Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1930-04-11 · 15 (11.4.1930) · p. Seite 197

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
15 (11.4.1930)
Date
1930-04-11
Page
Seite 197 (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2277379-2277676-2277691--05938-2286720
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

8 entity mentions

Das Stiftungsfest -er Soncino-Gesellschaft. Das Stiftungsfest der Soncino-Gesellschaft begann am Sonnabend, dem 29. MärZ, mit einem Empfangsabend im „Kaiferhof" in Berlin. Nach der Begrüßungsansprache des Vorsitzenden Professor L o e w e teilte Rabbiner Dr. Meier Hildesheimer, Hauptvorftandsmitglied des C. V., Eindrücke seiner südafrikanischen Reise mit. Bei der Jahresversammlung am 30. März fand eine Besichtigung der Kunstsammlung der Berliner jüdischen Gemeinde unter der sachkundigen Leitung von Dr. Karl Schwarz statt. Abends fanden sich viele Mitglieder mit ihren Angehörigen zur gesellschaftlichen Feier in der Deutschen Gesellschaft ein. Dr. Auerbach sprach über „Lebendige jüdische Wissenschaft". Er führte aus, wie sich allmählich die Idee einer Akademie für die Wissenschaft des Judentums vertieft habe; endlich vor einigen Jahren wurde die Idee zur Tcck. Auch die Soncino-Gesellschaft trage mit dazu bei, die jüdische Wissenschaft dadurch zu fördern, daß sie ihre Mitglieder und einen stets größer werdenden Kreis von Freunden für das jüdische Buch interessiere. Es wurden, wie immer bei diesen Festen, auch diesmal typographisch und inhaltlich schöne Drucke, die von Freunden der Gesellschaft gespendet wurden, verteilt. Die Gesellschaft selbst überreichte ihren Mitgliedern ein Buch des Gedenkens für Franz Rosenzweig, gesammelte Aufsätze von Freunden des zu früh Verstorbenen; der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin widmete die Gedenkrede von Dr Leo B a e ck anläßlich der Mendelsohn-Gedenkfeier. Von den übrigen Drucken seien besonders erwähnt: 13 Grundlehren des Moses Maimonides; eine Abhandlung über den jüdischen Spieler; ein Beitrag zum jüdischen und deutschen Aberglauben; Proben des talmudischen Zivilrechts; die rabbinischen Legenden von Gvttlieb von Leon; Stefan Zweigs Novelle „Rahel rechtet mit Gott"; Arnold Zweig: „Die Aufrichtung der Menorah" mit einer Würdigung und einer Bibliographie des Dichters. Als Damenspende wurden vier Briefe berühmter Jüdinnen in Faksimiledruck überreicht, und zwar Briefe der Henriette Herz, Rahel Varn ha gen von Ense, Elisa Rachel geb. Mix und der Sarah Bernhard. Viele Stunden blieben die Teilnehmer bei Tanz und angeregter Unterhaltung noch beisammen. Die Berichte der Jahresversammlung zeigen, daß die Gesellschaft in den sich gestellten Aufgaben fleißige Arbeit leistet. Auch wir wünschen der Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches im neuen Arbeitsjahr eine glückliche Weiterentwicklung. P. jestaben- -es tzilfsvereins bei Ktoll. Dr. James Simon, der Vorsitzende des Hilfsvereins der deutschen Juden, und Katharina von Kardorff hatten zu Montag, 7. März, zu einem Vortragsabend in den großen Festsaal bei Kroll eingeladen. Generalkonsul Eugen Landau wies in seiner Eröffnungsansprache auf Ziel und Leistungen des Hilfsvereins der deutschen Juden hin. Katharina von Kardorff, die im Namen von Dr. James Simon die