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Central-Verein-Zeitung · 1930-04-11 · 15 (11.4.1930) · p. Seite 196

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
15 (11.4.1930)
Date
1930-04-11
Page
Seite 196 (sequence 12)
Language
German
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m Freudenstadt m Schwarzwaldhotel Waldlust 1 Qitv /vW' I Golfplatz geöffnet | Deshalb sind die Träger des Rassenantisemikismus überzeugt, durch ihre Zugehörigkeit zur „nordischen Rasse" bereits eine Vorzugsstellung zu besitzen. Der Rassehochmut ist also eine Krankheitserscheinung, eine auf Minderwertigkeitsgefühlen beruhende Neurose. - Aus dem pathologischen Charakter des Rassenantisemitismus erklärt sich nach K u t t - n e r der Zwiespalt, daß der Jude für den Rassenfanatiker zugleich ein verächtliches und ein höchst überlegenes Wesen ist. Der gleiche Jude, der nach der Theorie der Rassenfanatiker unbegabt, minderwertig und lächerlich ist, erscheint ihm auf der Seite als ein dämonischer Widersacher, der die ganze Weltgeschichte zu lenken vermag. Der Antisemit legt dem Juden eine ans Wunderbare grenzende Allmacht zu. — Diesen Widerspruch erklärt Kuttner als erneuten Beweis für das Krankhafte des Rassenantisemitismus: der aus dem Gleichgewicht geratene, disharmonische Mensch sieht' seine Gegner bald mikroskopisch klein, bald über jedes Maß gesteigert. Kuttner wirft die Frage aus, warum der Rassefanatismus seine negative Seite, also die Verachtung, gerade gegen die Juden kehrt. „Warum," so^ fragt er, „tritt gegenüber der Judenverachtung die rassemäßige Verachtung sonstiger Fremdrassen, der Franzosen, Polen, Tschechen, ja sogar der Neger und noch tieserstehender Nassen durchaus in den Hintergrund?" — Der Hauptgrund liegt darin, daß der Geltungssüchtige einen bequemen Ausgleich seiner Minderwertigkeitsgefühle jederzeit „greifbar" haben muß. Der Jude, der im Lande wohnt, bietet ein „Objekt", idem man stets und auf vielfache Weise seine Verachtung zeigen kann. Ein zweiter Grund ist nach Kuttner die Feigheit, die für solche Neurosen charakteristisch ist und die sich in Ueberfällen auf jüdisch aussehende Passanten, „Kneifen" vor Gericht, Friedhofsschändungen und dergleichen äußert. Gegen Neurosen gibt es nur ein Mittel: man muß sie dem Patienten bewußt machen. Denn der Erkrankte kennt seinen wahren Zustand nichts sein Geltungsbedürfnis hindert ihn an der Einsicht in sein tieferes Ich. Diese Selbsterkenntnis zu fördern, ist die Absicht der Schrift Erich K u t t n e r s. Allerdings weiß er, daß dies Bemühen erfolglos sein muß bei denen, die aus ihrer Neurose Nutzen zu ziehen, die sie zum Mittel der Beherrschung ihrer Umwelt zu verwerten wissen. Aber er hofft, daß den vielen anderen vielleicht zu Helsen ist, wenn man ihnen ihren Zustand bewußt macht. Deshalb fordert Kuttner — im Sinne des griechischen Philosophen Sokrates — auch von den Rasscnantisemiten S e l b st e r k e n n t n i s. 8. W. Jaeger. Dr. Emil Schorsch: Die Lehrbarleit der Religion. Friedrich Manns pädagogisches Magazin, Langensalza, Hermann Bester n. Söhne, 1929. Die Arbeit entstammt dem Seminar des Tübinger Pädagogen Oswald K r o h, der sie auch mit einer Vorbemerkung versehen hat. Das vielumstrittene, praktisch wie theoretisch wichtige Problem wird hier nicht induktiv, auf der Grundlage ersahrungsmäßig gewonnener Tatsachen, behandelt, wie wir es ans der neueren Religionspshchologie gewohnt sind, sondern deduktiv, svrmallogisch. — Wenn der Verfasser von der Lehrbarkeit der Religion spricht, so denkt er selbstverständlich nicht an Uebermittlnng des religiösen Lehr- und Lernstoffes, sondern an Entzündung und Erweckung religiösen Lebens durch ein Individuum oder eine Gemeinschast. Er kommt zu dem Hauptergebnis, daß die Möglichkeit der Lehrbarkeit gegeben ist, aber einerseits nur durch Persönlichkeiten bzw. Gemeinschaften, die von religiösem Leben voll erfüllt sind, während anderseits eine innere Not die günstigste Bedingung ist. Aber „die Wahrscheinlichkeit, daß Religion gelehrt werden kann, ist viel geringer als die Wahrscheinlichkeit der Ueberlieserung aller anderen Ueberlieserungsgüter". — Eine kritische Stellungnahme zu der Untersuchung würde den Rahmen überschreiten, der einer fachwissenschastlichen Auseinandersetzung bnrdf> den Charakter dieser Wochenschrift gestellt ist. Dr. H. Stern. Regelmässige Eil- und fjdHlISICil Postdampferdienste nach AESYPTEN PALÄSTINA SYRIEN KONSTANTINOPEL GRIECHENLAND SCHWARZES NEER Wöchentl. Eilluxusdiensft Genua - Aegypten mit den Luxusdampfern „Esperia” und „Ausonia”* Auskunft — Prospekte — Buchungen durch; Deschita Deutschland-Schweiz-Italien Reise- und Transport-A.-G. Berlin, Unter den Linden 54/55 Stuttgart, Friedrichstrasse 56B und sämtliche Reisebüros« ERICH KÜHNER, M.d.l. Pathologie des Rassenantisemitismus mit einem Vorwort von Ministerialrat Dr. Beyer ist soeben erschienen Aus dem Inhalt: Die Eitelkeifsneurose Das Trauma von 1918 Die Abneigungsneurose Die Phobie der Rassenneurotiker Feigheit Führereitelkeit Die Verlogenheit 3% 5., brosch. M. 0,50 Philo Verlag und Buchhandlung G.m.b.H. Dönhoff 3595 / BERLIN / Undenstr.13 Empfehlenswerte Unterrichtsanslalten und Pensionate Abitur, Obersekunda. Vormittag-, Abendschule. Private Vorbereitungs» anstatt. Direktor DanzigSt, Berlin, Alte Jakobftr. 124. Wiesbaden/ Mrttnstr.7 Pensionat Hermine Wolff Wissenschaftliche, häusliche und gesellschaftliche Weiterbildung. Ausländerin im Haufe. Näheres durch die Vorsteherin. Telephon 825 Hohe Straße 9 Spezialinstitut für alle Erziebunkis. u. EümWwittigkMir auf völlig neuzeitlicher Grundlage. Herrliches Anwesen in Coburgs schönster Höhenlage. Großer Park. Sport. Gymnasium und Oberrealschule am Platze. Eigene Vorbereitungsklassen. 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