Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 17 (25.4.1930)
- Date
- 1930-04-25
- Page
- Seite 222 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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222 Er bringt wohlweislich kein Sterbenswörtchen von dem wahren Anlaß des ausgesprochenen Verbots. Vielmehr benutzt er die Gelegenheit, um den Leiter jenes Gymnasiums, der nichts als seine Pflicht tat, in niederträchtiger Weise zu beschimpfen und damit den erwiesenen Sachverhalt zu vertuschen. 'In großer Ausmachung, schwarzumrändert, t o d e s a n^ ei genähnlich verkündet der „Aufmarsch": Im Dienste Frankreichs! In der Heinrich - Schliemann ° Schule, Berlin N, Gleimstraße 49, wurden am Donnerstag, 13. März, um 12 Uhr, sämtliche Schüler in die Aula gerufen. Daraufhin erklärte in „feierlicher" Ansprache Herr Oberstuoiendirektor Dr. Paul Hildebrandt, einer jener Leute, die sich besonders stark an der Hetze der jüdischen „Vossischen Zeitung" gegen die deutsche Jugend beteiligt hatten, daß er es von nun ab jedem seiner Schüler verbiete, dem „Nationalsozialistischen Schülerbund" anzugehören. Deutsche Jungen und Mädel! Das geschah einen Tag nach Annahme des Toung- Planes! Erst wirft man euch in Ketten und dann verlangt man, daß ihr die Versklavung mit Schafsgeduld ertragt! . . . So steht's auf Seite 9! Danach gewinnt es den Anschein, als ob der von der Anstalt verwiesene Schüler durch seine Mittäterschaft an dem Ueberfall bewiesen habe, daß er es mit der Bekämpfung des „Systems von Weimar" ernst meinte, als ob er zu Unrecht bestraft nnd das Verbot zu Unrecht ausgesprochen worden sei. Zwei Seiten weiter wird zu dem Verbot des Nationalsozialistischen Schülerbundes in der Provinz Hannover Stellung. genommen und dabei ein Ministerialerlaß von 1925 zitiert, in dem es sinngemäß heißt: Die Schule ist nur berechtigt einzuschreiten, wenn die Schüler die ihnen gewährleistete Freiheit mißbrauchen. Amtliche Erlasse kann man schwer in rnißzuverstehender Fassung wiedergeben. Sonst wäre auch hier vielleicht der Versuch unternommen worden, den wahren Sinn der Verfügung zu entstellen. Das ist glücklicherweise unterblieben! Und damit haben die „Herren" vom Nationalsozialistischen Schülerbund unumwunden zugegeben, daß Schüler unter den genannten Umständen von der Schule verwiesen werden können. Warum also die wutschnaubende Schimpferei ob des Verbots des Nationalsozialistischen Schülerbundes an der Heinrich-Schliemann-Schule? In einem in derselben Nummer erschienenen Aufsatz „Schul- und Erziehungsarbeit" heißt es: „. ♦ ♦ Ich möchte hier nur ein Beispiel sagen, wie der nationalsozialistische Schüler stch praktisch betätigen kann. Es ist doch sicher auf jeder Schule möglich, daß irgendein Schüler Fühlung nimmt mit dem Herrn des Kollegiums, der die Schulbüchereien verwaltet. Durch andauerndes indirektes Arbeiten kann hier der Schüler bestimmt großen Einfluß auf die Zusammenstellung der Bücherei ansüben und kann den immer größer werdenden jüdischen Einfluß zurückdämmen." Aber wie könnte man es wagen, solche „Erziehungsarbeit" Parteipolitik in die Schule tragen nennen? Geschweige denn, wenn man in dieser für Schüler höherer deutscher Lehranstalten bestimmten Zeitschrift „Stimmen" nationalsozialistischer Führer über Hindenburg veröffentlicht findet, in denen es heißt: „Für Hindenburg ist Horst Wessel nicht gefallen" (Alfred Nosenberg im „Völkischen Beobachter"); oder.: „Herr von Hindenburg hat stch selbst zum Ioung-Patrioten gestempelt" (Dr. Goebbels im „Angriff"). „Stimmen", die jeder anständige Deutsche stets aufs schärfste verurteilen muß. — th— Erlaß des