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Central-Verein-Zeitung · 1930-05-02 · 18 (2.5.1930) · p. Seite 237

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
18 (2.5.1930)
Date
1930-05-02
Page
Seite 237 (sequence 5)
Language
German
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Die Bedeutung desWWiim-Berjchtes. Non Dr. Alfred Wiener. Die Aufnahme. Alle zionistischen Stirnmen sind sich darin einig, daß der dem englischen Parlament vorgelegte, von den Parlamentsmitgliedern Sir- Walter Shaw (Vorsitzender), Sir Henry Vetter ton, R. Hopkin Morris und H. Snell Unterzeichnete Bericht über die Palästina-Unruhen vom August 1929') für den jüdisch-nationalen Aufbau der palästinischen Heimstätte sehr ungünstig wirkt. Da dieser Bericht, 202 Seiten umfassend, für den, der ihn gelesen hat, keineswegs den Eindruck flüchtigen Geschreibsels oder gar bestellter Arbeit erweckt, vielmehr als Leistung ernster, um die Zukunft Palästinas sich sorgender, um die Gerechtigkeit bemühter Politiker gelten kann, ist es weder klug noch sachdienlich, daß eine große Zahl Zionistischer Blätter das Unbehagen, das der Bericht anfkommen läßt, in Beschimpfungen und Verdächtigungen der Kommissions- Mitglieder umsetzt. So schreibt selbst das Münchener „Jüdische Echo" (Nr. 15 vom 11. April): „Weitaus empörender als diese ungerechten und parteiischen Feststellungen der Kommission, die, wie ans diesem Bericht zu ersehen ist, nicht das Bestrebe;: hatte, den wahren Sachverhalt zu untersuchen, sondern den Arabern Freundschaftsdienste zu leisten, sind jene Konklusionen, zu denen die Kommission gelangt." . . . Das Tel Aviwer Arbeiterblatt „Da war" kennzeichnet die angebliche „Heuchelei dieses Dokuments" und „den Hatz der kolonialen B'eamtenschast gegen das Werk des jüdischen Arbeiters" („Dawar", Deutsche Wochenausgabe Nr. 2, 9. April 1930). Unschwer sich vorzustellen, wie der Jerusalemer „D o a r Hajo m", das Organ des Nevisionistensührers Jabotinskh, gegen den Bericht angeht, nachdem schon Oesterreichs Jabotinskh, Banrat Dr. Robert Stricker, in seiner „Neuen Welt" mit „Lügenbericht", „Zaristische Pogromkommissionen" nur so um sich wirst! (Die „Neue Welt" Nr. 134 vom 11. April.) Nur die Annahme, daß diese aufgebrachten Zionisten den Bericht der Kommission nicht gelesen haben und nun die Schale ihres Zornes auf die telegraphisch übermittelten Schlußfolgerungen ergießen, mag als schwache Entschuldigung für solches bedauerliche Vorgehen dienen. Der verantwortungsbewußte Journalist, wie ein Robert W e l t s ch in der „I ü d i s ch e n R u n d - s ch a u" (Nr. 29, 11. April), erkennt klar, was dieser Bericht für die zionistische Zukunft bedeutet, und sucht ihm, ohne nach dem Beifall von „Eika und Nalewki" zu schielen, sachlich beizukommen. Begrüßenswert und weit mutiger als billige Schimpfereien sind Worte wie: „Wir stehen an ber Schwelle einer neuen Epoche und wir wünschen, sie solle eine glückliche sein und uns weiter bringen. Sie wird uns n i ch t weiter bringen, wenn wir nur mechanisch erstarrte Formeln wiederholen und nicht mit Mut und Entschlossenheit die Führung der Geschichte übernehmen. Neue Erkenntnisse tun not, neue Entwicklungen sind einzuleiten, und wir selbst wollen die Initiative in der Hand behalten, mit vollem Bewußtsein die Realitäten gestalten. Dazu tut not, die Tatsachen zu sehen, wie sie sind. Wenn es Pflicht der Publizistik ist, hierbei deu weiterdenkenÄen Kreisen des Volkes zu Helsen, dann darf auch ungewohnte, ja vielen unerwünschte Wahrheit nicht unausgesprochen bleiben.."