Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 16 (18.4.1930)
- Date
- 1930-04-18
- Page
- Seite 206 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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m MERAN Continental-Hotel A **■“**** »!> Modernstes Familienhaus I.Ranges m.letztem Komfort. An der Promenade. Massige Preise feit3 4). Nun heißt es in Baumanns Ausfällen folgendermaßen: „Für die deutschen Leser möchte ich bemerken, daß die von Eckstein aufgesührten 1090 zweifellos gefallen oder gestorben sind. Ich habe aber nicht den geringsten Zweifel, daß sie nur zu einem Teil für Bayern gerechnet werden können; denn ganz sicher haben sie überwiegend in nichtbayerischen Truppenteilen gestanden. Und das würde stch Herausstellen, wenn die namentliche Lifte die Truppenteile nennen würde. Daher die hartnäckige Weigerung der jüdischen Seite, diese bekanntzugeben." Obgleich diese kritischen Bemerkungen nur für den „deutschen" Leser gemacht sind, möchte ich doch für den deutsch verstehenden Leser gegenbemerken, daß in diesen Ausführungen eine Begriffsverwirrung enthalten ist, auf die ich bereits in meinem zweiten Artikel aufmerksam gemacht habe. Bevölkerungszugehörigkeit und Heereszugehörigkeit stimmen für Bayern in der Regel überein, find aber inhaltlich nicht sich deckende Begriffe. Ob ein mit Angabe des Wohnortes genannter Kriegsteilnehmer auch tatsächlich bei Kriegsausbruch ortsansässig war und zur bayerischen Landesbevölkerung gehörte — das einzige hier in Betracht kommende Kriterium —, ließe sich durch Nachforschung bei den Einwohnermeldeämtern sehr leicht nachprüfen. Und doch behauptet Vaumann, die Angabe des Truppenteils sei „die einzige Möglichkeit der Überprüfung" und fährt fort: ... „deshalb kann auch das Angebot des Herrn Eckstein, sein ganzes Material durch bayerische Archivare überprüfen zu lassen, nur als ,Blufst bezeichnet werden, der nur auf Harmlose' Gemüter eine Wirkung haben kann." Wenn Baumann, ein gewiß nicht harmloser Judenfeind, davon überzeugt ist, daß ich in meiner Verlustliste sozusagen eine deutsche Reichsanleihe jüdischer Kriegsverluste ausgenommen habe, warum hat er mein Anerbieten nicht angenommen und damit die Gelegenheit benutzt, um durch einen Wahrspruch der Sachverständigen meine Statistik als eine Fälschung ex eatkeckra verurteilen zu lassen? Oder hält er sämtliche bayerischen Archivare und Geschichtsforscher für „harmlose Gemüter", die sich durch ein Machwerk bluffen lassen? Antwort: er will keine Nachprüfung, weil er sich vor der Wahrheit fürchtet. Darum klammert er sich an die Truppenteile, wie ein Ertrinkender an einen Strohhalm. Wir werden ihm aber auch diesen Strohhalm aus der Hand nehmen. Die Bundesleitung des R. I. F. wird in der von ihr beabsichtigten Veröffentlichung einer Gesamtverlustliste für das deutsche Reichsgebiet die bayerische Ver - X u ft I i ft e gesondert abdrucken und bei dieser Gelegenheit aus Grund behördlicher Akten — soweit feststellbar — auch die Truppenteile und Geburtsorte ergänzen. Es wird sich daraus Zweifellos ergeben einerseits, daß die allermeisten der bayerischen Verlustliste auch in bayerischen Truppenteilen gedient hatten, und daß anderseits eine beträchtliche Anzahl von jüdischen Kriegsteilnehmern, die in bayerischen Truppenteilen gedient haben und gefallen sind, in meiner bayerischen Verlustliste nicht angeführt sind, weil sie nach meinem grundsätzlichen Verfahren statistisch nicht für Bayern mitzuzählen sind*). Ich bin aber überzeugt, 3) Dasselbe Verfahren der Anknüpfung an den letzten Wohnort befolgte S e g a l l in seiner Gesamtstatistik und wird von Professor Silbergleit, Direktor des Statistischen Amtes der Stadt Berlin, in seinem Vorwort S. 6 als „zweifellos das gegebene" bezeichnet. 