vrandenburgischen provinzialschulkollegiumz. Wie schon diese hier genannten Beispiele zeigen, nimmt die politische Verhetzung der höheren Schuljugend Formen an, die das Ansehen der deutschen Republik gefährden. Die höheren Schulbehörden beobachten bereits seit längerer Zeit Entwicklung und Auswüchse der parteipolitischen Schülerbewegung, von links und von rechts her, besorgten Herzens. Nachdem das Provinzialschulkollegium für die Provinz Hannover zu Anfang dieses Jahres mit eine strikten Verbot des Nationalsozialistischen Schülerbundes durchgegrissen hatte, erläßt nunmehr der Vizepräsident des Provinzialschulkollegiums für Berlin und die Provinz Brandenburg eine Verfügung, in der es heißt: . . .„Die Jugend mutz lernen, Achtung vor der ehrlicher: Ueberzeugung des anderen zu haben und eigene Bedenken und Wünsche hinter dem Wöhle der Gesamtheit zurückzuftellen. Der Ausruf des Reichspräsidenten an das deutsche Volk vom 13. März d. I. zeigt jedem einsichtsvollen Deutschen die Notwendigkeit und Möglichkeit einer solchen Haltung. In besonderen Konferenzen wird jode Schule festzustellen haben, wie sie in den einzelnen Fächern oder Arbeitsgemeinschaften die Jugend zur Klarheit des politischen Urteils führt und wie sie durch ein kameradschaftlich-freundschaftliches Verhältnis des Lehrers zu seinen Schülern, durch eine planmäßige Einwirkung auf die Schulgemeinfchaft und durch eine enge Verbindung mit dem Elternhaus (Sprechstunden, Klassen-Elternabend und Elternversammlung) und mit dem Elternbeirat das Gefühl der Zusammengehörigkeit und das Bewußtsein der Verantwortung lebendig macht. Der weiße Teufel. Phantasten öer Luisenschwestern. Die Bundeszeitung „Bund Königin Luise" befaßte sich in ihrer Nummer 10 vom 9. März 1930 eingehend mit dem nach Tolstois „Hadschi Murat" verfaßten Ufa-Film „Der weiße Teufel". Sie schrieb: „Hadschi Murat hat eine den Bildern Christi in der Varttracht entsprechende Maske. Durch eine Verletzung am Kopfe läuft ihm das Blut über Stirn und Wangen. Zudem ist sein Turban am unteren Ende mit einem schmalen schwarzen Pelzstreisen versehen, der unwillkürlich den Vergleich mit der Dornenkrone Christi herausfordert. Dieses Bild wird in Großaufnahme gezeigt, die allein das Haupt des Sterbenden auf der Leinwand erscheinen läßt. Der Anblick wirkt in der ähnlichen Gestaltung der Gesichtszüge und der gesamten Aufmachung so frappierend, daß man den Film völlig vergißt und. das Leidensbild Jesu Christi vor sich zu sehen glaubt. Hat das christliche deutsche Volk es nötig, sich eine derartige Verhöhnung seines Heiligsten, eine solche Gotteslästerung gefallen zu lassen? Man kann es nicht anders nennen. Die Hersteller des Films müssen sich dessen bewußt gewesen sein. Wenn man ihre Namen hört, ,Noe Bloch" und ,Rabinowitsch", dann kann man des Rätsels Lösung finden. Diese Feststellung hat^ nichts mit Antisemitismus zu tun. Es ist unser gutes Recht, uns dagegen Zu wehren, daß nicht von Andersgläubiger: unsere Religion verhöhnt wird. Man soll nicht die Entschuldigung anzubringen versuchen, daß die Betreffenden ans ihrem jüdischen Glauben heraus kein Verständnis für christliches Empfinden haben könnten. Als Leute vom Film müssen sie darüber verfügen, andernfalls sollten sie ihren Platz anderen räumen. Nein, die Bilder sind so gestaltet, daß sie mit vollem Bewußtsein ihrer Wirkung s o und nicht anders ansgeführt worden sind. Wir deutschen Frauen, die wir eine innere Erneuerung unseres Vaterlandes erstreben, erheben E i n s p r u ch gegen solche Verhöhnung dessen, was uns heilig ist, und als christliche Frauen lehnen wir solche Darstellungen a b." Stoßen ihre