-) *) Der genaue englische Titel lautet: „Report of the Commission on the Palest ine Disturbanees of August 1929. Presented by the Secrctary of State for the Colonics to Parliament by Command of tliis Majcsty. March, London 1930. Cmd. 3530.” Preis ‘4 Schilling. 2) Sachlich und ruhig, rnenn auch sehr allgemein: Alexander Adle r, „Der Bericht der Untersuchungskomniission" in der Berliner misrachistischen Monatsschrift ,Zion" (Nr. 4, April 1930). Lodbad Tdlr. Ä " bi eiet bei mäßigen Preise»; das Beste an Unterkunft und Verpflegung. Viele zionistische Blätter blasen der Kommission den Marsch, weil sie in Neberschreitung ihres Auftrages, nur die unmittelbaren Ursachen, die zum Ausbruch der Unruhen führten („enquire into the immediate causes. which ied to the reeent outbreak in Palestine . . zu untersuchen, sich auf das Gebiet der hohen Politik begeben habe. Das mutet sonderbar an. Gewiß hat der englische Ministerpräsident am 23. Dezember 1929 im Unterhause erklärt, daß Fragen der höheren Politik, die die zukünftige Ausübung des Palästina-Mandats betreffen, „deutlich außerhalb der Grenze der Anweisung für die Shaw-Kommission liegen und nicht in ihrem Bericht aufzunehmen sind"^). Der Auftrag an die Kommission lautet aber auch: „Vorschläge für notwendige Maßnahmen zu unterbreiten, um eine Wiederholung zu vermeiden" (to make recommendations as to the steps necessarv to avoid a recurrence. Bericht). Gerade um diesem Aufträge gerecht zu werden, glaubte die Kommission den tieferen Ursachen der Unruhen (the grievances of long standing. Bericht S. 97) nachgehen zu sollen und zog bewußt die Einwander u n g s -, die Boden- und die S e l b st - verwa.ltungsfrage in den Bereich ihrer Untersuchungen. Wie weit solche Untersuchungen „hohe Politik" ausmachen, darüber kann ein weltfremder Theoretiker getrost spintisieren. Die Kommission hat nach ihrer Ueberzeugung gehandelt und sich auch dabei peinlich gehütet — sie meint es wenigstens —, ihren Auftrag zu überschreiten^). In solchen Fällen ist es für den Kritiker immer ratsamer, irgendwelche Feststellungen des Berichtes zu entkräften, als die ungewisse Frage der Zuständigkeit der Kommission aufzuwerfen oder sie gar als Kalnpfeswasfe ins Feld zu führen, ganz abgesehen davon, daß die Entscheidung über Zuständigkeit lediglich dem Auftraggeber, also etwa dem Staatssekretär für die Kolonien oder dem Parlament, unterliegt. Einwanderung. Ueber die Schuld an dem Morden in den Angusttagen 1929 spricht sich die Kommission eindeutig aus. Araber waren die Angreifer. Sie haben eine schwere Blutschuld (Hebron! Safed!) auf sich geladen. Ueber die Nolle des Mufti, der arabischen Exekutive der Palästina- Regierung, möge man das Nötige im Berichtes Nachlesen. Welches sind nun die tieferen Gründe — abgesehen von dem Klagemanerstreite — zu dieser ungeheueren Erregung der Araber gegen die Juden, die sich in Mord und Totschlag auslöste? Die Einwanderungs-, die Boden-, die Selbstverwaltungsfrage. Professor Chaim W e r z m a n n, der Präsident der zionistischen Weltorganisation, hat den; „Manchester Guardian" vom. 11. April eine Kritik des Shaw-Berichtes in Briefform übermittelt^). Sie gipfelt in den Sätzen: „Die angebliche Furcht der Araber um ihre wirtschaftliche Zukunft hat drei Kommissare zu dem Vorschlag veranlaßt, unsere Einwanderung abzuschnüren und unsere Freiheit, Land zu kaufen, zu beschränken. Ohne Menschen und ohne Boden gibt es kein Nationalheim: jede Beschränkung untrbc für uns dem Wesen der Sache nach die Preisgabe der Politik des Mandats bedeuten und uns in eine Lage bringen, die schlechter wäre, als die ist, der wir 3) Harn) Sache t, das bekannte Mitglied der zionistischen Palästina-Exekutive, im Londoner „The new Juda ca", Bd. VI, Nr. G, März'April 1930, S. 122. 