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Central-Verein-Zeitung · 1930-04-25 · 17 (25.4.1930) · p. Seite 224

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
17 (25.4.1930)
Date
1930-04-25
Page
Seite 224 (sequence 4)
Language
German
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224 haben wir auch gezeigt, daß, wo etwa der Prozentsatz nicht bis auf die letzte Bruchstelle stimmte, die Schuld nicht auf seiten des jüdischen Soldaten, sondern aus der der Komma n d o st e l l e n lag, die von einem jüdischen Fabrikdirektor bei der Durchführung des Hindenburg-Progrgmms in der Heimat Nützlicheres für das Vaterland erwarteten als im Schützengraben, und von einem jüdischen Chemiker Wertvolleres für die Kriegsrüstung in den Fabriken als an der Front. Aber wenn ein Jude dem Befehl seiner Vorgesetzten folgte und hinter der Front seine Pflicht tat, war er ein Drückeberger —, wenn ein „S t a h lhe l m er" oder ein N a - tionalsozialist dasselbe Lat, so folgte er nur dem Befehl „der militärischen Stellen". Der Zufall will es, daß gleichzeitig mit dem Protest des „Stahlhelms" die Zeitschrift „Die Kommenden", zu deren Heraus-s gebern Ernst Jünger gehört, eine Verleumdung der Kriegsleistung der deutschen Juden in besonders widerlicher Form veröffentlicht. Sie schreibt: „Se ham zwar nich miterlebt ä Trommelfeuer, aber se ham gelesn Remarque, der zwar auch nich miterlebt ä Trommelfeuer, der sich aber hat erzähl lassn, und der hat darüber geschriebbn ä graustes Buch." Es ist neidlos zugestanden, daß kaum ein deutscher Jude so großartig mauscheln könnte wre das Blatt des Herrn Jünger. Desselben Herrn Jünger, der als Führer des neuen Nationalismus sich für eine zwar rücksichtslose, aber saubere Politik einsetzt. Auch der Schlußsatz der Betrachtung in „Die Kommenden", „Ja, ja, die Makkabäer sind nicht dabei gewesen", ist eine Infamie, die zeigt, daß auch der „n e u e" Nationalismus mit den alten kleinen und gemeinen Mitte-lchen arbeiten will. So werden die Jünger schon kommen, denkt Herr Jünger! S i e wollen Deutschland reinigen? Reinheit beginnt im eigenen Hause! A. H. .. . und auch in öer Tschechoslowakei. Das germanisierende Vordringen". Und wird aus Prag geschrieben: In der letzten Nummer der „C. V.-Zeitung" wurde mit Recht auf die Gleichheit der Vorwürfe hingewiesen, die Minderheiten anscheinend zwangläufig angehängt werden, sobald sie in einer Mehrheit Andersgläubiger oder Andersstämmiger leben. Wie es den Juden in Deutschland ergeht, so den Protestanten in Frankreich: dieselben Verdächtigungen, dieselben Verkennungen. Daß es auch anderswo nicht besser ist, möge die folgende Mitteilung aus 'dem Prager „Montagsblatt" vom 21. April beweisen: „Die tschechische Filmfachzeitung,Filmovy Kuryr* bringt in ihrer Osternummer einen Bericht über die Tonfilmsaison in Mährisch- Ostrau, an dessen Schlüsse es heißt, daß sie großenteils in deutschen Fassungen vorgeführt werden und so indirekt das germanisierende Vordringen der deutschen Minderheiten in ,unserer' drittgrößten Stadt und dem ersten tschechoslowakischen Industriezentrum gefördert wird." Es ist allerdings für uns jüdische Deutsche nur ein schwacher Trost, daß n i ch t j ü d i s ch e Deutschem anderen Ländern von der Mehrheit ihrer andersgläubigen und andersstämmigen Staatsgenosfen genau f o behandelt werden wie wir in Deutschland von völkischer