustrie, des zweitgrößten (!!!) Wirtschaftskörpers der Vereinigten Staaten, in welchem ein Kapital von 1% bis 2 Milliarden Dollar (!) investiert ist." Nur gemach: Adolph Zukor ist Präsident der Faramount Fainous Lasky Corp.; allerdings das bedeutendste Filmunternehmen der Welt. Daß er Beherrscher der gesamten amerikanischen Filmindustrie ist, ist freie Erfindung. Unabhängig von ihm sind die anderen, nicht viel geringeren Fitmkonzerne: Warner Bros., Fox — Metro, United Artists, „R. E. 0." usw. Man soll nicht übertreiben, auch dann nicht, wenn es fürdie . . . Tendenz erwünscht ist. Zu kor ist gewiß nicht einmal in der Faramount autokratischer „Herrscher"; sicher ist sein Einfluß überragend, aber letzten Endes sind die wahren Beherrscher der Filmindustrie, wie in jeder Industrie, die Banken, die Kapitalisten; WallStreet teilt sich beim Film die Macht mit der Elektroindustrie, der Inhaberin der Tonfilmpatente. Und die ist nun einmal ganz gewiß nicht „verjudet", auch nicht in Amerika. Herr Wiederhold ist über die tatsächlichen Verhältnisse so wenig informiert, daß er unter den „anderen Filmgewaltigen" Hiram Abrams als Leiter der „United Artists" aufführt, offenbar nur, um einen jüdisch klingenden Namen mehr nennen zu können. Leider i st Abrams schon seit mehreren Jahren-tot. Und im übrigen ist „United Artists" ebensowenig wie die anderen von Wiederhold genannten Filmkonzerne von Zukor „abhängig". An dieser und an anderen Stetten wimmelt der Artikel von notorischen Unrichtigkeiten. Fast alles, was Wieder- ¥@Mer-$crax-$harrwoonfördern Haar Mgchi es -Seidig, glänzend und klar, öf relnigi mn Schuppen dal ei, Ofi liläg und *sedafrei/ hold als Material, als Tatsache hinstellt, ist «nzntreffend. Herr Wiederhold meint etwa folgendes: Der Jude Zukor ist „Beherrscher" des Films. Und: „Daß diese Leute an der Spitze der Filmgesellschaften zuerst an das Geschäft denken und finanziellem Profit nachjagen, braucht weiter nicht erörtert zu werden..." Was in der Tat nicht erst erörtert zu werden braucht, ist natürlich der Umstand, daß die Filmindustrie als Privatindustrie das in ihr investierte Kapital verzinsen will und verzinsen muß. Sie unterscheidet sich dabei in nichts von jeder anderen Industrie; mit „jüdischer Beherrschung" hat das alles nicht das mindeste zu tun, und wer der Filmindustrie das Recht zu Profiten abspricht, muß sich schon jenseits der kapitalistischen Wirtschaftsordnung stellen. Aber was find die Folgen des Prositstrebens? Nach Alwin Wiederhold: „Das rein spekulative Grundprinzip b e n u tz t als H a u p t r e i z p u n k t Sensation und E rotik." Diese kategorische Behauptung ist ebenso kühn wie unzutreffend — kennzeichnend aber für ihre Leichtfertigkeit ist der von Herrn Wiederhold versuchte Beweis. Denn: „Das beweist ein U e b e r b l i ck der Kino- Programme des letzten Vierteljahres 1927, aus dem die Mentalität der Stücke schon aus den Titeln e r s i ch t l i ch i st." Abgesehen davon, daß die „Mentalität" eines Stückes aus den bloßen Titeln nicht zu ersehen ist, spricht es Bände, daß Herr Wiederhold sich ausgerechnet auf die Filme -desletzten Vierteljahrs 192 7 stützen will. Aus diesen kurzen, willkürlich gewählten und weit zurückliegenden Zeitabschnitt kann man doch keine allgemeinen Behauptungen ausbauen. Wiederhold exemplifiziert dabei immer und ausdrücklich nur aus die a m e r i k a - n i s ch e F i l m e i n s u h r, die ja unter Zukors angeblich allmächtigem Einfluß stehen soll, und zitiert im Wortlaut aus dem letzten Quartal 1927 im ganzen n u r 14 Filmtitel. Es ist heute nicht mehr möglich, den einzelnen Titeln genauer nachzugeheu, aber aus Anhieb läßt sich sagen, daß der u. a. Zitierte Titel „Der Kosakenweibsteusel" überhaupt n i ch t u n t e r d i e amerikanische Einfuhr f ä l l t, s o n d e r n ei n s o w j e t r u s si s ch e r F il m war, also gewiß nicht unter dem spekulativen Einfluß Zukors entstanden ist. Ich habe den bestimmten Verdacht, daß auch andere von Wiederhold angeführte Titel nicht amerikanischen Ursprungs sind. Ich habe keinerlei Veranlassung, hier für den amerikanischen