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Central-Verein-Zeitung · 1930-04-11 · 15 (11.4.1930) · p. Seite 194

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
15 (11.4.1930)
Date
1930-04-11
Page
Seite 194 (sequence 10)
Language
German
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Rembrandts Verhältnis zum Judentum. In seinen: Artikel über „Rembrandt und die Juden" in Nr. 9 der „C. V.-Zeitung" meint Dr. O s b o r n, indem er die hin und wieder auftauchende Mutmaßung von dem „Tropfen jüdischen Blutes in Rembrandt" ablehnt, „daß gerade aus dem Kontrast oft tiefstes Verständnis erwachset Sicherlich trifft das in sehr vielen Fällen zu, in bezug auf Rembrandt aber und sein Verhältnis zum Judentum liegen die Dinge doch etwas anders. Dieses nichtt gegensätzliche, sondern aus einer — irgendwie gearteten — Inneren Verwandtschaft geborene Verhältnis Rembrandts zum Judentum aufzuweisen, ist der Zweck dieser Ausführungen. Was die damaligen Niederlande von der ganzen übrigen Welt unterschied, war die dort herrschende Gewissensfreiheit. Die Flüchtlinge aus ganz Europa strömten in Amsterdam zusammen, nicht zun: wenigsten spanisch-portugiesische Juden, sie bringen dem Lande an geistigen und irdischen Gütern, was sie zu geben haben, so daß später Spinoza am Schluß seines „Theologisch-Politischen Traktats" das Gedeihen Amsterdams als Frucht der religiösen und Politischen Freiheit preist und Descartes erklärt: „Ich ziehe Amsterdam der Ruhe jedes Kapuziner- und Karthäuserklosters vor." „Om de Vryheydt von conscientie" hatte man einst die Waffen ergriffen, Duldsamkeit blieb das wesentliche Merkmal des Landes, des bürgerlichen Lebens. Wenn man versucht, in einem einzigen Satz das Wesen des Kalvinismus auszudrücken, so muß man als alles beherrschenden Gedanken den bezeichnen von der Majestät und Erhabenheit Gottes. Keine Religion hat den Menschen so innerlich einsam gemacht, so ganz auf sich selbst gestellt, keine, außer — vwlleicht der der alttestamentlichen Propheten. Der Zug ist unentbehrlich, er ist notwendig, um Rembrandt zu verstehen. Von hier aus füllt erst das rechte Licht auf sein Verhältnis zum Judentum, das mehr war als ein zufälliges Begegnen. Es ist viel gestritten worden über Rembrandts Religion. Karl Neu mann in seinem großen Rembrandt-Buch sucht wahrscheinlich zu machen, daß er Mennonit war, vielleicht schon in seiner Leydener Zeit dem Kreise jener Rynsburger (unweit Leyden gelegen) Kollegianten angehörte, die in Fragen des Bekenntnisses die größte Freiheit walten ließen; Bewährung der Religion im Leben war ihnen das Entscheidende. Es ist kein Zufall, daß ein paar Jahrzehnte später, als Spinoza 1656 aus der Synagoge ausgestoßen und wahrscheinlich auch aus Amsterdam verwiesen wurde, daß damals Spinoza in diesem Rynsburger Kreis Ausnahme fand, ja, daß dieser recht eigentlich durch diese Tat edler Duldsamkeit berühmt geworden ist. Das ist die Atmosphäre, in der Rembrandt atmete und die auch in Amsterdam die gleiche geblieben ist. Er folgt auch dort „den religiösen Stimmungen und Interessen seines Heimatlandes, die stark alttestamentarisch gefärbt sind. Dabei verkehrt er mit Theologen aller Kirchen; strengen Kalvinisten, wie sein eigener Vater — ein überstrenger ist sein Schwager —, aber auch mit „Arminianern, Taufgesinnten und Rabbinern". Von Rembrandts