Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 15 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- Seite 191 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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191 V. Cinwan-erung. 25. Jüdische Unternehmung und jüdische Einwanderung haben, wo sie nicht die Absorptionsfähigkeit des Landes überschritten haben, Palästina wesentlichen Nutzen gebracht, an dem das arabische Volk teichat. 26. Wir erachten jedoch, daß die Ansprüche und F o r d e r u n g e n, die von zionistischer Seite hinsichtlich der Zukunft der jüdischen Einwanderung nach Palästina vorgebracht worden sind, von einer Art gewesen sind, daß sie unter den Arabern die Befürchtung geweckt haben, sie würden schließlich ihres Lebensunterhaltes beraubt und unter diepolitische Herrschaft derIuden kommen. 27. Wir erachten ferner, daß Sir John Campbell im Recht war, als er darlegte, daß die Krisis von 1927 und 1928 „auf die Tatsache zurück^uführen sei, daß mehr Einwanderer nach Palästina gekommen sind, als sie das Land wirtschaftlich absorbieren konnte". 28. Es liegt unanfechtbares Beweismaterial dafür vor, daß in der Angelegenheit der Einwanderung ein ernstliches Abweichen seitens der jüdischen Behörden von der 1922 durch die Zionistische Organisation angenommenen Doktrin, laut der die Einwanderung nach der wirtschaftlichen Kapazität Palästinas reguliert werden solle, stattgefunden hat. 29. Neben anderen und unmittelbaren Ursachen der Unruhen war das durch die jüdische Einwanderung bei den Arabern verursachte F u r ch t g e f ü h l ein Faktor, der zu dem Ausbruch der Unruhen beigetragen hat. 30. Die Auswahl der in die Arbeiterkategorie fallenden Immigranten ist im wesentlichen der Allgemeinen Organisation der jüdischen Arbeiter in Palästina anvertraut, in der Bewilligung von Einwanderungszertifikaten ist es die Praxis der Arbeiterorganisationen, auf das. politische Glaubensbekenntnis der etwaigen Immigranten mehr Gewicht zu legen als auf ihre Qualifikationen für die Arbeit in Palästina. Dieses System kann nicht verteidigt werden; daß politische Ueberzeugung ein entscheidender Faktor bei der Auswahl unter Immigranten sei, verdient schärfsten Einwand. VI. Das öoüenproblem. 31. Bald nach Einsetzung einer zivilen Verwaltung in Palästina sorgte die Administration dafür, daß die Interessen von Pächtern und Bauern nicht durch den Verkauf großer Grundstücke benachteiligt werden. 32. Die Bodenübertragungsverfügungen von 1920 und 1921 hatten das Ziel, die Interessen der Bauern zu schützen und ihre Entfernung vom Boden zu verhindern. Diese Verfügungen erreichten nicht ihre Ziele und wurden durch die Bauernschutzverfügung von 1929 ersetzt. 33. Zwischen 1921 und 1929 gab es große Bodenverküuse, in deren Folge Gruppen von Arabern, ohne daß ihnen anderer Boden beschafft wurde, vertrieben wurden. In einigen Füllen erhielten die enteigneten Araber Barentschüdigung, und es kann gegen die jüdischen Bodengesellschaften hinsichtlich dieser Transaktionen keine Kritik erhoben werden. Diese Gesellschaften handelten im Einverständnis mit der Regierung. 34. Die Bauernschutzversügung von 1929 ge- : währt zwar Entschädigung für Bodenentziehung, tut aber nichts, um der Tendenz der Entsetzung der Ballern von ihren Pachtböden Einhalt zu gebieten. Tie bloße Verfügung der Geldentschädiguug ist sogar dazu angetan, diese Tendenz zu ermutigen. 35. Die Lage spitzt sich jetzt zu. Es gibt keinen Boden mehr, auf dem die abgesetzten Personen sich ansiedeln könnten. Infolgedessen wird eine landlose und unzufriedene Klasse geschaffen. Das Bestehen einer solchen Klasse bedeutet eine potentielle Gefahr f ü r d a s L a n d. Bis nicht irgendeine Lösung gesunden worden ist, wird diese Frage eine ständige Quelle von Unzufriedenheit in der Gegenwart und eine potentielle Ursache von Unruhen in Zukunft sein haben Sie Zeit im Mai? Dann verbringen Sie einige Tage oder Wochen im flXELMANNSTEIN Kurhaus u. Grandhotei ln Bad Reichenhall. 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Es ist unsere Meinung, daß ein Gefühl der Erbitterung unter den Arabern von Palästina als Ausfluß ihrer Enttäuschung über den andauernden Mißerfolg, irgendein Maß von Selbstregierung zu erhalten, die Schwierigkeiten der lokalen Administration stark erhöht. VIII. Kleine arabische öeschweröen. 