Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1930-04-18 · 16 (18.4.1930) · p. Seite 207

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
16 (18.4.1930)
Date
1930-04-18
Page
Seite 207 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2277379-2277676-2277692--05948-2286731
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

207 geißelten, wie sie ihr aus ihrem Leserkreis zugegangen waren. Am 10. Mai 1917 veröffentlichte sie (in Nr. 18) die in dieser Spalte wiedergegebene Verlustliste. Der eingeklammerte, für jeden „deutschen" Den Heldentod fürs Vaterland starben: (Bisher in dieser Zeitung namentlich aufgeführt 3605.) 3606/07 2 Brüder: Neuwied: 16. 4. 17 ins. schwer. Verwund. Musk. i. Ers.-J.-R. 68 Siegfried Sander, 20 I., Sohn v. Samuel S. u. Frau Bertha geb. Nosenthal, beerd. 6* 5. 17 i. N.; ein anderer Bruder ist früher gefallen. Herr S. hat seine beiden Söhne geopfert. 3608/19 Berlin: 18. 4. 17 Siegbert Cohn, 19 I., einz. Sohn v. Eire C. u. Frau Berta geb. Kopp, Christburger Str. 5; Mitarb. d. Fa. Benno Norden. — 14. 4. Ldstrm. Hermann Hausen, 32 I., Wwe. Margarete H. geb. Steppat, Grüner Weg 44. — 19. 4. 17 Grenad. Richard Händler (sein Bruder Paul seit Nov. 1914 vermißt), S. d. Wwe. Minna H., Wi'lmersdorfer Str. 72, Mommsenstr. 30. — 22. 4. 17 ins. schwer. Verw. i. Sept. 1915 Gren. Arthur Jacobi, beerd. 6. 5. mitt. 12 Uhr i. Weißensee. — 22. 4. i. Felde Kan. Hans Lichtwitz, 19 I., Bruder d. Fr. Else L.-Harzgerode, Mitarb. d. Fa. Eisner u. Kirchheim. — Fritz Loewe, 20 I., Angest. d. Fa. Heinrich Stern & Co. — 25. 4. Grenad. Sally Mareussohn, 41 I., Wwe. Marie M. geb. Loose, Ebertystr. 35, Mitarb. d. Fa. Carl Holz, Leipziger Str. 76. — 22. 4. i. Laz. Altena ins. e. i. Felde zugezog. Lungenentz. Unterosfz. Bankier Arthur Rothschild, 43 I., R. d. E. Kr. Nr. 8657, Sohn d. Wwe. Cäcilie R. geb. Rothschild. Leser eindeutige, unmißverständliche Satz erscheint in Baumanns „Zitat" frei u m g e - dichtet in den Satz: „bis zu diesem Tage gefallen usw. 3131 Juden", so frei umgedichtet, daß vom originalen Wortlaute des Satzes nur eine einzige Silbe (bis) übrig geblieben ist, dafür aber durch den abgeänderten Wortlaut der Anschein erweckt wurde, als handle es sich um Angaben einer Gesamtstatistik des „Jüdischen .Ausschusses für Kriegsstatistik". Sogar die „bisher in dieser Zeitung a u f g e f ü h r t e" Ziffer 3605 (deren Fortsetzung in derselben Nummer vom 10. Mai 1917 bis zur Verlustzifser 3640 gelangt) ist um ged ichte t in die Verlustziffer 3131, also vermindert um 474 Verluste. Die für den 10. Mai 1917 von Baumann angeführte Ziffer 3131 war in der „Jüdischen Volkszeitung" bereits am 16. November 1916 (Jahrgang 22, Nr. 45) erreicht, also fast sechs Monate früher als angegeben, und herausgerisfen mitten aus der Liste Nr. 3124—3154. Die Behauptung des Herrn Major a., D.: „Nach der jüdischen Volkszeitung' vom 10. Mai 1917 waren bis zu diesem Tage gefallen usw. 3 131 Juden" erweist sich sonach d u r ch Aussage des von ihm selbst angeführten Kronzeugen als Unwahrheit. 3. Die letzte Veröffentlichung der „Jüdischen Volkszeitung" erfolgte am 16. November 1918 (Jahrgang 24, N. 46) und lautet: Den Heldentod fürs Vaterland starben: 5825/7 (Brest. 330). 7. 11. i. W. i. e. Kr.-Laz., Unterofs. i. e. F.-A.-R., Jaques Grünfeld, 22 I., n. f. 4j. trst. Pflerf., an d. F. e. heimt. Krankt)., Pflegesohn v. Max Fuchs u. Fr. Erna geb. Gr., K.-Wilh.-Pl. 1, Angest. d. Met. Hüttenw. Schaefer & Schael. Ans der Provinz: Rosenberg O.-S.: 13. 10. i. F. an ht. Kr. Max Böhm, 21 I., S. v. Moritz B.; Schönlanke: 4. 11. i. Res.-Laz. Stettin n. k. sch. Krankh. Ldstrm. Siegm. Nosenberg, 39 I., Wwe. Cläre geb. Fleischer; Posen: Nach 4j. trst. Pflichterfüllung im Felde verschied, wie bereits gemeldet, in einem Kriegslazarett an den Folgen e. Grippe Rechtsanwalt Sr.; Max Theodor, Leutnant der Res. und Batterieführ., Inhaber des E. K., im 32. Lebensjahre, Sohn des Gem.