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Central-Verein-Zeitung · 1930-04-25 · 17 (25.4.1930) · p. Seite 223

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
17 (25.4.1930)
Date
1930-04-25
Page
Seite 223 (sequence 3)
Language
German
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Wir WWW kW Sie MitMMWMll - empfehlen sich die “ „Wir zerschlagen euch die Organisation der Arbeiterschaft. Wir zerschlagen euch die Gewerkschaften. Darum mutzt ihr uns Recht geben, in unserer Agitation uns dem Geist der Arbeiterschaft anzupassen. Wenn wir von der Verstaatlichung des Grund und Bodens reden, so meinen wir das nicht so. Wenn wir gegen das Kapital reden, so brauchen wir diese Propagandamittel, um die Leute an uns heranzuziehen. Die Hauptsache ist, datz wir die Leute haben, damit sie ans dem Marxismus gelöst werden." So faßt Hans Held in einem Aufsatze „Politische Streiflichter", den er im Aprilheft der jungdeutschen Monatsschrift „Der Meister" veröffentlicht, die Gründe zusammen, durch die die „Männer der Großindustrie und der Bankwelt diesen Nationalsozialismus mit ihrer materiellen Macht untermauern". Die Erwägungen, die Held anstellt, sind keineswegs neu. In dieser Deutlichkeit sind sie aber wohl noch nirgends ausgesprochen worden. Held hat in seinem Resümee übrigens auch die Tonart nationalsozialistischer Erklärungen außerordentlich gut getroffen. In einem Befehl der obersten Parteileitung der NSDAP., der unter dem 1. Februar d. I. erschienen ist, und dessen Befolgung jeder Ortsgruppe zur Pflicht gemacht wird, heißt es nämlich: „Die Zeit zur Errichtung des dritten Deutschen Reiches braucht nur noch kurze Zeit. Es ist jedes S.-A.-Mannes Pflicht, jeden Befehl abzuwarten. An dem Tage, wo Polizei und Reichswehr kein Gehalt mehr bekommen, ist die Führung des Reiches in unserer Hand. Jeder Jude mutz ausgewieserr oder geschäftsunfähig gemacht werden. Zeitungsverlage haben sich nur noch nach unserer Führung zu richten, sonst erfolgt ohne weiteres die Schlietzung derselben." Es wäre interessant zu wissen, ob die nationalsozialistischen Verbindungsleute bei den Wirtschaftsführern auch diesen Erlaß als Beweis ihrer Zuverlässigkeit vorweisen. Es wäre recht schwierig, ihm gegenüber die Fiktion aufrechtzuerhalten, daß der ganze Nationalsozialismus nur Mittel zu einem großen und edlen Zweck ist. Denn schließlich können auch ohne nationalsozialistische Anleitung die deutschen Wirtschastsführer noch politisch denken. Vielleicht kommt ihnen die Erinnerung an ein Zitat aus ihrer Schulzeit: „Beim ersten seid ihr frei, beim zweiten seid ihr Knechte!" 223 Was find Drückeberger? Eine Unterhaltung zwischen Stahlhelm unö Nationalsozialisten. Die Theorie, daß gegen die deutschen Juden als den Ort des schwächsten politischen Widerstandes jede politische Verleumdung zunächst erhoben wird, die dann, im Lause des politischen Kampfes, auch gegen andere, jeweils entgegengesetzte Volksgruppen verwendet werden, hat auch auf dem Gebiete der Kriegsopfer eine neue Stütze gefunden. Die „nationalen" und „völkischen" Gruppen operieren bereits untereinander und gegeneinander mit der Verdächtigung der Drückebergerei, um den Gegner zu infamieren. Der „Nationale Sozialist" des Herrn Straffer hatte sich (Nummer 41) mit der Nolle des „Stahlhelm" bei der Bildung des Kabinetts Brüning beschäftigt und einen Stahlhelmführer als Drückeberger bezeichnet. Der „Stahlhelm" antwortet: „Die Wendung gegen den .Drückeberger' ist von besonderem Reize angesichts der Tatsache, datz der erste nationalsozialistische Minister in Deutschland, Reichstagsabgeordneter Dr. F r i ck, in dieselbe Kategorie eingegliedert werden müßte, sofern es wirklich eine Unehre wäre, während des Krieges denjenigen Posten innegehabt zu haben, den die militärischen Stellen für den einzelnen bestimmt hatten." Und somit ist überraschenderweise zwischen den deutschen Juden und dem „Stahlhelm" eine Einheitsfront gegen Lüge und Verleumdung hergestellt. Seit mehr als einemJahrzehnt müssen wir, gezwungenermaßen, immer wieder die Geister der jüdischen Kriegsgefallenen heraufbeschwören, um den Nachweis zu führen, daß sie ihre Pflicht in vollem Umfange getan haben. Und mit großem Aufwand an Sorgfalt und Genauigkeit lud Süß. Von Professor Dr. Walter Goetz (Leipzig). Seit Hauffs Erzählung ist Jud Süß der Welt als Finanzgenie und Abenteurer bekannt. Auch in den Geschichtswerken spielt er keine andere Rolle: er hatte es sich selber zuzuschreiben, daß er schließlich als Opfer seiner gewagten Unternehmungen im Jahre 1737 von einem württembergischen Staatsgerichtshos