Film eine besondere Lanze zu brechen, aber gerechterweise muß Herrn Wiederhold doch entgegengehalten werden, daß die von dem ehemaligen Postminister William Hays geleitete Spitzenorganisation der amerikanischen Filmproduzenten schon im Hinblick aus die viel ausgeprägtere Prüderie der amerikanischen Bevölkerung s e h r scharfe M a tz st übe an die M o r a l l e g t und durchführt, und dabei Hand in Hand mit allen religiösen und sozial-ethischen Verbänden der Vereinigten Staaten arbeitet. Ueberdies aber ist der amerikanische Film ebenso wie jeder andere in Deutschland einer Z e n s u r unterworfen, die seinen Inhalt und Titel betrifft, verrohende oder entsittlichende Wirkungen sowie Verletzungen des religiösen Empfindens verhindert, und an der Vertreter der Volkswohlsahrt, der Volksbildung, der Jugendwohlfahrt, der Kunst und Literatur aller Schattierungen teilnehmen. Dr. Hans Wollenberg. heilt Katarrhe Asthma Herz Erinnerung an Max Maurenbrecher. Der eben 56jährig in einem kleinen Tors Thüringens verstorbene Pastor Dr. Max Maurenbrecher war der Sohn des bekannten Historikers und Bismarck-Enthusiasten an der Leipziger Universität. Dem Milieu entsprechend, in dem er ausgewachsen war, trat Max Maurenbrecher als Student dem Verein deutscher Studenten bei, der bekanntlich satzungsgemäß judenrein ist. Er machte den Antisemitismus des Vereins widerspruchslos mit, ohne sich gerade für diese Seite der Vereinstätigkeit sonderlich zu erwärmen. Davor bewahrte ihn wohl der Geist des väterlichen Hauses, der zwar sehr stark national, aber nicht direkt völkisch war. Als Friedrich Naumann 1896 den National-Sozialen Verein gegründet hatte, schloß sich Maurenbrecher bald dieser Bewegung mit leidenschaftlicher Begeisterung an. Er tat damit ernen schritt von rechts nach links, entsagte vor allem grundsätzlich dem Antisemitismus. Im National-Sozialen Verein stand er aus dem äußersten linken Flügel, neigte in religiösen und sozialen Fragen zum Radikalismus. Darum war es einfach selbstverständlich für ihn, daß er sich 1903 von Naumann trennte, als dieser nach dem Mißerfolg des National- Sozialen Vereins bei den Reichstagswahlen die Fusion mit der Freisinnigen Vereinigung vollzog. Er selbst trat mit wenigen anderen Nationalsozialen zur Sozialdemokratischen Partei über. Als Frucht seiner neuen Gesinnung ließ er im Verlage des „Vorwärts" ein zweibändiges Geschichtswerk mit dem Titel „Die H oh enzollern -L eg e n d e" erscheinen. Vom Standpunkt der Wiffenschaft bietet diese Arbeit zu manchen Ausstellungen Anlaß. Unanfechtbar ist sie als antimonarchische Agitationsschrift größten Stils. Ungefähr zu der gleichen Zeit, wo er sich von der Naumannschen Parole „Demokratie und Kaisertum" zum Republikanisnms der Sozialdemokratie bekehrte, vollzog er, der ehemalige evangelische Theologe, seinen Austritt aus der evangelischen Kirche. Er wurde nicht bloß Freidenker, sondern^ sogar angestellter Prediger einer freireligiösen Gemeinde. Ein Lieblingsthema, über das er damals zu sprechen pflegte, lautete: „Hat Jesus gelebt?" Bei allem religiösen, sozialen und innerpolitischen Radikalismus, dem er in den Jahren vor dem 'Kriege huldigte, war in ihm doch vom Elternhause und der Naumannschen Periode her ein gewisser Untergrund von militärisch-nationalem Denken haften geblieben. Er zeigte sich besonders in einer gewissen Schwärmerei für Kolonialpolitik und führte 1913 zu seinem Bruch mit der Sozialdemokratie. Dabei blieb er jedoch sonst durchaus ein Mann der Linken. Da brach der Weltkrieg aus. Die Kriegspsychose ergriff von ihm in ganz absonderlichem Maße Besitz und wurde bei ihm zur Dauererscheinung. Er wurde Alldeutsch e r, V ö l k i s ch e r, Mann der Vaterlandspartei, Annexionist, schwertrasselnder Heimkrieger, dazu orthodoxer Christ. Enge persönliche Beziehungen hatten mich jahrelang mit ihn: verbunden. Sie hatten sich gelockert,' als er so ganz andere, mir unbegreifliche Wege ging. Ein brüskes Ende fanden sie jedoch erst, als er, der damals in Weimar wohnte, mir in der Mitte des Krieges die

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