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Central-Verein-Zeitung · 1930-04-18 · 16 (18.4.1930) · p. Seite 211

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
16 (18.4.1930)
Date
1930-04-18
Page
Seite 211 (sequence 7)
Language
German
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211 Die Sammlung Sandor Wolf. Ein jüdisches Privatmuseum in Eisenstadl bei Wien. In dem kleinen Eisenstadt bei Wien t gibt es eine bisher wenig bekannte, aber wertvolle jüdische Kunstsammlung: die Sammlung Sandor Wolf, über die es sich lohnt, hier einmal zu berichten. _ Cisenstadt selbst "(im sogenannten „Vurgen- ' land", seit dem Friedensschluß zuUngarn gehörig) bietet manche Eigentümlichkeit. Die alte, fromme Gemeinde lebt dort noch, für sich abgeschlossen, im Ghetto, das aus Tradition am Freitagabend vom „Erub" (Sabbatgrenze) gegen die übrige Stadt abgeschlossen wird. — In dieser Stadt kann die Familie Wolf ihren Stamm- , bäum über 300 Jahre zurückversolgen, manche Urkunde der Sammlung berichtet darüber. Man könnte diese Sammlung im besten Sinne ein „Familienmuseum" nennen. Nicht gesondert für sich und schwer zugänglich, sondern innerhalb der Wohnräume sind ihr einige Zimmer gewidmet. Und gerade, daß dieses Museum den Wohnräumen sozusagen einverleibt ist, macht E litt# " * P* %%' seinen besonderen Reiz aus, dem sich kein Besucher entziehen kann, denn man spürt, wie an jedem Stück Geschichte und Tradition hängt, ohne daß dabei wahllos jedes vorhandene Ding aufbewahrt worden wäre. Die sorgfältige Auswahl verrät den Kunstsinn, mit dem die Sammlung znsammengestellt ist. Davon seien hier einige Proben genannt. Das eine Zimmer, das sogenannte „Schabbeszimmer" mit dem gedeckten Freitag-Abendtisch, enthält außer den schönen Biedermeiermöbeln wertvolle Kultgegenstände. Interessant vor allem die Hängelampe über dem Tisch mit der fägeförmigen Hängevorrichtung, dem barocken Messingschaft und den sternförmig angeordneten Oeltüllen. Im „Silberkasten" fallen silberne Bucheinbände, Thoraschilde und Thoraaufsätze, Psomimbüchsen und andere kunstgewerbliche Kultgegenstände aus, die besonders feine Silberarbeit zeigen. Teilweise sind diese Stücke sogar signiert und datiert. So trägt z. B. eine silberne Schüssel mit der getriebenen Darstellung Simsons mit dem Löwen das Zeichen: „Augsburg 8. B." (aus dem 18. Jahrh.). Daneben ein böhmisches Glas (Pessachglas) von 1760 mit hebräischer Inschrift: „Zur Gesundheit meinem Schwager, dem reichen Rabbi Gerson Segall, Austerlitz." Ein Seder-Aufsatz, der vier Freifigürchen trägt (David mit der Harfe, Moses mit den Gesetzestafeln und zwei segnende Hohepriester) zeigt die Signatur: „8 K 1774". Auch einige Stücke aus der Gugenheimer Sammlung, in Venedig um 1590 gearbeitet, befinden sich darunter. Die Wände zieren Teller mit figürlichen Darstellungen (Darstellung einer jüdischen Hochzeit u. 6.), und da es sich ja um ein „Familienmuseum" handelt, dürfen die alten Familienporträts und Familienandenken, dazu die Photos alter Eisenstädter Häuser, nicht fehlen. Auch in den anderen Zimmern finden sich Stücke von großer Seltenheit. Vor allem die handgeschriebene Urkunde Ferdinands I. von 1530, die die Verordnungen betreffs des „gelben Flecks" enthält und die Ehekontrakte mit den reichen, gemalten Ornamenten (darunter auch einer mit figürlichen Szenen, Frauenakten und Puttis). Zwei Menorahs seien noch erwähnt, die von dem allgemein üblichen Schmuck des Blatt- und Blumenornaments, des Bandlwerks und der Tierdarstellungen abweichen. Die eine Menorah zeigt auf der Nückplatte eine Darstellung des Raubes der Europa, Deianera mit Nessus und dem Medusenhaupt. Dieses Motiv als Rückplatte eines Chanuktaleuchters mutet gewiß eigenartig an und ist wohl nur mit der Freude des Goldarbeiters an figürlichen Szenen überhaupt — wie sie im 18. Jahrhundert häufig waren — zu erklären. Die andere Menorah trägt auf zwei gedrehten Messingsäulen einen Korbbogen mir Muschel und Krone und darunter die Figur eines Pfauen, dessen ausgebreitetes Rad die Rückplatte des Leuchters bildet. Dieser etwas kompliziert gebaute Leuchter dürfte vom Ende des 17. Jahrhunderts stammen. Es