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Central-Verein-Zeitung · 1930-05-02 · 18 (2.5.1930) · p. Seite 236

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
18 (2.5.1930)
Date
1930-05-02
Page
Seite 236 (sequence 4)
Language
German
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236 Blätter" des Neichsverbandes deutscher Zentrnmsstudenten: „Die Deutsche Studentenschaft möge sich doch endlich einmal aus dem Kopfe schlagen, vast ihre Beteuerungen der UeberparteilichLeit noch von irgendeiner Seite ernst genommen werden." Die Zentrumsstudenten werden mit Staunen gelesen haben, daß nicht „irgendeine Seite", sondern das Zentralorgan ihrer eigenen Partei sich zur Rechtfertigung eines judenfeindlichen Studentenrechts auf die „Ueberparteilichkeit" der Deutschen Studentenschaft beruft. Auch die weitere Behauptung der „Germania", die katholischen Studentenverbindungen ständen seit jeher und fast immer aus völkischer Grundlage, dürfte unrichtig sein; keiner der großen katholischen Korporationsverbände C. V., K. V. und Unitas, denen auch die österreichischen Verbindungen in ihrer überwiegenden Mehrzahl angehören, hat das Arierprinzip; die „Akademia", das Blatt des C. V., bezeichnet eine solche Feststellung des Studentenhistorikers Schoyer vor einiger Zeit ausdrücklich als unrichtig. Wenn die „Germania" weiter meint, die neue Regelung sei geeignet, den aus der Wiener Hochschule so oft gestörten akademischen Frieden wiederherzustellen, so dürfte das gerade Gegenteil der Fall sein. Nicht nur die jüdischen und die nichtjüdischen sozialistischen und freiheitlichen Studierenden können nicht dulden, daß ihre akademischen und nationalen Interessen durch die Funktionäre einer völkisch politisierten Studentenschaft vertreten werden. Sie haben sich unter Unterstützung namhafter Hochschullehrer bereits zu einer Gegenorganisation, der Freiheitlichen Deutschen Studentenschaft, zusammen geschlossen; eine neue Aera hochschulpolitischer Kämpfe steht bevor. Der berühmte Romanist der Wiener llniversität, Professor H u p k a, stellt in der „Neuen Freien Presse" vom 23. April d. I. fest, daß die Studentenordnrrng verfassungswidrig und von dem akademischen Senat in Ueberschreitnng seiner Kompetenzen erlassen worden ist; er bemerkt weiter, daß es nur sehr wenige österreichische Juristen gibt, die von der „rechtlichen Grundhältigkeit" dieser Ordnung überzeugt sind. Ausschlaggebend für die entschiedene Ablehnung des neuen Studentenrechts ist jedoch für uns weder die Verfassungswidrigkeit noch oas den jüdischen Studenten angetane Unrecht, sondern die damit verbundene Schädigung gesamtdeutscher Interessen. Die deutsche Völkerrechtswissenschast und vor allem die deutschen Minderheitens ü h r e r vertreten fast einstimmig den Grundsatz der Freiheit und Unüberprüfbarkeit des nationalen Bekenntnisses. Dieses Dogma deutscher Minderheitenpolitik durchbricht die neue Wiener Ordnung. Erhebungen über die Abstimmung, Feststellung der Volkszugehörigkeit durch „objektive" Schiedsgerichte — das ist die Methodik der berüchtigten jugoslawischen „Namensanalysen"; mit derartigen Mitteln haben polnische Behörden deutschen Kindern das Recht zum Besuche der deutschen Minderheitenschulen zu bestreiten und sie zu polemisieren versucht. Auch die „Germania" wird zugeben muffen, daß es des Deutschtums nicht würdig und mit den Interessen der deutschen Minderheiten unvereinbar ist, an einer deutschen Hochschule Methoden einzusühren, die wir bei anderen Völkern als rechtsu n d k u l t u r w i d r L g bekämpfen. Dr. Werner Rosenberg. IODBAD DAS BAD 6EGEN ARTERIENVERKALKUNG TÖLZ KUR-u. BADHOTEL 1 Vkii DER JODQUELLEN. Inh. G.Kisskalt. Bayer. Alpen Das Haus für alle Kreise. Verlangen Sie Prospekt I Der3wang, Hötionaijuöe zu sein Eine Antwort an die „Jüdische Rundschau". Anläßlich der neuen Wiener Studentenverfassung veröffentlicht die „I ü d i s ch e R u n d - s chau" in Nr. 30 unter der Neberschrift: „Der Zwang, Jude zu sein" eine „m. w.