Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 16 (18.4.1930)
- Date
- 1930-04-18
- Page
- Seite 205 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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[ttitrat lmiw Qlötttr für ^nlfdttwn und Judentum. Serlin, IS.flprill-3- IX. Jahrgang * Ar. 16 Einzelnummer LS Pfennig - Bierteliahrsabonnement 2,50 RM. (zuzUgl. Bestellgeld). ' Hrgan -es tentralVereiusöeutfckerF^ ötaatsbürgerlü-ifeden ölaubens e.V. AUtzsnnsins des 9udsmtüms Verlag und Schriftleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3894, 3593. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube G, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt - Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JtJl fUr die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 Ml, die 62 mm breite Reklamezeile 3,50 tfJL Die antisemitische Kriegsverluststalistil beruht auf falschen Quellen. „Zremörasfig." Eine Sitte an Herrn Minister §rick. In Ihrem neuesten Erlaß gegen die Jazzkultur, die mit dem Judentum so viel zu tun hat wie Goethe mit dem Nationalsozialismus, und die von sicher nicht weniger jüdischen Deutschen mindestens so stark abgelehnt wird als von christlichen Deutschen, gebrauchen Sie doppelsinnig den Ausdruck „sremdrassig". Als Vorkämpfer deutscher Wahrheit und Klarheit werden Sie sich nicht lange bitten lassen und klarstellen, was'Sie darunter verstehen. Der Begriff „fremdrassig" fehlt in der deutschen Reichsverfassung. Sie meinen daher für die Reichsregierung und für Ihre Thüringer Freunde aus der Deutschen Volkspartei sicher die Neger, für Ihre Parteifreunde aber und für die Versammlungen der Streicher und Goebbels, der M tt n ch m e y e r und ähnlicher edler Vorkämpfer meinen Sie mit dem Ausdruck im Sinne des Absatz 4 Ihrer Forderungen: „Kein Jude kann Volksgenoffe sein" uns jüdische Deutsche. Dieses allzu listige Spiel mit Worten ist für Sie, sehr geehrter Herr Minister, nicht sehr ehrenvoll. Sagen Sie klar heraus, was Sie meinen, damit man an dem Wort eines deutschen Ministers nicht drehen und deuteln kann. Die Idee des Sabbats. Von Dr. Max Golde. 5. 209 Die Sammlung Sandor Wolf. Von Erna Stein (Breslau). S. 211 Buchbesprechungen. Rabbiner Dr. Hahn (Essen). Prof. Dr. W. Kinkel (Giessen). Dr. H. Levy (Eberswalde). Dr. A. Wiener u. a. m. Der nachfolgende Aufsatz von Rabbiner Dr. A. Eckstein (Bamberg) ist uns bereits vor mehreren Monaten zugegangen. Er konnte aber aus technischen Gründen, ohne Verschulden des Verfassers, nicht früher zum Abdruck gelangen. Die Schriftleitung. „Greif nicht in ein Wespennest, doch wenn du greifst, dann halte fest!" Dieser aus dem Weisheitsschatze des Volksmundes entnommene Spruch über die Methode der Behandlung von Wespen in Menschengestalt bestimmt und leitet meinen Entschluß, zu einem dritten und letzten Waffengang gegen den fortgesetzten Versuch der Wahrheitsverdunkelung und Legendenbildung in die Arena der Öffentlichkeit zu treten. lieber die nähere Veranlassung muß folgendes vorbemerkt werden: In Nr. 6 „C. V.