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Central-Verein-Zeitung · 1930-04-11 · 15 (11.4.1930) · p. Seite 193

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
15 (11.4.1930)
Date
1930-04-11
Page
Seite 193 (sequence 9)
Language
German
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Ein großes Maß von Schuld weist Herr Snell der Palästina-Negierung zu. Eine Reihe von Beschlüssen könne er trotz des Zeitweiligen Notstandes der Regierung nicht billigen. Er kann sie vor allem nicht von der Schuld befreien, der Propaganda der Araber gegen die Juden nicht energischer entgegengetreten zu sein. Bezüglich der E i n w a n d e r u n g s s r a g e und des Boden Problems vertritt Snell die Ansicht, daß der Bericht den Protesten arabischer Führer aus der einen Seite und ungeduldigen Kritiken und Forderungen zionistischer X Führer auf der anderen Seite zuviel Bedeuy tung beilege. Wichtig sei, eine Geistesänderung bei der arabischen Bevölkerung hcrvorzurufen, um sie von übertriebenen Befürchtungen gegenüber den jüdischen Plänen zu befreien und zu zeigen, daß die Araber aus diesem eher Gewinn als Verlust ziehen könnten. Was die Einwanderungsrate anbelangt, so schreibt er der Einwanderungs a u s w a h l keine Schuld zu. Denn irgendeine Form der Auswahl müsse erfolgen. Da die Regierung hierzu nicht in der Lage sei, solle man die Verantwortung auf die Zionistische Exekutive übertragen. In der Angelegenheit der Bodenerwerb u n g spricht Snell die jüdischen Behörden von jeder Schuld frei. Er zitiert Aeußerungen von Ruppin und sogar von Jabotinski, die in diese Richtung weisen. Das Aufblühen Palästinas sieht Snell lediglich durch jüdisches Unternehmertum gesichert und ist deshalb von der Notwendigkeit überzeugt, den jüdischen Kolonisten einen fairen Anteil an allem verfügbaren Boden zu geben. In der Ablehnung der S e l b st r e g i e - Ir u n g s wünsche arabischer Führer sieht Snell keine der Ursache!! der August-Zwischenfälle. Ein gewisses Verschulden liege aber sowohl aus seiten der Araber wie der Juden vor. Bei den Juden glaubt er es daran zu erkennen, if daß sie ihre ganzen Energien mehr auf den Auf- [ bau des Körpers der neuen Nation als der Seele verwenden rnußten. Aber schon jetzt glaubt er eine genügende Basis guten Willens auf beiden Seiten erblicken zu können. Für ein klares Statement der Palästinapolitik Englands sei auch er. In ihm aber müsse besonderer Nachdruck aus die internationale Verantwortung der englischen Negierung für die Erfüllung der Verpflichtungen gelegt werden, die sie in dem Mandat für Palästina übernommen hat. Snell schließt mit folgenden Feststellungen: „Die Hauptprinzipien einer Beilegung des nationalen Zwistes sind die, daß die ganze Bevölkerung dazu gebracht wird, sich zu vergegenwärtigen, daß die Mandatarmacht vom Völkerbund mit feierlichen Verpflichtungen betraut worden ist, die sie zu erfüllen entschlossen ist, und daß ein jüdisch-arabisches Staatsvolk eine Tatsache ist, mit der man sich abfinden muß. Als Entgelt für die Sicherheit an Leben und Eigentum, die der Staat überninnnt, muß jedes Volk dem anderen das Recht zu leben zugestehen, muß jedes Volk die Religion und die sozialen Traditionen des anderen respektieren, und jedes für sich muß zu der Entwicklung eines binationalen palästinensischen Staatsvolkes beitragen. Als ein erster Schritt zu nationaler Zusammenarbeit würde es sich empfehlen, daß einige wenige Männer beider Völker von unbezweifelbnrem Charakter und Einfluß zusanunenkommen und die Möglichkeiten gerne infamer Bemühung zu geureinsamen Zielen erforschen. Eine solche Zusammenkunft könnte den Weg zu einer größeren binationalen Konferenz mit repräsentativem Charakter bahnen, die über spezifische Vorschläge betreffend das Wohl der Nation als Ganzes sich einigen könnte. Damit angefangen, könnte die Bewegung für nationale Zusammenarbeit von den Führern auf die gewöhnlichen Bürger beider Völker, wo immer sie Seite an Seite leben, ausgedehnt werden, gemäß dem Prinzip, daß das organisierte Leben einer Geineinschaft 193 auf der breitest möglichen Basis ruhen müsse-" *) Wir wiederholen den Wortlaut des Artikels 4 des Mandatstextes: „Eine angemessene jüdische Vertretung (Jewish Agency) soll als eine offenlliche Körperschaft anerkannt werden ZU dem Zweck, die Verwaltung Palästinas in solchen wirtschaftlichen, sozialen und anderen Angelegenheiten zu beraten und mit ihr zusammenzuwirken, die die Errichtung. der jüdischen nationalen Heimstätte und die Interessen der jüdischen Bevölkerung in Palästina betreffen und, innner vorbehaltlich der Kontrolle durch die Verwaltung, an der Entwicklung des Landes zu helfen und teilzunehmen. Tie Zionistische Organisation soll, solange ihre Organisation und Verfassung nach der Mei- . nung des Mandatars angemessen sind, als solche Vertretung anerkannt werden. Sie soll im Einvernehnren mit Seiner britischen Majestät Regierung Schritte unternehmen, um die Mitarbeit aller Inden zu sichern, die gewillt sind, bei der Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte zu Helsen." Die Körrigsbergcr Gemeindcwahlen. Am Sonntag. 6. April, fanden in Königsberg i. Pr. die Wahlen zur Repräsentantenversammlung statt, wobei 1850 Stirmnen bei 2960 Wählern abgegeben wurden. Die Wahlbeteiligung betrug mithin 61 Prozent. Um die Sitze im Gemeindeparlament bewarben sich 4 Parteien, und zwar die Vereinigten jüdischen Mittelparteien, die 5 Mandate erhielten (früher 4), die Vereinigung für liberales Judentum, auf deren Liste 4 Mandate (früher 6) entfielen, die Jüdische Volkspartei, die 3 Sitze gegen 4 im früheren Gemeindeparlament erhielt, und die Jüdischkonservative Vereinigung, die sich zwei Sitze eroberte (gegen 0). Während bisher ein Großblvck, der von der Volkspartei, der Konservativen Partei und der Jüdischen Mittelpartei gebildet wurde, der Vereinigung für liberales Judentum und der Jüdisch-religiösen Mittelpartei gegenüberstand, hatten sich jetzt die beiden Mittelparteien zusammengeschlossen. Die Liste der Jüdischen Volks- Partei!var mit der der Konservativen Vereinigung verbunden.! Richtige FusspFleqe! 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