ist nicht möglich, jeden einzelnen Gegenstand der Sammlung Sandor Wolfs hier zu erwähnen und zu würdigen, wenn auch noch manches Stück unsere Beachtung verdiente. Aber es bleibe nicht ungesagt, daß die Familie überaus gastfreundlich jeden Besucher und Interessenten empfängt und ihm ihre Schätze gern zeigt; dabei hat man auch Gelegenheit, die reichen prähistorischen und römischen Funde, die Sandor Wolf bei seinen vielfachen Ausgrabungen zutage förderte, zu bewundern, sowie die Sammlung burgenländischer Heimatkunst. Vielfaches Entzücken ruft auch die fast vollständige Sammlung von Briefen, Kleidern, Lorbeeren usw. der einstmals so berühmten Tänzerin Fanny E ß l e r hervor, die hier in Eisenstadt als Tochter eines Dieners des Grafen Esterhazy geboren wurde. Und wenn man voller Staunen und unter anregendem Geplauder durch all die Zimmer gewandert ist, dann frischt ein süß-belebender Ungarwein, der den Besuchern in den riesigen unterirdischen Kellereien bei Fackelschein kredenzt wird, die ermüdeten Geister wieder auf. Erna Stein. Seltene jüdische Ruitgeräte, Rembrandt und Spinoza. Zu dem Artikel „Ein seltenes jüdisches Kultgerät im Berliner Kunsthandel" von Dr. Olga Bl-och in Nummer 8 „C. V.-Zeitung" vom 28. Februar wird uns geschrieben: Sowohl in der Sannum lung K a u f s m a n n (Museum der Berliner Jüdischen Gemeinde) wie auch in der Snkvalgerütsainmlung des Familienblattes findet sich ein ähnliches Merwrah-Uhr-Kompositgerät. Das Kaufsmannsche Exemplar ist allerdings etwas einfacher im Aufbau, es fehlen die blumenkorbtragenden Wappen- Löwen und die Laubumrahmung der Säulen. Dafür finden wir zwei flügelschlagende Vögel, links und rechts von einer Urne symmetrisch ausgebaut. Zwei ebenfalls symmetrisch ausgestellte kleine Urnen bilden den Stützpunkt für zwei Schamoß, die hiervon oben herabhängen und dein ganzen architektonischen Abschluß und die Umrahmung sichern. Was nun aber das Kaufsmannsche Exemplar vor dem anderen, sicherlich reicheren, voraus hat, ist seine betontere Jüdischkeit. Der dekorative Charakter dieses Menorah-Thpus als gleichzeitiger Uhr sichert ihm einen hervorragenden Platz im Raum. Während nun aber bei dem Stück, das Dr. Olga Bloch beschreibt, der dekorative Eindruck vorherrschend ist — das Gestell für die Oellämpchen, die eigentliche Menorah, verbirgt sich schämig und wird nur zum Fest hervorgezogen —, kommen dort aus dem durchbrochenen Untergestell die Oelbehälter, als Tierköpse gebildet, hervor. Sie sichern so diesem Stück nicht nur im Wesen, sondern auch im Habitus seinen Charakter als jüdisches Kultgerät. Schon das Motiv der doppelten Schamoß weist das Kaufsmannsche Stück — etwa um 1800 datierbar — nach Osteuropa. J. Carlebach (Lübeck). Von B. Tucholsky. Trotzdem in der Rembrandt-Forschung über eine Begegnung zwischen Rembrandt und dem jungen Spinoza bisher nichts bekanntgeworden ist, darf angenommen werden, daß der kleine, schon allgemein bewunderte Nabvinatsschüler, der vermutlich in der gerade damals neuen portugiesischen Schule austauchte, bei der Enge der lokalen Verhältnisse in der Amsterdamer Judenstadt, auch dem Maler, der doch nach solchen Erscheinungen eifrig suchte, ausgefallen ist. Die Schristleitung. In Nr. 9 der „C. V.-Zeitung" vom 28. Februar spricht Max O s b o r n in einem schönen Aufsatz: „ R e m b r a n d t u n d d i e I u d e n " über die sichtlichen Beziehungen des Künstlers zu den zeitgenössischen Inden, meistens Marannenflüchtlinge aus Spanien und Portugal. Da Rembrandt im Judenviertel Amsterdams, in der Joden-Breedestraat, lebte, wo sich ein eigenes, fremdartiges Leben abspielte, begegneten ihm die Charakterköpfe, die man auf seinen Bildern steht, wohl täglich. Seit dem Jahre 1639 hatte Nembrandt dem Hause des Vorstandes, Rabbi Saul L e v i M o r - t e r r a, dem Lehrer desjungen Spinoza, gegenüber gewohnt, dazwischen hatte der junge Spinoza gelebt. Es ist leicht möglich, daß diese beiden erhabenen Genies Hollands sich auch persönlich nahestanden. Menorah-Uhr aus der Kauffmannschen Sammlung Seltener Leuchter aus der Sammlung der Berliner Jüdischen Gemeinde

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