4) ..\Ye would repeat tliat it is not our intention. since it docs not fall within our province, to offer any opinion as to future constitutional development* in Palestine , . (Bericht S. 131.) 5) „C. V.-Zeitung", Nr. 15 vom 11. April, S. 190. ") Deutsch in der „Jüdischen Rundschau", Nr. 30 vom 16. April 1930. Zur Gesunühaitung! Fachinger Versandstelle, Berlin SW 11, Bchöneberger Strasse 16a. Telefon: Lützow 8260/61. in irgendeinem anderen Lande gegenüberstehen, und würde den Namen des jüdischen Nationalheims zu einem Spottnamen machen." Zweifellos: „O h n e M e n s ch e n u n d o h n e Bode n g i b t e s kein N a t i o n a l h e i m." Mit diesen Worten unterstreicht Weizmaun energisch die Bedeutung der Einwanderungsfrage. Aber, will die Kommission die Einwanderung wirklich „abschnüren"? Verlangt sie nicht nur, daß bei der Auswahl der gelernten und ungelernten Arbeiter und Arbeiterinnen, die je nach der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes eiuznlassen sind, allein die Befähigung entscheide und nicht das Politische Glaubensbekenntnis? Deshalb wünscht sie, die „Allgemeine Organisation der jüdischen Arbeiter in Palästina" (General Federation of Jewish Labour) solle nicht wie bisher Blankozertisikate für Einwanderer (der з. Kategorie) erhalten. Hier müsse eine gründliche Aenderung eintreten, um zu verhindern, daß einerseits ungeeignete Elemente nach Palästina einströmen, anderseits über die Aufnahmefähigkeit des Landes hinaus Einwanderer ausgenommen werden. Hat nicht das gesamte Palästina, vor allem die Zionisten, in den schweren Krisenjahren (1926 bis 1928), hervorgerufen durch die Unmöglichkeit, die Ueberzahl der Einwanderer (ab 1924) zu verdauen, allzu hohes Lehrgeld gezahlt? Bei diesen Forderungen stützt sich die Kommission aber auch aus die Sachverständigen, die seinerzeit gemäß dem Abkommen Weizmann-Marshall nach Palästina entsandt wurden und deren Gutachten in englischer Sprache vorliegend). Wiederholt wird daraus Sir I o h n G a m pbells Zeugnis herangezogen (z. B. S. 103, 104, 106 des Berichtes), dessen Befähigung, Kenntnisse und Erfahrungen — er war unter anderem Kommissar des Völkerbundes für die griechischen Flüchtlinge — außer Zweifel stehen. Er bestätigt die Richtigkeit der Meinung der Shaw-Kommission^). Die Gutachten von Me ad, Campbell, Adams, Russell и. a. dienten der jüdischen „Gemeinsamen Palästina-Kommission" dazu, einen Bericht über den Aufbau Palästinas herzustellen, der englisch und deutsch erschienen und mit dem sich das Aktionskomitee der Zionistischen Organisation eingehend befaßt hat. Auch hier ") Reports of the Experls submitted to the Joint Palestine Survey Commission (Melchett. Frankel Felix M. Warburg. Wassermann). Boston 1928, 741 p. 8) S. 431—476 dieser Sache erst« ud ig e nb c r i ch t unter dem Titel: „Report on the Jewish Settlements". •Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Bezirksverband Saar. Sonntag-, den 4. Mai 1930, vormittags 10 TJlir, findet die diesjährige Bezirlisverfeandsversaminlung in den Bäumen der Saarloge, Saarbrücken. Futterstrasse 3, statt. Der Direktor des Vereins, Dr. Ludwig- Holländer, Berlin, 'nimmt an der Tagung teil und spricht abends 8V2 lluv im gelben Saal des Joliannishofes, Saarbrücken, Mainauei* Strasse 35, vor den Mitgliedern der Gemeinde über: „Hie Sorgen der deutschen Juden.“ „Erfahrungen, Erfolge und Miss- >lge in der Tätigkeit des €. V.“ 12069

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