Beziehungen zu einem jener Rabbiner wissen wir Genaueres. Es ist Manasse ben Israel (16 0 4 —165 7). Er ist einer der bedeutendsten unter den zugewanderten portugiesischen Juden. Sein Vater hat noch die Schrecken der spanischen Inquisition gekostet und Zeit seines Lebens die Spuren der Tortur an seinem Leibe getragen. Der Sohn ist Rabbiner der dortigen Gemeinde, ein Mann von hoher Gelehrsan:- keit, Theologe und Jurist. Persönlich anspruchslos, ernährt er sich von den Einkünften einer kleinen hebräischen Druckerei. Er hat Beziehungen zu den humanistisch Gebildeten unter den kalvinistischen Remonstranten (jener Gruppe, die die Prädestination ablehnten), die Königin von Schweden empfängt ihn in Audienz; ja, er führt eine politische Gesandtschaft an C r o m w e l l. und erreicht, daß den Juden das bisher verweigerte Ansiodlungsrecht in England gewährt wird. Was ihn zu diesem Gesuch veranlaßt, sind nicht etwa äußerliche Gründe wirtschaftlicher oder politischer Natur, sondern ein Stück religiöser Ueberzeugung, wie es für jene Zeit kennzeichnend^ ist. Manasse ben Israel hat ein Buch verfaßt, „La Piedra gloriosa“, das eine Deutung von Daniel gibt. Er ist auf Grund der Weissagung überzeugt, daß erst dann das Kommen des Messias möglich sei, wenn Israel die ganze Welt erfüllt habe. Dazu gehört in Europa unbedingt England, und so glaubt Manasse, indem er Cromwell jene Erlaubnis abgewinnt, an feinem Teil das Kommen des Gottesreichs zu fördern und die jüdische Religion, „die Gott gleich dem brennenden Dornbusch wunderbar in aller Fährlichkeit erhalten hat", ihrem letzten Ziel näher zu bringen. Betrachtet man Rembrandts Radierung jenes Mannes (Nr. 77 der Berliner Ausstellung), so begegnen einem die Züge eines Menschen, der viel erfahren, viel innerlich erlebt hat. Daß die Beziehungen zwischen beiden Männern engere gewesen sein müssen, läßt sich auch daraus erkennen, daß Rembrandt zu jenen: Werk Manasses vier Kupfer geliefert hat. Hebraei habent fontes, Graeci rivos, Latini paludes“, so urteilt jene Zeit, sicherlich großzügiger und innerlich freier als manche „Wissenschaftler" der Gegenwart. „Volksgemeinschaft gleich Schicksalsgemeinschaft", so pflegt man heute so oft zu betonen. Aber es gibt auch eine Gemeinschaft des Schicksals jenseits von Volk und Reich. Vielleicht hat der von den Zeitgenossen wenig beachtete, von den Gläubigern unter Kuratel gestellte Maler, dessen Wandel vor den Augen seiner eigenen Glaubensgenossen so wenig Gnade fand, vielleicht hat dieser Einsame irgendeine Verwandtschaft empfunden mit jenen Menschen, in deren allernächster Nähe er lebte, und die Ausgestoßensein, Spott und Verachtung aus bitterster Erfahrung kannten. Vielleicht . . . mehr darf man nicht sagen. Lydia Stöcker. yklREoL seit 34Jahren anerkannt beste! M Iinniittittttmmnnmn» r/uiBiiimmiiwmmiinüiunii färbt echt und natürlich in allen Nuancen vom hellsten Blond bis zum tiefsten Schwarz Probekarton zu 1 Portion.M. 1,85 Probekarton zu 2 Pctionep'.. M. 3 30 Original-Karton zu 4 Portionen M. 5,59 J.F.S CHWARZLOSE SOHNE .; BERLIN, Märkgrafenstr. 26. uckerkranke Wie Sie ohne das nutzlose Hungern zuckerfrei werden, sagt jedem unentgeltlich Ph. Hergert,WiesbadenfRückertstr.76. 316IQQ($(oM. Keine Preiserhöhung! Groß e Gewinnmöglichke'tt! Segirm 25. 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