Versammlung begrüßte, rief die Frauen zur Mitarbeit an diesem sozialen und religiösen Werke auf. Dr. Rudolf B r e i t f ch e i d, M. d. R., gedachte mit warmen Worten Paul Nathans, des Gründers des Hilfsvereins, in dessen wahrhaft sozialem Geist auch heute noch der Hilfsverein arbeite. Gleichzeitig mit seinem humanitären Werk leiste der Hilfsverein eine Propaganda für deutschen Geist im Auslande. Deutsche Gründlichkeit und jüdisches Herz vereinen sich, wie Reichsminister a. D. Dr. Peter R e i n h o l d ausführte, in der Tätigkeit des Hilfsvereins. Seine Arbeit dient dazu, den Friedensgedanken in der Welt zu festigen. Ministerialdirektor Schaffer wies aus die besondere ideelle Unterstützung hin, die der Verein den unterdrückten Menschen des Ostens durch seine Hilfe bei Pogromen usw. gewährt habe, und Bankier Willy D r e y f u ß bat, die materielle Unterstützung des Vereins nicht zu vergessen. Der in gesellschaftlichem Rahmen erfolgreich verlaufene Abend dürfte dem Hilfsverein zahlreiche neue Freunde gewonnen haben. N. E. Jakob Wassermann liest aus feinem Etzel-Roman. Jakob Wassermann gehört zu den ganz wenigen wirklichen Dichtern unserer Zeit; — nicht zu jenen, deren Werke ebenso rasch ausslammen, wie verglimmen, deren Leistungen sich in einem Werk erschöpfen und die dann verflachen. Seine Romane sind ein großes Streben nach Wahrheit, nach dem Wirklichen und Wertvollen, nach dem Sinn des Lebens, und — in immer steigender Kurve — verinnerlichen sich seine Bücher, werden dichterische Figuren blutvolle Menschen, gibt seine Kunst Bereicherung. Zugunsten der jüdischen Altershilfe las der Dichter, einer Einladung von Generalkonsul Landau folgend, am 6. März in der Deutschen Gesellschaft in Berlin vor einem geistig sehr interessierten Publikum aus seinem noch unveröffentlichten Roman „König Etzel". Er las ein in sich abgeschlossenes Vorspiel „Die Geschichte einer Freundschaft". Dieses Vorspiel trägt das Motto: „Denk ich an Deutschland in der Nacht . . Schon nach wenigen Worten lebte Jrlen, der überlegene Weltenbummler, mit seiner heißen und doch kritischen Liebe für Deutschland, der geistvolle Arbeiter, der anständige Freund. Fragmentarisch nannte Wassermann das Stück, das er uns gab. Eine menschliche Tragödie erlebten wir; eine jener alltäglichen Tragödien, an denen die meisten von uns blind vorübergehen. Die geistige Verfassung Deutschlands vor dem Kriege, die uneingeschränkte Herrschaft des Militärs, die sozialen Mißstände werden streislichtartig beleuchtet, und stehen doch sofort als Ganzes da. Liebevolle Kleinmalerei, kleinste Geschehnisse greifen ineinander, fügen sich zum wuchtigen, zur Katastrophe treibenden Bild, und scheinbar Festgefügtes wird durchsichtig, wird ausgelöst. Die Schönheit der Sprache wurde durch die einfache Art des Vortrages voll zum Ausdruck gebracht. Wir dürfen uns freuen, dieses neue Werk bald vollständig zu erhalten. II. K. PREUSSISCHE LAIMDESPFANDBRIEFANSTALT KÖRPERSCHAFT DES ÖFFENTLICHEN RECHTS BERLIN W8, MOHRENSTRASSE 7/8 — FERNSPRECHER: ZENTRUM 8033-37 ZWEIGSTELLE FRANKFURT a. M., NEUE MAINZER STRASSE 25 GOLDMARK¬ PFANDBRIEFE U. KOMMUNALOBLIGATIONEN REICHSMÜNDELSICHER SICHERE KAPITALS ANLAGE GRUNDKAPITAL UND RESERVEN ÜBER 31 MILLIONEN MARK

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.