Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 17 (25.4.1930)
- Date
- 1930-04-25
- Page
- Seite 225 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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I $ : i H Die Verussschichlung der Hamburger Juden. Die Berufsschichtung der deutschen Judkn ist eine Frage von ungeheurer Bedeutung nicht nur für die Gegenwart, sondern vor allem für die zukünftige Schicksalsgestaltung der deutschen Juden. Wenn immer wieder von der Notwendigkeit einer beruflichen Umgruppierung der Juden gesprochen wird, so muß man als Grundlage statistisches Material haben, aus dem sich die gegenwärtige Berufsgliederung ergibt; denn nur dann wird man ungefähr erkennen können, ob und wo tatsächlich eine Zu starke Besetzung gewisser Berussgruppen vorliegt. und in welcher Richtung man den neu hinzukommenden Strom erwerbstätiger junger Menschen leiten kann. Die letzte konfessionelle Berussstatistik in Deutschland stammte aus dem Jahre 1907, war also stark veraltet. Die allgemeine Berufs- Zahlung des Jahres 1925 enthielt Zwar auch die Rubrik Konfession, aber die statistischen Aemter haben die Berufszählung nach Konfessionen nicht vorgenommen. Es drohte also die Gefahr, daß wertvolles Material verlorenginge. Die Akademie der Wissenschaft für das Judentum in Berlin hat sich deshalb mit den einzelnen statistischen Landesämtern in Verbindung gesetzt und das Material, das sonst eingestampft worden wäre, erworben, um die Berufsgliederung der deutschen Juden durch genaueste Auszählung seststellen zu können. Diese umfangreiche Arbeit, die auf Kosten der Akademie, unter Beihilfe der jüdischen Landesverbände und Großgenieinden stattfand, geht jetzt ihrem Ende entgegen. Die Zusammenstellung der Einzelergebnisse wird von der Sektion für Statistik vorgenommen, und die Veröffentlichung der Gesamtresultate dürfte nach Mitteilung der Akademie noch im Laufe dieses Jahres zu erwarten sein. Bisher sind lediglich die Ergebnisse aus Hamburg und Bayern bekanntgegeben worden. Aber auch diese Ergebnisse teilen das Schicksal der meisten Statistiken: sie sind überholt in dem Augenblick, wo sie fertiggestellt sind. So darf man auch diese Statistiken nur mit größter Vorsicht benutzen. Sie bieten Anhaltspunkte, aber keine absolut zuverlässige Richtlinie; denn durch die ungeheure Verschiebung seit 1925 ist die Berufsgruppierung bei Juden wie bei Nichtjuden außerordentlich verschoben worden. Wir haben auch in diesen Blättern wiederholt daraus hingewiesen, daß gerade die Juden und ganz besonders der selbständige kaufmännische Mittelstand — der in der nachstehenden Statistik noch eine sehr große Rolle spielt — in den letzten Jahren in bedauerlicher Weise von der Wirtschäftskatastrophe betroffen worden ist, so daß die Schicht der jüdischen Selbständigen arg zusammengeschmolzen und das an sich schon große Heer der Angestelltenschaft und bedauerlicherweise auch die Zahl der jüdischen Arbeitslosen sehr zugenommen haben. Unter diesen Vorbehalten soll in folgendem versucht werden, die Hamburger Berufsstatistik hier in größeren Zügen wiederzugeben. Uns liegt vor ein Sonderdruck aus der Monatsschrift „Aus Hamburgs Verwaltung", der eine Berufsstatistik der jüdischen und der katholischen Bevölkerung Hamburgs nebst einem Vergleich mit den betreffenden Verhältnissen der Gesamtbevölkerung Hamburgs bringt. Der Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung Hamburgs ist dauernd gesunken. Im Jahre 1866 betrug er 4,46 Prozent, im Jahre 1925 nur noch 1,73 Prozent. Wohl ist auch bei den Juden von Zähljahr zu Zähljahr eine Zunahme ihrer 225 absoluten Zahl zu verzeichnen; sie blieb aber stets verhältnismäßig hinter der Zunahme der gesamten Bevölkerung zurück. Bon 1910 bis 1925 ist die Bevölkerung Hamburgs von rund 1 Million auf 1 150 000 gestiegen, während die Zahl der Juden nur um etwas über 500 Angenommen hat. Während in den 45 Großstädten Deutschlands auf 100 Einwohner 2,25 Juden entfallen, beträgt der Prozentsatz in Hamburg jetzt nur 1,3 gegenüber 1,92 im Jahre 1910. Der Umfang der Erwerbstätigkeit in der Gesamtbevölkerung verglichen mit der der Juden Hamburgs ergibt folgendes Bild: Erwerbsfähigkeit der Gesamtder bevölkerung Inden absolut in Proz. absolut in Proz. Erwerbstätige . . 