zum Tode verurteilt und gehängt wurde. Das Buch von S e l m a Stern „Jud Süß. Ein Beitrag zur deutschen und zur jüdischen Geschichte" (Akademie-Verlag, Berlin 1929) sucht Bresche in diese Auffassung zu legen. Und da es zum ersten Male das bisher unbenutzte Material der Archive vollständig heranzieht, so hat es einen weiten Vorsprung vor allem früher Geschriebenen: es steht auf dem festen Boden der Tatsachen. Es ist em wirkliches Verdienst, daß die Verfasserin das gesamte Material des württembergischen Staatsarchivs und dann der Archive in Darmstadt, Karlsruhe, Koblenz und Frankfurt a. M. herangezogen hat — es sind darunter Privatbrife, die in die wahre Natur des so schwer Beschuldigten einen Einblick gestatten. Als ein „Held" ist er von der Verfasserin deshalb noch nicht geschildert worden; sie hält sich durchaus im Bereiche eines objektiven wissenschaftlichen Urteils, aber anders als zuvor erscheint hier doch sein Bild, und offenbar gerechter, als es früher gezeichnet worden ist. Die Tatsachen sind folgende: Die meisten Fürsten des absolutistischen Zeitalters nahmen 'sich, da ihre Geldmittel fast niemals für ihre vielseitigen persönlichen Bedürfnisse ausreichten, einen „Leibjuden", d. h. einen geschickten Verwalter ihrer brüchigen Finanzen. So tat es auch Karl Alexander von Württemberg 1732, als er noch Prinz war, und ebenso seine stets geldbedürftige und stets juwelenfreudige Gattin, eine geborene Prinzessin von Thurn und Taxis, um derentwillen der Prinz — damals noch ohne Aussicht auf die Nachfolge in Württemberg, zum katholischen Glauben übergetreten war. Diese Leibjuden wurden mit Titeln wie Agenten dder Faktoren versehen, und sie hatten die Verpflichtung, Geld zu beschaffen und die Wünsche ihrer Auftraggeber nach kostbaren Steinen, Kleidern und allen möglichen anderen Dingen zu befriedigen. Sie besitzen zumeist sehr viel weitere Beziehungen als ihre christlichen Konkurrenten — sie vermochten deshalb fast alle Wünsche ihrer fürstlichen Auftraggeber zu befriedigen. Nimmt man übrigens alle diese Leibjuden des 18. Jahrhunderts in ihrer besonderen Stellung und mit ihrem Reichtum, so muß man sich über eins wundern: die Theorie von der zunehmenden Ausplünderung der Deutschen durch die Juden müßte sich doch darin zeigen, daß alle jene damals entstandenen großen Vermögen heute noch vorhanden wären, aber ganz wenige der damals aufsteigenden jüdischen Namen sind in ihrer Stellung geblieben. Ihr Reichtum ist offenbar vergangen, ihre Familien sind — wahrscheinlich gerade als Opfer ihres Reichtums —verschwunden. Es vollzieht sich also hier dasselbe. volkswirtschaftliche Gesetz wie überall: Der Reichtum ist keine Dauererscheinung, weder bei Christen noch bei Juden, und alles Gewonnene Zergeht eines Tages wieder. Eine weitere Beobachtung ergibt sich: diese Leibjuden des absolutistischen Fürstentums konnten offenbar durch niemand anders ersetzt werden, nur sie waren imstande, in dem Wirrwarr der fürstlichen Finanzen, den kein Minister zu meistern vermochte, Ordnung zu bringen. Oder war es etwa nur die skrupellose Gewandcheit dieser Juden, -das Geld herbeizuschaffen, wo immer es zu haben war, ohne Rücksicht auf Volk und Staat? Es scheint mir ein besonderes Verdienst des vorliegenden Buches über Jud Süß zu sein, daß es einmal auf das genaueste und aktenmäßig in die finanziellen Maßnahmen eines dieser Leibjrrden hineinsehen läßt. Nur müßte es auch für andere noch in gleicher Weise geschehen. Für Jud Süß wird aber fortan feststehen, daß seine gesamte Tätigkeit auf eine Ordnung der württembergischen Staatssinanzen, auf die Rationalisierung eines unerträglichen Systems, hmausging. Statt Bedrückungen muß man Steuererleichterungen feststellen, seit er zu einer Art von Alleinherrschaft imLande kam. Wahrend die württembergischen Minister jeden Ueberblick über die Staatssinanzen bei einem unbrauchbar gewordenen System und infolge ständiger Vermischung von herzoglicher Privatkasse und Staatskasse verloren hatten, und zu einer Reform weder befähigt noch gewillt waren, hat Jud Süß in den drei Jahren seiner Tätigkeit Veränderungen durchgeführt, die bei längerer Dauer zur Gesundung der württembergischen Finanzen, Zum Aufbau eines zeitgemäßen Einnahme- und Ausgäbesystems hätten führen können.. Jud Süß begriff die Kernfrage: die Umgestaltung des Systems, während die andern nur hier und dort zu ändern suchten. Bei dem vollkommenen Vertrauen Karl Alexanders zu.Jud Süß erlangte dieser entscheidenden Einfluß auf die finanziellen Gebiete der Staats- 4876328762

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