Seite. Das sollte aber wirklich ehrlichen Judengegnern ernstlich Anlaß geben, ihre Haltung nachzuprüfen und nicht ständig von „jüdischen" zersetzenden Einflüssen auf das deutsche Kulturleben leichtfertig zu reden. MERAN Coniinenial-Hoiei & ** ^ModernstesFamilienbaus I.Ra.nges m.letztem Komfort. An der Promenade. Massive Preise MOmeMlerzMi!". fjittlN «> die Jtuiffte; Dr. Artur Dinter, von dessen Arbeit für eine auf völkischer Grundlage sich aufbauende religiöse Bewegung wir an dieser Stelle bereits berichtet haben, hat nunmehr auch in der Reichshauptstadt seine Lehren in öffentlichen Versammlungen vertreten. Die „Deutsche Zeitung" von 9. April gibt darüber einen kurzen Bericht, der folgendermaßen schließt: „Dinier wies im folgenden auf eine planmäßige' Diplomatie Roms hin, die gegen jeden protestierenden Geist in Deutschland die innere Uneinigkeit fördere, deren politisches Werkzeug die Zentrumspartei sei. Offenbar geht Dinier zu weit, wenn er behau p i e i, daß derVatikan planmäßig an unserer Niederlage im Weltkrieg g e a r b ei t e t u n d in Verdi n d u n g mit Juden und M a r x i - st e n auch den November u nt ft urz herbeigeführi habe. Den Papst für den Ausbruch des Krieges verantwortlich zu machen, weil er Kaiser Franz Joseph in seinem Vorgehen gegen Serbien bestärkte, ist nicht zu begründen und zu rechtfertigen." Die „Deutsche Zeitung" ist im Ausdruck sehr bescheiden, wenn sie schreibt: „Offenbar geht Dinier zu weit, wenn er behauptet, daß der Vatikan in Verbindung mit Juden und Marxisten an unserer Niederlage im Weltkrieg gearbeitet" und „den Novemberumsturz herbeigeführt" habe. Es ist unerhört, dem Vatikan, den Sozialdemokraten und den Juden eine derartig niederträchtige Rolle anzudichten. Verwaltung, und es wird sich nicht leugnen lassen, daß seine Vorschläge zur Hebung der Industrie — durchaus nach den Gedankengängen des Merkantilismus —, zur Errichtung von Staatsmonopolen, zur Einführung einer Staatslotterie, und vor allem zur Errichtung einer württembergischen Staatsbank das Finanzwesen des Herzogtums auf eine neue und gesicherte Grundlage gestellt hätten. Bei der Einführung neuer direkter Steuern war Jud Süß nicht überall der Erfinder, aber er galt in allem als der Berater des Herzogs, und so wurde der Versuch einer allgemeinen Einkommensteuer, der regelmäßige Gehaltsabzug und anderes auf ihn allem geschoben. Gegenüber einem zersplitterten und durchaus ungerecht die Lasten verteilenden Steuersystem, wie es Württemberg damals besaß, waren freilich alle diese neuen Versuche Verbesserungen, und die Akten geben keinen Anhaltspunkt dafür, daß Jud Süß sich dabei habe persönlich bereichern wollen — hier galt seine Fürsorge allein den Finanzen des Landes und des Herzogs, und es blieben für ihn, der von sehr vielen Seiten in Anspruch genommen wurde, noch genug Möglichkeiten, sich in der privaten Geldvermittlung und -Verwaltung und int Warenverkehr reelle Einkünfte zu sichern. Das Finanzsystem des Landes ist von Jud Süß nicht nur nicht geschädigt, sondern vielmehr gebessert worden. Wenn sich aus ihn in der kurzen Negierungszeit Karl Alexanders (1733—1737) der Haß konzentrierte, so lagen ganz andere Gründe dafür vor. Karl Alexander kam als katholischer Herzog im streng evangelischen Württemberg zur Regierung, und so stand ihm von Anfang an das tiefste Mißtrauen gegenüber. In der Tat hat er trotz der