Bemühungen auf Widerstand oder bleiben sie, weil andere von außen her ein- „ wirkende Gegenkräfte stärker sind, erfolglos, so wird sie auch vor strengen Maßnahmen nicht Zurückschrecken dürfen. Die Schule muß dies den Schülern und Erziehungsberechtigten deutlich zum Bewußtsein bringen." Das Provinzialschulkollegium erbittet seitens der Schuldirektionen Berichte über die im Sinne des Erlasses getroffenen Maßnahmen, die in Gemeinschaft mit den Elternvertretungen erörtert werden sollen. Der Minister sehr befremdet... Auf einer von der hündischen Jugend mit dem Motto „W i l l e - W >e g - W e r k" im November vorigen Jahres in Marburg veranstalteten Ausstellung waren Bücher wie die „Protokolle der Weisen von Zion" von Alfred Nosenberg und Henry Fords „Der internationale Jude" in auffälliger Form ausgelegt worden, wobei besonders gehässige Stellen mit Blaustift angezeichnet waren. Den Marburger höheren Schulen wurde der Besuch dieser Ausstellung vor ihrer Eröffnung warm empfohlen. Wir erhoben wegen der verhetzenden Ausgestaltung der Ausstellung Beschwerde beim Preußischen Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung und erhielten den Bescheid, daß er die Bedenken gegen die einseitige Auswahl der ausgelegten Bücher und eines Teiles der gezeigten Bilder durchaus teile. Die Literaturzusammenstellung, die übrigens von einem Vertreter des Bundes „A d l.e r und Falken" vorgenommen worden sei, habe ihn lebhaft befremdet. In künftigen Fällen wird der Minister Vorsorge treffen, daß vor einer Empfehlung der Ausstellung eine Gewähr gegen Mißgriffe gekennzeichneter Art gegeben ist. Die Universum Film A. - G. (Ufa), ihre Produktionen und Theater, werden bekanntlich von der Hugenberg-Gruppe geführt und kontrolliert. Geheimrat Hilgenberg ist Vorsitzender des Aufstchtsrats, Generaldirektor K l i tz s ch vom Verlag August Scherl der maßgebende Delegierte des Aufsichtsrats, und Direktor. Correll ist innerhalb des Direktoriums insbesondere mit der Filmproduktion betraut. Direktor Correll hat verschiedene Produktionsgruppen gebildet, die die Herstellung der einzelnen Filme organisatorisch durchzuführen haben. Eine dieser Gruppen wird von den Herren Bloch und Dr. Rabinowitsch geleitet. Ihnen wurde auch die kaufmännische und künstlerische Leitung des „Weißen Teufels" anvertraut. Die Verantwortung für diesen Spielfilm trug natürlich, wie immer, die Direktion der Ufa, insbesondere Direktor Correll. In dem Film „Der weiße Teufel" spielte, wie wir von absolut zuverlässiger Seite erfahren, Mosjukin, der Hauptdarsteller, seine Rolle ganz nach tatarischem Volkstyp. Unter islamitischer Halbmondfahne kämpft er als kaukasischer Freiheitskämpfer gegen die christlichen Russen. Gerade beim christlichen Osterfest spielt die letzte Kampfszene, in der er verwundet wird. Eine Jdeenverbindung mit dem Gründer der christlichen Religion herzustellen, ist also absurd, zumal der Tote mit der Halbmondfahne seines Volkes zugedeckt wird. Selbst aber, wenn die Rolle des islamitischen Freiheitshelden nicht von vornherein jede Beziehung zum Christus-Haupt im Beschauer ausschließen würde, ist es undenkbar, daß die verantwortliche Leitung der Ufa eine Szene in einem ihrer Filme dulden würde, die als Verhöhnung der christlichen Religion empfunden werden könnte. Im übrigen würde dies aber auch die Filmzensur verhindern, durch die jede Verletzung religiösen Empfindens gesetzlich untersagt ist. Wir möchten den Jüngerinnen des „Bund Königin Luise" daher raten, künftig ihrer Phantasie etwas die Zügel anzulegen und vielleicht zum Ausgleich dafür die Dinge so zu betrachten, wie sie wirklich sind.