“ gezeichnete Glosse, der wir folgendes entnehmen: „ . . . Wir stehen aus dem Standpunkte, daß die Juden ein Volkstum bilden und daß die jüdischen Studenten, wenn schon einmal Studentennationen an einer Universität stipuliert sind, zur jüdischen Nation gehören. Trotzdem liegt in dem Zwang, der in Wien gegen assimilierte Studenten ausgeübt wird, eine Gewissensvergewaltigung. Diese Sachlage ist bedauerlich, die Entwicklung war jedoch unaufhaltsam und vorauszusehen. Die Situationen der assimilierten jüdischen Studenten ist in der Tat prekär, aber es ist nicht unsere Aufgabe, uns aktiv dieser problematischen j ü d i - scheu Stube ntenexi st enzen anzunehmen. Zur Liebe kann man niemand zwingen, und es wäre gleichfalls eine Vergewaltigung der deutschen Studenten, wollte man i h n e n d u r ch G e s e tz a u f - tragen, ihnen nicht genehme Kommilitonen in ihren Verband aufz u n e h m e n. Die jüdische Studentennation an der Wiener Universität ist jederzeit bereit, den deutsch-jüdischen S tu d e n t e n a s s i milan t e n durch Aufnahme das Vertragsrecht zu sichern. Mehr können die Jüdisch- Nationalen nicht tun . . . Die Nichtanerkennung des deutschen Volkstums jüdischer Assi-- milanten durch deutsche Studenten ist eine Sache, die die jüdischen Assimilanten selbst auszutragen haben. In diesem Punkt sind wir des-interessiert." Es unterliegt keinem Zweifel, daß die neue Wiener Studentenverfaffung den Anfang einer Entwicklung darstellt, die, auf andere Lebensgebiete übertragen, die Situation des deutschen Judentums grundlegend verändert. Man mag vom jüdisch-nationalen Standpunkt die Spaltung der deutschen Bevölkerung in eine deutsche und eine jüdische Nationalität als organisch und notwendig begrüßen. Und vielleicht wäre eine derartige Haltung konsequenter als die Einstellung, die im Gemeindeprogramm der Zionistischen Vereinigung für Deutschland proklamiert wird, nach der für Deutschland (und dementsprechend wohl auch für Deutschösterreich) die Konstituierung der Juden als nationale Minderheit abgelehnt wird. Die — bislang fast völlig ungeklärte — Stellung des Zionismus zur Galuth-Politik ist einstweilen eine innerzionistische Angelegenheit. In diesem Punkte sind w i r desinteressiert. Wogegen wir uns aber entschieden wehren müssen, das ist die Betrachtungsweise, die aus der Notiz spricht. Man braucht keine „problematische jüdische Existenz" zu sein, wenn man seine jüdische Entscheidung nicht im Sinne des Nationaljudentums fällt. Der Zionismus, dessen Anhänger die jüdische Situation zu überschauen behaupten, sollte wissen, daß unsere jüdische Geschichte stets voller Spannungen zwischen einzelnen Richtungen innerhalb des Judentums war, und er sollte die Problematik der jüdischen Gegenwart nicht dadurch herabziehen, daß er sich als das Judentum der Gegenwart hinstellt, indem er alle sonstigen jüdischen Richtungen einfach nicht mehr zum Judentum rechnet und mit dem Schlagwort „Asstmilantentmn" abtut. Eine derartige objektiv ungerechtfertigte Anmaßung kann nur einer groben Unkenntnis oder einer unverantwortlichen politischen Demagogie entspringen. Auch wir verurteilen eine jüdische „Assimilation", d. h. ein Hineinmischen in