4) Aus meiner Verlustliste müssen gestrichen werden: Lilienfeld, Hellmut (S. 101), der zu Berlin, und Simon, Fritz (S. 111), der zu Mannheim gehört. Gesamtziffer 1088 für Bayern X 11,16 12 142 Mindeftzifser der jüdischen Gesamtverluste im Reiche ehemaligen Umfangs. Danach sind die Ziffern auf S. 38, 64, 76, 119 und 120 meiner Schrift zu berichtigen. daß Baumann auch dann der Wahrheit nicht die Ehre geben wird. Gegen parteipolitische Besessenheit kämpfen Götter selbst vergebens. II. Nun aber nach diesem Geplänkel zum Waffengang für die Ehre unserer Verklärten, die für die Ehre des deutschen und jüdischen Namens ihr junges Leben geopfert haben! Der Major a. D. hat sich „gestellt" und den Mut gehabt, einen Mann im Greisenalter mit dem Tone sittlicher Entrüstung zu fragen: „Wo bleibt die Wahrheitsliebe, Herr Rabbiner?" Um diese Frage beantworten zu können, muß man erst die Vorfrage beantwortet haben: W a s ist die Wahrheit? Da es sich im vorliegenden Falle nicht um Fragen der Weltanschauung handelt, sondern um objektiv nachweisbare Tatsachen, wird diese Pilatus-Frage überzeugend und unanfechtbar beantwortet werden können, wenn wir den Zeugen zitieren und aussagen lassen, den der Gegner selbst als seinen Kronzeugen angerufen hat, und das ist die „Jüdische V o l k s z e i t u n g". Er behauptet nämlich folgendes: „Nach der ,Jüdischen Volkszeitung' vom 10. Mai 1917 waren bis zu diesem Tage gefallen usw. 3131 Juden; nimmt man an, daß die Juden im letzten Drittel des Krieges sich noch im gleichen Maße an der Kampffront befanden wie vorher — was bekanntlich nicht der Fall war, da sie sich zuletzt fast restlos gedrückt hatten —, so ergibt eine genaue Berechnung einen Gesamtverlust von rund 4700 anstatt eines Solls von 19 000; also nicht einmal der vierte Teil des Solls ist erreicht." ^) Baumann fügt noch hinzu, was ich angeblich mit Absicht verschwiegen hätte, daß die „Jüdische Volkszeitung", das „Organ" des „Jüdischen Ausschusses für Kriegsstatistik" war, der sich gleich bei Kriegsbeginn gebildet hatte, um die jüdischen Kriegsleistungen möglichst bekanntzumachen. Ist das die Wahrheit, Herr Major? * Ich mache Zunächst daraus aufmerksam, daß Baumann in seinen beiden Artikeln vom Jahre 1927 und 1929 den Erscheinungsort der von ihm als-Quelle zitierten „Jüdischen Volkszeitung" verschwiegen hat. Aus welchem Grunde? Mir selbst — und wohl den meisten Lesern der „C. B. - Zeitung" — war Name und Dasein dieser seit Jahren entschlafenen Zeitung erst durch Baumanns Artikel bekanntgeworden, und ich hatte gutgläubig angenommen, das „Zitat" Baumanns wäre quellengemäß richtig gewesen. Eine Nachprüfung des Sachverhalts hat aber das überraschende Ergebnis gezeitigt, daß Baumanns Angaben von A bis Z aus Unwahrheit beruhen. Hier ist der. Tatbestand: 1. Nach Ausbruch des Krieges erließ der „Verband der deutschen Juden" gemeinschaftlich mit dem Centralverein einen in den jüdischen Zeitungen veröffentlichten Aufruf „An die deutschen Juden", aus welchem manchem Leser noch die Worte erinnerlich. sein werden: „Glaubensgenosien! Wir rufen euch auf, über das Maß der Pflicht hinaus eure Kräfte dem Vaterlande zu widmen. Eilet freiwillig zu den Fahnen! Stellet euch durch persönliche Hilfeleistung jeder Art ... in den Dienst des Vaterlandes!" Diesen Ausruf veröffentlichte auch die in Breslau damals erschienene „Jüdische Volkszeitung"3) in ihrer Nummer vom 5) Die phantasievolle Aufmachung über Soll und Haben der jüdischen Kriegsverlufte hat der völkische „Statistiker" bereits in seinem Artikel vom 25. November 1927 im „Völkischen Herold" (47. Folge, 4. Ihrg., S. 187) veröffentlicht; nur heißt es daselbst: „Und das ist hoch gerechnet! 