-Zeitung" vom 8. Februar 1929, S. 71, habe ich einen Artikel veröffentlicht, in welchem ich das Anerbieten .machte, die in meiner bayerischen AbwehrschriftJ enthaltene Statistik der israelitischen Feldzugsteilnehmer in Bayern, insbesondere deren Verlustliste (Beilage VI), deren Richtigkeit ein indirekter Beweis ist für die Zuverlässigkeit der von Jakob S eg all zusammengestellten GesamtstatistrkJ, durch ein Kollegium von sachververständigen Gelehrten (bayerischen Staatsarchivaren und Geschichtsforschern) nachprüfen zu lassen und demselben zu diesem Zwecke das gesamte Quellenmaterial zur Verfügung zu stellen; Herrn Major a. D. B a u - mann (Fronloh in Oberbayern), Heroldsamtmann des Tannenbergbundes-Süd, habe ich am angeführten Orte öffentlich aufgefordert, von diesem Entgegenkommen gefäHt^ft Gebrauch zu machen und mir entweder oie von ihm behaupteten „Vertuschungsmanöver" nachzuweisen, oder, wenn ihm das nicht gelingen sollte, der Wahrheit öffentlich die Ehre zu geben. Als diese öffentliche Herausforderung unbeantwortet Meb, habe ich in Nr. 25 vom 21. Juni 1929, Seite 331 dieser Zeitung unter der Ueberschrift: „Wo bleibt die Antwort, Herr Major?" einen zweiten Artikel veröffentlicht, in welchem ich seine inzwischen im „Völkischen Beobachter" vom 16. März 1929 geäußerte Bezweiflung meiner wissenschaftlichen Ehrlichkeit und seine daselbst gemachten geringfügigen Beanstandungen *) „Haben die Juden in Bayern ein Heimatrecht?" 2. verbesserte Auflage. 1929, Philo-Verlag, Berlin. s) „Die deutschen Juden als Soldaten im Kriege 1914-1918." Philo-Verlag, Berlin. meiner bayerischen Verlustliste als unbegründet zurückgewiesen, habe. Nachdem dieser zweite Artikel auch in der Monatsausgabe der „C. V.-Zeitung" (Juni 1929, Seite 43) veröffentlicht war, erhielt ich von Herrn Major a. D. Baumann eine Zuschrift vom 17. Juli 1929 folgenden Inhalts: „Soeben lese ich Ihre Ausführungen: ,Wo bleibt die Antwort, Herr Major?' Es ist für mich von Belang festzustellen, ob Sie in der nächsten Mvnatsausgabe der ,C. V.-Zeitung' mitteilen werden, daß ich mich sofort gestellt habe, nachdem ich von Ihren Ausführungen Kenntnis erhalten hatte." Wir verständigten uns dahin, daß diese feierliche Anerkenntnis seines sofortigen Sichgestellthabens erst bei der heute gegebenen Gelegenheit erfolgen solle. In einer Zuschrift vom 4. August 1929 gab ich noch der Hoffnung Ausdruck, „daß unsere Fehde nur mit sachlichen Gründen und in vornehmen Formen ausgefochten werde." Etwa 3lL Monate danach hat der Herr Major a. D. sich — ausgerechnet kurz vor den bayerischen Stadtgemeindewahlen — zu ritterlichem Kampfe gestellt und im Beiblatt Nr. 272 des „Völkischen Beobachters" vom 23. November 1929 einen Schmähartikel veröffentlicht, der, abgesehen von seinem sachlichen Teile und einem Beisatz von witzelnder Mauschelei, eine hochgeschwollene Flut von Beschimpfungen über mein Haupt und von Verleumdungen über die wehrpflichtige deutschjüdische Jugend ausgießt. Mit einem militärischen Bilde ausgedrückt: der Artikel ist eine Kanonade, welche die Schwäche seiner Position nicht maskiert, sondern noch mehr offenbart. Da es unwürdig wäre und mir unmöglich ist, auf den Tiefstand seiner Kampfsorm herabzusteigen, beschränke ich mich aus das Sachliche und Tatsächliche. I. lieber den leitenden Gesichtspunkt, von dem ich bei Anlage und Durchführung meiner Statistik ausgegangen, heißt es klar und eindeutig auf Seite 78 meiner Schrift: „In dieser Statistik sind nur reichsdeutsche Staatsangehörige, die beim Ausbruch des Krieges in Bayern ansässig waren, gezahlt worden." Maßgebend war also — wie bei einer Volkszählung — die bayerische Ortsansässigkeit oder die bayerische Bevölkernugszugehörig-'