586 407 50,86 9190 46,17 Ehefrauen Berufslose 226 552 19,66 3 806 19,12 Familienangehörige 262 748 22,80 5 140 25,83 Berufslose Selbständige . . . 76 816 6,66 1768 8,88 Zttsammc» 1182 823 100,00 19 904 100,00 Nach dieser Zusammenstellung ist der Umfang der Erlverbstätigkeit bei den Juden (46,17 Prozent) geringer als bei der Gesamtbevölkerung Hamburgs (50,86 Prozent). Das Landesamt erklärt diese Erscheinung als Folge der Altersgliederung, d. h., daß bei den Juden verhältnismäßig mehr Personen in die älteren und daher erwerbsunfähigen Altersstufen fallen. Wie sich die jüdischen Erlverbstätigen auf die Wirtschaftsgruppen verteilen, zeigen folgende untenstehende Tabellen A und B. Die Verteilung der Hamburger erwerbstätigen jüdischen Bevölkerung auf Angestellte und selbständige Berufe (Tabelle A) ergibt also ein von der Verteilung der Gesamtbevölkerung abweichendes Bild. Von den jüdischen Erwerbstätigen sind etwa 60 Prozent im Handelsgewerbe beschäftigt gegen nur 40 Prozent der Gesamtbevölkerung. Auf die Industrie entfallen rund 12 Prozent der erwerbstätigen Juden, gegen 30 Prozent der gesamten erwerbstätigen Bevölkerung. Bemerkenswert ist die große Zahl der Selbständigen in Industrie und Handwerk; wie aber schon einleitend bemerkt wurde, dürften sich gerade bei diesen Wirtschaftsgruppen seit 1925 große Veränderungen eingestellt haben. Ein recht interessantes Bild von der sozialen Schichtung der Hamburger jüdischen Bevölkerung bietet schließlich die nachstehende Tabelle, HabenSieZeitimMai? Dann verbringen Sie einige Tage oder Wochen im AXELMANNSTEIN Kurhaus u. Grandhotel In Bad Reichenhali. 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Auch die Tatsache, daß die jüdische Frau nicht in demselben Ausmaß erwerbstätig ist wie die der Gesamtbevölkerung, dürfte mit dieser Altersgruppierung Zusammenhängen. Die hier in großen Umrissen wiedergegebene Berufsgruppierung dürfte, wie bemerkt, wenn auch kein genaues, so doch immerhin ein annäherndes Bild der tatsächlichen Lage der Hamburger Juden geben. Sie erlaubt aber noch keine Rückschlüsse auf die Berufsgliederung der gesamten Judenheit, da ja Hamburg durch seine besondere wirtschaftliche Eigenart auch bei der Betrachtung der Wirtschastsverhältnisse der Gesamtbevölkerung immer eine Ausnahmestellung einnimmt. Man wird also auch diese Statistik nur im Rahmen der gesamten jüdischen Berussstatistik, deren Erscheinen demnächst zu erwarten ist, bewerten können. Dr. Julius Rothholz. Stellung Selbständige. Angestellte und Beamte Arbeiter. Mithelfende Familienangehörige . Hausangestellte. . . . Berufslose Selbständige Tabelle Ä. Erwerbstätia mannl. werbt. Zusammen Anaeüöriae überbauvt 8»° »ufioo sammen der Juden Aus löö der Gesamtbevölke« 4037 547 4584 6081 10 665 53,58 runa 17,78 2542 1089 3631 1686 5617 28,22 28,27 445 166 611 389 1000 5,03 39,75 15 180 195 2 197 0,99 1,44 — 169 169 1 170 0,85 3,59 558 1210 1768 487 2255 11,33 9,17 Zusammen . . . . . 7592 3361 10 958 8946 19 904 100,00 100,00 Tabelle 3. Wirtschastsgrrrvve Selbständige Landwirtschaft. — Industrie und Handwerk .... 530 Handel und Verkehr. 3495 Verwaltung und freie Berufe . 241 Gesundheitswesen . 311 Hänsliche Dienste..7 Angestellte Arbeiter Mithelfende Haus¬ Erwerbstätige überhaupt u. Beamte Familienangehörige angestellte 1 7 — — 8 8/0 350 o5 — 1285 2745 189 159 — 6538 340 18 — — 599 156 41 1 — 509 19 6 — 169 201 Zusammen 4584 8631 611 195 169 9190