4700 gegenüber 17 575 Soll." Infolge bedauernswerter Gedächtnisschwäche hat er also diesmal — zwei Jahre spater — den Juden die ansehnliche Zulage von 1425 Soll gespendet! v) Ihre Fortsetzung erscheint seit Ende Februar 1924 - als „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland" in Breslciu. 7. August 1914. Daraus Bezug nehmend veröffentlichte dieselbe Zeitung in ihrer Nr. 33 vom 14. August (Jahrgang 20) folgende „Bekanntmachung"'). IW* Wie unsere Leser bereits aus der Bekanntmachung des „Verbandes der deutschen Juden" (in vor. Nr.) wissen, ist es eine nationale Pflicht, alles Material zu sammeln, was aus den Anteil unserer Soldaten im Heere Bezug hat. Wir bitten deshalb unsere Leser, uns alles darauf Bezügliche fortgesetzt mitzuteilen. In Betracht kommen: 1. Die Namen der Soldaten mit Angabe von Regiment und Standort, Verwundungen, Todesfälle. 2. Taten der Tapferkeit im Felde, 3. Auszeichnungen und Beförderungen, 4. Teilnahme an dem Nationaldienst zur Pflege verwundeter Krieger und Unterstützung der Hinterbliebenen, 5. Sonstige interessante Vorgänge in Krieg und Frieden. Zunächst soll das Material geammelt werden. Die Veröffentlichung ann erst allmählich erfolgen, wie es Zeit und Umstände und die gebotene Rücksicht aus die Sicherheit unseres Heeres erfordert. Jüdische Volkszeitung. In derselben Nummer bereits erschien eine erste Verlustliste, eingebettet mit den Worten: „Die erste amtliche Verlustliste bringt Angaben über Verluste unserer Truppen, die gegen Rußland und Frankreich kämpften. Von jüdischen Soldaten, welche dein 5. und 6. Armeekorps angehören, scheinen davon zu sein (folgen vier Namen): Nähere Angaben sind uns erwünscht. Daraus ergibt sich für jeden „deutschen Leser", daß die bezüglichen Mitteilungen der „Jüdischen Volkszeitung" aus ihrem Leserkreis stammten, privatim und gelegentlich, aber durchaus nicht authentisch waren. Das wird auch durch folgendes Auskunstsschreiben des Dr. Jakob S e g a! l, Leiters des „Ausschusses für Kriegsstatistik" (der Juden), vom 21. Dezember 1929 bestätigt: „Ich beehre mich Ihnen mitzuteilen, daß der Ausschuß für Kriegsstatiftik, welcher bald nach Kriegsausbruch begründet worden ist, kein Organ zur Veröffentlichung seiner Ermittlungen besessen hat. Es war im Gegenteil beschlossen worden, solange von einer Publikation abzusehen, bis das gesamte Material Anspruch auf Vollständigkeit und Zuverlässigkeit machen konnte. Die Erhebungen begannen anfangs des Krieges und dauerten den ganzen Krieg an und wurden noch nach dessen Beendigung der Kontrolle halber weitergeführt. Mit der „Jüdischen Volkszeitung" hatte der Ausschuß überhaupt keine Beziehung." Die Behauptung des Herrn Major a. D., daß die „Jüdische Volkszeitung" das „Organ" des „Jüdischen Ausschusses für K r i e g s st a t i st i k" gewesen i st u n d als solches „dessen Veröffentlichung" offiziell mitge teilt habe, erweist s i ch s o n a ch durch Aussage des von ihm selb ft angeführten Kronzeugen als Unwahrheit! 2. Die „Jüdische Volkszeitung" veröffentlichte seit dem 14. August 1914 fortlaufend jüdische Kriegsverluste mit Hinzu fügung von persönlichen Ein- O Die eingerahmten Bekanntmachungen sind wortgetreue Wiedergaben der uns in der Photographie vorliegenden „Jüdischen Volkszeitung". Die Schriftleitung