Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 18 (2.5.1930)
- Date
- 1930-05-02
- Page
- Seite 239 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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239 50 Jahre Verein zur Förderung -es Handwerks unter den Juden. Am 18. April d. I. konnte der Verein zur Förderung des Handwerks und technischen Berussarten unter denJuden, Sitz Düsseldorf, aus eine 50jährige, überaus segensreiche Tätigkeit zurückblicken. Die Geschichte dieser Organisation ist, wie Rabbiner Dr. Klein in der anläßlich des Jubiläums erschienenen Festschrift aussührt, ein „bedeutsamer Ausschnitt der Kulturgeschichte der deutschen Juden, ihrer Bemühungen, die Emanzipation zu vollenden, ihr Menschentum stolz und frei zu entfalten und dem jüdischen Menschen freie Betätigung zu verschaffen in allen Berufszweigen, die dem vollgültigen Staatsbürger offen stehen". Seine höchste Blütezeit hatte der Verein im Jahre 1891 erreicht; damals hatte er nicht weniger als 1564 Mitglieder aus 178 verschiedenen Orten Deutschlands, insbesondere des Rheinlandes und Westfalens. Ueber die schweren Jnflationsjahre konnte der Verein nur durch die Opferwilligkeit Düsseldorfer jüdischer Bürger hinweggeführt werden. Das von dem Verein in Düsseldorf unterhaltene Lehrlingsheim ersetzt heute wieder 15 jüdischen Lehrlingen das Elternhaus. Mehr als einmal hat damals der Vorstand vor der Frage gestanden, das Heim schließen zu müssen. Als Abteilung des Vereins gilt noch der „Verein Israelitisches Lehrlingsheim Köln". Das dort erbaute eigene Heim wurde im Jahre 1899 feierlich eingeweiht. Ueber zweitausend Lehrlinge sind während des halben Jahrhunderts durch den Verein dem jüdischen Handwerk zugeführt worden; von ihnen find viele eine Zierde des Handwerks geworden. Bezeichnend für die Gefühle, mit denen diese Männer an die im Lehrlingsheim verbrachte Zeit zurückblicken, ist die Tatsache, daß das Gratulationsschreiben eines ehemaligen Zöglings, Direktor Erle in Nürnberg, von einer Spende von 500 Mark begleitet war. Von nah und fern waren am letzten Sonntag ehemalige Pfleglinge des Vereins nach Düsseldorf gekommen, um diesen Ehrentag des jüdischen Handwerks mitzuseiern. Die Festrede bei der akademischen Feier im Ibach-Saal hielt der derzeitige erste Vorsitzende und hochverdiente Führer der Organisation, Fabrikbesitzer und Ingenieur Moritz Grünthal, der neben den auswärtigen Teilnehmern Vertreter von Behörden und zahlreicher Organisationen begrüßen konnte. Der Vorsitzende der Düsseldorfer Gemeinde, Erich Felsen- 1 h a l, bezeichnete das Jubiläum als . I u b e l - und Dankes tag der ganzen Gemeinde und machte Mitteilung von einer Spende der Gemeindekollegien. Oberregierungsrat Dr. Marcus sprach als Vertreter des Regierungspräsidenten und erwähnte bei der Frage der jüdischen Berussumschichtung, daß Reichswehr und preußische Schutzpolizei jüdischen Bewerbern ossenstehen. Ferner gratulierten u. a. ein Vertreter des Oberbürgermeisters und Frau Dr. Eschelbacher Kr die beiden Chewroth. Die langjährigen Vorstandsmitglieder Abraham Freundlich und Moritz Amram wurden zu Ehrenmitgliedern des Vereins ernannt. Am Abend waren die ehemaligen Zöglinge des Heims Gäste des Vereins in der Düsseldorf-Loge. Aus allen Reden und aus den von den jetzigen Zöglingen dem Vorstand gewidmeten prächtigen sachlichen Handwerksarbeiten gewann man die feste