Zugunsten der evangelischen Lehre ausgestellten „Neligionsaversalien" die Absicht verfolgt, das Land dem Katholizismus zu öffnen. Mit den Ständen des Landes kam er von Anfang an in Konflikte, da er das Joch dieser Mitregierung zu beseitigen versuchte. Aber nichts stand im LenDe höher als das protestantische Element und das ständische Recht. Die Stünde hatten in Württemberg die Mitregierung zu behaupten vermocht; sie übten sie durchaus zu ihren Gunsten aus, und jede Aenderung stieß sich an der zähen Beharrlichkeit der bevorrechteten Stände — befreit von jeder direkten Steuer, galt ihnen ein Eingriff in dieses Vorrecht als besonders unerhört. Und deshalb warf sich ihr Haß aus Jud Süß, den man als die Ursache alter Veränderungen ansah. Die Minister und geheimen Räte des Herzogs aber fühlten sich ausgeschaltet — der Jude hatte den bei weitem größeren Einfluß beim Herzog, und er griff mit seinen Reformen in ihre Gewohnheiten und Einflußsphären ein — auch hier war Grund genug zum Hasse da, besonders wenn die übliche Vetternwirtschaft durch Einsetzung geeigneterer Elemente durchbrochen wurde. Das persönliche Leben von Jud Süß gab allerdings genug Anlaß, ihn anzufeinden. Er führte ein Leben großen Stils, wie sein zunehmender Reichtum es ihm gestattete; schlimmer aber war noch, daß sich ihm, der zu einem eleganten Hofmann geworden war, die Frauen in die Arme warfen — vom Bauernmädchen bis zu den Hofdamen soll er eine unbeschränkte Auswahl von Anbeterinnen und von Geliebten besessen haben. Was man dem Fürsten gestattete, sah man dem Juden nicht nach — die noch streng protestantische öffentliche Meinung Württembergs war in tiefer Entrüstung über diese Freiheiten des Landfremden. So war es klar, daß Jud Süß mit Herzog Karl Alexander stand und fiel: als dieser unvermutet schon im März 1737 starb, war auch das Schicksal von- Jud Süß entschieden. Er wurde noch in der Nacht nach des Herzogs Tode verhaftet, und der Prozeß, der gegen ihn eingeleitet wurde und bei dent seine persönlichen Feinde aus dem Kreise der Geheimräte seine Richter waren, endete mit der Verurteilung zum Tode durch den Strang. Niemals hat Jud Süß an ein solches Urteil gedacht; als es trotzdem dazu kam, ist er tapfer in den Tod gegangen, sich Zuletzt wieder zum Glauben seiner Väter bekennend, zu dem er jahrelang kein Verhältnis gehabt hatte. Die Verfasserin dieses Buches legt uns die Verhandlungen des Gerichtshofs nach den Akten vor; was man gegen Jud Süß an Beschuldigungen vorbrachte, war Haarspalterei und Uebertreibung — daß er Hochverrat getrieben und die Verfassung habe stürzen wollen, war in keiner Weise sestzustellen, noch weniger, daß er sich auf Kosten des Landes bereichert habe. Es läßt sich nicht leugnen: die Vollstreckung des Todesurteils an Jud Süß war ein Justizmord. Dieses Ergebnis hat die Verfasserin nicht einwandfrei bewiesen. Jud Süß war keine unanfechtbare Persönlichkeit, aber er fiel als ein Opfer des Hasses, den das Regiment des katholischen Herzogs Karl Alexander ebenso aus gelöst hatte wie die finanzielle Ueberlegenheit des Juden gegenüber einem schwerfälligen und veralteten Verwaltungsstzstem. Das Buch ist warm zu empfehlen; denn es liest sich gut und bringt ein Material Zur Geschichte des Absolutismus, «das weit über die Person des Jud Süß hinaus von Bedeutung ist. D/A

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