Angelegenheiten, die die Juden nichts angehen, und ein Verleugnen der jüdischen Abstammung und der jüdischen Eigenwertigkeit. Aber wir verurteilen es mit der gleichen Entschiedenheit, wenn Unterschiede dort konstruiert werden, wo sie gar nichtvorhanden sind. Die Annahme einer jüdischen Nationalität in den westeuropäischen Ländern ist etwas Absurdes, wie wiederholt nachgewiesen wurde. Schaffen wir dem deutschen Judentum den Lebensraum, den es zu seiner Existenz braucht, aber gefährden wir seine Existenz nicht, indem wir durch politische Isolierung das Wunschbild der Antisemiten verwirklichen. Es ist ein typisches Zeichen der Assimilation an völkische Gedankengänge, wenn nlan einen eventuellen Aufnahmezwang von Deutschen, die ihres Judentums wegen „nicht genehm" sind, in die deutsche Studentenschaft als „Vergewaltigung" betrachtet. Erfreulicherweise wird der bedenkliche Standpunkt der „Jüdischen R u n d s ch a u" nicht von der gesamten zionistischen Presse geteilt. Im Gegensatz zu ihr sprechen die Prager „Selb st w e h r" und die Breslauer „Jüdische Zeitung für O st d e u t s ch - l a n d" in sehr deutlichen Worten . ihre Entrüstung über die Konsequenzen aus, die in Wien aus der äußerlichen Anerkennung jüdischnationaler Grundsätze gezogen worden sind. . . was uns Zionrsten formal-rechtlich sogar erwünscht sein könnte, wird i n h a l t l i ch ein reaktionäres Machtwerkzeug." Die Frage, ob diese Konsequenz eintceten mußte, die die „Jüdische Rundschau" ja mit anerkennenswerter Offenheit bejaht, wird von den genannten Zeitungen verneint. Aber auch der dicke Trennungsstrich, den die „Selbstwehr" zwischen ihrer jüdisch-nationalen Auffassung und dieser pseudonationalen Geste der Studentenschaft zieht, kann leider die Einsicht nicht auslöschen, daß ein kausaler Zusammenhang zwischen beiden besteht. Für jeden deutschen Juden besteht der innere und äußere Zwang, sich zu seinem Judentum zu bekennen. Aber ein Bekenntnis zum Judentum bedeutet kein Bekenntnis zum Nationaljudentum. Wir wollen hoffen, daß der Verfasser der Notiz in der „Jüdischen Rundschau" auch sonst im zionistischen Lager keinen Sekundanten findet. —elr. „Schlagenüe" Widerlegung. „Ritualmord" in Köln. Am Gründonnerstag spielte sich in K ö l n ein — übrigens in der ganzen dortigen Tagespresse unerwähnt gebliebener — Vorfall ab, der gerade wegen seiner Unbedeutendheit geeignet ist, ein grelles Licht auf die Entst eh u n g von R i t u alm o r d gern ch t e n zu werfen. In dem Flur eines Kölner Hauses, das in einem von Juden verhältnismäßig stark besiedelten Altstadtviertel liegt, spielten einige Kinder. Ein jüdischer Ladenbesitzer verbat sich den Lärm, worauf die Kinder erschreckt davonliefen. Eines von ihnen blieb verschwunden. In kurzer Zeit entstand ein kleiner Auflauf. Rufe wie „Die Juden haben das Kind versteckt!" oder „Die Juden brauchen jetzt christliche Kinder!" und ähnliches wurden laut. Besonders war es die Mutter des verschwundenen Kindes, die sich mit Hinweisen auf das bevorstehende Osterfest hervortat. Ein hinzukommender Polizeibeamter suchte die Leute zu beschwichtigen, das Kind habe sich höchstwahrscheinlich verlaufen. Und er behielt mit seiner Vermutung recht, denn kurze Zeit danach erschien das Kind wieder ans der Bildfläche — zugleich mit seinem Vater, der seiner Frau, um ihr eine andere Auffassung von dem „Ereignis" beizubringen, aus offener Straße ein pa a>v kräftige Ohrfeigen verabfolgte. Wir wünschten, daß jedem Ritualmordgerücht ein ebenso schnelles und harmloses Ende zuteil würde. —tll—

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