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Central-Verein-Zeitung · 1930-05-02 · 18 (2.5.1930) · p. Seite 235

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
18 (2.5.1930)
Date
1930-05-02
Page
Seite 235 (sequence 3)
Language
German
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I MiMAttn in Wien. Zugleich eine Antwort an die „Germania^ 2ZS bi-iolc-Lelie^l-.l Herr IVidk möge die „deutsche” Kultur im eigenen Lager „reinigen”. Unser Wiener Berichterstatter wies in der 'letzten-Nummer der „E. V.- Zeitung" auf die voraussichtlich judenfeindliche Auswirkung der neuen Wiener Studentenverfassung hin. Daß seine Prophezeiungen richtig waren, ja daß die Tatsachen noch schlimmer sind, als er befürchtete, beweist eine Nachricht aus Wien, derzufolge die Ouüstur der Wiener Universität jüdischen Studenten den im allgemeinen mit den Jnskriptionsgeldern eingezogenen Mitgliedsbeitrag für die „Deutsche Studentenschaft" zurückzahlte. Damit ist nicht nur der antisemitische Charakter der Studentenversassuug bestätigt, sondern es offenbart sich zugleich auch die Einstellung des Rektors Gleis bach, auf dessen Veranlassung die Quästur gehandelt hat. Die Schriftleitung. Als der Magister Heinrich von Langenstein 1583 die Wiener Universität nach dem Muster der Pariser Sorbonne umgestaltete, da übernahm er schematisch die dort übliche Vierzahl der Studentennationen und teilte die Studenten in eine österreichische, sächsische, böhmische und ungarische Nation ein. Damals ahnte er wohl kaum, daß seine ans der rnittelalterlichen Auffassung vom Wesen der Hochschule verständliche Gliederung mehr als fünf Jahrhunderte später an der ehrwürdigen „Alma mater Vindobonensis" als letzter Schluß hochpolitischer Weisheit eine „fröhliche Urständ" feiern würde. Die Idee, die Universität als einen Völkerbund aus Studentennationen zu organisieren, ist nicht einmal schlecht, auch ausländische Hochschulen kennen heute ähnliches, ist doch die berühmte eite universitaire der Sorbonne auch in Häuser der einzelnen Nationen eingeteilt. Dort aber — und dies ist der entscheidende Unterschied — dienen diese Einrichtungen nicht nur der Wohlfahrt der einzelnen Nationsangehörigen, sondern vor allem auch der Verständigung der Völker: die Kenntnis von dem Leben und Wesen eines anderen Volkes soll vertieft, damit auch der Respekt vor seinen kulturellen Leistungen geweckt werden. Das neue Wiener Studentenrecht aber will den Rassenhaß gewisser Teile der Wiener Studentenschaft in gesetzlicher Form verewigen. Man sollte meinen, daß alle nicht rassenantisemitisch gesinnten Kreise Deutschlands dies nicht von großdeutschem, sondern kleinvölkischem Geiste getragene Projekt zur Entrechtung jüdischer Deutscher einmütig verwerfen würden. War man sich doch bisher von der Linken über das Zentrum und die Deutsche Volkspartei hinaus bis weit in die Kreise der gemäßigten Rechten hinein einig in der Ablehnung der Wiener Hochschulkrawalle und der dort gepredigten fanatischen Judenfeindschaft. Als der preußische Kultusnnnister Becker eine Koalition preußischer Studentenschaften mit den aus dem Rasseprinzip aufgebauten österreichischen Studentenschaften für unmöglich erklärte, da fand seine Haltung auch den Beifall des Zentrums, dessen Hochschulspezialisten, vor allem Professor Lauscher (Bonn), sich wiederholt gegen die fanatische Engstirnigkeit der Oesterreicher wandten. Auf dem letzten Reichsparteitag des Zentrums in Köln rückte der Reichsverband deutscher Zentrumsstudenten von der Deutschen Studentenschaft wegen ihrer religiösen Indolenz und ihres unwürdigen Rassenfanatismus ab; seine Führer, so Felix R a d d a tz und M i e h l n i ck e l, haben dies oft, u. a. auch in der „Germania", erklärt. Auch die großen katholischen Korporatiousver b ü n d e K. V. und C. V. nahmen nach dem letzten Studententag mehr oder weniger scharf gegen die Deutsche Studentenschaft Stellung. Es kann kaum zweifelhaft sein, daß diese Verbünde, mindestens aber Zentrumsstudenten und K. V., ihrer bisherigen Haltung getreu auch die neue österreichische Regelung ablehnen werden; der Vorsitzende des Deutschen Studentenverbandes, dem chuch die Zentrumsstudenteil augehören, hat es bereits unzweideutig erklärt. Vergegenwärtigt man sich dies, so erscheint das Erstaunen verständlich, das uns bei der Lektüre eines Artikels „Das neue Wiener Studentenrecht" in der „Germania" vom 10. April erfüllt. Dieses angesehenste Blatt des deutschen Katholizismus, in dessen Spalten so häufig der Fanatismus und die religiöse Intoleranz der völkischen Studentenführer im allgemeinen und der österreichischen Deutschen Studentenschaft im besonderen gebührend verurteilt wurde, findet für die Neuordnung — diese offizielle Sanktion eines bisher nur privaten Unrechts — Beifall und Zustimmung. Zunächst heißt es darin, „die neue Regelung werde im Reiche da und dort befremdlich klingen"; nach dieser nur zu berechtigten Einschränkung fährt das Blatt jedoch fort: „Gewiß ist die Deutsche Studentenschaft, welche die Basis dieser Regelung bildet, rassenstäiidig