- Nabb. Dr. I. T. in Bojanowo. — Ein kerniger Soldat und begeisterter Patriot, Hot er seit Anfang des Kr. auf verschiedenen Kriegsschauplätzen dem Vaterlande mit hingebender Treue gedient, bis er ein Opfer des grausigen Weltenbrandes wurde. Ein Mann freudigster Lebensbejahung und liebenswürdigsten Humors ist dahingeschieden. Aufrecht und vornehm im Wesen und Wirken, klug und besonnen im Denken u. jurist. Arbeit, versprach er, ein hervorragendes Glied der Pos. Anwaltschaft zu werden. Die Rechtsanwälte beim Landgericht hat die Nachricht von dem Tode tief erschüttert. Nur eine kurze Zeit der gemeinsamen Berufstätigkeit hatte ihn mit ihnen verbunden, als ihn zu Beginn des Krieges die vaterländische Pflicht aus der heimatlichen Wirkungsstätte ins Feld rief. Schon in diesen wenigen wenigen Monaten haben seine Berufsgenossen die vornehme Auffassung von den Pflichten und Rechten des Standes, seine wahrhaft kollegiale Gesinnung und Betätigung schätzen gelernt. Ein ehrenvolles Andenken bleibt ihm gesichert. Baumann aber errechnet — auf Grund von angeblichen, aber tatsächlich umgedichteten Mitteilungen derselben Zeitung vom 10. Mai 1917 — einen Gesamtverlust von rund 4700, also 1127 Verluste weniger als die von ihm angeblich benutzte Quelle. — Am 19. November 1918 starb der Herausgeber und Schriftleiter der „Jüdischen Volkszeitung", Dr. Louis Neustadt, in Breslau, und infolgedessen sind weitere Veröffentlichungen unterblieben. Wäre dem Genannten eine längere Lebenssrist vergönnt gewesen, so hätte er sicherlich die Veröffentlichung seiner Verlustlisten auf Grund von Mitteilungen aus seinem Leserkreise fortgesetzt unb eine noch höhere Endziffer erreicht. Die Behauptung des Herrn Major a. D.: „So ergibt eine genaue Berechnung einen Gesamtverlust von rund 4700" („u n d das i st ho ch g e r e ch n et" n a ch dem Wortlaut seines Artikels v o m 25. N o - v e m b e r 1 9 2 7) e r w e i st sich sonach d u x d) A n s s age des von ihm selb st angeführten Kronzeugen als Unwahrheit! So hat dev Herr Major sich gestellt! Er hat sich — wie anzunehmen ist, von Haß geblendet — auf den Boden einer durch Quellenf ä l s ch u n g entstandenen Parteilegende gestellt und auf demselben ein Phantasiegebäude von Zahlen aufgerichtet, das nun durch einen unanfechtbaren Nachweis des Tatsachenbestandes Zusammengebrochen und hinabgesunten ist in das Nichts, aus dem es aufgetaucht ist. Und ein solcher Unwahrsager wagt es am Schluffe seines Schmäartikels fettgedruckt zu erklären: „Es ist zahlenmäßig (!) erwiesen, daß die wehrpflichtigen Juden im Weltkriege das deutsche Volk schmählich im Stich gelassen haben und sich mit wenigen Ausnahmen schamlos gedrückt haben. Allein schon deswegen haben die Juden in Deutschland das Heimatrecht für immer verloren." Darauf müssen wir ihm erwidern: Baumänner, die sich durch Verbreitung von ehrschänderischen Unwahrheiten über ihre toten Kameraden als Umsturzmänner betätigen, hatten nie ein Heimatrecht im Reiche des deutschen Geistes. Dr. A. Eckstein, Rabbiner i. R. (Bamberg). Weihbischof schreib» verteidigt dar Alte Testament Eine gute Lehre für Herrn Zrick. Der nationalsozialistische thüringische Jnnen- und Volksbildungsminister F r i ck hat bekanntlich im Gesetzgebungsausschuß des Thüringer Landtags vorgeschlagen, daß mit der Kirche und der Lehrerschaft Verhandlungen einzuleiten seien, um im Lehrplan für den Religionsunterricht die alttestamentlichen Stoffe stärker in den Hintergrund zu rücken. Der „Nationale Sozialist" billigt natürlich dieses Vorgehen des parteigenössischen Kultusministers, da „der jüdische Geist des Alten Testaments mit dem Geist des Christentums aber auch nichts gemeinsam" habe. In der „Standarte" vom 5. April lesen wir in einem Aufsatz des Berliner Weihbischofs Dr. Ch ristian Sch reibe r: „Gegen den A n t i ch r i st" nachstehende Ausführungen, die uns jeder Polemik mit Herrn Fr ick entheben. „Nur e i n Wert ist gewiß, der Wert des auf Gott eingestellten Glaubens und der an Gottes Gesetz orientierten Sittlichkeit. Wenn diese Ideen und Kräfte hineingetragen werden in die weltlichen Mächte, dann, aber nur dann leisten letztere den Dienst an Staat, Volk und Menschheit, den das Leben in seinen unveräußerlichen Beziehungen zu Gott von ihnen verlangt. Deshalb muß hier wie überall der Idee der Gottlosigkeir — der Antireligion — die Idee der Religion bewußt entgegengesetzt werden. Diese Idee der Religion muß so überragend gestaltet werden, daß darüber alle kleinen irdischen Gegensätze endlich verschwinden. Noch mehr: innerhalb derer, die sich zu dieser religiösen Einheitsfront znsammenschlietzen, müssen die konfessionellen Befehdungen aufhören! Nicht nur Zwischen Protestanten und Katholiken. Auch der gottgläubige Jude gehört in die große Einheitsfront des Glaubens gegen den Unglauben. Wir dürfen nicht vergessen, daß das alttestamentliche Judentum der Welt das Grundlegende in der Religion vermittelt hat: den Glauben an den einen Gott und die Ehrfurcht vor Gottes zehn Geboten."

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.