Ueberzeugung, daß, wie es in der Festschrift heißt, „Juden imstande und gewillt find, nicht nur geistig und vermittelnd, sondern auch produktiv, mit der Hand, tätig zu sein". Reulaender. RiederlaffrrngSmögttchkeit. Nr. 2SÜ. In liPpischer Mittelstadt für Kinderarzt. Nr. SS«. In ostpveußischer Grenzstadt für Zahnarzt. — Anfragen sind zu richten an das Bureau, Berlin SW 68, Lindenstrvße IS. Die Stellung -er Nichtjuöen im jüdischen Schrifttum. Ein Vortrag von Rabbiner Dr. Norden. Ueber die Bewertung und Behandlung von Nichtjuden im jüdischen Schrifttum sprach Rabbiner Dr. Norden (Elberfeld) in einer Mitgliederversammlung des Liberalen Vereins für die Angelegenheiten der Jüdischen Gemeinde in Berlin. Er betonte, daß er das Drama nicht apologetisch, sondern rein nach dem Studium unseres Schrifttums darstellen wolle. Das jüdische Schrifttum vertritt bereits in seinen Uranfängen den Grundsatz der Gleichheit und Gleichberechtigung aller Menschen. An einer großen Reihe von Beispielen zeigte der Redner, daß auch dem nachbiblischen Schrifttum die gleichen Ideen innewohnen. Der Begriff einer alleinseligmachenden Religion wird abgelehnt, zwischen den Juden und den übrigen gesitteten Menschen wird kein Unterschied gemacht. Um so schärfer werden sitten lose Völker und ihre Greuel verurteilt. Die grundsätzliche Gleichbewertung aller sittlichen Völker findet ihren Ai sdruck auch in den Vorschriften über die Behandlung der unter den Juden lebenden Nichtjuden. Im Gegensatz zu vielen Völkern des Altertums galt ein Recht für Juden und Nichtjuden. Ausdrückliche Vorschriften verbieten, den Fremdling zu bedrücken; verflucht soll der sein, der das Recht eines Fremdlings, einer Waise oder Witwe beugt. Die Thora verlangt noch darüber hinaus, dem Fremdling mit Liebe zu begegnen und ihn an der Fürsorge für die Armen und Schwachen teilnehmen zu lassen. Tie Wvhlfahrtseinrichtungen für Kranke, Schwache und Bedrängte stehen auch dem Nichtjuden offen; er hatte Anspruch auf die Nachlese des Weinberges, durfte am Sabbat und an den Festtagen teilnehmen usw. Allerdings stehen einige Stellen der Thora zu diesem Grundgedanken in Widerspruch. So bezieht sich das Verbot des Zinsennehmens nur auf die Juden und die im Jnlande wohnenden Fremden. Diese Ausnahmeregel erklärt sich aus den damaligen Rechtsverhältnissen. Diese und ähnliche Bestimmungen aber waren formale Rechtssatze. In der Praxis wurde häufig zugunsten der Nichtjuden von ihnen abgewichen. — g. 23fTSCH£R. ffiöWTCÄHD BERLIN HANAU KCEIN Die schreibt über Hottner, Pathologe dts Rassenaotis emitisaias «Kühner zeichnet sehr scharf das Gesicht der auf ,Rassehodimuf, Rasseneurotik, Feigheit, Führereiielkeit, Verlogenheit' begründeten antisemitischenBewegung der Gegenwart. ... es ist verdienstvoll, dass einmal die brüchigen Grundlagen der völkischen' Konstruktionen schonungslos freigelegt werden.'*’ 32 Seifen broschiert.M. 0,50 Piiilo Verlag und Bu^aniM* »: Oentaoff 3593 * BerlinSW 68, Lindenstrasse 13 Wo wohnt der Kauf mann? 8«tr> MlMos, Amberg I. Kotel am Platze, vollständig renoviert. Zimmer mit Bad, fließendem Master, Zentralheizung. Bekannt gute Küche. Autogaragen. Telephon 79. Tank. Besitzer: Johann Stangl. BabnW8°>el.Echamndors direkt am Bahnhof. I. Hotel am Platze. Beftelngerichtete Fremdenzimmer. Bekannt gute Küche. Autoboxen. Tankstelle. 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