eingestellt; aber auch im gewissen Sinne überparteilich, weil auch die katholische Studentenschaft in diesem Begriff eingegliedert war. Außerhalb stand die liberale Deutsch - Demokratische Hochschüler- Vereinigung sowie der Verband sozialistischer Studenten Oesterreichs. Durch die Begriffe Muttersprache und Abstammung ist die Rassenfrage sanktioniert. Noch weitgehender vielleicht durch den Begriff der ,G e m i s ch t e n Stüde n k e n s ch a f v für die aus M i s ch e h e n Stammenden. Hier dürste noch darauf Bedacht genommen worden sein, daß z. B. deutschfühlende Juden sich nicht bei den Zionisten organisieren, wobei übrigens die Juden als Studentennation besonders anerkannt sind. Wenn bereits betont wurde, daß auf den österreichischen Universitäten stets eine radikalere Auffassung in Nationalsragen bestand als auf reichsdeutschen, so bedeutet die Regelung keine innere Verschärfung, die gewiß fernab jeder Absicht lag. Die äußerliche Verschärfung ergibt sich lediglich durch die ossizielle Statuierung eines bestehenden Zustandes, der oft zu Ausschreitungen aus akademischem Boden führte, die man jetzt durch gemeinsame Beratungen der Vertreter aller Studentennationen auszuschalten erhofft. Bemerkt sei, daß in Oesterreich die katholischen Studentenverbindungen seit jeher und s a st i m m e r auf völkischer^ Grundlage standen, was z. B. antisemitische Stellungnahmen der Innsbrucker Universität wiederholt bewiesen haben. Die jetzige Regelung will die Beziehungen der Studentenschaft untereinander reibungsloser gestalten und den Begriff der Nation aus parteipolitischen und glaubensbekenntlichen Erwägungen herausheben. Wenn alsbald nach ergangener Verfügung die deutschdemokratischen und sozialdemokratischen Studenten Protest erheben, so liegt ein Hauptgrund wohl darin, daß es sich in beiden Linien um parteipolitische Tendenzen auf akademischem Boden handelt. Die neuen Verfügungen b e st ä t i g e n größtenteils Gewohnheitsrechte, die in eine amtliche Form gebracht sind, um Lehr- und Kernfrieden zu verbürgen." (Von uns fett gesetzt. Die Schriftleitung.) Diese Ausführungen der „Germania" stehen nicht nur in einem gewissen Gegensatz zur bisherigen Haltung des Blattes und gehen in wesentlichen Punkten von falschen Voraussetzungen aus, sondern enthalten auch eine bedauerliche Verkennung unserer Situation und unserer Empfindungen. Hak sich der Verfasser des Artikels einmal klargemacht, was. es für BeeftichSkaninchen k och Im Drejchutzvreein rsofür -abra artt -t, Derartige Bilder bringt der von Jugendlichen stark gelesene nationalsozialistische „Stürmer” in dreifacher Grösse. einen von deutschem Nationalgefühl erfüllten deutsch-jüdischen Studenten bedeutet, wenn er auf der größten Hochschule des österreichischen Brudervolkes unter Billigung der akademischen Behörden aus der deutschen Volksgemeinschaft ausgestoßen und als fremdvölkisch oder bestenfalls als „Mischling" behandelt wird? Liegt diese gewaltsanw und schimpfliche Entdeutschung einer ganzen Schicht deutscher Akademiker im Interesse der schwer um ihre Existenz ringenden deutschen Nation? Dieses Unrecht wird nicht Recht, weil ein antisemitischer Rektor es offiziell sanktioniert. Auch die „Geschgebung des Kulturkampfes" blieb trotz ihrer Legalität ein Unrecht. Der deutsche Katholizismus würde z. B. aufbegeh reu, wenn irgendeine mensurfreundliche Hochschule oder das Parlament unter Berufung auf „traditionelle Zustände" die Mensur „offiziell sanktionieren" würde. Gänzlich fehl geht der Verfasser des Artikels, wenn er der Deutschen Studentenschaft ihre lieberparteilichkeil bescheinigt. Darf man — um nur eine von vielen katholischen Stimmen anzuführen — daran erinnern, daß ini letzten Sommer der Abgeordnete Dr. P r o b st von der B a y e r i - scheu V o l k s p a r t e i anläßlich der Beratung des Kultusetats imBaherischen Landtag erklärte, „der Programmsatz der Deutschen Studentenschaft, nach dem Fragen der Parteipolitik ausgeschlossen seien, stehe nur auf dem Papier, da kürzlich noch maßgebliche Vertreter der Deutschen Studentenschaft in öffentlicher Versammlung die katholische Kirche und ihre Vertreter in beschämender Weise heruntergerissen hätten". Auch heute noch sind die leitenden Kreise der Deutschen Studentenschaft im Reich wie in Wien dieselben völkischen Wafsenstudenten, die eine meist nur oberflächlich verhehlte Abneigung gegen altes, was katholisch heißt, im Herzen tragen. Die beschämenden'Exzesse gegen die ehrwürdige Person des Kardinals Faulhaber, die Hetze gegen Erzberger, die tätlichen Beleidigungen sarbentragender katholischer Studenten, über die so oft die katholischen Verbünde Klage führten, finden ihre Urheber in den völkischen Kreisen, in deren Händen vornehmlich die Führung dieser „überparteilichen Deutschen Studentenschaft" liegt. Niemand hat so scharf und so gehässig das Projekt der Errichtung einer katholischen Universität in Salzburg bekämpft wie diese. Aus dieser Erkenntnis heraus schrieben die „A k o b c nt i! s ch >e n

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