38. Bon den anderen vier von arabischer Seite erhobenen Klagen Gewährung von Konzessionen an die Herren Ruthenberg und Novomehsky. die Position der in Palästina geborenen und jetzt im Auslande lebenden türkischen Untertanen, das hohe Cteuerniveau und die Tilgung eines Teiles der Schuld des Stadtrates von' Tel-Awiw au die Palästina-Regierung — sind einige nicht begründet, und keine kann als ernster Beschwerdegrund angesehen werden. IX. Die -em Mandat innewohnenden Schwierigkeiten. 39. Die der Balfour-Deklaration und dem Mandat innewohnenden Schwierigkeiten sind Faktoren von höchster Wichtigkeit bei der Betrachtung des Palästina-Problems. Der Erlaß einer klaren Definition ihrer Politik durch ein Statement, daß es die feste Absicht der Negierung Sr. Majestät ist, diese Politik bis ins kleinste zu erfüllen, würde für die Sicherung einer guten Regierung des Landes von größtem Nutzen fein. 40. Es herrscht unter den Arabern in Palästina ein starkes Gefühl der Erbitterung über eine Lage, nach der (während sie, die Araber, keinen direkten Zugang zu der Negierung Sr. Majestät haben) den Juden in Palästina gemäß der der Zionistischen Organisation nach Artikel 4 des Mandates übertragenen Funktion gestattet ist, an die Regierung direkt heranzutreten. X. Verteidigung unö Sicherheit. 41. Die Einschränkung der Garnison in Palästina und Transjordnnien ging zu weit. 42. Das Verhalten der britischen Polizei in Palästina während der Zeit der Unruhen verdient höchstes Lob. Aus die palästinensische Polizei als Kollektiv betrachtet, konnte man sich nicht verlassen, nachdem Feuer eröffnet worden war. Die transjordanische Grenzmacht bewies 'musterhafte Loyalität. 43. Der Informationsdienst in Palästina hat sich als unzulänglich erwiesen. 8. Zusammenfassung -er Ergebnisse über öie Ursachen -er Unruhen. unserer Meinung n ach die jüdische 44. Die fundamentale Ursache der Unruhen, ohne die unserer Meinung nach diese Unruhen sich entweder nicht ereignet hätten oder, wenn;a, nicht über den Charakter eines lokalen Aufstandes hinausgegangen wären, ist das arabische Gefühl derFeindseligkeit g eg e n d r e I u d e n, d a s d e r Enttäuschung bezüglich ihrer politisch e n u n d n a t i o n a l e n A s p i r a t i o n e n u n d d e r Sorge um ihre Wirtschaftl i ch e Zukunft entspring t. Das Gefühl gründet sich auf der zwiefachen Furcht, daß sie, die Araber, durch jüdische Einwanderung und Bodenkaus ihres Lebensunterhaltes beraubt werden und schließlich unter die politische Herrschaft der Juden kommen könnten. 45. Unserer Meinung nach waren die u n - mittelbare u Ursa ch e n des Ausbruchs: a) die lange Reihe von Zwischenfällen im Zusammenhang mit der Klagemauer, die am jüdischen Bersöhnuugstage im September 1928 begann und mit der moslemischen Demonstration am 16. August 1929 endete. Alle diese Zwischensülle müssen als ein zusammenhängendes Ganzes angesehen werden, am meisten aber hat C. Vorschläge -er Kommif/ion Die höchste Bedeutung messen wir unserer ersten Empfehlung bei, daß die Regierung Sr. Majestät erwägen sollte, ob es ratsam sei, eine klare Darstellung ihrer Politik herauszugeben, deren Wert sehr erhöht werden würde, wenn sie sich mit den Punkten befaßte, die wir nachstehend anfühven. Unsere Empfehlungen bezüglich der E i nwanderungs- und Bodens ragen Demonstration ander K l a g e m a u e r am 15. A u g u st 19 2 9 zu de m A 'u s - b r u ch d e r U ri r u h e u b e i g e t r a g e u. Die nächstgrößte Bedeutung für die Unruhen messen wir der Tätigkeit der Ge s e l l s ch a f t z u m S ch u tz e der moslemi s ch e n Heilige u Stätten und, in geringerem Grade, der Tätigkeit des Pro-Klagemauer-Komitees bei. b) Aufreizende und von Leidenschaft diktierte Artikel, die in einigen arabischen Z e i - t u n g e n, irr e t n e r h e b r ä i s ch c n Tage szeiturrg und in einer in englischer Sprache publizierten jüdischen Wo ch e n s ch r r f t erschienen waren, e) Die Propaganda unter der ungebildeten arabischen Bevölkerung, die schon berechnet war, das Volk aufzuhetzen. d) Die Erweiterung der Jewish Agency. e) Die Unzulänglichkeit militärischer Streitkrüfte und die Unzuverlässigkeit der verfügbaren Polizei, f) Der in hohem Maße auf dem Gefühl der politischen Unsicherheit beruhende Glaube, daß die Beschlüsse der Palästinaregierung von p o l i t i s ch e n Erwägungen beeinflußt werden würden. basieren in hohem Maße aus der Annahme, daß die Regierung er, Majestät bei der Desinierung ihrer Politik klar erklären wird, daß die Rechte und die Position der nichtjüdis ch eit Gern einden in Palästinavollgewahrt lv c r d en so l len. 46. Es ist unsere Meinung, daß die Veröffentlichung einer klaren D a r st e l l u n g d e r Politik, die die Regierung Sr. Majestät in